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Die Stimme · 1935-10-22 · Heft 492 (22.10.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 492 (22.10.1935)
Date
1935-10-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« 2 OIE STIMME Nr. 402 — 22. Oktober 1935 Der stille Poarom im Dritten Reich zierte Situation, die sieh freilieh auch, je nach der Laune des Kricgsclück-. ändern kann. Sie wird noch vcrwirkelt'-r durch den Vorschlag Englands. Deutschland in den Sanktum-apparat ein/.u.>e.ha!ton. Es ist klar, dal.) das Dritte Reich in diesem Falle Kompott s a t i o n s f o r d e r u n g e u amimklon wird und dalä die .-iducrzeitige Erklärung Hitlers. Deutschland S'.d — nach der Saarabstimnunig — satnriert. genau so weggelegt werden wird, wie alle anderen Erklärungen. Es würde die Groteske cnt.-tehen. daß ein Staat, der dvn \'ölkerbund verlassen hat. um einen Vertragsbruch zu begehen. /.tun Schutze dieses selben Vertrags Aufgeboten wird, und daß er außerhalb des Völkerbundes alle Hechte eines Mitglied- Staates erhält, während mau einen anderen Mit gliedstaat. nämlich Abessinien aufteilen läßt. D e u t s e h 1 a n d w i r d Kol o n i e n v e r 1 a n g e n und so wird auch von dieser Seite her das Mandatssystem angegriffen werden. Der jüdische Nationalst Palästinas hat, wie wir berichtet haben, dem Völkerbund ein Memorrandnm über die* Lage der Juden 5n Deutschland vorgelegt. Es ist zu begrüßen. daß das Judentum Palästinas sich in die Genfer Atmosphäre begabt und außenpolitische Sehritte unternimmt. Aber dieser Schritt bleibt ein reiner Deinonstrativakt. wenn er nicht, durch M i t a r b o i t d e r g csamten zionistischen Organisation fundiert wird. Wir müssen die Regierungen und den Völkerbund daran gewöhnen, daß das jüdische Volk sich nicht ewig äm KatzentLschchen festhalten läßt. Die Entwicklung der internationalen Politik geht immer eindeutiger darauf hinaus, daß die gesamten Fragen neudiskutiert werden, und daß sieh eine neue Ordnung der Orientprobleme vorbereitet. Wir müssen dabei sein. Zwar besteht bezüglich des Palästina-Mandates kein Grund zu Besorg - niss'en. Jede Änderung des Mandats bedingt. Einstimmigkeit im Rat und Mehrheit in der Völkerbundversammlung. Aber trotzdem muß das jüdische Volk seine Interessen im Auge behalten. Das neue Kabinett A ^__ Die Meinung der deutschen Wiriseliaftskreiso geht allgemein dahin, daß die in Nürnberg verkündeten Judeiuresetze. durch die nach der Äußerung Hitlers ..eine E b e n c g e s c h a f f e n w e r d e n s o 1 1, a u f d e r e s <1 e m d iMi t s e h e n V o I k e m ö g 1 i c h w i r d. e i n e r t r ii g I i e h e s V e r h ä 11 u i s zu m j ü d i s e h e n V o 1 k e finden zu k ö u n o n“. weit entfernt davon seien, diese Aufgabe zu erfüllen, sondern daß sie im Gegenteil von den radikalen Parfeikreisen und den praktis c h e n N u t z n i e ß e rn der a n t 1semitischen Politik der R c g i er u n g als ein Signal zur völligen wirtschaftlichen Vernichtung der Juden in Deutschland aufgefaßt werden. Immer enger schließt sieh der Zirkel, in dessen Bereich den Juden eine freie wirtschaftliche Betätigung noch belassen ist. Von unterrichteter Seite wird mitgeteilt. daß die Ausführungsbestiinniungen zu den Nürnberger Gesetzen die Betätigung von Juden in der Produktion und dem Handel von Chemikalien, im gesamten Drogengewerbe wie im Wein- und Tabaklumdel verbieten werden. Die Zahl der entlassenen jüdischen Angestellten steigt von Tag zu Tag. Tiefe Besorgnis, ja V e r z w ei fl u n g bemächtigt sieh immer weiterer tausender jüdischer Familien. Der jüdische wirtschaftliche „Ausverkauf“ hat letztens die folgende Maßnahme der Geheimen Staatspolizei gezeitigt: Agenten der Gestapo im ganzen Reich besuchen der Reihe nach jüdische Familien und fordern Belege, wo sie das hei Überleitung ihrer Geschäfte und ihres Grundbesitzes in arische Hände erhaltene Geld deponiert haben. Diese „plötzlichen Besuche“ verfolgen dreierlei Ziele: erstens wird den Juden bedeutet, daß es Hoch an der Zeit sei, daß sie ihre Geschäftsbetriebe und ihren unbeweglichen Besitz an Arier übergeben; zweitens soll darauf geachtet werden, daß der erhaltene Gegenwert nicht in das Ausland gebracht wird; drittens soll darüber gewacht werden, daß die Juden mittels des bei Veräußerung ihres Besitzes erhaltenen Kapitals nicht neue Geschäfte gründen. Bk ist der „stille Wirtschaftspogrom“, durch den die Juden gezwungen werden sollen, ihre Geschäfte und ihre Immobilien in arische Hände übergehen zu lassen, aber ihr Kapital dürfen sie zu nichts anderem verwenden. als z u r B e s t r e i t u n g ihres Lebensunterhaltes. Die Gestapo kontrolliert jetzt ausnahmslos j <> J e g is c h ä f t 1 i c h e T r a n sa k t i o u. bei der der eine Partner Jude ist. Hat ein Jude für einen Verkauf einen größeren Geldbetrag erhalten, so wird er re»vlmäßig von einem Gestapo-Beamten besucht, der ihn so lange unter Druck hält, bis der Jude das Geld bei einer deutsch e n Bank deponiert hat. Falls der Verkäufer nicht, erschöpfende Auskunft über den Verbleib der Ka-ufsuimne gibt, so sagt ihm der Beamte, daß er dadurch in den Verdacht komme, das Geld ins Ausl a n d g c sch m u g g e 11: z u li a b e n. Hebt ein Jude von seinem Bankkonto einen 1500 Mark überschreitenden Betrag ab, so wird dies von der Ba-nk sofort der Gestapo gemeldet, die sodann eine Untersuchung darüber anstellt, was der Abheber mit der Summe gemacht hat. Über die Bankkonten der Juden wird schon längst eine Kontrolle ausgeiibt. oft erstrekt sich diese Kontrolle auch a u f B a r b e t r ä g e in Haushalte n. Diese Kontrolle dient nicht nur dazu, die Ausführung des Geldes in das Ausland zu verhindern. was ja bei der bestellenden allgemeinen Devisenkontrolle gar nicht möglich ist, sondern — und dies in erster Linie — dazu, den Kapitalsinhaber daran zu hindern, eine neue geschäftliche Tätigkeit aufzunchmen. Die nationalsozialistische Lösung gegenüber den Juden lautet heute: „Einmal heraus aus dem Geschäft — für immer heraus aus dem Geschäft'.“ Die österreichische Regierung hat sich eingebildet. Eine Reihe wichtiger Ressorts äst neu besetzt worden, so das Innenamt, üas Justizministerium, das Finanzministerium, das Ressort für den ständischen Aufbau. Das Außenministerium verbleibt in den Händen des bisherigen Leiters. Eiu amtlicher Kommentar erklärt, daß an den Grundlinien der Politik nichts geändert wird und daß insbesondere die Unabhängigkeit und Freiheit Österreichs weiterhin Inhalt der Tätigkeit der Regierung bleibt. . Diese Erklärung ist angesichts der internationalen Situation von sehr großer Bedeutung. Sie tritt auch den vielen Gerüchten entgegen, die knapp vor der Rekonstruktion des Kabinetts verbreitet waren und viel Unruhe erzeugt hatten. Diese Gerüchte sind eine Waffe der nationalsozialistischen Propaganda, die dein inneren Frieden und der Konsolidierung der Verhältnisse entgegenarbeitet. Die Regierung macht dieser Vergiftung eiu rasches Ende. . Die Regierung hat erklärt, daß sie die Mitarbeit aller Bevölkerungsschichten Österreichs an dem Aufbau der Wirtschaft fordert. Soweit es auf die Judenschaft ankommt, wird sie immer dem Staat die Treue halten und seine Gesundung fördern. Sie hat ihm die Mitarbeit nie verweigert und wird ihre Haltung auch in Zukunft nicht ändern. Amerikanische Arbeiter- Föderation gegen Berliner Olympiade Die amerikanische Arbeiterlöderation hat sich gegen die Teilnahme der Vereinigten Staaten an den olympischen Spielen im Jahre 1936 in Berlin ausgesprochen. Die Enteignung London, 17. Oktober. Leonard G. Montefiore, der Präsident der Anglo-Jewish Association, der führenden Vereinigung der englischen Juden, und des Joint Foreign Committee (Komite für Schutz der jüdischen Rechte iui Ausland), weist in einem im ..Manchester Guardian“ veröffentlichten Aufsatz darauf hin. daß das Vermögen der Juden in Deutschland vollkommen durch den nationalsozialistischen Staat enteignet wird. Will ein Jude aus Deutschland auswandern, so muß er, wenn ziun Beispiel sein Vermögen 50.000 Mark überschreitet. 25 Prozent davon als Reichsfluchtsteuer entrichten; die restliche Summe erhält er in S p e r rm a r k, die im Ausland etwa 30 Prozent des i nominalen Wertes hat. Ein Vermögen von 100.000 Mark schmilzt demnach auf 20.000 Mark zusammen. Will also ein Jude das Land, in dem er Verfolgungen ausgesetzt ist, verlassen, s o in u ß er seine n V e rfolgern v i e r F ü n f t e 1 seines V e rm ö g e u s überlass e u Die Nürnberger Gesetze und die Drohung Hitlurs, daß | noch strenger e M a ß n a h m e n gegen die Juden ergriffen werden würden, falls der antideutsche Boykott andauert, haben aber im Verein mit dem Boykottterror und den anderen unaufhörlichen Quälereien, denen die Juden sind, eine solche Verzweifliirigsstimiuimg unter den Juden geschaffen, daß viele ihre Geschäfte verkaufen und aus wandern, wobei sie den Verlust von vier Fünfteln ihres Vermögens mit in Kauf nehmen. England gegen Sportspiel4 mit Deutschen London, 18. Oktober. Gegen das für den 4. Dezember auf dem Spurs’ Gelände zu London ungesagte Fußballmatch E n g 1a n d— D o u t 6 c h 1 a n d macht eich in England eine (stetig wachsende Opposition bemerkbar. Der Sekretär des Unparteiischen Anti-Nazi Council teilte der Presse mit, die Opposition richte sich nicht gegen die Spieler, sondern gegen die deutsche R e gier u u g, die sich sichtlich bemüht zeigt, das Match zu politischer Propaganda aiiszunützen. Wir sind, erklärte er, genau darüber unterrichtet, eiaß die Deutschen beabsichtigen, etwa 4000 erprobte Nazismen anläßlich dieses Matches nach England zu bringen und die Veranstaltung als eine Geste englischer F r e u n dscliaft gegenüber dem Nazirogimo auszuwerten. Das Mitglied des Unterhauses Baruett J a u n e r richtete einen Appell an die englischen Fußballspieler, in dem es heißt: „Die Haltung der Deutschen gegenüber jüdischen Sportlern, die wegen ihrer Rasse,zugohörigkeit verfolgt werden, ist die unsportmäiinischeste in der Geschichte.“ Der „V ü 1 k i s c h u B e u b a e h t e r“ warnt die Londoner Juden, es in ihrer ballniateh am L Dezember zu weit, zu treiben und r ä t der Londoner Polizei, dem „Treiben der .luden und der Londoner Unterwelt“ eiu Ende zu machen. Die Zeitung berichtet, daß „in dem dreckigen jüdischen Die neue ausgesetzt Opposition gegen das englisch-deutsche Fuß- Viertel von East London"' Plakate ueklebt wurden, in denen die Bevölkerung autges fordert wird, das Mateli zu verhindern. Der ..Völkische Beobachter" schließt' daraus, daß die Juden Londondie gesamte Unterwelt ..dingen", um das Spiel zu vereiteln. Im Konzentrationslager Auf Umwegen über das Ausland traf in Prag die Nachricht ein. daß Dr. Max S ac li s. bis zum Machtantritt Hitlers im März 1933 Redakteur der ..Dresdner Volkszeit.ung“. in einem Konzentrationslager in der Nähe von Chemnitz, wahrscheinlich in Sachsenbiirg. n e u n T a, g e n a c li s e in e r E l n I i e f e r u n g ..p 1 ö t z 1 i e li g estorben“ ist. Die näheren Umstände seiner plötzlichen Verschleppung und sehn s Todes sind noch imbekannt. Der Tod trat am 5. Uktober ein, die Anzeige in einer Dresdner Zeitung durfte aber erst am 11. Oktober, dem Tage der Einäscherung, bekannt gegeben werden. Dr. Max Sachs war schon im März 1933 Schutzhaflgefangeuer des Dresdner Polizeipräsidiums, zu der Zeit, als zwei andere Juden Dr. S c h o 11 I ä n d e r und Hermann L i e b in a n n, verschleppt und getütet wurden. Er wurde damals aus der Polizeihart entlassen und erst jetzt von seinem Schicksal ereilt. Die deutschen Judengesetze Berlin, 18. Oktober. Wie der Sonderberichterstatter der JTA erfährt, hat sieh das R e i c h s k a b i n o 11 unter dem Vorsitz Hitlers am 17. Oktober mit den A u s f ü h r u n g s b e s t i min u n ge n zu den Nürnberger Gesetzen belaßt und vorläufig zwei neue, die Juden hart treffende Bestimmungen formuliert, von denen die eine das Verbot des Erwerbs von G r u n d b e s i t z durch Jude n, die zweite den allgemeinen Zwang für jüdischo Geschäfts- und Bctriehsinliaber, Schilder a n z u b r i n g e n, die unzweideutig auf den jüdischen Besitzer hinweisen, betrifft. Dia erste Bestimmung wird dadurch begründet, daß von zahlreichen Stadtverwaltungen inj, ganzen Reich bereits diesbezügliche Anordnungen getroffen wurden, die nun leg a- 1 i s i e r t werden müssen, damit auch auf diesem ‘Gebiete „Einzelaktionen“ aufhören. Diese Bestimmung trifft nicht nur die jüdischen Grundbesitzer, sondern auch jüdisehe Inhaber von Hypotheken auf Grund-» besitz außerordentlich schwer; der jüdischo Ilyputhekeubesitzer wird in Zukunft die Hypotheken deswegen nicht realisieren können, weil er es nicht mehr in der Macht haben wird, bei Niclitzablen der Hypothekenscliitld das Grundstück zu pfänden. Die zweite Bestimmung weist darauf hin, daß die Regierung das von der Partei proklamierte Verbot d e s I I a n d u 1 s mit J ud e n als „legal“ betrachtet. Es heißt, daß die diesbezüglichen Beschlüsse des Reichskahiuetts erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden würden. Kulturbild aus Franken Dio in Nürnberg erscheinende „Allgemeine Rundschau“ berichtet aus JVl a i u- B e r n li e i m: Seit einigen Tagen steht am Ortsausgang nach I p li o f e n zu ein lebensgroßer Vielijudo mit einer Peitsche zur Warnung für alle diejenigen Volksgenossen, die noch mit Juden handeln oder Freundschaft halten. Die unter der Figur angebrachten Tafeln lauten: „Wie die Gestalt, so dio Seele“ und „Diese Rasse ist unser U n g 1 ii c k. D a r u m ist J u d e n f r e u n d s c h alt V o 1 k sverrat.“ Die Figur lindet bei den Durchreisenden größten Anklaug uud wird täglich dutzondo Male photographiert. Antijüäische Ausschreitungen in Czernowttz Am zweiten Sukkothtage kam es in Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, zu Ausschreitungen von Cuziston gegen Juden, mehrere jüdische .Straßenpassanten wurden angegriffen, dm* jüdische Schneider Josef Treprier wurde dabei durch Messerstiche schwer verletzt und mußte in bedenklichem Zustand ins Hospital überführt .werden. DURCH DIE TECHNISCHEN ERRUNGENSCHAFTEN DER DOPPELWENDEI AUS EDEl-KRISTAUDRAHT WIRD IHRE BdeucUiuHfy wUUckafUicUec! sftad fite Sie!

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