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Die Stimme · 1935-10-22 · Heft 492 (22.10.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 492 (22.10.1935)
Date
1935-10-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 492 22. Oktober 1935 Oll STIMM! Seite 3 Nahum Sokolow: Ein geschichtlicher Wendepunkt 15 Jahre sind keine große Zeitspanne in der tausendjährigen Geschichte unseres Volkes. Die 15 Jahre, die heute der Keren 'Hajessod als Geburtstagsfest begeht, bedeuten aber einen arbeitsreichen Abschnitt, eine Epoche wertvoller Errungenschaften für den Aufbau unseres Landes und die Wiederbelebung unseres Volkes. Die unmittelbare Kraft unserer Bewegung, die die chaluzische Jugend auf den Plan rief, sie erzog, ausbildete und einordnete und die grundlegenden landwirtschaftlichen Siedlungen sind die Inhaltsreichen Leistungen des heute 15 Jahre alten Keren Hajessod. Wenn wir rückwärts schauen auf alles, was der Keren Hajessod errichtet und ausgebaut hat, dann erst erfassen wir seine Bedeutung ganz, dann lernen wir sein reiches Arbeitsfeld kennen und wir fühlen den Pulsschlag schöpferischer Leistungen. Vor 15 Jahren, in der Geburtsstunde, standen wir unseren ersten praktischen Aufgaben im Lande gegenüber — mit leeren Taschen, ohne Mittel. Rechte waren uns verbrieft und international zuerkannt. Die Möglichkeit der Arbeit war uns gegeben, wir aber befanden uns in der tragischen Situation des Künstlers ohne Gerät, wieder konnten wir sprechen: „Stroh wird deinen Knechten nicht gegeben, und Backsteine, sagt man uns, macht!“ Was konnten uns alle Gelehrten, Staatsmänner, Redner, Schriftsteller, in Wirklichkeit helfen? Eines tat not: den Gedanken an unser Land im eigenen Volk zu wecken und zu stärken. Aber wie sollten wir das können, wenn wir nicht einen einzigen Zoll breit Land kaufen und nicht einen einzigen Chaluz hinüber schicken konnten, um Ihn dem Lande zurückzugeben? Das palästinensische Judentum selbst war nach dem Weltkrieg schwer erschüttert, wenig war uns geblieben. Ein großer Teil befand sich wieder in der Diaspora, die Versprengten mußten wieder heimgebracht werden, ln dieser Zeit erwachte der chaluzische Gedanke, er mußte in der Diaspora gefördert werden, \vor allem in den Ländern mit einer jüdischen Massenbevölkerung mußte der „Weg der Erlösten“ gebahnt werden. Wenn wir heute in unserem Lande die großen Scharen der Heimgekehrten sehen, und wenn wir heute das Fest des 15jährigen Bestehens des Keren Hajessod feiern, so ist beides, die erwachte Nation und ihre Besten ‘in unserem Lande (ihre Zahl gilt es weiter zu vergrößern), das Werk des Keren U ajessod. Dem Keren Hajessod haben wir die jüdische Gemeinschaft Erez Israel zu danken, sie ist heute noch gering an Zahl, aber schon stark an Kraft, das Geringe hat das Große geschaffen, das wir heute unser eigen nennen. Auf den Keren Hajessod sind unsere Augen gerichtet, mit ihm wird unsere Bevölkerung weiter wachsen. Wer zum Keren Hajessod beiträgt, baut das Land als treuer Bürger auf, er trägt dazu bei, dem Lande junge Kräfte zu schenken, Landarbeiter und Bauarbeiter, die die Grundlage unserer Bevölkerung sind und denen die Massen anderer Einwanderer nachfolgen können, die mit Fachkenntnissen und geringeren Mitteln alle einem obersten Gesetz folgen, die jüdische Bevölkerung unserer nationalen Heimstätte zu sein. Unser Fest beschließt nicht nur eine Epoche, es eröffnet zugleich eine neue, einen größeren Arbeitsabschnitt als zuvor. Heute ist unsere Arbeit von den sichtbaren Erfolgen dieser 15 Jahre begleitet und von einer reichen Erfahrung, die uns die Arbeit für den Keren Hajessod in der großen Welt draußen geschenkt hat und nicht zuletzt die Praxis in Erez Israel selbst. Ans Werk deshalb mit ganzer Kraft und der Anspannung aller Energie, mit heiligem Wollen und eiserner Zähigkeit. Brüder, ans Werk! 42.757 Juden im Jahr 1934 in Palästina eingewandert Das Einwanderungsamt der Palästina- Regierung' veröffentlicht einen Bericht über die Ein und Auswanderung Palästinas im Jahre 1934, dem zu entnehmen ist, daß 808.682 Personen im Berichtsjahre die Grenzen des Landes als Ein-, beziehungsweise Ausreisende passiert haben. Von den Einwanderern waren 42.757 Juden, 3899 Christen und 1151 Moslems. Seit September 1920 bis Ende Dezember 1934 sind 191.064 Juden in Palästina eingewandert, Ende 1934 betrug die Zahl der in Palästina lebenden Juden 283.000 Seelen, das sind 23 Prozent der Gesamtbevölkerung (gegenüber 17 Prozent im Jahre 1931). Als Touristen sind im Berichtsjahre 48.000 Christen, 26.000 Juden und 16.000 Moslems ins Land gekommen; im gleichen Jahre verließen das Land 45.000 christliche, 21.000 jüdische und 15.000 moslemitische Touristen. In den Monaten September bis Dezember 1934 wurden 301 Juden und 442 Nichtjuden als illegale Einwanderer verhaftet. 3216 Personen haben sich im Jahre 1934 um die Palästina-Bürgerschaft beworben, 3209 Gesuche wurden genehmigt, sieben abgelehnt. Der Film der schönsten Frauen ab heute im Schweden-Kino Suukiw Frau Sdialek, die „Reichspost" und die Chaluzim Alice S c h a 1 e k, eine der meist bekannten Schwätzerinnen über alles und jedes, war im Orient und hat Palästina besichtigt. Ihre Eindrücke hat sie in einem Urania-Vortrag mitgeteilt, der, wie berichtet wird, ausverkauft war. Man kann vom Judentum ganz gut leben. Einer schreibt ein antisemitisches Buch und wird damit berühmt. Frau Schalek, die bisher den Buddhismus ausgeschrotet hat, wendet jetzt ihr Interesse dem Zionismus zu, obwohl sie dem Judentum den Rücken gekehrt hat, und verdient daran. Leider bestehen keine Bestimmungen, die solche Reisende in Kultur fernhalten und so hat Frau Schalek Palästina besucht. Sie hat die Chaluzim gesehen und sie weiß allerhand zu erzählen, was die Sensationslust eines ausverkauften Saales erregt. Aus der blutigen Arbeit dieser jungen Idealisten macht Frau Schalek sich ihre Honorare. Sie weiß also zu erzählen: „Diese Chaluzim schließen zumeist eine sogenannte Zertifikatehe, das heißt sie lassen sich mit irgend einem Mädchen (für Litauen geht das sogar telegraphisch) trauen... Es wird in den neuen Städten, vor allem aber in den Siedlungen, sehr viel in Form des Kollektivs gearbeitet... Die Kinder werden fern von den Eltern gemeinsam erzogen... In den Siedlungen schaffen sich die jungen Leute auch eine neue Moral, in den Gemeinschaftshäusern schlafen beide Geschlechter zusammen. Wenn ein junges Paar einander gut ist, bekommt es auf einfachem Weg ein gemeinsames Zimmer...“ Unnötig zu sagen, daß das alles falsch gesehen und falsch berichtet ist. Die Zertifikatehe, gegen die sämtliche verantwortlichen jüdischen Stellen eingeschritten sind und die bereits abgestellt wurde, war die Reaktion auf die drakonischen Einwanderungsbestimmungen. Sie hat ihre Parallele in den auch in arischen österreichischen Kreisen sehr oft vorkommenden Fällen, wo aus Gründen der Staatsbürgerschaft Ehen geschlossen werden. Daß in den Siedlungen „beide Geschlechter zusammenschlafen“, ist einfach unwahr. Ebenso unwahr, daß die Kinder fern von den Eltern gemeinsam erzogen werden. Die Eltern sind auf dem Feld und die Kinder werden in Kindergärten zusammen betreut. Das soll auch in Wien so sein. Diese Erzählungen der Frau Schalek haben — wie denn nicht — die Aufmerksamkeit der „R e i c h s p o s t“ erregt, die darin natürlich den Beweis für den jüdischen Bolschewismus erblickte, obzwar es ihr näher läge, sich mit dem Fensterin und den unehelichen Kindern in Kärnten zu beschäftigen. Frau Schalek, der die .,Reichspost“ unterstellte, daß sie für diese „Zustände, Sitten und Bestrebungen“ Propaganda machen wollte, hat nun der „Reichspost“ ihr Manuskript vorgelegt und sie erhält die Bestätigung, daß sie „insbesondere gegenüber den kollektivistischen Experimenton und ethischen Neuerungen der jüdischen Einwanderer in Palästina bei aller Objektivität in der Wiedergabe des Wahrgenommenen mit skeptischen Bemerkungen nicht sparte“. Es wird also festgestelit, daß Frau Schalek nicht auf kommunistische Abwege geraten ist. Frau Schalek hat also die genügende Reklame für ihren nächsten Vortrag... Palästina ist für jeden — nur nicht für einen jüdischen Arbeiter — ohneweiters zugänglich und man kann nichts dagegen unternehmen, daß Personen von der Art der Frau Schalek diese neueste Sensation, das jüdische Leben im jüdischen Land, zu Büchern und Vorträgen verarbeiten. Man könnte ja von ihnen verlangen, daß sie sich über das ihnen zuerst Unverständliche besser unterrichten. Aber das würde wieder nichts Interessantes ergeben, womit man den Gaumen der Menge reizt. So muß man es eben hinnehmen, daß Frau Schalek Geschichten, die ihr irgend ein Spaßvogel erzählt hat, flink in ihr Notizbuch schreibt und dann mit den eigenen skeptischen Bemerkungen garniert. Frau Schalek war in Palästina, Sie macht daraus einen Vortrag. Irgend ein zeilenhungriges Tinterl berichtet. Die „Reichspost“ kritisiert. Frau Schalek legt das Manuskript vor. Die „Reichspost“ erklärt sich zufrieden. Frau Schalek bereitet den nächsten Vertrag vor... Fern von diesem Getue arbeiten die Chaluzim an einem Werk, dessen Größe so eine Wiener Globetrotterin niemals ermessen kann. Aber sie verdient daran und spart nicht mit skeptischen Bemerkungen ... CHULBUCHER für Volks-, Hauptuno Mittelschulen, neu nnd antiquarisch in den vorgeschriebenen Auflagen in der Buchhandlung M. Rath, Wien II., Taborstraße 20 A. Telephon R 45-305 Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher zu höchsten Preisen Eine Falschmeldung über die Wiener Kultusgemeinde Von der Leitung der Fürsorgeabteilung der Wiener Kultusgemeinde geht der JTA folgende Mitteilung zu: „Im Abendblatt des H a a r e t z vom 8. Oktober, ist unter dem Titel ,Die Wiener Kultusgemeinde kann ihren Bedürftigen nicht helfen* eine Meldung enthalten, wonach es angeblich im Fürsorgehüro der Kultusgemeinde vor den Neujahrsfeiertagen zu Skandalen gekommen sei, da den um eine Feiertagsunterstützung ansuchenden verarmten Juden erklärt worden sei, die finanzielle Lage der Kultusgemeinde erlaube ihr nicht, Aushilfe an die Fürsorgebedürftigen zu verteilen, und daß die Verzweifhingsaushrüche der Unglücklichen den Leiter der Fürsorgeabteilung veranlaßt haben, von seinem Amt zurückzutreten. Diese Meldung ist von A bis Z erfunden. Die Wiener Kultusgemeinde hat im Gegenteil dafür gesorgt, daß kein einziger um eine Feiertagsaushilfe im Fürsorgeamt vorsprechender Jude unheteilt von dannen gehe. Es wurde allen Bedürftigen, die sich vor den Feiertagen an die Hilfe der Gemeinde gewendet haben, Unterstützungen in Form von Barbeträgen und Speiseanweisungen gewährt. Auch die Behauptung, daß der Leiter der Fürsorgeabteilung seinen Posten verließ, ist eine Unwahrheit. Die Wiener Kultusgemeinde hat übrigens in diesem Jahr zufolge der steigenden Verarmung der jüdischen Bevölkerung weit mehr an Unterstützungen leisten müssen als bisher und die Fürsorgenusg^ben für den September dieses Jahres (vor den Neujahrsfeiertagen) machen mehr als 13.000 Schilling aus.“ PALÄSTINA MELDET; Erhöhte Aktivität im arabischen Lager Jerusalem, 18. Oktober. Im arabischen Lager ist man zur Zeit eifrig bemüht, eine V erständigung zwischen den einzelnen Parteien herbeizuführen. Die Initiative hiezu gellt von dem „nationalen Block“ in Nablus (Sichern) aus. Dieser hat die Vertreter der verschiedenen Parteien zu einer Beratung eingeladen, auf der die Frage der Einberufung einer allarabisch-en Konferenz zwecks Erörterung wichtiger politischer Angelegenheiten Palästinas behandelt werden soll. Die Aktion dieser Gruppe wird von der Naschaschibi-Parfei (Partei für nationale Verteidigung) unterst’!tzt. Diese verfolgt sogar noch weiter reichend« Pläne, indem sie auch die arabischen Kreise Syriens und Transjordaniens in die Aktion einbeziehen will. Gleichzeitig hat auch die Arabische R e f o r m p a r t e i, an deren Spitze der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. C h al d i, sieht, ihre Tätigkeit verstärkt. Die Parteileitung hat eine umfangreiche Proklamation veröffentlicht, in der es u. a. heißt, daß „die Lage im Lande aktive Schritte erfordert“. Auch der arabische Jugendverband entwickelt in letzter Zeit eine verstärkte Tätigkeit. In J a f f a hat er eine Konferenz aller seiner Gruppen abgehalten, in der beschlossen wurde, alle arabischen Parteien aufzufordern, ihre Vertreter in eine gemeinsame Delegation zu entsenden, die von der Regierung die Einstellung der jüdischen Einwanderung und des jüdischen Bodenkaufs verlangen soll. Arabische Gegenposten sollen vor denjenigen jüdischen Unternehmungen aufig«stellt werden, die wegen der Beschäftigung arabischer Arbeiter von jüdischen Pasten bewacht werden. Aus den Kreisen des Großmufti von Jerusalem wird mitgeteilt, daß das Dementi der Meldung über eine bevorstehende panaräbische Konferenz in Amman unbegründet sei. Die Konferenz werde stattfinden, und die Engländer arbeiten darauf hin, daß auf dieser Konferenz eine proenglische Stellungnahme für d e n F a 11 eines Krieges erfolge. Im Mufti-Kreisen wird diese Konferenz als „englisch-jüdische Verschwörung“ bezeichnet. Der Mufti von Jerusalem hat vor einiger Zeit dem ägyptischen Wafd seine Stellung zu dem Projekt eines Legislative Council dargelegt. Der Mufti erklärt, er sei als Demokrat gegen die Ernennung der Mitglieder des Council und fordere die Ausschreibung allgemeiner Wahlen. Er sei auch dagegen, daß Beamte der englischen Palästinaverwaltung als stimmberechtigte Mitglieder dem Council angehören, in dem sie zusammen. Trauben-Trinkkur. Während dor Weinlese bringen wir täglich frisch — ans dem Weingarten l'ranbensait für Kurzwecke. — Die Herbstkur mit naturtrischem Traubensaft ist durch nichts zu ersetzen. — Sie wirkt verjüngend aut den ganzen Organismus — besorgt eine vollkommene innere Reinigung — und beseitigt so — die Grundursachen von Krankheiten und vorzeitigen Alterns. — Von der einfachsten Verdauungsstörung bis zu den hartnäckigsten Leiden — vollführt diese einzigartige Heil- und Ernouerungskur ständig Wunder. Prospekte über Trauben-Trinkkur mit Anleitung liegen in allen Betrieben auf. ZEILINGER Landstiaßei Hauptstraße 17 Mariabilfergtlrtel 27 Wallcnsteinstraße 46 Winckolmannstraße 22 Johnstraße 39 Bestellbüro Teleph. R 85-0-10. mit den jüdischen Mitgliedern sogar die Mehrheit bilden könnten. Ferner wendet sich der Mufti dagegen, daß auch die Angelegenheiten des Obersten moslemitisohen Rats in die Kompetenz des Council fallen sollen. Die arabischen Zeitungen melden, daß die arabischen nationalen Institutionen für den 2. November, den 18. Jahrestag der Balfour -Deklaration, Kundgebungen vorbereiten. Palästina-Regierung subventioniert Tränsfori&anfen Jerusalem, 18. Oktober. (2. T. A.) Die Paläetinavegimmg hat der Regierung Transjordaniens eine Subvention, und zwar für das Gesundheitswesen, bewilligt. Um welche Summe es sich handelt,

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