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Die Stimme · 1935-10-11 · Heft 489 (11.10.1935) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 489 (11.10.1935)
Date
1935-10-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seit© 2 OIE STIMME Nr. 490 ~ 15. Oktober 1935 Alis dem Dritten Reich mmmmmmmmmmmmmmmmamammmmmmaamaammmm Billige Reisen nach POLEN Abfahrt 17. Oktober, Rückkehr 21. u. 28. Okt. 193j, ev. auch später Auskunft bei DR. S. TOCKER, WIEN, IX., LiechSen^telnstraOe 2, Tel. A 14*304 Verdrängung der Juden aus der deutschen Wirtschaft Verwaltung vorgenommen, wobei allo Nichtarier ausschieden. Es handelt sieh bei den erwähnten Firmen um Betriebe, die von Juden a u f g ebaut und zum Nutzen des Landes entwickelt. wurden; nunmehr sind die Gründer oder ihre Nachkommen ausgemerzt. worden. Eine zeitgemäße Warnung Die Pressestelle des Hilfsvereins der Juden in Deutschland teilt mit: Zur Zeit wird in Berlin und im Reich Propaganda für Auswanderung und Niederlassung in verschiedenen überseeischen Ländern gemacht. Es werden in Publikationen und Versammlungen gewisse Projekte der Öffentlichkeit unterbreitet, die der notwendigen Grundlagen entbehren. Es liegt im Interesse Auswanderungs¬ und Siedlungswilliger, sich bei dem Zentralbüro für jüdische Auswanderungsangelegenheiten, das vom Reichs wanderungsamt als gemeinnützige Auskunftsstelle für jüdische Durch- und Auswanderung anerkannt ist, jeweils zu informieren, damit Fehlwanderungen vermieden werden, die sich verhängnisvoll auswirken können. Palästina-Baugründe Wir suchen I. Satz-Hypothek bis £ 20.000.— (davon £ 8.000.— für Bauzwecke) auf prima Baugründe in Haifa, Geschäftszentrum und Umgebung. Schätzwert £ 80.000'—. Kaufvorzugsklause) und Umwandlung des Besitzes in Aktien Gesellschaft nicht ausgeschlossen. Anfragen: Humouda, Wien, I., Postgasse Nr. 11, Tel.: R 20-1-30 oder Haifa P. O. B. 99. Gegen jüdische Autoren des Auslands In der Schweiz erscheint eine große — gewissermaßen amtliche — Ausgabe der Werke Gottfried Kellers mit ideeller und materieller Unterstützung des Kantons Zürich. Herausgeber ist der Literarhistoriker und Gottfried-Keller-Forscher Jonas Fränkel. Der Verleger wollte durch eine Prospektbeilage in der „Zeitschrift für Deutschland-Kunde“, die im Verlag Teubner zu Berlin erscheint, das deutsche Publikum auf die Neuerscheinung aufmerksam machen, er erhielt aber vom Verlag Teubner die folgende Mitteilung: „Da der Herausgeber Ihrer Keller-Ausgabe Nichtarier ist, besteht keine Aussicht, daß diese in Deutschland Abnehmer findet. Die Ausgaben, die Ihnen erwüchsen, wären sicher vergeblich aufgewendet.“ Im Leitartikel des „Pariser Tageblatt“ befaßt sich Professor Georg Bernhard mit dieser Angelegenheit und schreibt: Wenn ein Blatt wie die „Neue Zürcher Zeitung“ die Frage stellt: „Wird man etwa in Zukunft in germanischen Seminaren Giftschränke aufstellen für nichfcarisehe Ausgaben arischer Dichter?“, so möchten wir dem frage stellenden Kollegen sehr deutlich antworten: J a! In Wirklichkeit ist nämlich das, waß er in seiner Frage fUr die Zukunft als kaum möglich annimmt, bereits zur Tat geworden. Juden dürfen auf deutschen Hochschulen nicht einmal mehr erwähnt werden. Die Sperre über Nichtarier im deutschen Verlagsgewerbe ist vollkommen. Sie bezieht sich sowohl auf die Ausübung der Tätigkeit wie auf die Rezension und die insertionelle Ankündigung von Leistungen nichtarischer Menschen. Prof. Bernhard glaubt nicht, daß das Ausland nunmehr alle Brücken der Zusammenarbeit mit dem Dritten Reich abbrechen wird. Nach wie vor wird man vermutlich die fromme Legende aufrecht erhalten, daß es sich um innere Angelegenheiten eines Landes handle, in die man sich nicht einmischen könne. Georg Bernhard schließt: „Daß der deutsche Rassenwahn keine innerdeutsche Angelegenheit bleibt, sondern daß das Hitler-Regime mit sehr wirksamen Terrormitteln seine Ideen dem Ausland aufzuzwingen sucht, dafür ist gerade der Fall Teubner besonders lehrreich. Er zeigt, daß man den nichtarischen Autoren ausländischer Verleger clen deutschen Markt ebenso gut Billige Reisen nach PALÄSTINA kostenlose Beratung in allen Reiseangelegenheiten, welche Palästina betreffen, erteilt DR. S TOCKIR Wien, IX., Uechtenstelnstraße 2, Tel. A 14-504 sperren will, wio man es mit den Filmen bereits seit langem getan hat. Das Hitler-Regime hofft, mit diesem Druck auf das Portemonnaie der Verleger auch das Kunstschaffen und den wissenschaftlichen Betrieb des Auslandes im Sinne der nationalsozialistischen Theorien zu beeinflussen. Daß derartige Absichten in Deutschland nicht nur bestehen, sondern daß an deren Durchsetzung bereits mit zäher Energie gearbeitet wird, steht außer Zweifel. Man rechnet dabei in Berlin auf die Feigheit der ausländischen Juden und die Bequemlichkeit der nichtjüdischen Interessenten.“ Falsche Behauptungen des deutschen Sportkommissars Der Reichssportkommissar Tachammer-Osten tritt der Meldung, daß es deutschen Juden unmöglich gemacht wird, an der Olympiade in Berlin 1936 teilzunehmen, mit der Erklärung entgegen, daß er an zwei jüdische Mädchen, Helene Meyer und Fräulein Bethmann, die Einladung hat ergehen lassen, Deutschland auf der Olympiade mit zu vertreten. Aus der Erklärung Tschammer-Ostens ist das Eingeständnis herauszuhören, daß jedenfalls nicht mehr als zwei deutsche Judenstäramlinge auf der Olympiade mitspielen werden. Aber weder Helene Mayer noch Fräulein Bethmann werden an der Olympiade teilnehmen können. Helene Mayer, die jetzt in Kalifornien lebt, wird auf der Liste der Emigranten geführt und riskiert beim Betreten deutschen Bodens, von der Staatspolizei verhaftet zu werden. Fräulein Bethmann, die in Stuttgart lebt, ist auf' andere Weise verhindert, sich zu den Olympiaspielen zu stellen. Die Flüchtlinge ln der Tschechoslowakei Der Innenminister Dr. Josef Cerny empfing heute den Abgeordneten Dr. Angelo Goldstein und die Leiterin des Prager Jüdischen Hilfskomitees, Frau Marie S c h m o 1 k a. Abg. Dr. Goldstein berief sich auf die Erklärungen des Innenministers im sozialpolitischen Ausschuß hinsichtlich der Behandlung der Ausländer und Flüchtlinge. Es wurden sodann alle Fragen betreffend die Emigranten, Fremden und Personen ohne Staatszugehörigkeit erörtert, wobei auch konkrete Beschwerden vorgebracht wurden. Der Minister versprach, die betreffenden Vorfälle untersuchen zu lassen und sagte im Falle einer Berechtigung der Beschwerden die Beseitigung der bestehenden Mißstände zu. Er gab die Zusicherung, daß er streng darauf achten werde, daß hinsichtlich der Ausweisung von Fremden gerecht vorgegangen werde und daß niemandem der Umstand, daß er der jüdischen Nationalität angehört, zum Schaden gereichen werde. Die Hetzer an der Arbeit Das ohristliohsoziale „Wiener Montag)- blatt“ benützt die au! den Wiener Märkten in der Vorwoche erfolgten Angstkäufe zu einer Glosse, in der gesagt wird: „Das „Wiener Montagblatt“ verfügt über die Ergebnisse sehr umfangreicher Erhebungen, die gerade in den äußeren Bezirken Wiens durobgeführt worden sind und die einwandfrei beweisen, daß den Alarmnaehriehfcen, die von jenen niederträchtigen Spekulanten sattsam bekannter Herkunft wohlbewußter Absicht verbreitet wurden, in erster Linie die bodenständige christliche Bevölkerung zum Opfer gefallen ist und daß gerade die sogenannten kleinen Leute ihre sauer erworbenen und mühsam bewahrten Spargroschen jenen Hyänen des Wirtschaftslebens in den Rachen geworfen haben. Das frivole und gewissenlose Spiel, das da gespielt wurde, ist keineswegs neu, es wiederholt sich bei jeder Gelegenheit immer wieder und die Regisseure und die gründlich hineingelcgten Zuschauer und Opfer sind immer dieselben.“ So wird das gemacht. Erst wird eine Mitteilung erfunden, dann wird sie ohne Namensnennung verbreitet und schließlich beruft eich einer auf den anderen. Im Bewußtsein der schweren Verantwortung für die ungeschmälerte Erfüllung der Aufgaben der Kultusgemeinde wird sich der Vorstand der Israelitischen Kultusgenieinde Wien in den nächsten Tagen an die Mitglieder der Kultusgemeinde mit der Bitte um Beistand und Hilfe wenden. Allgemein bekannt sind die Schwierigkeiten, unter denen die erwerbenden Schichten der Wiener Judenschaft ausnahmslos leiden, niemand weiß aber aus so unmittelbarer Anschauung wie der Vorstand, in welch erschreckendem Maße die bis zum Hunger und zur Obdachlosigkeit gesteigerte Verelendung der aus dem Erwerbsleben ausgeschalteten Juden gewachsen ist, und wie sehr die Not jetzt auch unter den Angehörigen des Mittelstandes um sich greift. Dieses Wissen um die Not zwingt den Vorstand, ungeachtet aller Schwere der Erwerbsverhältnisse wieder an die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder zu appellieren. Trotz größtmöglicher Einschränkung aller Ausgaben decken die ordentlichen Einnahmen bestenfalls die normalen Gemeinde- Eriordemisse, von denen schon nahezu die Hälfte Fürsorgezwecken dient; aber fast völlig fehlen der Gemeinde die Mittel für die angesichts des wachsenden jüdischen Elends unabweisliche außerordentliche W i n t e r h i 1 f s a k t i o n, für die erhöhte Hilfeleistung an die unter neuen Verfolgungen leidenden, zu uns geflüchteten u nglücklichen deutschen Juden, für den Aushau der Arbeitsvermittlung und die Umschichtung der überaus zahlreichen Arbeits- und Erwerbslosen, für die Stützung der in schwerster Bedrängnis lebenden Intellektuellen und Künstler, und nicht zuletzt für eine ausreichende Hilfeleistung an die Kranken und Alten, für die auch durch die jüngst erfolgte Erweiterung des jüdischen Altersheimes noch lange nicht genügend gesorgt ist Der Kultusvorstand, dem angesichts dieser Verhältnisse das gesetzliche und statutarische Recht zustünde, mit einer generellen Erhöhung der Kultussteuersätze vorzugehen, will jeden Zwang vermeiden, weil er überzeugt ist, daß seiner Bitte um freiwillige Hilfe von der Wiener Judenschaft — wie immer bisher — auch diesmal volles Verständnis entgegengebracht werden wird. Um eine gleichmäßige Grundlage für diese freiwilligen Zuwendungen zu schaffen und eine möglichst gerechte Verteilung der Lasten herbeizuführen, empfiehlt der Vorstand den Gemeindemitgliedern, ihre Spende mit 20 Prozent der Kultussteuerleistung zu bemessen. Nur dann, wenn wider Erwarten die freiwilligen Spendeneingänge nicht das auf das Mindestmaß herabgedrückte Erfordernis decken sollten, müßte sich der Kultusvorstand zur Vorschreibung eines obligatorischen Zuschlages entschließen, wobei selbstverständlich jedem die von ihm geleistete Spende voll in Anrechnung gebracht werden würde. Der Vorstand hofft aber mit aller durch die bisherigen Erfahrungen begründeten Zuversicht, daß jedes Gemeindemitglied, dem noch das Glück beschieden ist, geben zu können, es als Herzenspflicht ansehen wird, freiwillig zu helfen und damit einem der erhabensten Gebote des Judentums, der Betätigung der Nächstenliebe, gerecht zu werden. Die Konfessionen in Österreich Die österreichische Volkszählung ergab eine Bevölkerung von 6,760.233 Personen. Davon sind 90*4%, das sind 6,112.858, Katholiken, 2-8%, da« sind 191.481, Juden und 4*4%, das sind 295.452, Protestanten. 1*6%, das sind 1Q6.Q802 sind konfeeetoaloe,_. _ Aus Inseraten der deutschen Zeitungen, insbesondere der „Frankfurter Zeitung“, erfährt man indirekt, daß der Boykott eine immer größere Zahl jüdischer Firmen zwingt, ihre Geschäfte schnellstens zu Schleuderpreisen zu verkaufen, wobei diesem Massenangebote von Großfirmen aus allen Branchen kaum oin Kaufgesuch gegenübersteht. Am schwersten sind Betriebe betroffen, die bisher einen jüdischen und einen arischen Teilhaber hatten. Der arische Teilhaber sieht sich in der Inseratenrubrik „G e 1 d v e r k e h r“ krampfhaft nach Geld um, um seinen jüdischen Teilhaber auszuzahlen. Die größte Rubrik des Inseratenteiles ist der „Verkauf von Geschäften“ geworden „Infolge besonderer Verhältnisse“ heißt der Modus, unter denn die Juden ihre Geschäfte los werden wollen. Meist wird verschwiegen, daß es sich um ein jüdisches Geschäft handelt. Geschäfte, die seit 50 und mehr Jahren bestehen, deren Jahresumsatz bis zur Million zu reichen pflegt, sind „Umstände halber schnellstens an rasch entschlossene Arier zu verkaufen“. Manche Verkäufer inserieren geradeheraus, daß sie Juden sind oder ihr Geschäft „wegzugshalber“ sofort verkaufen wollen. Eine neue Rubrik ist der „Geschäftsaustausch mit dem Auslan d“, wobei angede-utet wird, daß große Geschäfte in Deutschland gegen ein noch so kleines Unternehmen im Auslände zu tauschen seien. Da Juden in der letzten Zeit systematisch aus den Betrieben, wo sie als Angestellte tätig waren, entlassen werden, sind Inserate: „Es sind folgende Posten frei geworden“ aktuell geworden; anderseits erfährt man aus der Rubrik „Stellengesuche“, daß fachkundige Juden Posten im Ausland suchen. Spaltenlang sind die Nachfragen rmch „Hausangestellten über 45 .Jahren“ oder „Nichtarierinnen“ sowie die ß t ä ndige Suche von arischen Mädchen, die aus jüdischen Haushalten plötzlich entlassen werden mußten — alles eine Folge der Nürnberger Gesetze. Ein Charakteristikum sind auch die nicht wenigen Inserate „nichtarischer C h r i s t e n“, die Anschluß im gleichen Kreise suchen. Ein Gesetz bevorstehend Saarbrücken, 14. Oktober. Anläßlich der Vereidigung von 21.000 SA-Männern sprach der Reiohsinnenminister Dr. Frick in Saarbrücken. Über die Zukunft des Saargebietes erklärte er, daß es nötig seit, das Saarland möglichst bald mit einem anderen deutschen Land staatspolitisch in Zusammenhang zu bringen. Diese Frage wird Hitler in nächster Zeit entscheiden. Die Ausführungsbestimmungen zu den Rassengesetzen würden in kürzester Zeit erlassen werden. Besonders wichtig ist eine Bemerkung Fricks, daß man auch weiter daran denke, durch eine gesetzliche Regelung eine E i nschränkung der wirtschaftlichen Betätigung der Juden durohzufiihren. Frick kündigte somit ein Gesetz an, das Streicher bereits seit langem verlangt, das man aber das letzte Mal in Nürnberg, als die Rasserigesetze verkündet wurden, noch einmal zurückstellte. Arisierung großer Betriebe Aus Berlin wird gemeldet: Die früheren A r o n - W e r k e, die heute den Namen Heliowatt-Elektrizitätswerke A. G. Berlin- Charlottenbung führen und die ein Aktienkapital von 8 Millionen Reichsmark haben, sind jetzt aius den Händen der Gründerfamilie an eine Großbank üborgegangen. Es handelt sich um die Liquidierung eines jüdischen Unternehmens. Die- Frankfurter Mühlenwerke G e b r. W o l f f haben die ihnen gehörenden 50 Prozent des 2*04 Millionen Reichsmark betragenden Aktienkapitals der Hafemnühle Frankfurt a. M. verkauft. Alfred Orensfcein ist aus dem Vorstand aer Orenstein & Koppel A. G. ausgeschieden. Bei dem viertgrößten deutschen Warenhauskonzern W e r \ h e i m, Berlin, wurden Änderungen im Vorstand und in der

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