Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 489 (11.10.1935)
- Date
- 1935-10-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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8«1t« 2 DIB STIMM! Nr. 480 — 11. Oktober 1098. Billige Reisen naoh POLEN Abfahrt 17. Oktober* RUckkehr 21. Oktober 1939, ev. auch apilter Auskunft bei DR. S. TOCKER, WIEN, IX., LlechtenstelnstraBe 2, Tel. A14-904 Völkerbund und Sanktionen sene Österreichische Kolonie. Die Österreicher, die auf dem Lande leben, sind in den verschiedenen Siedlungspunkten untergebracht. Aber es sind Bemühungen im Gange, mittels des vor einiger Zeit ins Leben gerufenen J o h a n n-K remenezky-Fonds eine eigene österreichische Kolonie in Palästina zu gründen. In diesem Zusammenhang sei auch vermerkt, daß die „0 l e j A u s t r i a“, die in der letzten Zeit außer in Tel-Aviv Zweigstellen auch in Jerusalem und Haifa errichten konnte, eine überaus segensreiche Arbeit entfaltet. Schließlich sei noch erwähnt, daß es österreichische Firmen sind, die in Jerusalem und in anderen Städten des Landes die Geschäfts- und Ladensperre einer Regelung zugeführt haben. Die arabisch-jüdischen Die arabisch - jüdischen Beziehungen scheinen sich nicht zuletzt als Folge der hohen Prosperität des Landes, und ungeachtet der, von mancher arabischen Seile gegen den Bodenverkauf an Juden betriebenen Agitation in der letzten Zeit gebessert zu haben. Die durch die Araber betriebene Bodenverkaufsagitation hatte wohl die Situation verschärft, diese aber wurde durch das energische Auftreten jüdischer Instutionen, vor allem des Jüdischen Nationalfonds wieder gebannt. Schließlich darf nicht vergessen werden, daß zehntausende Araber, sogar solche aus dem Hauran, in Haifa und in anderen Zen Iren des Landes Beschäftigung und Arbeit gefunden haben, was zweifellos auch wesentlich zur Befriedigung beider Bevölkerungsteile beiträgt. In letzter Zeit ist auch eine arabische Arbeiterpartei in Palästina gegründet worden. Für die Entwicklung des Landes, insbesondere für die Stadt Jerusalem, wird die neue Wasserleitung nach Jerusalem, die nun endlich ihrer Vollendung entgegensieht, von großer Bedeutung werden. Auch die kolossale Aufforstung, die sowohl von jüdischer, als auch von englischer Seile mit viel Energie durchgeführt wird, wird in einem hohen Maße für die Verbesserung der klimatischen Verhältnisse in Palästina beitragen. Erklärung Stephen Wises New York, 6. Oktober. Dr. Stephen W i s e, Vorsitzender des Comite des Delegations Juives, erklärte Vertretern der Presse unter anderem: So sehr man auf neue Barbarismen von deutscher Seite gefaßt war, so haben doch die Nürnberger Judengesetze jeden mit Entsetzen erfüllt. Man muß sieh fragen: Wie kann die zivilisierte Welt gleichgültig Zusehen, w'ie man solche Verbrechen an Menschen verübt, die über 1000 Jahre im Lande rofessor Josef Zimbler übernimmt noch einige Schüler für Violinunterricht und Kammermusik, IX., Hahngasse 31. Tel. A 12-8-28 gelebt haben. Soll die zivilisierte Welt, die für den Schutz Abessiniens eintritt, nicht ein Volk zu schützen versuchen, dem sie weit mehr als den Abessiniern zu verdanken hat? Stephen Wiso erklärte, das Comite des Delegations Juives werde jetzt wieder jene Position einnahmen, die es unmittelha<r nach dem Kriege innegehabt hat. Amerikanische und europäische Juden werden harmonisch Zusammenarbeiten. Das Komitee wird bis zum Zusammentreten des Jüdischen Weltkongresses die führende jüdische politische Körperschaft sein müssen. Wir hoffen, daß der jüdische Weltkongreß in Kürze Wirklichkeit sein wird. Niemals seit den blutigen Tagen des Weltkrieges war die Lage der Juden in Europa so tragisch wie heute. Der Völkerbund ist, Mittwoch in Genf zu sammengetroten. Er hat dio Beschlüsse des .Rates zu sanktionieren, die in ihrer Bedeutung weit über den italienisch a, b e 8 e i n i s c h en Krieg hinausgehen Der Rat hat erklärt, daß der Kriegszustand besteht, daß der Völkerbundpakt verletzt worden ist. und daß Italien die Verantwortung* für die Verletzung der Genfer Gesetze trägt. Damit hat such der Völkerbundrat zum ersten Male auf den Boden der k o 11 e k t i v* e n S a n k t i o n e n gestellt und es ist kaum mehr zu umgehen daß auch die Völkerbundversammliuig die kollektive Unterdrückung des Krieges be schließen muß. Man wird jetzt nur noch den Umfang der gegen Italien cinzusetzendcn Sanktionen genau präzisieren'müssen. Aber man hat bereite» in Genf einen neuen Weg beschriften, ohne zu wiesen, wohin er führt. Einstweilen besteht noch die Hoffnung. daß eine Lokalisierung gelingen wird. Es ist freilich nur eine Hoffnung, die sich auf die Stimmung des Friedens stützt. Alle Vernunft verlangt cs, daß man nicht die letzten Möglichkeiten der Sanktionen, die Anwendung militärischer Gewalt, ins Werk setzt, denn dies würde kaum mehr eine Abgrenzung des Brandplatzes gestatten. Die erste Folge wäre, daß der Krieg eich sofort in den Indischen Ozean verpflanzt. Mussolini hat gesagt, militärische Sanktionen sind Krieg, und das ist deutlich, es ist auch sicher, daß sein Wort wahr würde, auch wenn er dies nicht wollte. Die Maschine des Krieges geht, wenn sie einmal zu rollen begonnen hat, ihre eigenen Wege, und wenn einmal die Stimmung des Krieges einsetzt, dann treten die Gesetze der Vernunft und der Logik bescheiden in den Hintergrund und an ihre Stelle «setzt sich das Kriegsziel. Mussolini will Abessinien unter seine Kontrolle bringen. Aber er scheint sieh noch die weitere Aufgabe zu stellen, das Kolonialproblem aufzurollen. Es geht nicht, um A d u a und der Einmarsch in Äthiopien igt keine Sache des Prestiges. Sondern der Weg nach Indien, nach dem Sudan, erscheint jetzt in dem Kalkül und dies wieder ist die Folge des Druckes, den England ausübt, in Genf sowohl wie im Mittelmeer. Die Sanktionen sind, so wie sie England vorschlägt, auf Krieg gestellt, und so sieht sie auch Italien an, das durch die britische Arbeit aus der diplomatischen Offensive in die Defensive gedrängt worden ist. Der Weg nach Addis Abeba ist sehr weit. Wenn es aber Italien gelingt, die Hauptstadt zu besetzen, den Kaiser zu vertreiben und die alte Schoa.-Dyna.stie wieder als treuen Vasallen auf den Thron zu petzen, wird sieh dann der Blick nicht auch auf den Sudan richten, der englisch, aber auch ägyptisch ist? Es treten Fragen vor. an die man vor einem Jahr noch nicht, gedacht hat. wahrscheinlich auch nicht im Jänner dieses Jahres, als Mussolini in London durch den Botschafter Gr an. di «seine Afrika, plane vertragen ließ, doch nur zu dem /.wecke, sich England« Wohlwollen« zu versichern. Man hat in Paris ebenso gut von diesen Absichten gewußt und die vermittelnde und ausgleichende Tätigkeit des Pariser Kabinetts zeigt, daß Frankreich dio N o t w e nd i g k e i t e r k a, n n t, h a t, 11. a 1 i e n s Ford e r u n g e ri a n z u n e h m e n. eie aber auf Abessinien zu beschränken. Wird nun der Völkerbund die Vorschläge* Englands zum Gesetz erheben, dann entsteht erst für Mussolini die Situation des Prestiges und dann ergeben sich Möglichkeiten. die inan seit dem Aufmarsch am Brenner im Juli 193-t nicht mehr für gegeben ansah. Will* England die Linie R o m—B c r 1,1 n w i e d e r b eeben? Wahrscheinlich nicht., aber die Zwangsläufigkeit zeigt «ich schon jetzt. Und hier liegt die ganze große Gefahr des Experimentes. Man weiß, wo ein Krieg beginnt, aber man weiß nicht, wo er endet. Als Juden, als Bekenner der Völkerbund-Idee, wünschen wir den Frieden und hoffen auf einen Durchbruch der kühlen Vernunft in Genf und in London. Das jüdische Aufbauwerk in Pa- 1 ä s t i n a liegt in der Nähe des Brandplatzes, und wenngleich Englands Macht ein Übergreifen verhindern kann und wird so ist doch unser Tag voll Sorge. Palästina ist Völkerbundsland. Aber wie wird di Frage austsehen, wenn Italien aus dem Völkerbund ausscheidet? Heute wehrt sich noch Mussolini gegen diese Eventualität und er will bleiben, weil er bleiben muß. Wenn er aber «ein Wort, wahr machen muß, daß militärische Sanktionen den Krieg bedeuten, wenn dio Völkerbundstaaten in dieses Abenteuer gezwungen werden, — und England will ja sogar das Vertrags brüchige Deutschland zum Schutz des Vertrages einladen! — Dann ist für Italien diese schwerste Stunde da, für Italien, für Europa, für die gauze Welt. Denn dann fällt der Völkerbund auseinander, weil er eine solche Belastung nicht erträgt und weil dann anstatt der Diplomatie die Generäle zu reden beginnen und das Gesetz de-s Handelns an sich ziehen. Man kann nur hoffen... Billige Reisen nach PALÄSTINA kostenlose Beratung in allen Reiseangelegenheifen, welche Palästina betreffen, erteilt DR. S TOCKER Wien, IX., Liechtensteinstraße 2, Tel. A 14-504 los erwiesen. Wio wenig diese Hoffnung begründet war. zeigte ja schon dio Rede Hitlers in Nürnberg, der die Möglichkeit, noeil grausamerer Maßnahmen gegen die Jaden unterstrich. Es ist heute schwer vorauszusngeu, welches die wirkliche Situation der .luden in Deutschland sein wird. Die Gesetze sind demütigend und bedrückend, aber ihre Wirkung liegt mehr in der Tendon /,, denn faktisch änderten sie nichts an der bereits früher best, a. n d e n e n jüdische n R. e c h 11 o s i g k c i t. Was bedeutet, schon der Verlust der Bürgerschaft in einem Lande, in dem cs eine freie Bürgerschaft, gar nicht gibt? Was die Zukiinf. betrifft, so ist, die Annahme, Hitler werde angesichts der Verantwortungen seines Amtes sich veranlaßt sehen, seine Politik gegen die Juden zu mäßigen, falsch; Hitler befindet sich vielmehr mit Streicher, Goebbels und den anderen Radikalen a u f e i n e r E b c n e. Laski wies auf die Arbeit des deutschen Nazismus in allen Ländern der Welt, wo die Nazis die Ritiuilmordlegendo, die „Protokolle“ und gefälschten Zitate aus den FÜR DIE FEIERTAGE: PUTZT, FÄRBT, BÜGELT Telephon U 38-0-82, B 37-4-81. Abholen und Zustellen gratis. DANDY Protest der englischen Judenheit gegen Deutschland London, 3. Oktober. Der Board of Deputias of British Jews (Vertretcrsohaft der englischen Judenheit) versammelte sich zu einer Sonderheratung, um zu den letzten Entwicklungen in der jüdischen 'Situation in Deutschland Stellung zu nehmen. Der Prä-sident des Board, Nevillc. Laski, schilderte die individuelle und die kollektive Tragik der Juden ini Deutschland, worauf einstimmig die folgende Resolution zur Annahme gelangte: „Wir, die Mitglieder des Deputierten-Ausschusses der englischen Juden, die die Juden des British Empire repräsentieren, bringen feierlich unseren Protest und unsere Entrüstung über die fortdauernde Diffamierung und grausame Verfolgung der Juden in Deutschland zum Ausdruck. Mit dem schmerzlichen Gefühl, grob beleidigt worden zu sein, waren wir Zeugen des letzten Stadiums der öffentlichen Degradierung der deutschen Juden durch einen vorbedachten Akt des Deutschen Staates. Wir bekräftigen die von uns am 18. September 1934 angenommene Resolution, wonach angesichts der fortdauernden antijüdischen Politik Deutschlands dieser Board sich das in der Erklärung des Präsidenten auf. gestellte allgemeine Prinzip zu eigen macht, daß kein sich selbst achtender Jude mit deutschen Waren handeln oder sich deutscher Waren und Dienste bedienen wird, so lange diese Politik andauert. Wir verpflichten uns, mit allen gesetzlichen Mitteln und mit unbeugsamer Entschlossenheit den uns aufgezwungenen Kampf gegen diese systematische und barbarische Verleugnung aller Grundsätze von Freiheit und Gleichheit, auf die alle Menschen ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens ein Anrecht haben, fortzuführen.‘‘ Nevillo Laßki sprach dem katholischen und prutostau tischen Führern Deutschlands, <IK> mutig* gingen dio Verleugnung eines der fundamentalsten Prinzipien dos Christentums protestiert haben — insbesondere) Kardinal F a u 1habor — Anerkennung aus. Die neuen Reiohstagsgesetze, fuhr erfort, hätten nur eine Position „legalisiert", die faktisch bereits bestanden hat; es wurde oben der Terror zum Gesetz erhoben. Aber die verschiedentlich ausgesprochene Hoffnung*, daß mit der Verkündung dieser Gusetzo die individuellen Terrorakte, genannt „Einzolaktionen“* abnehmen würden^ 'hat sich als grund- Palästina-Baugr linde iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii! Wir suchen I. Satz-Hypothek bis £ 20.000.— (davon £ 8.000.— für Bauzwecke) auf prima Baugründe in Haifa, Geschäftszentrum und Umgebung. Kaufvorzugsklausel und Umwandlung des Besitzes in Aktien-Gesellschaft nicht ausgeschlossen. Anfragen: Humouda, Wien, I., Postgasse Nr. 11, Tel.: R 20-1-30 oder Haifa P. O. B. 99. religiösen Schriften der Juden verbreitein, hin und schloß: Unsere Geschichte ist voll dunkler Seiten, aber eine der dunkelsten ist das, was die Juden in Deutschland jetzt erdulden müssen. Aber kein Leid wird unseren Geist, der von d e m h e i 1 igen Schrifttum genährt ist, brechen. Wie können wir den Juden in Deutschland helfen? Die jüdischen Proteste helfen nicht, wohl aber helfen die niohtjüdi- Rohen Proteste. Dankbar verzeichnen wir die Haltung der verantwortlichen Presse und der Führer des öffentlichen Lebens in England. In materieller Hinsicht werden wir bis zur äußersten Grenze unserer Leistungsfähigkeit gehen, um unseren Brüdern zu helfen. Außerhalb Deutschlands wird kein sich selbst a c h t e n d e/r Jude d o u t s c h o Waren kaufen oder deutsche Dienste in Anspruch nehmen. Jede Aktion, dio dem Naziregime zeigt, daß Verfolgung* sich nicht bezahlt macht, hat unsere B111 i g u n g, Itt Danzig geht die Hetze weiter Danzig, 9. Oktober. Die Niederlage der Dan ziger Regierung bei der Behandlung der Petitionen Danziger Einwohner, auch der Juden, im Völkerbundrat in Genf hat zu einer Verschärfung der antisemitischen Boykottpropaganda veranlaßt. Die N. S. D. A. P. in Danzig hat eine „Hcnhstmobilisierung“ proklamiert, deren Zweck, wio angedeutet wird, die Organisierung dos wirtschaftlichen und go- WßrKstnlte mit Konzession für feinere und billige Domenklelder und Sciilufröcke übernimmt Aufträge zu mäßigen Preisen IX., SchuIx-Strassnlizky-aasse 7/20 sellschaftlichen Boykotts gegen die Juden Ist. Der Gauleiter Förster hält täglich vor Angehörigen der verschiedenen Organisationen und Verbände antisemitische Hetzreden. Die Lehrer werden aufgefordert, den Schülern in den Staats* schulen das „Rasseuprinzip“ zu erläutern. In einer Danziger Lehrer Versammlung sagte Förster wörtlich: „Den Kindern in den Schulen müsse klargemacht werden, d a ß die Juden Teufel sind.“ In einigen Vorstädten von Danzig wurden die Schaufenster einer Reihe jüdischer Geschäfte eiugeschlagen. Von einem Einschreiten des Völkerbundiomimissärs ist weit und breit uichts zu verspüren.