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Die Stimme · 1935-10-15 · Heft 490 (15.10.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 490 (15.10.1935)
Date
1935-10-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« 4 DIE STIMME Nr. '40Ö - öl» 1988 1 Eine Botschaft an alte Makkabim Die vom Brünner Weltkongreß des Makkabi gewählte Exekutive übermittelt uns die folgende Botschaft an alle Makkabim: „Der achte Makkabi-Kongreß hat uns als neue Exekutive gewählt. In dieser Stunde, die von einschneidender Bedeutung für die Zukunft und besonders für die Makkabi- Bewegung ist, legen wir euch gegenüber das feierliche Versprechen ab, die Arbeit für unsere große Organisation im Geiste jener Tradition durchzuführen, die die Bewegung seit ihrer Entstehung groß gemacht hat. Wir werden die Wünsche imd die Entscheidungen, die Ihr uns durch eure Delegierten auf dem achten Makkabi-Kongreß auf dem Weg gegeben habt, soweit es m unserem menschlichen Ermessen steht und getreu ihrem Geiste und Wortlaut, durchführen. Wir rufen euch alle zur Mitarbeit und Hilfe auf, denn nur dann kann unser Werk gelingen. Unsere Aufgabe ist groß; mögen unsere Kräfte ihrer Lösung gewachsen sein! Chasak W'emaz! Selig Brodet.sky (Präsident), K. F. Jacobowitz (Generalsekretär), Erich Gumpert-, A. N a t a n e 1.‘‘ Dr. Theodor Weissetberger SO Jahre Advokat Dr. Theodor W eisselberge r, einer der Führer der Bukowinaer Zionisten und der Organisatoren des rumänischen Zionismus, vollendet am 3. Oktober s-ein 50. Lebensjahr. Dr. Weisseiberger ist in der zionistischen Welt sehr bekannt, er gilt als einer der besten Kenner des Kongreßrechtes. In der Organisationskommission der Zionistenkongresse übt er einen starken Einfluß aus. Während der Nachkriegszeit führte er mit kurzen Unterbrechungen den inneren Betrieb der Zionistischen Landesorganisation, er leitete auch ehrenamtlich die Keren-Kajemeth-Kommission und das Palästinaamt. Jüdische Feiertage „konterm revolutionär“ Moskau, 10. Oktober. Die „militanten Apikorsim“ (Atheisten) entfalten anläßlich der jüdischen Feiertage eine intensive antireligiöse Propaganda unter der jüdischen Bevölkerung. Der sogenannte Zentralrat des auf einen verhältnismäßig kleinen Kreis beschränkten Gott- ■iosen verbände s verweist in diesen Tagen neuerlich auf seine für die Zwecke der antireligiösen Propaganda ausgearbeiteten Thesen. Rosch haschana, Jom Kippur und Sukkoth — so heißt es in diesen Thesen — dienen der Ausbreitung und Verstärkung der nationalistischen Agitation. In der Bekanntmachung des Zentralrates wird dann geschildert, wie die hohen Feiertage, die einen „ausgesprochen konterrevolutionären Charakter tragen“, entstanden seien. In den Thesen werden auch scharfe Angriffe gegen die „a u s 1 ä n d ische Bourgeoisie“ und gegen die „Klerikalen“ im Innern gerichtet, und es wird gefordert, überall dafür zu agitieren, daß die Arbeit an den jüdischen Feiertagen nicht unterbrochen werde. Die drei Moskauer Synagogen waren zu Rosch Haschana und Jom Kippur überfüllt. Sir Francis Monteflores Nachlaß London, 10. Oktober. Der am 1. Juli verstorbene Präsident der Spanish and Portuguese Synagogue und ehemalige Vorsitzende der English Zionist Federation Sir Francis Montefiore hat für jüdische und nichtjüdische Wohlfahrtszwecke über 100.000 Pfund hinterlassen. 10.000 Pfund hat der Verstorbene für die Spanish an Portuguese Synagogue, 1000 Pfund für das sephardische Krankenhaus Beth Cholim und 200 Pfund für die Geistlichkeit und die Beamten der Spanish and Portuguese Synagogue bestimmt. Sir Francis Montefiore, ein Neffe von Sir Moses Montefiore, war seinerzeit einer der ersten und eifrigsten Mitarbeiter Ilerzls in England. Er ist 75 Jahre alt geworden. Palästinensischer Aero-Klub „Hagamal Hameofef“ Warschau, 10. Oktober. Ing. D. H a 1 b e r s t a d t ist, aus Palästina in Warschau eingetroffen, uni für den in Palästina gegründeten Aeroklub „Hagamal Hameofef“ £das fliegende. Kamel — bekannt¬ I lieh zeigen auch einige Palästma-Postinarken das Bild eines fliegenden Kamels) Aero plane einzukaufen. In der letzten Sitzung der polnisch-palästinensischen Handelskammer berichtete Ing. Halberstadt über die Arbeiten seines Klubs, woraufhin beschlossen wurde, dem Klub eine Subvention von 3000 Zloty zur Verfügung zu stellen und ferner eine Flugsektion bei der Kammer zu schaffen. Belebung der Industrie Warschau, 10. Oktober. Die polnisch - palästinensische Handelskammer teilt mit, sie habe aus Palästina Informationen bekommen, wonach im Wirtschaftsleben Palästinas irn Zusammenhang mit dem italienisch-abessinischen Krieg Ruhe herrscht, ja sogar eine gewisse wirtschaftliche B e 1 e b u n g zu merken ist. Einige Fabriken haben von Italien, andere von Abessinien Aufträge erhalten. So hat unter anderen die Fabrik Essim von der abessinischen Regierung eino Bestellung im Werte von 8000 Pfund, eine Fabrik für Lederverarbeitung einen Lieferungsauftrag von der italienischen Regierung in Höhe von 30.000 Pfund erhalten. Bodenreform in Lettland Riga. Anläßlich des 15jährigen Jubiläums der Bodenreform in Lettland wird darauf hingewiesen, daß zahlreiche ehemalige jüdische Pächter selbständige Landwirte geworden sind. Ferner wurde ans der Bodenreform freigewordener Grund und Boden für j üd i s c h e öffentliche Zwecke zur Verfügung gestellt, zum Beispiel zur Errichtung von Synagogen, Schlachthäusern, Märkten usw. Außerdem haben 300 jüdische Teilnehmer an den Freiheitskämpfen in verschiedenen Teilen des Landes Grund und Boden erhalten. Einwanderung und Kapitalzufuhr in Palästina Soeben ist in London eine Palästina-Sondernummer der dem Colonial Office nahestehenden Zeitschrift „Great B r i t a i n and t h e East“ (früher „The Near East and India“) erschienen, in der ein Überblick über die gegenwärtige Wirtschaftslage Palästinas und die Aussichten seiner weiteren Entwicklung im Zusammenhänge mit Einwanderung und Investierung gegeben, wobei ganz besonders die Rolle der englischen Palästinaverwaltung betont und ihre politische Linie verteidigt wird. Es ist ebenso wenig möglich zu behaupten, daß die im Heiligen Land zurzeit offensichtlich herrschende Prosperität Gegenstand restloser Genugtuung bei allen interessierten Faktoren ist, als zu behaupten, daß die deutliche Hinwendung zu städtischen Berufen bei den Einwanderern der jüngsten Zeit restlose Genugtuung bei der großen Masse der Zionisten auslöst. Das fundamentale Problem, wie die beiden Teile d e s Mandat e s, die die Araber, beziehungsweise die Juden betreffen, miteinander in Einklang gebracht werden sollen, bleibt weiter bestehen; weder Überschüsse noch Defizite, weder erhöhte noch verringerte Einwanderung können dies ändern. Die Finanzpolitik der Palast i n a-R egierung ist bestimmt gesund und wird von der Londoner. City durchaus gebilligt, wie dies deutlich, aus dem Erfolg der vor kurzem aufgelegten privaten Anleihen hervorgeht. Der Voranschlag für die Ausgaben im Verwaltungsjahr 1935/36 ist auf der Notwendigkeit aufgebaut, laufende Ausgaben unddie Kosten eines vernünftigen Programms für außerordentliche Arbeiten und Leistungen einmaliger Art im Rahmen einer „normalen“ Jahreseinkunft zu halten; diese wird für 1935/36 mit Rücksicht auf die erhöhte Bevölkerungszahl auf 3,750.000 Pfund geschätzt; er rechnet ferner mit der Verwendung „abnormaler“, über diesen Betrag hinausgehender Einkünfte für die Durchführung ertragabwerfender Entwicklungsarbeiten und für die Vergrößerung der Reserve entsprechend der Vergrößerung der „normalen“ Jahreseinkünfte. Eine solche Politik ist offensichtlich zufriedenstellend und flößt privaten Investituren Vertrauen ein. Die Zukunft Palästinas ist weitgehend abhängig a) von der Einwanderung und b) von der K a p i t a 1 z u f u h r. Die Einwanderung hängt von der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes ab; und die Einfuhr von Kapital ist abhängig von Anlagemögliehkeiten, deren Ergiebigkeit zur Deckung der Lebenskosten aus dem Kapitalsertrag ausreicht. Die passive Handelsbilanz Das Hauptproblem, mit dem sich Palästina in den nächsten Ja.hren wird befassen müssen, ist zweifellos das der Entwicklung eines entsprechenden Exporthandels. Gegenwärtig nehmen sowohl Import als Export zu, aber das Tempo der Zunahme beim Import ist größer und die ungünstige Handelsbilanz erweitert sich schnell, man kann fast sagen, verhängnisvoll. Vorläufig allerdings ist die Lage nicht so sehr ungünstig, denn das rasche Anwachsen des Imports ist hauptsächlich auf den dauernden Zustrom von Einwanderern zurückzuführen. Jeder Schub von Einwanderern bringt eine Menge neuer Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen, insbesondere auf dem Gebiet von Häuser b a u und Ei nr ich tun g. Sehr viele der Neuankömmlinge sind Kapitalisten und bringen beträchtliche Summen in das Land; dieser „unsichtbare“ Export ist gegenwärtig der Hauptfaktor bei der Erhaltung des Gleichgewichts. Wollten wir annehmen, daß die Einwanderung a u f hört und infolgedessen ein Sinken der Nachfrage nach Einrichtung (im umfassenden Sinne des Wortes) seitens der neu in das Land Gekommenen eintritt, so gäbe es, wie die Dinge jetzt liegen, einen weiten Abstand zwischen Import und Export, der durch andere Formen des „unsichtbaren“ Exports, wie den Fremdenverkehr, bei weitem nicht überbrückt werden könnte. Aber es besteht für eine solche Annahme keinerlei Grund; denn der Strom der Einwanderung hältan, und es gibt kein Anzeichen einer Abnahme der Zahl der Juden, die sichin dem Lande dauernd niederlassen wollen. Darum dürfte das Handelsproblem noch einige Jahre lang nicht akut werden; aber daß es im Augenblick keine lebenswichtige Frage darstellt, ist kein Grund, seiner Erörterung aus dem Wege zu gehen. Daß es nicht aktuell ist, geht auf rein zufällige Umstände zurück und es braucht keiner besonderen Vorstellungskraft, um zu erkennen, daß es einerseits eine Grenze für die Zahl der möglichen Einwanderer geben muß und daß es andererseits einen Sättigung spunkt gibt, über den hinaus ein Land Neueinwanderer nicht nutzbringend aufnehmen kann. Möglicherweise aber wird das Problem gelöst werden, solange die Kapitalszufuhr noch anhält. Es ist eine ermutigende Tatsache, daß ZIONISTISCHE BEZIRKSSEKTION Vl/Vll, Loquaiplatz 11 Donnerstag, den 17. Oktober 1935, v,9 Uhr abends Dr. Oskar Grünbaum Landesverbandes für Österreich „Der Luzerner Kongreß u. seine Auswirkung auf das jüdische Leben“ mmmmBmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmHmmmsmmmmxrmnm uimmmmmmmammmmmmm Zionistische Bezirkssektion Wieden-Hargarten, IV.,Hau8fabgasse2 (Eingang Draschepark) Mittwoch, den 16. Oktober 1935, 7*9 Uhr abends Dr.Oskar Grilnbaum «r&ai«h „Der Zionistenkongreß in Luzern und seine Bedeutung für das Judentum" der Export einheimischer Er*< Zeugnisse mehrere Jahre hindurch einen stetigen, wenn auch nicht überraschend großen Fortschritt gemacht hat, und die schnelle Vergrößerung der wirtschaftlichen Basis des Landes durch Schaffung neuer i Industrien bildet die Grundlage für die Ent- Wicklung eines weit größeren Export-* handeis in der Zukunft. J a f f a-0 rangen und Grape fruits sowie die Fülle der neuen Industrien sind die beiden Hauptfaktoren für die künftige Entwicklung des Palästinahandels. Der gesteigerte Export von Früchten werde die Handelsziffern wesentlich verändern und dio große Zahl palästinensischer Industriecrzeugnissc werde dem Lande die für die Entwicklung eines angemessenen Handels notwendigen Hilfsquellen geben. Das Hauptroblem ist jetzt das d o r Märkte; es möge betont sein, daß die industriellen Aussichten in Palästina auf Schönwetter weisen; werden die Aussichten auf internationalem Gebiet ebenso wolkenlos sein, dann ist der Weg zu wirtschaftlichem Fortschritt frei. Die „illegalen Einwanderer“ Jerusalem, 10. Oktober. Wie „Felestin“ mitteilt, hat Polizeiinspektor Hauptmann Rice, der soeben von einem kurzen Aufenthalt im Libanon nach Jerusalem zurückgokehrt ist, seine Reise dazu benützt, um Maßnahmen anzuordnen, durch die die illegale Einwanderung über di« libanesisch-palästinensische Grenze u nmöglich gemacht werden soll. Ein syrischer Jude, der ohne Visum nach Palästina gekommen war, ist in Jerusalem verhaftet und zu einem Monat Gefängnis mit nachfolgender Deportierung verurteilt worden. Ein Chauffeur, der in seinem Wagen eine jüdische Frau aus dem Irak nach Palästina gebracht hatte, wurde zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt. Richter G a d in Migdal hat fünf Juden aus Polen und Rußland, die illegal nach Palästina gekommen waren, zu je einem Monat Gefängnis mit nachfolgender Landesverweisung verurteilt. Im Zusammenhang mit der seit einigen Wochen gegen einen höheren Beamten des Einwanderungsamtes der Palästina-Regierung geführten Untersuchung wurde die Kontrolle in den palästinensischen Häfen und die Überprüfung der Einwandcrungspapiere verschärft. Vor kurzem wurden zwei Familien (sechs Personen), die mit der „Jerusaleme“ aus Triest, und vier Personen, die mit der „Polonia“ aus Konstanza gekommen waren, zur Weiterreise nach Beirut gezwungen. Einer vielköpfigen Familie aus Bulgarien, die mit, der „Burgas“ eingetroffen war, wurde die Landung untersagt, weil das Alter des Familienvaters auf dem Zertifikat nicht entsprach. Der Vater unternahm daraufhin in einer Kabine einen Selbstmordvers u c h d urc h E rhängen. Er konnte i/m letzten Augenblick gerettet werden und mußte mit soinen Angehörigen die Rückreise nach Bulgarien antret en. Insgesamt ist in der vorigen Woche 50 jüdischen Einwanderern d,ie Erlaubnis zum Landen verweigert worden. Eine Bahnlinie Haffa—Altaba Jerusalem, 10. Oktober. „Falestin“ meldet, daß die palästinensische Eisenbahndirektion den Bau einer Eisenbahnlinie Haifa — A k a b a beschlossen habe. Der Hafen Akaba am gleichnamigen Golf des Roten Meeres östlich der Sinai-Halbinsel hat strategische Bedeutung. DIE VORSORGE-VERSICHERUNG DIE LEISTUNO MONATLICHE PRÄMIE $ 300' i C HI L L I N Ci S 15' S 300' S 300' S 5' S 100' mm ■ SPITAL/''■/'fß: OPERATION RI feto E|C ASSE 2

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