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Die Stimme · 1935-10-18 · Heft 491 (18.10.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 491 (18.10.1935)
Date
1935-10-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mi dieser Nummer 20 g V. b. b. ZhUto*' JÜDISCHE ZEITUNG REISEBÜRO CITY o D R. J. H. K 'O' R. N E. R ' WIEN I. KOHLMARKT 8 U-26-4-29 Yiho.YhibCAxjUM.Q K&ztbvdkm ' Radsktlsn und AdmlnlitrstJon i Wien, 4 Msre-Aursl-StrsBs 5. Tel.: U 22-3-81 RidiktionttehluB Montag und Mittwaeh vorm. 1^!^tdlriTi94<<J,H9^ihreäng Das Palästina-Judentum an den Völkerbund Stärkung der jüdischen Arbeit Jerusalem, 15. Oktober. In der letzten Sitzung des Arbeiterrates von Jerusalem wurde berichtet, daß die Position der jüdischen Arbeit in Jerusalem sich gefestigt hat. Während im «August 1934 im Baugewerbe 984 jüdische Arbeiter, von denen 63% organisiert waren, und 400 Araber beschäftigt waren, ist die Zahl der jüdischen Arbeiter im Baugewerbe im August 1935 auf 1460 (73% organisiert), gestiegen, die Zahl der arabischen Arbeiter auf 340 gesunken. Eine ähnliche Entwicklung ist auch auf anderen Arbeitsgebieten fesfzustellen. In vielen Arbeitszweigen herrscht immer noch starker Mangel an Arbeitskräften. Eingabe des jüdischen Nationalrats „Times" über die Vorsänge in Deutschland Der Berliner Korrespondent der „Times“ I weist an einer Reihe offiziell bekanntgegebener Tatsachen nach, daß weder diel seinerzeitige Rede Schachts bei Eröffnung der Königsberger Messe, noch Hitlers anläßlich der Verkündung der Judengesetze in Nürnberg erlassener Befehl gegen „Einzelaktionen“ irgend eine Wirkung ausgeübt haben; Hand in Hand mit der von | der Hitler-Regierung auf „gesetzlichem“ Wege inaugurierten Entrechtung und Bedrückung der Juden gehen überall im Reich „E i n z e 1 a k t i o n e n“ vor sich, die das Leben der Juden als Gemeinschaft und als Individuen zu einem ununterbrochenen Martyrium gestalten. Dr. Schachts Definition der Nürnberger Gesetze, wonach die Juden immerhin den Schutz gesetzlicher Regelungen genießen worden, wird von den untergeordneten Stellen, so unter anderem von den Verwaltungen zahlreicher Städte, so aufgefaßt, daß gegen die Juden als Bürger zweiter Klasse jeder Schimpf und jede wirtschaftliche Einschränkung gerechtfertigt seien. Konzentrierte Rachsucht zermalmt eine Gemeinschaft von einer halben Million S e 01 e n; täglich werden die Juden ihrer Vernichtung näher getrieben. Man hat Beweise genug dafür, daß die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes mit diesem radikalen Verfolgungssystem nicht sympathisiert, aber so lange die Situation gesetzlich nicht voll geklärt ist, besteht für die fanatischen Antisemiten keine Hemmung und für die Juden keine Hoffnung. Dazu treten noch die enormen Schwierigkeiten, denen die zur Auswanderung bereiten Juden begegnen. i Jerusalem, 15. Oktober. Der Waad Leumi, das exekutive Organ der jüdischen Gemeinschaft Palästinas „Knesseth Israel" hat ein Memorandum an den Völkerbund in Genf gerichtet, in welchem im Namen der palästinensischen Judenheit gegen die in Nürnberg beschlossenen Judengesetze aufs schärfste protestiert und der Völkerbund aufgefordert wird, sich auf seine Aufgabe zu besinnen und die verfolgte Judenheit gegen Degradierung, Diffamierung und Unterdrückung zu schützen. Erklärungen des Jerusalem, 14. Oktober. Der stellvertretende High Commissioner von Palästina, Chefsekretär John Hathorn Hall, hat die Oberhäupter der religiösen und nationalen Gemeinschaften in Palästina, die Leiter der Jevish Agency und der arabischen Exekutive, hervorragende Vertreter des Bank- und Wirtschaftswesens, sowie andere führende arabische und jüdische. Persönlichkeiten zu sich berufen und ihnen. eine aus London , eingetroffene Botschaft des High Commissioner Sir Arthur Wauehope zur gegenwärtigen Lage übermittelt. In dieser Botschaft erklärt der High Commissioner, die Furcht vor dem Ausbruch eines Weltkrieges sei unbegründet. Die Lage im Mittelmeergebiet sei gesichert und der i t a 11 e n i s c habes8inische Krieg auf seinen Schauplatz lokalisiert. Wäre auch nur die geringste Ursache zur Beunruhigung vorhanden, so wäre er Mitte Oktober nach Palästina zurückgekehrt Angesichts der gegebenen Lage aber habe er seine Rückkehr erst für Mitt November festgesetzt. Volle Beruhigung in Palästina London, 15. Oktober. Der Jerusalemer Korrespondent der „Times" stellt fest, daß die Botschaft des High Commissioner Sir Arthur Wauchope an die jüdischen und arabischen Führer beruhigend gewirkt habe und daß die anfänglich im Zusammenhang mit den Ereignissen in Afrika bemerkbar gewesene kleine Panik nunmehr vollkommen gewichen sei. Die italienische Propaganda unter den Arabern London, 15. Oktober. Der Jerusalemer Korrespondent der „Times" befaßt sich mit der italienischen Propaganda in Palästina und stellt fest, daß der Mufti von Jerusalem, Haj Amin el Hussein!, Sympathien für Italien hegt und daß sein Organ „Al Jamea el Arabia" in Artikeln die italienische Sache gegenüber Abessinien und dem Völkerbund verficht. Der Korrespondent bemerkt weiter, daß unter den Juden lediglich die Zionisten-Revisionisten auf Italiens Seite stehen; ihre Zeitung „Hajarden" berichte über die Kriegsereignisse in italienfreundlichem Sinne. Kondylis: Wir können nicht vergessen.daß wir den Juden unseren Gott verdankenI VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 6 Saloniki, 16. Oktober. Durch die politische Umwälzung in . Griechenland, die zur Wiederaufrichtung der Monarchie geführt hat, ist die staatsbürgerliche und rechtliche Stellung der Juden in keiner Weise beeinträchtigt worden. Ihre grundsätzliche und tatsächliche Gleichberechtigung bleibt ebenso gewahrt wie unter der Herrschaft des zurückgetretenen Kabinetts Tsaldaris. Mitglieder der neuen Regierung, in erster Reihe der jetzige Ministerpräsident und provisorische Träger der königlichen Gewalt, General Kondylis, haben bei früheren Gelegenheiten ihrer freundschaftlichen Einstellung gegenüber der jüdischen Bevölkerung Griechenlands eindeutig Ausdruck gegeben. „Wir können nicht vergessen, daß wir den Juden unseren Gott verdanken", hat General Kondylis in bezug auf die Juden drst vor kurzem erklärt. Der Führer der griechischen Faschisten, General M e r k u r i s, der Griechenland auf dem Faschi8tenkongreß in Montreux vertrat und sich dort energisch gegen judenfeindliche Tendenzen wandte, ist Unterstaatssekretär im Ministerratspräsidium geworden. Von den übrigen Mitgliedern des neuen Kabinetts hat Minister T h e 010 k i 8 sich vor einiger Zeit in sehr warmen Worten über die Juden geäußert. „Wir wissen", sagte er, „was Spanien dadurch verloren hat, daß es seine Juden vertrieb, und wir wissen auch, wieviel Griechenland dadurch gewinnt, daß es sie sich erhält»“ Das Fest des Gesetzes An den achten Tag des Laubhüttenfestes schließt sich die -Feier der Thora an. Nach dem Dank für die Ernte, nach der Erinw nerung an die Wüstenwanderung kommt das freudige, mit sinnigen Volksbräuchen umge-: bene Bekenntnis zu Gesetz und Lehre. Es ist kein religiöser Akt in der, gewöhnlichen Bedeutung. Ein Volk stellt sich hinter ein Buch, das in fünf Abteilung gen die Geschichte des Stammes von den Urzeiten an biß zum Tod des Führers Moses die religiöse, soziale, nationale und ethische Konstruktion der Nation zusammensetzt. So einzigartig wie die Geschichte des jüdi« sehen Volkes ist, so einzigartig ist dieser Kodex, geweiht durch seine Entstehung, sein iAlter und seine Unwandelbarkeit. Durch' ‘Jahrtausende hat dieses Gesetz, das das Leben des Volkes und des einzelnen bis in;die letzten Verästelungen regelt, das jüdische Volk begleitet, ihm in Sturmtagen einen few sten Halt geboten und ihm immer das Bewußtsein der inneren 0 r d** nung gegeben. Kein Feind, keine Not konnte an den1 Lebensnerv des Judentums greifen. Das Gew setz war da, das Familie, Stamm und Vollsä zu einer unzerstörbaren Einheit zusammenschweißte, ihm eine höhere Gew sittung gab und es hoch über die Not der Zeiten hinaufstellte, ituf, Hüfte und Mark nennt Kipling das Gesetz und das jüdische Gesetz, die erste und klarste Verfaß-! sung und Morallehre, ist das alles gewesen! und bleibt es. Und dieses Buch steht im Mittelpunkt einer Feier, genau so einzigartig! wie der Anlaß. Wo gibt es sonst ein! Volk, das ein Buch feiert? — Das die Kinder in die „heilige Versammlung“ führt und ihnen dort zeigt, wie der fünfte: Teil feierlich zu Ende gelesen und der erste! neu beginnt? Wie mit eisernen Klammern umschließt das Gesetz das Volk der zwölf Stämme. Es weist sie stets auf den Zusammenhang mit ihrer Geschichte hin. In Ur in Chaldäa* hat sie begonnen. Nomaden, die durch die dünnbesiedelten, Lande zogen und in der Härte der Wanderung von der Erkenntnis der Stellung des Menschen zur Natur und; zum All erfaßt wurden. Unmeßbare Zeit* räume, über die uns auch die Archäologie! nichts aussagen kann, vergingen, in denen sich dieser Fürstenstamm die Voraussetzunw gen für ein festes Gesetz schuf. Moses baute es dazu zu einem Werk des Geistes aus, das den Zeiten trotzen konnte. Daß der, Mensch sittliche Pflichten hat gegen den Nächsten, daß ihm das Menschentum höher steht als alles andere, daß die Reinheit des Lebens in der Familie, dis Einheit des Glaubens an ein höheres Wesen Grundlage und Sinn des Daseins bildet, daß der Mensch frei ist und deshalb an Freiheit, Recht und Sitte festlialten muß, daß das Leihen heilig ist und die Ehre — das sagt das Buch und darin liegt sein Adel. Das war das erste Recht und es ist das Recht schlechthin geblieben. Was in tausendjähriger schrittweiser Entwicklung die ^Völker sich

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