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Die Stimme · 1935-10-25 · Heft 493 (25.10.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 493 (25.10.1935)
Date
1935-10-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 DII STIMM« Nr. 493 — 25. Oktober 1985 die nur täuschend ist. Diejenigen, die diese Theorie anwenden, erniedrigen sich selbst. Hitler schrieb, der Nationalsozialismus sei stark genug, alles das zu tun, was ihm gefalle, da er über eine Macht verfüge, die niemand vorher in der Geschichte erreicht hatte. Mit anderen Worten: im he'utigen Deutschland bedeutet Macht Recht. Aber er, der Redner, glaube, daß die menschliche Tugend der Toleranz am Ende doch siegen wird. Chief Rabbi Dr. J. H. Hertz führte aus: Der Jude ist Symbol und lebendiger Rest der Geistesfreiheit; Zurückdrängung des Juden bedeutet Zurückdrängung dieser Ideale. Es ist tief bedrückend zu wissen, daß auch nicht einer der 50 Mitgliedstaaten des Völkerbundes und gewiß auch kein außerhalb des Völkerbundes stehender Staat in der Lage ist, einer halben Million Opfer von Totalitätswahnsinn und Haß in Mitteleuropa zu Hilfe zu kommen. Vielleicht gibt es einen Ausweg in der Art des Rabbi Meir, der für seine Bedrücker betet, daß sie ihre bösen Wege verlassen mögen. Ist es zu viel, dies von Deutschland zu erwarten? Prof. H a 1 d a n e wies auf die Hilfe für die geflüchteten jüdischen Gelehrten hin. Sir Robert Waley-Cohen trat für stärkere Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern in Palästina ein. Der Hochkommissar für Flüchtlingsfürsorge, James M a c- Donald, unterstrich die Tatsache, daß ohne das Jüdische Nationalheim die Lage der jüdischen Flüchtlinge hoffnungslos gewesen wäre. Simon Marks gab der Entschlossenheit zu mutiger Fortführung des Aufbauwerks in Palästina Ausdruck. Lady E r 1 e i g h sprach von der Arbeit des Klubs zur Erreichung eines gegenseitigen Verständnisses zwischen Palästina und England. Schule, Religion und Nation Von Prof. Or. Viktor Kellner Direktor dos Chajesrealgymnaslums Wir geben im folgenden die Rede des Direktors Dr. Kellner, die er anläßlich der Einweihung des neuen Schulhauses des Chajesrealgymnasütms hielt, auszugsweise wieder. Direktor Kellner würdigte zunächst die Gestalt des Gründers des Chajes-Gymnasiwms, Oberrabbiner Zwi Perez Cha) es, gab einen Überblick über die äußere Geschickte der Entwicklung der Anstalt: und ging dum zu den folgenden prinzipiellen Ausführungen über. Billige Reise nach POLEN uih* CZ zRNOWl rz Abfahrt: 29. Oktober Rückfahrt: 10. November oder aufgelö3t C „1^ Wien. III., 1 «rr9flCOPOI « rei. u is-4-9 Sorget dafür, sagte Mac-Donald, daß er fortdauere. Der wahre Beweis jüdischer Staatskunst in Palästina wird nicht durch die Fähigkeit erbracht, dort eine jüdische Gemeinschaft zu schaffen, sondern durch die Fähigkeit, mit den anderen dort lebenden Menschen zusammenzuarbeiten. Ihr müßt, erklärte der Minister, m i t d e n Arabern Zusammenarbeiten. Ihr müßt solche Bedingungen schaffen, daß der Araber dazu gebracht wird, mit euch zu arbeiten. Ihr werdet die h i s t orische Verknüpfung der Araber mit Palästina anerkennen. Es ist ihre Heimat, sie haben dort ihre Interessen. Ihr Leben in Palästina muß erhalten werden und darf durch diese Veränderungen nicht beeinträchtigt werden. Es handelt sich nicht um die Errichtung eines Judenstaates, sondern um die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims. In Palästina ist Raum für beide Völker und sie sollen dort nebeneinander leben. Er sei vollkommen davon überzeugt, daß das Leben der Araber durch die Schaffung des Jüdischen Nationalheims nicht beeinträchtigt, daß es vielmehr verbessert werden und daß der Lebensstandard der Araber durch die von den Juden in Palästina geleistete große Arbeit gehoben werden wird. Man lebt heute ln einer kritischen Zeit. Es gibt Krieg und Kriegsgerüchte und manche haben große Nervosität über die Lage Palästinas im Zusammenhang mit internationalen Ereignissen gezeigt Gibt es jemanden, der glaubt, daß wirklich Grund zur Beunruhigung vorhanden ist, wenn der High Commissioner an diesem Abend hier sitzt? Der High Commissioner sei ein Mann von hoher soldatischer Tugend und tiefstem Pflichtbewußtsein. Gäbe es Gefahr für Palästina, so wäre er dort SEYILLA PASTOR KOMMT Diesem ruhigen Manne könne man vertrauen. Sein Wert als High Commissioner könne nicht hoch genug veranschlagt werden. Araber und Juden blicken auf ihn mit Bewunderung, Vertrauen und Liebe. Dasselbe tue das Kolonialamt Sir Arthur Wauchope, schloß der Minister, ist die Verkörperung des Geistes des Mandats, des Geistes absoluter Unparteilichkeit gegenüber den beiden großen Gemeinschaften des Landes. Es sprachen noch High Commissioner Sir Arthur Wauchope, der sich den anerkennenden Worten des Ministers für Dr. Weizmann anschloß und sich als Anhänger der Ben Gurion sehen Parole „Boden und Wasser“ bekannte: Beweis dafür sei die sorgfältige Behandlung des Hule h-P r o j e k t s. Wichtig sei auch die Aufforstung, am wichtigsten aber sei es, daß der Baum derVerständigung wachse. Dieser Baum wachse überall in der Welt langsam, in Palästina aber sei er fest verwurzelt; es gelte Geduld, Voraussicht und vor allem Vertrauen. Der Lord-Erzbischof von Liverpool, Dr. Richard D o w n e y, sprach über die religiöse Toleranz, die eine positive Manifestation menschlicher Tugend ist. 1233 schrieben die Franzosen an den Papst und fragten ihn, wie sie die Juden behandeln sollen; er erwiderte: wie die Christen wünschten, behandelt zu werden, wenn sie unter Heiden lebten. Zu Beginn des Jahrhunderts schien die Welt toleranter zu werden, aber in der letzten Zeit schwenkte Deutschland scharf von der Toleranz ab und verficht eine Rassen* Superioritäts--IhfiO.rjöj Das Ohajesrealgymnasium ist nicht aus | äußerem Zwang, nicht unter dem Druck der Not entstanden, sondern freiwillig aus dem starken jüdischen Kulturwillen seines Gründers Wirklichkeit geworden. Es ist ein Teil der großen jüdischen Bewegung unserer Tage, Mitträger dieser .Bewegung und von ihr getragen, Ausdruck jüdischen Lehens und Wertwillens. Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts schließt der Prozeß der Entjudung ab, der mit der Französischen Revolution eingesetzt und uneinbringlichen Verlust an jüdischer Substanz verursacht hatte, und es beginnt durch die nationale Bewegung im Judentum die große Umkehr: Besinnung auf diejüdischeWirklichkeitjWille zu jüdischem Leben. Stärkung jüdischen Volkstums. Waren früher alle Anstrengungen der Westjuden darauf gerichtet, unter Preisgabe jüdischer Eigenart die Gleichberechtigung zu erringen, so setzt jetzt das Streben ein, unter allen Umständen ein Maximum jüdischeu Lebens zu erreichen. Ein Ausdruck dieses Strebens ist die jüdische Schule, welche in der Diaspora eine der stärksten Wirklichkeiten darstellt. Die jüdische Schule ist freiwillig entstanden, aus mächtigstem innerem Antrieb und tiefster Erkenntnis jüdischer Wesensart; sie ist daher keine Ghettoschule. Sie verdankt ihre Existenz nicht dem Judenhaß, der ja niemals Kräfte erzeugen, bestenfalls vorhandene Kräfte wecken kann. Die jüdische Schule stellt ihre Zöglinge in zwei große Zusamenhänge hinein: in den Zusammenhang der jüdischen, deT hebräischen, religiös-nationalen Kultur, deren Leben nach Jahrtausenden zählt, und in den Zusammenhang der Schicksalsgemeinschaft des jüdischen Volkes in der Welt. So läßt sie trotz aller Zerspaltung und Zersplitterung die Einheit der Zeit und die Einheit des Ramm es im Judentum erleben. Die Jugend wird erzogen, Träger jüdischen Werts zu sein und eich verantwortlich zu fühlen für jüdisches Schicksal. Die jüdische Schule ist eine nationale Schule. National bedeutet nicht nationalistisch. Und da die nationale Schule eine jüdische ist, so ist sie auch eine religiöse Schule, denn das jüdische Volk ist seit je und wird immer sein ein religiöses Volk. So ist eine der wesentlichsten Aufgaben der jüdischen Schule die Pflege der sittliohreligiösen Tradition dies jüdischen Volkes, mit der der junge Jude erfüllt werden muß, damit er sich im Leben als Jude behauptet und die unerschütterliche Kraft gewinnt, aJle Opfer auf sdoh zu nehmen, dit das Judesein von ihm verlangt. Unser Leiden zu beseitigen sind wir nicht imstande; aber indem wir jüdisch leben, sind wir imstande, den Sinn dieses Leidens zu erfassen. Wir müssen wieder einmal jene gewaltige Wendung nach innen xaLteieben, dia das Wesen der jüdischen Prophetie ausmacht. Unsere Propheten waren die ersten in der Menschheitsgeschichte, die äußeres Geschehen als Schicksal, Unglück als Schuld und Leben als sittliche Aufgabe gewertet haben. Die Schule erzieht die ihr anvertraute Jugend dazu, diaß sie leidenschaftlich Anteil nimmt am Aufbau eines neuen jüdischen Volkstums in Palästina. Ein großer Teil dieser Jugend ist dazu berufen, an diesem Werk mitzuarbeiten. Die jüdische Jugend, erfüllt von beispiellosem Idealismus, gibt, ein neues ver sacrum, ihr Leben hin für den Aufbau der nationalen Heimstätte ihres Volkes. Mißt man dieses Werk an dem Maß der Opferbereitschaft derer, die an ihm arbeiten, dann ist es wohl eines der größten in der Menschheitsgeschichte. Wenn die Jugend sich diesem Werke weiht, dann tut sie es nicht aus bloß nationalen Antrieben; sie tut es, weil sie von der Überzeugung durchdrungen ist, durch den Aufbau von Land und Volk einen Beitrag zu leisten nicht allein zur Erlösung des eigenen Volkes, sondern zur . Erlösung der Menschheit. Ein wesentliches Ziel der Schule ist es, die Jugend für diese ihre Aufgabe vorzubereiten. Ein zweites Ziel der Schule Ist es, dem Teil der Jugend, der hier bleibt, durch Kenntnis jüdischen Werte, jüdischer Lebensform und Tradition dazu zu befähigen, daß er sich verantwortlich einstellt in das Leben seiner Gemeinschaft und bereit ist, jüdische Existenz und jüdische Ehre zu wahren und zu verteidigen. Das ist vereinbar mit den Pflichten gegenüber dem Staat, dessen Bürger wir sind. Wir sind davon durchdrungen, daß wir diese unsere Pflichten um so vollkommener erfüllen werden, je aufrechtere Juden wir sind. Treue wahren kann nur der, der sich selbst treu bleibt. Wir bekennen uns freudig und willig zum österreichischen Staat im Sinne der Worte des Propheten Jeremia: „Suchet das Wohl der Stadt, die ich euch zum Wohnen bestimmt habe, denn ihr Wohl ist auch euer Wohl“ Indem wir unser Judentum bejahen, bejahen wir auch das Recht der überwiegenden Mehrheit in diesem Lande, ihr Leben nach den Grundsätzen des Christentums einzuriohten, in der tiefen Überzeugung, daß wahre Religiosität Toleranz und Achtung vor der Wesensart anderer bedeutet. Diesen Geist der Toleranz und Achtung gilt es hüben und drüben zu bewahren. Judentum und Vaterlandsliebe sind ebenso wenig Gegensätze wie Christentum und Vaterlandsliebe. In beiden Fällen steht über der natürlichen Gegebenheit von Blut und Lebens Wirklichkeit die übernatürliche, übernationale Gegebenheit der Religion. So sria der ibgrzgugta Katholik wird au ob, gier JÜDISCHE KÜNSTLERSPIELE II./ Praterstraße 34 Abschieds-Vorstellungen Jac Redifzeit überzeugte Jude die Gleichsetzung von Rasse und Wert als kulturellen Rückschritt, als Rückfall in Barbarei und Unmenschlichkeit ablehnen. Es ist der Ruhmestitel des neuen Österreich, daß es wieder einmal wie so oft in der Geschichte einen Schutzwall daretellt gegen die Barbarei, daß es der Geistlosigkeit der Gewalt die Gewaltlosigkeit des Geistes gegenüberstellt. Österreich ist, wenn es sich selbst und seinem Wesen treu bleibt, berufen, nicht nur sich, sondern ganz Europa zu retten. In dieser Überzeugung wollen wir unsere Zöglinge erziehen zu loyalen Bürgern unseres Vaterlandes. Der Bundeskanzler hat vot einigen Monaten das schöne Wort vom vorbildlichen Rechtslind Kulturschutz gesprochen, den Österreich seinen Minderheiten angedeihen läßt. Die Subventionierung dieser Schule durch den Bund und die Zuweisung des Schulhauses, das wir heute einweihen, ist ein Beweis dafür, daß es dem Staate mit der Achtung vor der Sonderart seiner Minderheiten ernst ist. Der erste Schritt ist getan; wir hoffen und wünschen, daß weitere Schritte folgen. Wir hoffen und wünschen aber aiuch, daß deT jüdischen Jugend, die wir erziehen, im Geiste wahrer Religiosität, im Geiste der Achtung und Gerechtigkeit ihr Lebensraum gewahrt und gesichert bleibe. Der jüdischen Öffentlichkeit dianken wir heute von Herzen für die mannigfache Hilfe, die eie der Schule geleistet hat. Diese kann nur gedeihen, wenn die Verbindung zwischen ihr und der Öffentlichkeit sich festigt und verstärkt. Die Schule ist Funktion des Lebens. Sie wird um so vollkommener ihre kulturelle Mission erfüllen köni nen, je vollkommener das jüdische Leben rings um sie ist, je erfüllter es ißt von wahrem Judentum. Es kann nicht mein Sache sein, heute' hier von den Leistungen der Schule zu sprechen, darüber zu reden, wie weit sie; die Hoffnungen, die man in sie gesetzt hat, erfüllt und wie weit sie vorsagt hat. Dar-! über mögen andere urteilen. Aber die jüdische Schule mit all den Mängeln, wie sie: jeden menschlichen Werk anhaften, ist eine' Wirklichkeit und aus dem jüdischen Leben dieser Stadt und dieses Landes nicht mehr wegzudenken. Sie wird mehr leisten als bisher, wenn sich die Juden Wiens für sie verantwortlich fühlen, innerlich und äußerlich Anteil an ihr nehmen und daran mithelfen, daß sie von Sorgen frei ihre Arbeit tuo zum Wöhle des jüdischen Volkes, zum Nutzen und Segen des österreichischen Staates, daß sie ihre Zöglinge erziehe zu aufrechten, volksbewußten Juden, zu guten Menschen und wertvollen Bürgern. r~ Geistige Arbeiter ~\ Zuckerkranke, Frauen, Hartleibige «ssen Im eigenen Interene dai dunkle Simeashni Reich an Nährsalzen und Vitaminen. In dünnen Scheiben mit Butter oder «die oder Honig «ehr nahrhaft, ln den heiteren Dellkatetfenhandlungen und Bäckereien zu haben. Simonsbrotfabrik, Wien, 21/*. — Täglicher Versand. Universität Saloniki wünscht jüdische Studenten Saloniki, 23. Oktober. (Z. T. A.) Der Rektor der Universität Saloniki hat anläßlich eines Besuches des Salonikior Obor-i rabbiners Dr. Zwi K o r e t z durch diesen: an die jüdischen Studenten des Auslandes die herzliche Einladung zur, Fortsetzung ihrer Studien in Saloniki genicJn tet. Die Zahl der jüdischen Studenten aü unserer Universität, erklärte der Rektor, ist sehr klein und entspricht weder der Größe des jüdischen Bovölkerungsteils bei uns, noch der Zahl jüdischer Studenten an anderen Universitäten. Wir sind sohr interessiert daran, daß dies anders werde und sind bereit, jüdischen Studenten, die unsere Universität besuchen wollen, E r* leichifliangen m gewähren,

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