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Die Stimme · 1935-10-22 · Heft 492 (22.10.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 492 (22.10.1935)
Date
1935-10-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer SO g JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 49 * | Wien, 22 Oktober (935 | | (25 Tlschrl 5696) [ 9- Jahrgang Redaktion und Administration; Wien, i., Marc-Aurai-Strafle 8. Tel.; U 22-3*91 RsdsktlonssohiuB Montan und Mittwoch vorm. Anleihe für den jüdischen Palästina-Aufbau 2-Millionen-Pfund-Anleihe der nationalen Fonde London, 17. Oktober. In der unter dem Vorsitz von Viscountess E r 1 e i g h abgehaltenen Jahresversammlung des Zionistischen Frauenverhandes Englands hielt der bekannte Finanzier Israel M. S i e f f eine Ansprache, in der er an der bisherigen ungeregelten Entwicklung der palästinensischen Finanzinstitutionen Kritik übte und bekannt gab, daß Verhandlungen über die Aufnahme einer großen Anleihe für den Palästina- Aufbau im Gange seien. Bisher, erklärte Sieff, wurden nur sehr wenig Versuche gemacht, die Arbeit der Institutionen auf gesunder wirtschaftlicher Grundlage zu koordinieren. So kam es, daß der Keren Hajessod Dinge tat, die auch der Jüdische Nationalfonds machte und umgekehrt. Die Angjo.s Palestine. Bank gewährte nicht jene vollSmtidlge Mitarbeit, die zU einem Höchstihdtte wirksamer Arbeit der beiden Institutionen notwendig gewesen wäre. Solange der Kredit der Jewish Agency noch so gering war, daß es ihr schwer fiel, Geld zu einem vernünftigen Zinsfuß zu leihen, mußte es unvermeidlich bei diesem Zustand bleiben. Einige von uns sind jedoch der Ansicht, daß es jetzt an der Zeit ist, zwei Dinge zu unternehmen: 1. einen Aufbauplau zu schaffen, der die Zusammenarbeit aller dieser Institutionen Vorsicht, und 2. zu untersuchen, ob es nicht möglich wäre, eine jüdische oder nichtjüdische Gruppe an der Palästina-Arbeit zu interessieren und mit Hilfe des durch dieses Interesse geschaffenen Vertrauens zusätzliche Kredite für die Jewish Agency zu erlangen. Durch einen glücklichen Zufall haben wir in der City von London eine Gruppe gefunden, deren Mitglieder nicht nur von der Kreditwürdigkeit des jüdischen Volkes durchdrungen sind, sondern auch von einem gewissen Idealismus, der sie zur Durchführung dieser Finanztransaktion bewog. Das Ergebnis der Anleihe war, daß in die wichtigsten Finanzinstitutionen der Jewish Agency Ordnung gebracht und es der Agency ermöglicht wurde, einen Kolonisationsplan auszuarbeiten und gründlich vorzubereiten. Ich freue mich, mitteilen zu können, daß jetzt neue Verhandlungen im Gange sind, durch die eine Anleihe von beträchtlicher Höhe für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Palästinas erlangt werden soll. Es ist zu hoffen, daß der Keren Kajemeth in nächster Zeit eine Anleihe von eineinhalb Millionen, der Keren Hajessod seine 500.000 - Pfund-Anleihe und die A n g 1 o - P al e s t i n e Bank ihre Anleihe für Aufbauzwecke zustandebringen werden. Dies würde den jüdischen Einrichtungen in Palästina ermöglichen, ihre Arbeit mit jenem Maximum an gesunder Wirtschaftlichkeit, Voraussicht und staatsmännischer Kunst durchzuführen, das der Besitz der entsprechenden Mittel zuläßt. Daß es uns gelungen ist, unsere Einrichtungen zu festigen und unsere künftige Arbeit rechtzeitig zu planen, berechtigt uns zu der Hoffnung, daß die weitere Entwicklung in Palästina weniger dem Zufall überlassen sein und einen gesünderen Charakter tragen wird als in der Vergangenheit. * 200.000 Pfund für öffentliche Arbeiten in Tel-Aviv Tel-Aviv, 17. Oktober. Der Stadtrat von Tel-Aviv hat aus den Mitteln der ihm von der Prudential Assurance Company in London gewährten 1-Million-Pfund-Anleihe eine Summe von 200.000 Pfund für öffentliche Arbeiten bestimmt und für diesen Plan die Genehmigung der Palästina-Regierung angesucht. Inzwischen wurden die ersten öffentlichen Arbeiten aufgenommen, für die eine Ausgabe von 40.000 Pfund vorgesehen ist. Illegaler Waffentransport in Jaffa angehalten Tel-Aviv, 17. Oktober („Palcor.“) Ein Communiqud der palästinensischen Polizei teilt mit, daß im Hafen von Jaffa ein illegaler Waffentransport angehalten wurde. Die Gewehre und die Munition waren in Fässern mit Zement und kamen auf einem belgischen Schiffe an. Der Transport war für einen Handelsagenten in Jaffa bestimmt. Die arabische Presse alarmiert über diesen Vorfall die Öffentlichkeit uiid beschuldigt die Juden der geheimen Bewaffnung. Die bisherigen Erhebungen Die Zertifikate Warschau, 21. Oktober. Wie die JTA erfährt, hat die Exekutive der Jewish Agency diesmal der Manda::regierung keine neuen Vorschläge bezüglich der halbjährigen Schedule Oktober 1935 bis März 1936 gemacht, sondern bloß um einen Vorschuß auf die Schedule angesucht, der erst später, wenn die internationale politische Situation geklärt sein wird, erteilt werden soll. Gerüchtweise verlautet, daß die Palästina- Regierung bereits einem Vorschuß von einigen tausend Zertifikaten zugestimmt hat. Eine Bestätigung liegt noch nicht vor. Verlegung des Organisationsdepartments nach Jerusalem London, 18. Oktober. Die Zionistische Organisation gibt bekannt, daß die Verlegung des Organisatioi}6dopartmentsnach Jerusalem b i s D e z e mber vollständig durchgeführt sein wird. Dr. Otto Hirsch in Freiheit Berlin, 18. Oktober. (Z. T. A.) Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch, geschäftsführender Präsident der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, der wegen des gemeinsam mit dem Präsidenten der Reichsvertretung Rabbiner Dr. Leo B a e c k Unterzeichneten Jom Kippur-Aufrufes an die deutschen Juden verhaftet und eine Woche lang im Columbia-Haus festgehalten wurde, ist freigelassen worden. Es verlautet, daß die Untersuchung gegen ihn eingestellt und eine Klage nicht erhoben werden wird. Niederlage der antisemitischen Parteien in Kanada Boi der Neuwahl des kanadischen Parlaments, bei der die Liberalen einen überwältigenden Sieg über die Konservativen errungen haben, sind auch die beiden jüdischen Abgeordneten Sammuel Jacobs und Samuel Factor wiedergewählt worden, während die Antisemiten eine vollständige Niederlage erlitten haben. Abgeordneter Samuel Jacobs hat in seinem Wahlkreis Winnipeg (Manitoba) 11.000 Stimmen mehr erhalten als sein antisemitischer Gegenkandidat Salusto L a v e r y, ein F-anzösisch-Kanadier, der in der antisemitischen Bewegung des Landes eine große Rolle spielt. Abgeordneter Samuel Jacobs gehört zu den ältesten und bedeutendsten Parlamentariern Kanadas. Die antisemitische Wahlkampagne hatte vor allem an die durch eine jahrelange Pressekampagne wachgohaltenen judenfeindlichon Instinkte der kanadischen Bevölkerung französischer Abstamm u n g appelliert. Doch konnte der Kandidat Jean T i s s o t, der soeben wegen antisemitischer Verleumdung des jüdisch-kanadischen Führers und Vorsitzenden der Zionistischen Organisation Kanadas, A. J. F r e im a n, zu 50 Dollar Geldstrafe verurteilt wurde, nur 3890 Stimmen auf sich vereinige* Die Entdeckung des Waffentraneportes in den Zementfässern, der von Belgien kommend im Jaffaer Hafen eingelangt ist, macht einen starken Eindruck im ganzen Lande. Die Hetze der arabischen Presse, die behauptet, daß Juden diese Waffen ins Land geschmuggelt hätten, gellt weiter, obwohl bisher nicht festgeetellt worden ist, ob der Adressat ein Jude oder ein Araber ist. Die polizeiliche Untersuchung, die gleich nach Bekanntwerden des Vorfalles eingeleitet wurde, hat bis jetzt bloß folgendes festgestellt: In jedem Faß, das geöffnet wurde, lagen tausend Patronen, eingepackt in Zinkküstchen, die fest verschlossen waren, ln manchen Fässern fand man auch Außenpolitische Arbeit! In der internationalen Lage ist eine leichte Besserung zu verspüren. Sie ist jetzt nur optischer Art. England und Italien sprechen wieder miteinander. Einstweilen versichern sie einander, daß sie gegenseitig keinen Krieg wollen. Aber es ist sehr wahrscheinlich, daß sich die Basis der -Diskussion erweitern wird und vielleicht wird es bis zum Ende dieses Monats, wenn der Völkerbund wieder Zusammentritt, möglich sein, von der Anwendung der in Genf beschlossenen Sanktionen abzusehen, die sehr zweischneidige Waffen darstellen. Das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen wird sich also erst in zehn Tagen zeigen, aber es ist doch viel, was der unermüdliche Laval erreicht hat. Er ist in der nächsten Zeit, nach seinem Sieg bei dein Senatswaihlen, der innerpolitischen Sorgen enthoben und hat einen starken Vertrauensbeweis des französischen Volkes erhalten, der sich über Frankreich hin auswirkt und an diejenigen richtet, die den Krieg durch Krieg bekämpfen wollen und die gegenüber Italien eine Energie entwickeln, die sie dem deutschen Nationalsozialismus gegenüber nie gezeigt haben. Die Unklugheit einer Politik, die nur geeignet ist, Italien auf die Seite Hitlers zu zwingen, ist evident und sie enthüllt sich jetzt schon in dem Schwenken der reichsdeutschen Presse, die bisher ihre Ungeduld getarnt hat und neuestens viel von dem Rassenstandpunkt redet, den man bei der Beurteilung des afrikanischen Krieges nicht vergessep sollte. Es wird davon .gesprochen, daß Mussolini die M a n d a t s f r a g e aufrollen will. Seine Friedensbedingungen sollen darin bestehen, daß er die Abtretung der eroberten Nordprovinz Abessiniens und des Gebietes von Erythräa bis Somali verlangt, während das äbessinische Kernland als Mandatsgebiet der Erschließung durch Italien anheimgegeben wird. Da Abessinien Völkerbundstaat ist, entsteht eine sehr kompli- Gewehre. Insgesamt sind über 500 Fässer angehalten worden. Die Entdeckung ist lediglich einem Zufall zu verdanken. Während der Ausladung der Fässer wurde eines zerbrochen und so kamen die Kästchen mit den Patronen zum Vorschein. Der Transport war auf den Namen Katan in Tel-Aviv adressiert. Eß ist aber bis jetzt nicht festgesteilt, wer dieser Katan ist. Die arabische Zeitung „Falastiu“ versichert, daß schon zum fünften Male Waffen nach Palästina eingeschmuggelt werden, nur habe man bis jetzt nichts entdecken können. Die arabische Jugendföderation und auch die Naschaschi'bi-Gruppe haben Proklamationen erlassen. Die Mufti-Partei hat eine Petition an die Regierung und eine Manifestation an alle Muselmanen angekündigt. Es verlautet, daß die Araber einen Generalstreik in manchen Städten planen. Die hebräische Presse glaubt, daß der entdeckte Waffentransport für Abessinien bestimmt war und nur im Transitwege Palästina berühren mußte.

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