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Die Stimme · 1935-10-18 · Heft 491 (18.10.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 491 (18.10.1935)
Date
1935-10-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seift 2 DIS STIMME , -,s Nr. 491 — 13. Oktober 1935 Aus dem Dritten Reich Biiiige Reisen nach POLEN Abfahrt 28. Oktober, Rückkehr 21. u. 28. Okt. 1935, ev. auch später Auskunft bei DR. S. TÖCKER, WIEN, IX» LiechfenslafnstraOe 2, Tel. A14-304 an Satzung und "Norm gegeben haben, das findet, seine Quelle und seine innere Kraft in diesem Buch. Das gesamte Zusammenleben der Völker, ihre Erhebung von der Horde zur denkenden und vorwärtsgehreitcnden Gemeinschaft, ist, n n m ö g lieh u ti d u ndenkbar o hnc d i e T hör u. ..Das ist die Lehre, die Gott dem Moses gegeben hat." Wie haben die Völker dieses Geschenk belohnt? Wie haben sie sich zu diesem Volk •gestellt, das in der finstersten Urzeit, da kaum noch die Nebel des Mythos geschwunden waren, aus sich heraus das Gesetz des Menschen geschaffen batte? Aus Krieg und Mord, aus Sklaverei und Gier nach fremdem Besitz sind diese Völker hervorgegangen, und als sie daran schritten, sich einzu- Tichten und zu ordnen, da mußten sie nach der Lehre des jüdischen Volkes greifen, die schon fertig vor ihnen stand. Diese Notwendigkeit ist der U r Sprung d er Fein tisch a f t gewesen. Sie haben mit Lüge, mit Mord, mit Acht und Bann gedankt und sie tun (lies bis zum heutigen Tag. Die Thora hat dem jüdischen Volk geholfen, diese Zeiten zu überstehen. Sie ist d a s höchste und unverlierbare Gut eines Volkes, das sonst nichts besitzt. Wir, das Judentum von heute, tragen die Thora, unser Gesetz, wieder in das Stammland zurück. Dort soll sie wieder feste Wurzeln schlagen, eins mit Land und .Volk. Palästina-Baugründe . iiumuiuiiiiiiiiiiuiuiiiiiHiiüiHiiuiiiHiiiiiiiiimiiiuiiiiiiMiuiiiiiliiiimiiiiiiiiimiiiiüiiiiiiiium .Wir suchen I. Satz-Hypothek bis £ 20.000.— tdavon £ 8.000.— für Eauzwecke) auf prima Baugründe in Haifa, Geschäftszentrum und Um* . gebung. Schätzwert £ 80.000'—. Kaufvorzugsklausel und Umwandlung des Besitzes in Ak- Jien-Gesellschaft nicht ausgeschlossen. Anträgen; Humouda, Wien, I., Postgasse Nr. 11. Tel.: R 20-1-30 oder Haifa P. O. B. 99. Stephen WUe schlägt die Abhaltung der Olympiade in Wien vor New York, 16. Oktober. . Der Präsident de« American Jewish OongTees und des Comite des Delegations Juives Dr. Stephen S. Wise regt in der Öffentlichkeit die Abhaltung der künftigen Olympiade in Wien, statt in Berlin, an. Er erklärt: Ganz Amerika ist eines Sinnes in der Frage de« Boykotte der Berliner Olympiade. Gelingt es Hitler, zivilisierte Völker nach Berlin zu bringen, so wird dies sein größter Triumph sein. Die künftige Olympiade sollte nach Wien verlegt werden, dies vf ü r d e Österreich gegenüber dem H i 11 e r t u m stärken. , In einer Sitzung des Boykottkomitees des American Jewish Congress erklärte Stephen Wise, er habe ■ festfiteilen können, daß der Anti-Nazi-Boykott in Palästina ebenso s<treng gehandhabt wird, wie in den USA. Er forderte zu einer Kampagne auf, um 300.000 Juden die Auswanderung aus Deutschland zu ermöglichen. Luxemburg für Flüchtlinge aus Deutschland gesperrt Luxemburg, 14. Oktober. Wie der JTA-Vertreter zuverlässig erfährt, haben die Luxemburger Polizeibehörden kürzlich eine geheime Order von der Regierung erhalten, Flüchtlinge ans Deutsehland, besonders aus der Saar, nicht mehr zu registrieren, sondern sie zum sofortigen Verlassen Luxemburg» aufzufordern. öffentlich will Luxemburg anscheinend das Asylrecht nicht abschaffe», aber den Flüchtlingen, die den Boden Luxemburgs betreten, wird bedeutet, daß ihnen Identitätskarten nicht mehr verabfolgt werden. so daß sie gut täten, das Land baldmöglichst, zu verlassen. Wir empfehlen zum Ankauf von Klassenlosen die vom Glück besonders begünstigte Geschäftstelle Albert Bauer (Glücksbauer), IV., Favoritenstraßo 4, welche zur Bequemlichkeit unserer Imopoldstädter Freunde auch im II. Bezirk, L e o p o I d s g a s s e 2o, fci&e Filiale, unterhält. Eine Erpressung der Gestapo Prag, 14. Oktober. Wie aus Berlin gemeldet, wird. i*st der vor etwa, einer Woche von der Geheimen ■Staatspolizei in Haft genommene gesohäftsfiihrende Prä,«-ident der ' Beiehsvertretmig der Juden in Deutechland, der frühere Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, aus dem Polizeipräsidium i n d a s b e r ü c h t i g t e C o l u m b i a - II a u s gebracht worden, wo er sieh mehr im Gcwaltbereieh der Partei befindet. Alle Versuche tseiner Kollogert aus der Iteichsvertretnng muL meiner Angchühörigen, mit ihm in einen Kontakt zu kommen, sind bisher erfolglos geblieben, d i e Polizei verweigert, auch jede Auskunft Uber sein persönlichem Befinden und über die Art der gegen Um geführten Untersuchung. Die Kreise der auswärtigen Diplomaten in Berlin interessieren sich sehr für das Schicksal des Verhafteten, doch betrachten sie die Entwicklung dieser Angelegenheit mit einem gewissen Pessimismus; sie glauben triftige Gründe für die Annahme zu haben, daß die Partei ihn sozusagen als Geisel halten will, um die Reichsvertretung der Juden in Deutschland zu zwingen, die anläßlich des Jom Kippur zwecks Verlesung in allen Synagogen erlassene Gebet- Proklamation, in der eine Kritik an den Nürnberger Judengesetzen erblickt wird, in aller Form zu widerrufen, ferner zu erklären, daß die Nürnberger Gesetze von den Juden gutgeheißen werden, schließlich auf die jüdischen Gemeinschaften im Auslande Einfluß zu nehmen dahingehend, daß der gegen die deutschen Waren und Dienste geübte Boykott abgebrochen wird. Unter diesen Umständen sei — so glauben die auswärtigen Diplomaten —- mjt einejr Freilassung von £)r. Hirsch in absehbarer Zeit kaum zu rechnen; denn es sei nicht anzunehmen, daß die Führer der deutschen Juden sich zu einer Erklärung in dem von der N. S. D. A. P. gewünschten Sinne werden bereitfinden lassen. Der Inhalt der Gebetsproklamation Die vom Präsidenten der Rciehsvertretung Rabbiner Dr. Leo Baeck —• der bekanntlich ebenfalls *24 Stunden lang irn Colurabia-Haufi fest,gehalten wurde — und dem geschUftsführemien Präsidenten der Reichevertretung Dr. Otto Hirsch Unterzeichnete Gebets-Proklamation an die Juden in Deutschland, deren Verlesung in den Synagogen überall durch die Polizei verhindert wurde, hat, wie schon mitgeteilt, einen rein religiösen Charakter. Direkte Anspielungen auf die Nürnberger Rasscge.set.ze fehlen, doch wendet sich das Gebet allgemein gegen Diffamierung u n d Diskriminierung der Ju d e n und der jüdischen Religion. Es heißt daran ungefähr: Mit der gleichen Kraft, mit der wir unsere Sünden selbst bekennen, weisen wir die Lügen und Verleumdungen, die über uns, unsere Religion und ihre ewigen Wahrheiten verbreitet werden, zurück. Unsere Religion hat der Welt den Glauben an den ewigen und einen Gott gegeben, unser Glaube legte die Wurzeln zu der Reinheit im persönlichen Leben und im Familienleben. Unser Glaube bat der. Welt den Gedanken der Achtung vor dem Menschen als dem Ebenbilde Gottes, den Gedanken der sozialen Gerechtigkeit gegeben. im Judentum haben diese Samen Wurzel geschlagen. An diesen Tatsachen prallt jeder uns angetane Schimpf ab. Unsere Geschichte ist eine Geschichte geistiger Größe und geistiger W ü r d e. Daran denken wir, sooft wii angegriffen und gedemütigt werden, wann immer Not und Leid uns treffen. Wir stehen heute vor unserem Gott, vor ihm beugen wir uns, aber vor den Menschen bleiben wir aufrecht. Und wir glauben an die Zukunft. Verbote Berlin, 14. Oktober. In Stadt und Kreis Günzenhausen in Bayern ist durch öffentliche Bekanntmachungen den Juden verboten worden, an Sonntagen sieh auf den Straßen" zu zeigen: sie dürfen öffentliche Institutionen, wie Museen »sw. nicht betreten, s o g a r F r i e dh ö ft* dttrfm sie n i c h t b e s u c h e n. Die Juden dürfen auch keinen Grundbesitz erwerben oder pachten, auch die Autowoge nicht benutzen. Anderseits wird die Bevölkerung, besonders die Jugend, ersucht, die Juden an Sa-bbathtagen auf dem Wege zur Synagoge nicht zu belästigen. In vielen anderen Städten und Kreisen wurden gleiche Verordnungen erlassen, die in der Einschränkung jeder Betätigung der Juden so umfassend sind, daß aus ihnen der ■Schluß gezogen werden kann, die Juden seien eigentlich aller Rechte b e- . r a u.b t, m i t. A.u s n a ü m e d e s R e c ht o s der S t e u e r z a h 1 u n g. Die von den Bürgermeistern der betreffenden Orte Unterzeichneten Bekanntmachungen drohen allen jenen, die in Gesellschaft von Juden gesehen werden, mit Bekanntgabe ilirer Namen in der Press e. In Düsseldorf erhielten sämtliche jüdischen Detailgeschäfte,., etwa 300 an Zahl, Mitteilungen ihrer Banken, daß ihnen die Kredite entzogen werden. Viele Geschäftsinhaber haben , bereits ihre Geschäfte zum Verkauf ausgeboten. Die Auswanderer dürfen kein; Vermögen aus führen Der Berliner -'Korrespondent de« ..Times“ berichtet seinem Blatte: Die Regierung hat an die Zollbehörden! wie an alle Finanz- und Wirtschaftsgruppen ein Zirkular versandt, in welchem darauf hingewiesen wird, daß in der letzten Zeit die Nachfrage nach ausländischen Obligationen, deren Mitnahme ins Ausland für Auswanderer noch gestattet-war, als Resultat des erhöhten Auswanderungsdranges gestiegen ist, D i o A u s f u h re r 1 a u b n i s für diese Obligationen wird annulliert, die Zollstellen werden beauftragt, die Ausführung zu beanstanden. In Zukunft werden Auswandemde solche Obligationen nur dann ausftthren dürfen, wenn sie nacliweisen können, daß sie dieselben noch vor dem Jali u a r 1033 e r w o r b e n haben. Diese Verordnung bedeutet einen schweren Schlag für jene deutschen Juden, die auswandern wollen, denn sie haben dadurch die letzte Chance, Teile ihres Vermögens, wenn auch mit Verlust, aus Deutschland auszuführen, verloren. Die Nachfrage nach ausländischen Obligationen stieg insbesondere nach Verkündung der Nürnberger Gesetze, die ein starkes Ansteigen des Auswanderungsdranges unter den deutschen Juden im Gefolge hatten. Dr* Lewald haltgestellt Berlin, 15. Oktober. Wie der JTA-Vortrcter erfährt, wurde Dr. Theodor Lewald, der als Vorsitzende r der Kommission zur Vorbereitung der Olympiade «ich .demnächst nach Amerika begeben soll, um neuerdings für die Teilnahme der amerikanischen .Sportkreise zu werben, kürzlich als „N i e h t, a r i e r“ von wichtigen sportlichen Posten, die er bis dahin bekleidet. hat, entfernt; so mußte er Billige Reisen nach PALÄSTINA kostenlose Beratung in allen Reise- Angelegenheiten, welche Palästina betreffen, erteilt DR. S TOCKER Wien, IX., Lteohtenstelnstraße 2, Tel. A 14-504 u. a. das Präsidium in der Deute schon Olympischen G e s e 1 D Schaft und i m K e i e h s s p o r t v c r-> b a. n d nie d e r 1 e g c n. Dr. Theodor Lewald entstammt der glen eben l amilie wie die bekannte jüdisch ge-> borrm* und später getaufte Romansehrifte stellerin Fanny Lewald, Vorkämpferiu de? Frauenemanzipation in Deutschland. Vom Winterhilfswerk ausgeschlossen Dae Deutsche Nachrichten-Büro hat den Berliner ausländischen Pressevertretern und Nachrichten-Agenturen die folgende Mitteilung zur Verbreitung übergeben: ..Amtlich wird mitgeteilt: In der Auslandspreis,sh sind in den letzten Tagen mehrfach Meldungen erschienen, wonach Juden vom deutschen Winterhilfe werk nicht betreut werden. Diese Nachrichten sind falsch. Tatsache ist, daß in der Organisation des Winterhilfswerkes auch eine Betreuung der Juden vorgesehen ist.“ Diese offizielle Mitteilung .stellt mit den Tatsachen in direktem Widerspruch. Dio ,.Deutsche Allgemeine Zeitung“ und mehrere andere Zeitungen in Deutschland druckten einen ihnen übergebenen autoritär tiven Bericht über die anfangs Oktober stattgefimdene Arbeitstagung des Amtes für Volke Wohlfahrt (Gau Berlin) «ab, laut welchem Gauamtsleiter ■ Spiewok erklärt hat, daß in diesem Jahre zum erstenmal die jüdischen Einwohner nicht mehr vom Winterhilfswerk ei> faßt werden. ,,Die Juden“, sagte er* „werden vom Winterhilfswerk nicht zu Spenden, herangezogen und auch nicht mit Spenden foe* dacht werden.“ Die Verordnung wurde vom Kommis sag .ffir. das Hilfswerk des Deutschen Völke$ "unterzeichnet und trägt die Nummer 39, 'Sie wurde den bisher für das Wintexhilfswerk herangezogemen jüdischen Stellen mit der Bemerkung zugeßtellt, es bleibe den Juden überlassen, an ihrem eigenen Bereiche ein Winterhilfswerk „von Juden;u n d für Juden“ in die Wege zu leiten. Dieser Verordnung entsprechend, batten diel!jüdischen Gemeinden bereits am Vergölte ’nungstage in den Synagogen ein jüdisches; Winterhilfswerk proklamiert. Die der jiidfe sehen Reichsvertretung unterstellte Zentral« wohlfahrtsstelle der deutschen Juden, der die Leitung des jüdischen Winterhilfswerkd obliegt, hat bereits an die jüdischen Ge-i meinden Richtlinien ergehen lassen, die mit den Worten beginnen: „Die Durchführung der Winterhilfe unter der jüdischen Bevölkerung Deutschlands ißt durch Anordnung Nr. 39 des Herrn Reichs-* beauftragten für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes der Zentrulwohlfahrte-« stelle der deutschen Juden und den ihr an« geschlossenen Stellen überlassen worden.“ Die Reichsvertretung der Juden itf Deutechland, die Landesverbände der Jin den und die jüdischen Spitzcnorganfeutio-i nen haben einen gemeinsamen Aufruf er-i lassen, der mit den Worten beginnt: ,,G emäß einer Anordnung der Leitung des Wintorhilfswerks dos Deutschen Volkes werden Juden in diesem Jahr am Winterhilfswerk des Deutschen Volkes nicht beteiligt. Siie werden durch da« Winterhilfswerk des Deutschen Volkes nicht betreut und sollen auch ziu Spenden nicht herangezugen werden.“ Nach Erscheinen des Dementis des Deutschen Nachrichtenbüros wandten «ich die mit dem Winterhilfswerk befaßten jüdischen Kreise an dio Roichsleituug des Winterhilfevverks de« Deutschen Volkes um A u f k 1 ä r u n g, da wurde ihnen aber ßlrikte gesagt, daß das Dementi des Deutschen Nachrichtcn-Büros die Situation t a t fl ä c li 1 i c h n i c h t ä u d e r t, und daß die Juden fortfahren mögen, ihr eigenes Winterhilfswerk zu organisieren. Es scheint also festzustehen, daß das Dementi dos Deutschen Nachrichten-Büros, daß eine in Deutschland unbestrittene offizielle Tatsache dem Ausland gegenüber zu bestreiten versucht, lediglich a u f W i rknng außerhalb der deutschen AUCH IM WIENER RATHAUSKEUER r\\S STÖBERLPREISE J Alt-Wien im Grinzinger Keller. Täglich Musik der Kapelle Auerbach. Konzert, Jazz, Stimmung. Mitwirkend; Stimmungssänger Han.*? Blasdiek und Violinvirtuose R. OhlensAläger

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