Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 493 (25.10.1935)
- Date
- 1935-10-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sötte 6 Dil ST1MMI Nr. 499 - 2g. ÖBtaficr 193» ■»BPWBI )&■■«■»■!'Bl Sprachschule Hocke IX., Kolingasse 1, Telephon A18-4»92 Englisch, Französisch, Deutsch, Prüfungsvorbereitungen, Kinderkurse. Spezialkurse für engl. Handelskortespondenz bei hervorragendem Fachprofessor (Engländer) und enql.,fran:ös., deutsche Stenographie. Schnetlkonversationskurse. Für Studenten, Chaluzim ermäßigt! rückführe, ihr den unmittelbaren Zutritt zu den höchsten Gütern der Kultur und Wissenschaft des Judentums eröffne lind ihr die Möglichkeit gibt, in den Geist der Bibel und unserer heiligen Bücher in ihrer Originalität einzudringen. Diese Schule — sagt Präsident Doktor Friedmann — gibt der jüdischen Jugend das Schönste und Beste, das die jüdische Gemeinschaft der jüdischen Jugend geben kann. Die Kultusgemeinde habe es seit jeher als Pflicht angesehen, gegenüber dieser Anstalt nicht nur materiell, sondern, was vielleicht noch mehr bedeutet, sie auch ideell zu unterstützen. Staatsrat Dr. Friedmann schloß seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit herzlichen Dankesworten an die österreichischen Unterrichtsbehörden und an den Bürgermeister, für die durch die Überlassung des neuen Schulgebäudes zum Ausdruck gebrachte Anerkennung, und schloß mit dem Wunsch, daß auch in Zukunft der vom Chajes-Realgymnasium betretene Weg nach vorwärts und aufwärts zu dem von ihm erstrebten Ziele führen möge. Mit der Absiixgung der Bundeshymne schloß die schöne, eindrucksvolle Feier. Restaurant Rillet w: Bestrenommierte Küche -w: Reichhaltige Menüs ä S 1'90 u. 2'60 II., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Das amerikanische Judentum antwortet Hitler New York, 22. Oktober. (2. T. A.) Das American Jewish Committee, der Unabhängige Orden B’nai Brith und das Jewish Labour Committee veröffentlichen eine Erklärung als Antwort auf Hitlers Behauptungen in seiner Rede auf dom Nürnberger Parteitag, daß die Juden Deutschlands mit den Kommunisten verbunden seienund daß das Deutsche Reich auch von außen her durch eine jüdischbolschewistische Umklammerung gefährdet sei. In der Erklärung der führenden amerikanisch-jüdischen Organisationen wird Hitlers Behauptung von einer jüdisch-bolschewistischen Union als ein leerer Vorwand bezeichnet, „um in der Praxis das deutsche Volk seiner Bürgerrechte zu berauben und die Freiheit der Rede, der Presse und der Versammlung zu unterdrücken, ferner die Gewerkschaften zu vernichten, ihre Fonds zu beschlagnahmen und nun auch einen heidnischen Angriff gegen das religiöse Gewissen der Protestanten, Katholiken und Juden durchzuführen.“ Es wird weiter darauf hingewiesen, daß unter den 70 kommunistischen Abgeordneten des 1930 gewählten Reichstages nur ein Jude war und daß unter den 81 Kommunisten des 1933 gewählten Reichstages kein einziger Jude sich befand. Den sechs Millionen kommunistischen Stimmen standen nur 300.000 deutsch-jüdische Wähler gegenüber, die kaum in die Waagschale fielen. Die Erklärung trägt die Unterschriften des Präsidenten des American Jewish Committee Dr. Cyrus Adler, des Leiters des Jewish Labour Committee B. C. V1 a d e k und des internationalen Präsidenten des Unabhängigen Ordens B’nai Brith, Senator Alfred M. Cohen. * Diese Erklärung wird den Berliner Regierenden nicht sehr imponieren. Sie ist schwächlich und nichtssagend. Sie ist aber auch insofern bedenklich, als sie offenbar unter sozialistischem Druck eine nicht bestehende Verbindung zwischen den Rassegesetzen, den Gewerkschaften und christlichen Konzessionen herstellt. Hitler will das Judentum uuibringen, und wenn man seine Absichten mit den Gewerkschaften in Verbindung bringt, so lenkt man zur Freude Berlins von der wahren Sachlage ab, Keine] Der griechische Regent an die Juden Griechenlands Athen, 23. Oktober (2. T. A.) Der Ministerpräsident und Königliche Regent General K o n d y 1 i s hat in Athen eine Abordnung der Juden Griechenlands empfangen und ihr gegenüber erklärt, er sei des Glaubens, daß die Juden zur Aristokratie der Menschheit gehören. „Unabhängig von meiner Meinung Uber die Juden im allgemeinen“, fuhr General Kondylis fort, „hege ich tiefe Sympathie und Achtung für die Juden Griechenlands. In Literatur, Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft haben die Juden der Welt hervorragende Persönlichkeiten gegeben, die ihrer Rasse zur Ehre gereichen. Die Juden Griechenlands werden in mir einen aufrichtigen Verteidiger ihrer Interessen finden. Meine Regierung beabsichtigt die Durchführung radikaler Reformen, damit ein neues und gesundes Griechenland entstehe. Ich hoffe, daß die Juden als Teil des griechischen Volkes unter einer gesunden Verwaltung gedeihen werden.“ Gewerkschaft und keine christliche Konfession hat auch nur ein Wort zugunsten der Juden gesprochen. Es ist würdelose Nachlauferei, wenn man nicht die einzig mögliche Antwort gibt, als Juden! Gegen den deutschen Transfer nach Palästina Der englische Handelsbevollmächtigte in Haifa, Herr E m p s o n, hat dem Staatsdepartement für Überseehandel einen Bericht über die Wirtschaftslage Palästinas erstattet, die er als durchaus gesund bezeichnet. Der Bericht befaßt sich auch mit der Auswirkung des T r a n s f e r-Abkommens mit Deutschland auf den englischen Export nach Palästina. Er weist darauf hin, daß die hauptsächlich auf Maschinen, Eisen- und Stahlwaren sich erstreckende Einfuhr Palästinas aus Deutschland vielfach eine Konkurrenz für englische Produkte darstellt. Es sei bemerkenswert, daß in der Kategorie Ganz- und Halbfabrikate der Wert der Einfuhr aus Deutschland im Mai 1934 den der Einfuhr aus England um 14 Prozent übertraf. Im letzten Jahre machte die Einfuhr aus Deutschland 10-95 Prozent der Gesamteinfuhr aus. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres hat sich dieser Prozentsatz auf 13-92 erhöht, während der Prozentsatz der englischen Einfuhr in der gleichen Zeit von 19-54 auf 17*12 Prozent gesunken ist. Die Einfuhr aus England betrug 1934 etwa 3 Millionen, die aus Deutschland 1,659.000 Pfund. Kolonel Kischs Angriffe auf den Transfer Wie bereits mitgeteilt, hat das frühere Mitglied der Zionistischen Exekutive, Oberst F. H. K i s c h, in der Palästina-Presse in Form eines offenen Briefes scharfe Angriffe gegen den Transfer Deutschland-Palästina gerichtet: Er faßte seine Einwendungen in folgenden sechs Punkten zusammen: 1. Der Transfer unterstützt die deutsche Regierung auf dem Gebiete des Handels und der Finanzen und trägt zur Verminderung der Arbeitslosigkeit in Deutschland und somit zur Verlängerung der Nazi- Regierung bei. 2. Der Transfer bricht die jüdische Einheitsfront in der Welt gegen Nazi-Deutschland und stört die Anti-Hitler-Aktion in den außerpalästinensischen Ländern. 3. Der Transfer hemmt in einem hohen Maße die Entwicklung der jungen palästinensischen Industrie, die gegen das deutsche Dumping nicht aufkommen kann. 4. Der Transfer macht einen denkbar schlimmen Eindruck auf die britischen Kreise, die Zeugen des paradoxen Prozesses sind, daß die Judenverfolgungen in Deutschland dadurch belohnt werden, daß der Palästina-Jischuw immer mehr deutsche Ware hereinbringt. In diesem Zusammenhänge soll darauf hingewiesen werden, daß die Transfer-Kommission letztens ihre Tätigkeit auch auf Ägypten, Syrien unddenlrak ausgedehnt hat, wo sie deutsche Waren unterzubringen sucht. 5. Als Resultat der Transfer-Tätigkeit wird ein Teil der jüdischen Einwanderung in Palästina in eine Organisation verwandelt, die wirksam für Berlin arbeitet und die Bemühungen jener Juden paralysiert, die sich bemühen, die Mandatarmacht und andere Regierungen zu einer Intervention gegen die häßliche Politik und die brutalen Methoden, die die Nazi-Regierung gegen die deutschen Juden anwendet, zu bewegen, 6. Der Transfer-Prozeß, der das gesamte jüdische Wirtschaftsleben in Palästina durchdringt und Kaufleute zum Kauf oder Verkauf deutscher Waren v e r p f 1 i c h t e t (da diese im Weigerungsfälle wirtschaftlich ruiniert werden, anderseits aber Prämien für den Handel mit deut scher Ware erhalten), demoralisiert das Leben des Judentums in Palästina. Antwort der Transfer- Kommission Die Transfer-Kommission, die für den Transfer Deutschland-Palästina verantwortlich ist, gibt in einer an die Presse versandten Erklärung, eine Antwort auf Kischs Angriffe. Darin wird ausgeführt, daß der Zionisten-Kongreß in Luzern das Transfer-Abkommen gutgeheißen und die Exekutive der Jewish Agency mit der Kontrolle über dessen Durchführung beauftragt hat. Die neugewählte Exekutive übt nun auch diese Kontrolle aus. Die frühere Opposition gegen den Transfer hat aufgehört in Anerkennung der Tatsache, daß die Umstände, die den Transfer erforderlich machen, weit wichtiger und entscheidender sind, als alle von den Transfer-Gegnern vorgebrachten Argumente, und daß auch die Argumente von Kolonel Kisch selbst dagegen nicht bestehen können. Alle Parteien auf dem Kongreß, mit Ausnahme der Großmann-Gruppe, haben eingesehen, daß im Interesse einer höheren Notwendigkeit über die negativen Umstände des Transfer hinweggesehen werden müsse. Wir bedauern, heißt es in der Erklärung weiter, daß Kolonel Kisch nochmals das Argument in die Öffentlichkeit bringt, welches dem jüdischen Interesse schaden könne, nämlich daß der Transfer dem Import britischer Waren schadet. Auch dieses Argument wurde in Luzern berührt und als unbegründet verworfen. Die Transfer-Kommission steht in ständigem Kontakt mit den Repräsentanten der britischen Interessen, und es wurde alles getan, um die erwähnten Befürchtungen zu zerstreuen. J>ie Tatsache, daß bekannte Firmen, unter ihnen die „Imperial Chemical Industry“, mit der Kolonel Kisch in Verbindung steht, von Anfang an zu den besten Klienten der Haavarah-Kommission zählen, sei ein Beweis dafür, daß die Engländer die von Kolonel Kisch ausgesprochenen Befürchtungen nicht teilen. Die Waffenschmuggel- Affäre in Jaffa Jerusalem, 22. Oktober. (Z. T. A.) Die arabische Presse hat ihren kriegerischen Ton etwas gemildert, nachdem die Regierung die Zeitungen, insbesondere die A Difaa“, ernstlich gewarnt hatte, die im Zusammenhang mit der Jaffaer Munitionsschmuggelaffäre getriebene j u d e n feindliche Hetze fortzusetzen. Die Regierung hat ein Communique veröffentlicht, in dem mitgetoilt wird, daß vier Personen, deren Namen nicht genannt werden, unter dem Verdacht der Mitschuld an dem Schmuggel verhaftet worden sind. Der Adressat der Sendung, J. Kattan, konnte noch nicht ausfindig gemacht werden. Wie arabische Zeitungen melden, soll es sich bei den vier Verhafteten um drei Juden und einen arabischen Zollbeamten handeln. Der stellvertretende High Commissioner, Chefsekretär John llathom Hall, hat den Großmufti und Dschomal Husseini empfangen und ihnen die Notwendigkeit auseinandergesetzt, die leidenschaftliche Agitation «der letzten Tage einzustellen. Ing. Adolf Selzer Rosa Selzer geb. tAsdikenas empfehlen sidi als Vermählte Wien, im Oktober 1Q35 Vertreter sämtlicher arabischer Parteien haben eine Konferenz zwecks Einleitung einer gemeinsamen politischen Aktion und der eventuellen Ausrufung eines arab ischen Generalstreiks abgehalten. Es kam keine einheitliche Stellungnahme zustande. Die Anhänger der Mufti-Partei verließen den Beratungssaal. Wiederaufleben der Bautätigkeit Jerusalem, 22. Oktober. (2. T. A.) Die durch die internationalen Ereignisso bedingte Stockung im Baugewerbe beginnt bereits nachzulassen. Man erwartet die Wiederaufnahme der vollen Bautätigkeit und eine Verstärkung der öffentlichen Arbeiten nach Klärung der internationalen Lage. In der letzten Sitzung des Arbeiterrates von Haifa wurde mitgeteilt, daß gegenwärtig 16.000 jüdische Arbeiter in Haifa beschäftigt und 500 arbeitslos sind. Bei diesen handelt es sich hauptsächlich um Bauarbeiter. Im Hinblick auf den noch immer vorhandenen Wohnungsmangel ist diese Arbeitslosigkeit als vorübergehend anzusehen. Vorläufig sollen die freigewordenen Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten in Hadar Hakarme], auf dem Karmel und im Haifa-Bay-Gebiet beschäftigt werden. In den letzten Wochen sind 150 Arbeiter aus anderen Landesteilcn nach Haifa zugewandert und haben sämtlich Arbeit gefunden. Steigender Maschinenimport Jerusalem, 22. Oktober. (2. T. A.) In den ersten vier Monaten 1935 wurden für 458.518 Pfund Maschinen nach Palästina eingeführt, gegenüber 292.267 Pfund in dem entsprechenden Zeitraum des letzten Jahres. Am stärksten ist die Einfuhr landwirtschaftlicher Maschinen und von Maschinen für die Elektrizitätsindu-i strie gestiegen. In der Gruppe „Verschie-. dene Maschinen“ betrug die Steigerung 74.713 Pfund (von 189.500 auf 264.213 Pfund). Im besonderen sind Einfuhrsteigerungen bei Druckereimaschinen, Pumpen und Sämaschinen festzustellen. Repräsentabler Vierziger, weltgereister Fachmann in Hotel-, Restaurations- und Kinobranche, ersehnt Heirat zwecks gemeinsamer Palästinafahrt 1 Gefällige Zuschriften unter „Auch Einheirat“ an die Administration des Blattes KUNSTCHRONIK JUdische Künstlerspiele. Abschiedsgastspiel Jac Rechtzeit. In den Jüdischen Künstlerspielon, II., Praterstraßo 34, verabschiedet sich der berühmte amerikanische Bonvivant Jac Rechtzeit in der Novität „J o s c h k o C h w ai t“. Zu seinen Abschiedsvorstellungen (Freitag, den 25., Samstag, den 26., Sonntag, den 27. d. und Sonntag nachmittags zu ermäßigten Preisen), hat der beliebte Künstler ein besonders lustiges Stück ausgewählt-, in welchem er Gelegenheit haben wird, sein vielseitiges Können dem Publikum nochmals zu zeigon. Die Siegler-Truppe kommt nach Wien. Die bekannto Siegler-Truppe, mit Sevilla Pastor und Erna Siegler an der Spitze, wird demnächst in Wien ein Gastspiel absolvieren. Direktor Siegler hat für dieses Gastspiel ein für Wien neues Repertoire vorbereitot. Vortrag Dr. Kurt Sonnenfeld. Dr. Kurt Sonnenfold, dor Autor vielgelosenor Romane, hält seinen Vortrag übor „Ehoprobleme 1935“ am Sonntag, den 27. ds., um 20 Uhr im Mittlorcn Konzorthaussaal. Karton bei KonzortdirekMon Benno Lie, III., Landstraßer Hauptstraßo, und im Konzerthaussaalo. Aläßlich der Bar Mizwah unserer I Enkel beziehungsweise Neffen! Josef und Heinrich Sternlichf danken wir dem Herrn Lehrer Aron Daft> Wien, II., für die vorzügliche Vorbereitung» Der Inhalt des Vortrages sowie die Vortragsweise der Dreizehnjährigen haben bei allen Anwesenden große Begeisterung hervorgerufen Familie Hauser, Krakau