Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 489 (11.10.1935)
- Date
- 1935-10-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seit« 4 J’.f'&r** DIE STIMM! Nr. 489 — li. Oktober 1935 RGMAHN.I RABENSTEIG3 HIMMELPFORTö. 5 .K0LLNERH0FG.1 SÄMTLICHE ARTIKEL IH WÄSCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FÜHREND IN ETERNA- HEMDEN (von S 680 aufw.) Reih und Glind riehen und mit uns kämpfen zu können, «o .schweigt wenigstens und bietet der Welt nicht das Konterfei jenes ent-etzlieheu Mau sehe 1- T y p u s, den Theodor Ilerzl so schonungsios und — leider — so treffend gezeichnet hat. Wenn ihr schon von uns nichts lernen wollt, so lernt, von den Wilden Abessiniens, wie man politische Konjunkturen schafft und fiir sich verwerten kann. Bitter genug, daß solche Worte gesagt werden müssen — in einem Volke, das ein ., V' o l k r o ti W e i s e n u n d P r ophet. en“ sein soll. Aber Mattschel ist, wie Theodor Herzl sagte, der unzertrennliche Begleiter des Juden. Ihm haben wir es mit zu verdanken, daß der Jammer der ■deutschen Juden und die Schreie unserer Empörung und unseres Schmerzes uugehört verhallen. Wir sind einsame .Rufer in der IV' ii >s t e ge w o r d e n. Wir siud e> aber nicht das erstemal und wahrscheinlich auch nicht das letztemal. Tausendemale stand das jüdische Volk Aug in Aug mit seinem Untergang und immer wieder fand es den Weg der Rettung. Tausendemale haben die Mächtigen der Erde uns ihr Ohr verschlossen und wir wurden schließlich doch immer wieder gehört. unmöbliert, separiert, mit Aussicht auf den Augarten, zu mäßigem Preise zu vermieten. Anna Stein, XX., Wasnergasse 35/5. Das gibt uns Mut und Kraft. Was wir n Palästina leisten, läßt uns len Kopf höher tragen. Man spricht licht von den «armen Juden? Man spricht lur von den armen Abessiniern? Es möge hnen und allen Völkern Gerechtigkeit widerfahren. Auf Gerechtigkeit ist I i e Welt gegründet, sagen unsere Weisen. Wir vertrauen auf die Gerechtigkeit. Wir können warten, wir sind ein ewiges Volk. Es wird die Zeit kommen, da nan wieder von den armen Juden sprechen wird, da die Völker wetteifern wercleu, um die Judenfrage gerecht zu lösen. Unsere Zeit wird kommenI jj?riedmanns Glück ist kolossal! B0“ Der Haupttreffer der abgelaufenen Klassen- ® lotterie von S 100.000 entfieh! auf das von er Geschäftsstelle Ludwig Friedmann, Wien, I., ialzgries 12, verkaufte Los Nr. 29.222. Die Gewinne wurden an sechs glückliche Kunden ausgezahlt. .ose zur 1. Klasse sind bereits erhältlich Er dankt Ihnen weiterhin herzliehst für die Einladung, alsbald nach Wien zu kommen. Er selbst wird sieh sehr freuen, dieser Einladung Folge zu leisten; es ist jedoch gegenwärtig nicht möglich, irgend welche zeitliche Dispositionen zu treffen, da er zunächst noch in London bleiben muß und noch nicht genau übersehen kann, wann er die Reise nach Palästina antreten wird, wo er beabsichtigt, den ganzen Winter zuzubringen. Ich empfehle mich Ihnen hochachtungsvoll mit Zionsgruß Dr. Josef Cohn ni. p. Deutschland nicht „antisemitisch" sondern „antijüdisch" London, 3. Oktober. „Manchester Guardian“ ist in der Lage, die folgende vom Berliner Propagandaministerium den deutschen Zeitungen zugegangene Direktive zu veröffentlichen: „Sehr wichtig! Die Aufmerksamkeit der Presse wird auf die Tatsache gelenkt, daß die nationalsozialistische Bewegung nicht mehr als antisemitische, sondern nur als anti jüdisch zu bezeichnen ist. Wir haben nichts gegen die Araber uml die anderen semitischen Völker, nicht einmal etwas gegen die Juden in Palästina. Aber wir widersetzen uns dem internationalen jüdischen Einfluß und wir wollen die von den Juden a I s G ä s t e n in unserem Lande gespielte Rolle beschränken.“ „Manchester Guardian“ kommentiert diese „Direktive“ dahin, daß Deutschland, welches jetzt wieder danach strebt, eine Kolonialmacht zu sein und im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika einen Einfluß auszuüben, sich nicht mehr den Luxus leisten zu können glaubt, alle nichtarischen Völker als inferior zu behandeln. Ja, es möchte sogar im Interesse seines Handelns auch den gegen das Judentum im allgemeinen geführten Kampf jetzt mehr unterirdisch tarnen. Es beschränkt nun seinen Antisemitismus auf die Juden im eigenen Lande, die nicht nur völlig schutzlos sind, sondern immer noch einigen Besitz haben, den man ihnen wegnehmen kann. Nansenpässe für alle Saarflüchtlinge Genf, 0. Oktober. Die französische Regierung hat den Generalsekretär des Völker b u «des verständigt, daß sie das System der Nansenpässe auf die Flüchtlinge aus der Saar — das heißt auf alle jene Personen, die den Status eines „Eimvohne r“ des Saargebietes gehabt, dieses Gebiet anläßlich des Plebiszites verlassen haben und sich nicht im Besitze eines staatlichen Passes befinden — ausgedehnt hat, Flaggenverbot für Juden Aus Berlin wird gemeldet, daß in einer neuen amtlichen Verordnung das in Nürnberg erlassene Verbot der Ilakonkreuzllaggo für Juden dahin erweitert wird, daß auch das Zeigen der sch w a r z w e i ß r o t e n Flagge für Juden verboten wird. Diese Verfügung bedeutet eine neuerliche Aufreizung gegen die Juden, da. an besonderen Tagen, wenn allgemein geflaggt wird, die jüdischen Wohnungen gekennzeichnet sind. Von der Erlaubnis zur Eissung der ..jüdischen Flagge“ hat keine jüdische Institution Gebrauch machen können, da es bekanntlich eine solche Flagge nicht gibt. Die blau weiße Flagge ist zionistisch; die Zionisten stehen aber auf dem .Standpunkt, daß nur das Aushängen einer jüdischen, nicht aber einer zionistischen Flagge gestattet sei. So kam es, daß sogar das zionistische Heim in der Meinekestraße davon abgesehen hat, die blauwedße Flagge zu hissen. Weizmann dankt dem Zionistischen Landesverband Der Zionistische Landesverband hat bekanntlich Professor Weizmann zu seiner Vahl beglückwünscht uml ihn eingeladen, lIs Gast des Landesverbandes nach 'Wien u kommen. Der Präsident des Landesver- >andes erhielt nun folgendes Schreiben: Sehr geehrter Herr Dr. Grünbaum, Im Aufträge von Herrn Professor Weiznann bestätige ich den Empfang Ihres namens des Züonistischen Landesverbandes iir Österreich an ihn gerichteten Schreibens .om 11. ds. Mts. Dr. Weizmann ist erst vor wenigen Tagen lach London zurückgekehrt; es war zu Heilem größten Bedauern nicht möglich, den Brief früher zu beantworten. Professor Weizmann läßt Ihnen und Ihrem Landesverband seinen herzlichsten Dank aiissprechen für die Entschließung, die auf [ler Konferenz der Mandatare angenommen wurde. Professor Weizmann erblickt gerade in der Einmütigkeit dieser Resolution ein Zeichen dafür, daß unter seiner Führung sich alle Kräfte der Bewegung sammeln und ihm das Vertrauen entgegenbringen, welches notwendig ist, um die schwierigen Aufgaben der Zukunft zu lösen. Auch nur im Bewußtsein dieser Einigkeit fühlt sich Professor Weizmann innerlich imstande, sein schwieriges Amt uuszuüben. Berliner Hoffnungen Das nationalsozialistisch-amtliche Deutsche Nachrichtenbureau läßt sich aus Jerusa- 1 e m melden, daß dort in arabischen Blättern Drohungen gegen das Mandatsland England aufgetaucht sind. Die arabischen Blätter melden alte Forderungen auf ein arabisches Palästina unter Überschriften wie »Die günstige Stunde“ an. Sie verlangen die sofortige Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina. Arabische Politiker sollen angeblich große M a s s e n k u n d g e b u n g o n gegen die jüdische Einwanderung vorbereiten. Dasselbe deutsche Nachrichtenbüro meldet aus Beirut, daß die einheimische Bevölkerung ihre Spareinlagen von den italienischen Banken abhebt. „In Damaskus traten arabische Parteiführer zusammen, um ihre Stellung gegenüber ihrer Mandatsmacht Frankreich festzulegen.“ Uns ist bisher keine derartige Stellungnahme arabischer Blätter in Palästina oder arabischer Parteiführer in Syrien bekannt geworden und in der hebräischen Presse Palästinas, die über diese Dinge sonst sehr eingehend berichtet, findet sich nicht die geringste Andeutung. Hier handelt es sich um deutsche Hoffnungen, hinter denen dio rührige Agitation des Rosenberg-Aintes oder des Bodung-Verlags ln Erfurt steckt. IJakcnkreuzagcnten sind schon wiederholt in Palästina au der Arbeit festgestelit worden und auch die Ausbildung arabischer SA. wurde versucht mit dem Ziele, gegen Engländer und Juden loszugehen. Daneben oblagen die biederen arischen Instruktoren fleißig dem Geschäft der Spionage, so wie sie im ganzen Urient ein doppeltes Handwerk betreiben. Daß es arabische Kreise gibt, dio ihre Feindschaft gegen .Mandat und jüdische Einwanderung durch Aktivität auslehen wollten, ist wohl nicht zu bezweifeln. Aber daß sie gerade jetzt es auf einen Zusammenstoß mit der englischen Macht ankommen lassen möchten, das ist wohl nicht fraglich Auch von italienischer Seite hätten sie nichts zu erwarten. Die Allerweltshetze der Nationalsozialisten arbeitet mit allen möglichen Versprechungen und sie hofft auf eine Erhebung im Orient, die alle Kolonialmächte in Schwierigkeiten stürzen würde. Es Ist nur eine hübsche Ironie der Geschichte, daß sich die deutsche .Vergiftung gegen den euglischen Freund in erster Reihe richtet.. „Jude überfällt Angehörigen der Wehrmacht“ Dio Stroicherschen Überschriften im „Stürmer“ haben bekanntlich zu dem scherzhaft kolportierten Titel Anlaß gegeben: „Frecher Jude beißt arischen Schäferhund!“ Aber dio Wirklichkeit bleibt hinter der Übertreibung nicht sehr zurück und sie zeigt, was nicht nur bei dem tollen Nürnberger Pascha, sondern in dem nationalsozialistischen Zentralorgan möglich ist. Im „Völkischen Beob achter“ finden wir die folgende Notiz: Jude überfällt Angehörigen der Wehrmacht, fl Heiner i. West!’., 21). September. Wie dio „Westfälische Landoszeitung meldet, wurde in Hemer ein Angehöriger der Wehrmacht von dem Juden Siogmund Bartmann überfallen und niedergeschlagen. Der Welirmachtangehörige mußte dem Krankenhaus zugelührt werden. Der Jude wurde sofort In Haft genommen. Gleichfalls wurde der Vater des Juden Bartmann, der bei der gesamten Bevölkerung von Hemer seit vielen Jahren als gefährlicher politischer Drahtzieher und Marxist bekannt Ist, verhaftet. Die Untersuchung des Vorfalls ist sofort eingeleitet worden. Ein Soldat, der sieh nieder schlagen läßt — gehört eigentlich nicht in dio Wehrmacht des heldisch-heroischen Dritten Reiches. Aber diu Fralzo des Nationalsozialismus grinst seihst aus einer Lüge hervor. Der jüdische Übeltäter, sagt die Meldung, wurde in Haft genommen und dazu auch noch sein Vater. Weshalb wohl der? Wahrscheinlieh um zu einem erträglichen Verhältnis zu den Juden zu gelangen. Tretet dem Allgemein-zionistischen Handwerkerverbünde „Baaleh Mikzoah" bei I Anmeldungen u. Auskünfte Dienstag u. Freitag von 1-2 Uhr mittags und Mittwoch 8 Uhr abends in Wien, /., Marc-Aurel-Straße 5- Ohneflrey OcHlarinm Wlen,l.,Annfl3üuel>urtsnML Un terßnehung der Augen u. Verordnung passender Augengläser, önunterbrochen von 8 Uhr mocgen* Me 6 Uhr abends geöffnet. KOSTENLOS uaterUHtmg da* AugsMrstM Harra Doktor P080MK1. (Mopkaa RST-0-4S} Brillen vor» S 4-- auf' Juden von der Winterhilfe ausgeschlossen Berlin, 7. Oktober. Auf Grund der Nürnberger Gesetze wurde soeben eine Order erlassen, die die Juden in Deutschland von cler Winterhilfe ausschließt. Die Order erklärt, daß von nun an nicht nur Juden keine Winterhilfe gegeben werden soll ,sondern daß auch von Jus den keine Beiträge für die Winterhilfe entgegengenommeu werden sollen. Damit ist Hitlers vor zwei Jahren persönlich gegebenes Versprechen, daß „j oder im Reich der Winterhilfe soll teilhaftig werden können“, u n gültig ge m acht wor-t den. Auf Grum. dieses Versprechens hatten bisher in einigen Ortschaften Juden direkt, von den Nazi-Quartieren, in anderen durch Vermittlung jüdischer Wohl fahrtsinstitutionen Winterhilfe erhalten. Während nunmehr die Juden von der Winterhilfe ausgeschlossen sind, werden nichtjüdische Ausländer weiterhin Winterhilfe erhalten. Keine jüdischen Notare mehr, in Deutschland Berliner j Ü cl i s e h o u Notaren ist eine Verfügung des ihnen Vorgesetzten Landgeriohtspräsidonten zugegaugen, in der mitgeteilt wird, daß ihnen wie sämtlichen volijüdischeu Notaren auf Anordnung des Reichsministers der Justiz mit sofortiger Wirkung die Ausübung ihres Amtes «ntc r-1 sagt wird. Innerhalb ei nur W o c h o sind die mit dem Amtsgebraueh im Zusamt inenhang stehenden Utensilien, wie Siegel, Urkundenregister usw. an da« zuständige Amtsgericht ahzuliofern. Es wird angenommen, daß den jüdischen Notaren im Reiche die gleiche Verfügung seitens der zuständigen Gerichte zugegaugen ist. Durch diese Verfügung werden viele II u n d o r t e j ii d i s c li e I»ee h t/sa n w ä 11 e, die als e h e malige F r o n tkämpfer auch nach Erlaß des Gesetzes über das Berufsbeamteutuin den Beruf eines Notars ausüben durften, fast gauz der Existenzgrundluge I ieraul>t. Marhtpogrom Das „Schwarze Korps“ teilt mit, daß In G e r n r o d e anläßlich des Vieltmarktes a ti t i j ü d i s oh e Unruhen sfattfamlen; ein jüdischer Viehhändler' wurde von der Polizei in Haft genommen. Die Zeitung fordort die vollständige Ausschaltung der Juden aus dem «Viehhaudcl.