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Die Stimme · 1935-10-11 · Heft 489 (11.10.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 489 (11.10.1935)
Date
1935-10-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr, 489 — 11. Oktober 1935 Seit« 3 OIE STIMME Der afrikanische Krieg und Palästina Normales Wirtschaftsleben Jerusalem, 10. Oktober. Ein Vertreter der Jüdischen TelegraphenrAgentur hat Im ganzen Lande Untersuchungen über die Wirkungen des italienischabessinischen Krieges au! die Wirtschaft Palästinas angestellt und konnte feststellen, daß sich die Bevölkerung nach der anfänglichen Panikstimmung beruhigt hat und daß das Wirtschaftsleben normal funktioniert. Einige Fabriken in Palästina profitieren von der neuen Lage, sie haben große Aufträge erhalten. Nur in der Tel-Aviver Geschäftswelt ist eine leichte Nervosität Immer noch zu merken. Die Kriegslage wird eifrig verfolgt und zum Gegenstand ernster Diskussionen in bezug auf die künftige Entwicklung gemacht, wobei auch mancherlei Gerüchte rasche und weite Verbreitung finden. Doch konnte sich die Bevölkerung selbst überzeugen, daß die von der Auslandspresse gebrachten Mitteilungen, wonach Haifa, Stadt und Hafen, militärisch befestigt werden und sogar Schützengräben und Stacheldrahtsysteme um die Stadt gelegt wurden, jeder Grundlage entbehren. Wahr ist nur soviel, daß eine kleine britische Flottille, bestehend aus dem Flaggenschiff „Cofrington“ mit vier Zerstörern, am 5. Oktober im Hafen von Haifa Anker geworfen hat. insgesamt eine Million bi« höchstens eineinhalb Millionen Pfund aus, während die Gesamtsumme der Einlagen auf rund 16 Millionen Pfund geschätzt wird. Inzwischen hat bereits ein Rückströmen des abgehobenen Geldes in die Banken eingesetzt. Erklärungen Dizengoffs Der nach mehrmonatiger Abwesenheit vor kurzem nach Palästina zurückgekehrte Bürgermeister von Tel-Aviv, Mayer D i z e ng o f f, teilte Pressevertretern mit, er habe bei seiner Rückkehr in gewissen Bevölkerungskreisen im Zusammenhang mit dem italienisch-abessinischen Konflikt einen an Panik grenzenden Zustand feststellen können; allmählich sei aber eine Beruhigung eingetreten, wenn auch die Besorgnis noch nicht ganz gewichen ist. In einer öffentlichen Erklärung an die Bevölkerung teilt Bürgermeister Dizengoff mit, er habe mit den Leitern der Großbanken und mit anderen maßgebenden wirtschaftlichen Faktoren des Landes Besprechungen gepflogen, bei denen festgestellt wurde, daß eine Panik in Palästina im Zusammenhang mit dem italienisch-abessinischen Krieg nicht begründet sei und sich für die Wirtschaft schädlich auswirken könne. Eine Abhebung von Bankdepositen habe eine Restriktion der Kredite zur logischen Folge und schädige das allgemeine Wirtschaftsleben. Die Einwohnerschaft von Tel- Aviv, erklärt Dizengoff weiter, möge versichert sein, daß die Regierung und die jüdischen nationalen Institutionen über den Inter- Trauben-Trinkkur. Während der Weinlese bringen wir täglich frisch — ans dem Weingarten Traabensaft für Kurzwecke. — Die Herbstkur mit naturfriscbem Traubensaft ist durch nichts zu ersetzen. — Sie wirkt verjüngend auf den ganzen Organismus — besorgt eine vollkommene innere .Reinigung — und beseitigt so — die Grundursachen von Krankheiten und vorzeitigen Alterns. —Von der einfachsten Verdauungsstörung bis zu den hartnäckigsten Leiden — roilführt diese einzigartige Heil- und Erneuerungskur ständig Wunder. Prospekte über Trauben-Trinkkur mit Anleitung liegen in allen Betrieben auf. ZEILINGER IX. PORZELLANGASSE 39 NEUERÖFFNET! essen des Landes wachen und es mit allen Mitteln verhindern werden, daß irgendwelche wirtschaftlichen Institutionen ihre Stabilität verlieren. Die Leiter dieser Wirtschaftsinstitutionen selbst — Dizengoff spielte besonders auf die Banken an — werden es zu verhindern wissen, daß irgend jemand in dem in sie gesetzten Vertrauen getäuscht wird. Pflegen Sie Ihre Zähne mit ODOL- Zahnpasta und Sie erhalten sich gesunde Zähne bis ins hohe Alter. m P» iäS Kleine Tub* S —SO Große Tube S 1.40 Die armen Abessinier Landstraßor Hauptstraßo 17 Wallensteinstraße 46 Johnstraße 39 Mariahilfergürtel 27 Winokelmannstraßo 22 Bestell büro Teloph. 1t 35-0-10. Moofien: „Palästinas Finanz tage gesund“ Jerusalem, 3. Oktober. Der Direktor der Anglo-Palestine Bank S. H o o f i e n, hat erklärt, er glaube fest an die gesunde Wirtschaftslage Palästinas lind bedauere die jüngste Panik im Zusammenhang mit dem drohenden Krieg zwischen Abessinien und Italien. Die überstürzte Behebung der Einlagen aus kleineren Banken hatte zu einer Einschränkung der Kreditgewährung und damit zu einer starken Beeinträchtigung der Geschäftstätigkeit und des Baugewerbes in Palästina geführt. Hoofien versichert der Bevölkerung Palästinas, daß das Finanzsystem des Landes gesund sei, denn es sei eng verknüpft mit dem englischen Finanzsystem, das einem Weltkrieg standgehalten hat. Die größten Finanzinstitute des Landes, wie Barclays Bank und die Anglo-Palestine Bank, kamen den kleineren Banken großzügig zu Hilfe und erneuerten die Kreditmöglichkeiten für Kleinhändler. Ferner habe die Hypothekenbank ihre Darlehen vermehrt, um die Bautätigkeit zu fördern. Sie habe monatlich nicht weniger als 100.000 Pfund Darlehen gewährt. Wien-Haifa S195"- Bahnfahrt bis Constanza. Schiffahrt mit Bett und Verpflegung. — Besonders ermäßigte Fahrten nach Alexandrien, Haifa, Beyroulh. Alle Auskünfte sowie Anmeldungen: Austro Lloyd — Wiener Reiseklub I., Welhburgg. 27 Tel. R 28-0-69 Werdet Mitglieder! Die auf• Abhebungen haben gehört Jerusalem, 9. Oktober. In einer Versammlung der Jerusalemer Handelskammer teilte der Präsident Shelly mit, daß die Beruhigung weitere Fortschritte gemacht hat. Im ganzen wurde nicht mehr als ein Fünfzehntel der Einlagen abgehoben. Die Abhebungen machen „Für Chinesen, Botokuden, Nur nicht Juden, Nur nicht Juden!4' (Beda.)* Die Welt widerhallt vom Kriegsgeschrei. In Abessinien rattern die Maschinengewehre, dröhnen die Geschütze und Fliegerbomben verbreiten Tod und Verderben. Das durch unselige Friedensverträge und die durch sie mitbedingte Wirtschsitskrlse deroute Europa erlebt das gewaltige Aufgebot der englischen Flotte und die fieberhaften Rüstungen Italiens, Eine Welt droht aus den Fugen zu gehen. Warum das alles? Weil der Völkerbundpakt es notwendig macht, die armen Abessinier zu schützen — sagt England. Weil der enorme BevöJkerungsiiberschuß und legitime Interessen Italiens auf das von Barbaren bevölkerte und die Sklaverei duldende Abessinien gebieterisch hin weisen — sagt Italien. Es gibt wohl kein zweites Volk auf Gottes weiter Erde, das so oft Heimsuchungen erlebt hat, wie das jüdische Volk, nur weil stärkere Mächte es zum Aushängeschild für eigene Begehrlichkeiten auserkoren haben. Die vielen Beispiele aus der jüdischen Geschichte der letzten zweitausend Jahre zum Beweise anzuführen, wäre müßig. Ihre Zahl ist Legion Heute ist nicht nur Abessinien das Objekt tir die große Politik der großen Mächte die Nürnberger Gesetze die Völker Europas nicht wachgerüttelt haben, daß diese schimpflichen Gesetze es nicht vermochten, den Blick der Völker von Abessinien abzulenken und nach Europa zu wenden. Künftige Geschichtsschreiber werden den weisen Ausspruch des vor wenigen Tagen verstorbenen französischen Senators de J o uv e n e 1 zitieren, daß das 20. Jahrhundert ,ydas dümmste Zeitalter“ gewesen ist. Das dümmste Zeitalter, weil Europa daran zu vergessen scheint, daß der Nationalsozialismus für jeden Staat Europas der „Staats feind Nr. 1“ ist, weil er die Brandfackel schwingt, die jeden Staat Europas in Brand setzen will. Gewiß, man spricht vom Deutschland des Hakenkreuzes, man stimmt in katholischen Zeitungen — und mit Recht — Klagen über die Drangsalierungen der Katholiken Deutschlands und die Mißachtung des Konkordats an, aber man registrierte nur mit dürren Worten, oft so gar mit einem hämischen Unterton von Schadenfreude, die Nürnberger Juden te unser eigenes Haus erbauen. Ein gutes Geschick hat uns den Baumeister gesendet, der uns den alt-neuen Plan für unser Haus entworfen hat: Theodor II e r z 1. Ein gutes Geschick hat uns die Männer beschert, die uns die B a 1 f o u r- Deklaration erwirkten, in der es heißt, daß die Schaffung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina verwirklicht werden soll und „d a ß nichts getan werden soll, was Europas, jenes Europa, das als Folge unseliger Friedensverträge in seinen Fugen kracht. Neben Abessinien ist aber auch das jüdische Volk wieder einmal Objekt der Politik der Völker geworden, nur mit dem Unterschied, daß man von den Negern Abessiniern spricht und von den Juden schweigt. In Abessinien führt Italien „im Namen der abendländischen Zivilisation“ gegen ein „barbarisches Volk“, das diie Sklaverei duldet, Krieg. Im Herzen Europas, in Deutschland, leben 0 0.0 0 0 Juden in einer mit täglichen Drangsalierungen und schimpflicher Behandlung haßgesättigten Atmosphäre. 500.000 Kulturmenschen, Angehörige des Volkes, auf dessen Ethik und Monotheismus die christliche Religion und Gesittung beruht, 500.000 Angehörige eines Volkes, das für den Fortschritt der Menschheit mehr geleistet hat als irgend ein anderes Volk, werden in einer entsetzlichen Sklaverei gehalten und niemand will es sehen. Künftige Geschichtsschreiber werden es einmal als die größte Schmach des 20. Jahrhunderts bezeichnen, daß sich am 15. Soptember 1935 Europas Nationen nicht wie ein Mann erhoben haben, um das Attentat gegen die Zivilisation abzuwehren, das die von Nürnberger Reichstag beschlossenen Judongesetzo bedeuten. Künftige Geschichtsschreiber werden einmal kopfschüttelnd darüber berichten, daß 48 Stunden Arbeit in welchem Beruf immer, das ist eine ganze Woche einseitiger Betätigung. Diese einseitige Betätigung führt zu erhöhter Ermüdung der bei der Arbeit besonders beanspruchten Körperpartien, aber auch zur Erschlatfung der minder beanspruchten. Sport und Natur sind der gebotene Ausgleich, ebenso der Gebrauch von DIAN A-Franzbranntwein mit Menthol. Tägliche Massage mit Diana erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Gleich wertvoll zur Mund- und Haarpflege. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA*. Weisen Sie minderwertige Nachahmungen zurück. gesetze. Kaum ein Wort des Mitleids wurde laut, und wenn ja, so nur in geschlossenem Kreis. Kein Staat der Welt hat bisher seine Stimme zugunsten der gemarterten deutschen Juden erhoben. Künftige Geschichtsschreiber werden sagen: Europa in seiner tiefsten Schmach und Schande. Das mußte einmal gesagt werden. Aber ebenso muß gesagt werden, daß wir Juden keinen Anlaß haben, uns in das Schicksal zu fügen, das uns das nationalsozialistische Deutschland auferlegen will. Wir dürfen nicht müde werden, an die Menschheit zu appellieren. Es ist nicht wahr, daß die Menschheit keine Adresse hat. Der Tag wird kommen, wo man auch uns hören wird. Nichts aber wäre verfehlter, als immer nur auf unsere Leistungen für die Kultur und Gesittung der Menschheit zu verweisen und im übrigen die Hände müßig in den Schoß zu legen. Wir müssen mit d e in Aufgobot unserer letzten K r ä f- E Wieder der Millionen- Haupttreffer der Klassenlotferie bei der „Gliickstelle Stein“ an der „Hohe Brücke“ gewonnen! In der soeben beendeten Ziehung der Sommerlotterie 1935 wurde dar große Mil. lionen-Haupttreffer, ferner der zweitgrößte Haupttreffer von S 200.000*—, sowie die Treffer zu S 50.000*—, zwei zu 30.000*—, 20.000— usw. von glücklichen Kunden der „Glückstelle Stein“, Wien, I., Wipplinger« straße 21, an der „Hohen Brücke“, gewonnen. Das Los Nr. 44.947, das den Millionen- Haupttreffer erzielt hat, wurde in acht Achtelanteilen verkauft lind verteilen sich die Gewinner auf Wien und die Bundesländer. Die Treue der Kunden der „Glückstelle Stein“ wurde reichlich gelohnt. Es ist sehr interessant, daß auch der erste Millionen-Haupttreffer in der Sommerlotterie 1934 von Kunden der „Glückstelle Stein“ an der „Hohen Brücke“ gewonnen wurde. Wieder hat sich das Sprichwort „Über die ,Hohe Brücke4 führt der Weg zum Glücke!“ als Wahrwort erwiesen. die Rechte und die politische Stellung, deren sich die Juden in irgend einem anderen Lande erfreuen, beeinträchtigen würde.“ Hier ist unser Arbeitsgebiet. . Künftige Geschichtsschreiber werden aber kopfschüttelnd vermerken, daß es im Jahre 1935, nach den schimpflichen Nürnberger Judengesetzen, noch Juden gegeben hat, die dem Zionismus und dem Aufbau Palästinas gleichgültig gegenüberstehen. Nicht nur das — die hämisch jeden Rückschlag in Palästina registrieren, die mit unverholener Freude jede ungerechte Verfügung der Mandatsregierung glossieren. Unbelehrbare Dummheit oder Abfall und Abschaum des jüdischen Volkes? Mag es. was immer sein. Wir werden nicht nach unserer Elite, sondern nach unserem Abschaum gewertet. Wir wollen nur diesen Randjuden sagen: „Nehmt euch an den auf niedrigster Kulturstufe stehenden Negern Abessiniens ein Beispiel! Lernt von ihnen, was Treue heißt, lernt von ihnen, was Verständnis für die eigene Zukunft heißt! Wenn ihr schon glaubt, nicht mit uns in

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