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Die Stimme · 1935-10-25 · Heft 493 (25.10.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 493 (25.10.1935)
Date
1935-10-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. pyyyyyyyTvyyyvyyyyvvyyvyvvyyyvfwvyrq rrf "' *'>A ■4 £ m*. r JÜDISCHE ZEITUNG NACH AMERIKA ► ► ► MIT KOSCHER-KUCHE AUF DEN DAMPFERN « ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► mAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAJ »QUEEN MARY“ in Vollendung „AQUITANIA“ . . . 30. OKTOBER „BRITANNIC“ . . . 6. NOVEMBER „BERENGARIA“ . .13. NOVEMBER CUNARD WHITE STAR LTD. WIEN, I., KÄRNTNERRING 4 ü 42-043, u 46-2-48 Nr. 493 | Wien, 25. Oktober 1935 | Radaktion und Admlnlatratian: Wlan, I, Mare-Aurel-StraBa 8. Tal.: U 22-3-91 RadaktionasehluB Montag und Mlttwoeh vorm. I (28. Tischri 5696) | 9* Jahrgang Der englische Kolonienminister Ober das Palästina-Problem London, 23. Oktober. (Z. T. A.) Das Bankett, das am 22. Oktober im Mayfair-Hotel vom Anglo Palästinian Club zu Ehren des englischen Kolonienministers Malcolm MacDonald veranstaltet wurde, war ein Ereignis von außerordentlicher politischer Bedeutung. In den Reden des Lord- Erzbischofs Von Liverpool Dr. Richard D o w n e y, des Chief Rabbi des Britischen Reiches Dr. J. H. Hertz, des High Commissioner Sir Arthur W a u c h o p e, des Präsidenten der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann und anderer führender Persönlichkeiten wurde zum Ausdruck gebracht, daß der Palästina-Aufbau in einer Zeit aufs höchste gesteigerter Juden hot e n t s c h e i d e n d für das künftige Schicksal des jüdischen Volkes ist. Der Kolonienminister unterstrich das Interesse Englands an einem auf sicheren Grundlagen stehenden Jüdischen Nationalheim. Den Vorsitz führte das Mitglied des Unterhauses James A. de Rothschild. Präsident Weizmann Krieg gegen tote Juden Goebbels ist der Propagandaminister Hitlers und in die Propaganda für dieses Deutschland gehört sinngemäß das Rundschreiben hinein, das am 22. d. bekanntgeworden ist: „Hiemit gebe ich den Landesstellen und allen nachgeordneten Dienststellen des Ministeriums davon Kenntnis, daß es verboten ist, die Namen gefallener Juden auf Ehrentafeln und Denkmälern für die Gefallenen des Weltkrieges anzuführen. Ich bitte für die Beachtung dieses Verbotes innerhalb des Dienstbereiches Sorge zu tragen.“ Die- Veröffentlichung dieses Erlasses ist durch eine Indiskretion geschehen. Es sollte nur ganz im geheimen eine Leichenschändung vollzogen werden, weil ein öffentlicher Befehl doch gewisse Empfindlichkeiten der militärischen Kreise verletzt hätte. Zu diesem Geheimerlaß existiert aber auch noch eine gleichfalls bekannt gewordene Geheimverfügung, die es den Gemeinden und Betrieben freistellt, aus den schon existierenden Gedenktafeln die Namen der jüdischen Gefallenen zu entfernen oder Ersatztafeln aufzustellen. Wenn es also eine Gemeinde oder ein Betrieb oder eine Organisation als, „unerträglich“ findet, daß sich Namen jüdischer Kriegsgefallener auf den Gedenktafeln befinden, so können sie jederzeit diese abnehmen und durch neue ersetzen. Man kann sich darauf verlassen, daß die Gemeinden und Betriebe den in der Verfügung enthaltenen Wink beherzigen werden. In diesem Krieg des Dritten Reiches gegen die Juden reiht sich planmäßig ein Akt an den anderen, eine Treulosigkeit jagt die andere. Eben erst sind entgegen den Zusagen dos Staatskommissärs Lippert viele Tausende von jüdischen Handelsängestellten entlassen worden, hat das Gericht ausgesprochen, daß ein entlassener jüdischer Angestellter kein Berufungsrecht und keinen Anspruch auf Abfertigung hat; ist bekannt geworden, daß die Geheimspitzel sich bei jedem, der Gold abhebt, erkundigen, was er mit dein Betrag macht; ist den jüdischen Notaren mittels eines groben Briefes das Amtsrecht entzogen worden; ist den jüdischen Frontkämpfern das Wort gebrochen worden; ist die Verleihung des Hindenburg-Kreuzes an Juden untersagt worden; sind die Juden vom Winterhilfswerk ausgeschlossen worden. Die Einzelaktionen sind verboten und infolgedessen vollziehen sich die Aktionen im ganzen Reich mit der Sicherheit einer gut geölten Maschine. Und um den Lebenden vor Augen zu führen, wie ernst das Dritte Reich den Programmpunkt des „Absetzens von den Juden“ nimmt, wie sehr es ihm darum zu tun ist, die Juden unaufhörlich zu beleidigen und ihnen die Verachtung zu zeigen, dehnt Hitler den Krieg auf die Toten aus. Nachdem eine Zeitlang jüdische Friedhöfe entweiht und geschändet wurden — wobei die Behörden immer bedauerten, die Täter nicht eruieren zu können und wobei Streicher auch behauptete, daß die Men selbst diese Sobändun* wies auf die Veröffentlichung des Weißbuches als auf eine der schwersten Krisen in der. Geschichte des Zionismus bin. Im Anschluß daran kam er auf die Kommis s i o n zu sprechen, die zum Zweck von Verhandlungen nach der Veröffentlichung des Weißbuches eingesetzt wurde und deren Sekretär der heutige Kolonienminister war. Bei diesen Beratungen hätten einige erklärt, daß in Palästina für keine Katze mehr Raum sei. MacDonald habe mehr Verständnis gezeigt, und ihm sei es zu verdanken, daß die Verhandlungen einen harmonischen Verlauf nahmen und dazu führten, daß Sir Arthur Wauchope zum High Commissioner ernannt wurde. Mit dieser Ernennung habe die Periode der gegenwärtigen Entwicklung Palästinas begonnen. Seit der Zeit, da die Sachverständigen erklärten, es gäbe keinen Platz mehr in Palästina, sind 150.000 Menschen in dieses. Land eingewandert. Und je mehr kamen, um so mehr konnte das Land aufnehmen. Tausende Juden seien , heute unsagbarem Elend ausgesetzt; der Palästinaregierung könne es zur hohen Genugtuung gereichen, daß sie vielen von diesen eine Zufluchtsstätte bieten konnte. Dies sei einer der großen moralischen Siege unseres Zeitalters und mit ihm würden die Namen M a c D o n a 1 d und Wauchope für ewige Zeit verknüpft bleiben Versprechen außer acht läßt, das es mit der Balfour-Deklaration gegeben hat, auch nicht etwa deshalb, weil es gleichgültig wäre, gegenüber den wirklich schweren Leiden, die jüdische Gemeinschaften in manchen Teilen Europas heute zu erdulden haben. Das Entsetzen Englands über diese Verhältnisse ist immer wieder zujn Ausdruck gebracht worden. Die Politik in Palästina wird von zwei Erwägungen ger leitet. An erster Stelle steht die Verantwortung gegenüber der Gesamtbevölkerung Palästinas. Die Mandatarmacht ist der Hüter der Interessen jedes Teiles der Bevölkerung. In zweiter Reihe stimmen wir der Errichtung des Jüdischen Nationalheims zu. Wir freuen, uns, mit diesem Werk verknüpft zu sein. Wir wollen, daß die Arbeit gut getan wird. Wir wollen kein unsolid gebautes Jüdisches Nationalheim. Wir wollen sicher sein, daß es auf festen Grundlagen steht. Und wenn der Bau wächst, dann wollen wir das Gefühl haben, daß wir um seine Sicherheit wissen, daß er standhält, wenn ihn einmal ein Stoß trifft, bis er eines Tages vollendet dasteht. Es ist gut, daß es Juden sind, die an dem Bau arbeiten. Man kann nicht erstaunt sein über das, was sie in Palästina geleistet haben, denn darin liegt der jüdische Genius. Das jüdische Genie in der Sorge um die moralische Wohlfahrt der Menschen hat ebenso hohen Ruf wie das britische Genie in der Sorge um die materielle Wohlfahrt. Der Impuls, der hinter dem Jüdischen Nationalheim steht, ist ein großer geistiger Impuls. urteilen. Wir haben es mit der Tatsache eines wahren Kreuzzuges gegen das Judentum zu tun. Es hat Pogrome in Rußland gegeben, entsetzliche Martern in Ungarn, Geset-zesverletzungen in Polen und Rumänien. Aber keines dieser Völker hat sich hochnäsig arrogiert, an der Spitze der Kultur zu marschieren, Lehrmeister der Welt zu sein. Die Deutschen aber haben immer von dieser Mission geredet, von dem deutschen Wesen, an dem die Welt genesen soll. Aber es ergibt sich, daß es neben dem Deutschland Herders und Schillers auch noch ein anderes Deutschland gibt, das des Goebbels und Fleischhauers, ein Deutschland, das die Juden ächtet, von denen es die Bibel bekommen hat, das die Juden auch noch im Grab schändet. Und die europäische Welt sieht au und schweigt und macht sich mitschuldig. VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSEBSTBASSE 6 ‘igScß/ia Die Rede MacDonalds Minister Malcolm MacDonald widmete j dann mit dem Verhältnis Englands zu Paläder Tätigkeit Weizmanns herzliche Worte stina und führte aus: und erinnerte unter anderem an das Uganda- Angebot Chamberlains. Er befaßte sich so- Wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, so nicht deshalb, weil England das gen vornehmen — greift nunmehr das Reich offiziell ein und nimmt Rache an den Toten, um ihre zurückgebliebenen Eltern noch tiefer zu demütigen. 12.000 Juden sind für Deutschland gefallen. Sie vermodern in den Sümpfen Polens, in den Schleusen der belgischen Niederungen, am Balkan, im Karst. Sie sind gestorben, wie das Gesetz es befühl, und man sollte glauben, daß der Tod das Verbrechen ihres Jude-Seins ausgelöscht hat. Aber Hitler ist anderer Ansicht. Die Stimme dieser Toten ist zu laut. Sie sprechen aus dem Grab in die Stille hinein, Hie Hitler über Deutschland gelegt hat. Diese Toten sind eine nur allzu lebendige Widerlegung nationalsozialistischer Lügen. Ihre Namen stehen auf den Gedenktafeln und sagen jedem — was die Hitler und Goebbels nicht zu> hören wünschen. Und darum müssen die Namen weg, und darum wird selbst dieser Akt tiefster Niedrigkeit von Geheimnis umhüllt und wurde „vertraulich“ angeordnet. Wenn man in Zukunft die Tafeln lesen wird, dann werden nur mehr „arische“ Namen dort stehen. Denn die Hitler und Goebbels wünschen nicht, daß auch andere die Stimmen aus den Gräbern hören. Und damit zerbrechen sie auch die freche Phrase vom dankbaren Vaterland, von der Mutter Germania. Die Namen der toten Juden verschwinden. Die vielen tausende Juden, die zu Krüppeln geschossen wurden, die Gesundheit und Besitz für das Vaterland geopfert haben, müssen ysrrscte, Sia4 doch eogar äte | sehen Invaliden von jeder Unterstützung ausgeschlossen worden! Man sagt, es sei nicht das deutsche Volk, das diese Akt« begehe, es leide selbst unter dem System, das es nur zähneknirschend erträgt. Aber Hitler und Goebbels und Frank und Frick und Streicher und Himmel und Kuibbe — das sind doch Deutsche. Und wer sind die, die die Befehle ausführen? Wer sind die, die des Nachts den Juden Fleisch und Gemüse an Hintertüren um den zehnfachen Preis verkaufen, die den Juden Läden und Waren und Geschäftsanteile um Sohleudergeld abnehmen? Das sind doch alle gute arische, bodenständige | Deutsche! Das Judentum Deutschlands ist | nicht nur dem Hunger, der Kälte, der Schändung preißgegehen, es wird auch noch ausgewuchert, im Namen des Staates und 1 des deutschen Volkes, desselben deutschen Volkes, das sich erbittert gegen die Erzählungen von den Kriegsgreueln, von den abgehackten Kinderhänden, gegen die schweren Vorwürfe Axel Munthes gewehrt hat. I Was geschieht heute den Juden in Doutsch- 1 land von Deutschen? Es ist wahrscheinlich, daß dieses Absinken des ethischen und moralischen Niveaus in ursächlicher Verbindung steht mit der Losdösung des deutschen Volkes von den christlichen Religionen, die sich heute vollzieht und ein immer rascheres Tempo einsohlägt. Aber gQögen die Relagiönegbüo&ophefl

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