Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 489 (11.10.1935)
- Date
- 1935-10-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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|Pv«l« lOMif Nummer 20 g V. fr. fr. JHe nächste Summer der „Stimme" erscheint am Dienste g, den 15« Ohtober früh JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 489 | Wien, II. Oktober 1935 I Redaktion und Administration: Wien, I., Marc-Aurel-StraBe 5. Tel.: U 22-3-91 RedaktlonssehluB Montag und Mittwoch vorm. inm Die großen, vorzüglichen Salonschiffe „Galllca“, „Palestlna“ und „Gcrnsalemme“ der direkten Eillinie TRIEST - JAFFA des LLOYD TRIESTINO verkehren Jeden Mittwoch und Jeden zweiten Freitag / Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß Lire SöS1- ' Auskünfte: Lloyd Triestino, l., Kämtnerring 6 (14. Tischri 5696) | 9- Jahrgang Generalkonsul Dr. Ivo Jorda (Jerusalem) über Palästina Gespräch der „Stimme“ mit dem österreichischen Generalkonsul in Jerusalem, Hof rat Dr. Ivo Jorda Keine Rückwirkung des italienischabesslnischen Konfliktes Wiewohl ich schon August das Land verlassen habe, zu einer Zeit also, wo man im Lande nichts von dem nahenden italienischa.bes slnis chen Konflikt bemerken konnte, kann au! Grund der aus dem Lande kommenden Nachrichten festgestellt werden, daß es sich bei dem Run auf die Banken und bei der teilweisen Abhebung von Depositen lediglich um eine momentane Verwirrung und Beunruhigung gehandelt hat, die aber bereits als überwunden zu betrachten ist. Aus den Nachrichten, die in den letzten Tagen aus Palästina einliefen, dringt allgemein die Hoffnung durch, daß die Ruhe und die Ordnung ins palästinensische Wirtschaftsleben Svieder einkehren, und daß die momentane Verwirrung keine weitere Rückwirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes haben wird. Auch ohne den italienisch-abessinischen Konflikt und unabhängig von diesem wird angesichts des außergewöhnlich raschen Aufbautempos des Landes, das in der Geschichte moderner Kolonisation vielleicht keine Analogien hat, viel über die Solidität der palästinensischen Wirtschaft debattiert lind die Frage erörtert, ob Rückschläge zu erwarten sind und inwieweit diese das Gebäude des Aufbaus in Mitleidenschaft ziehen könnten. Die eine Meinung lehnt jedes Gefahrenmoment ab, wobei sie sich auf den immerwährenden Strom neuer Einwanderer und Kapitalien stützt, während die andere davon ausgeht, daß die Basis der palästinensischen Wirtschaft eine so feste sei, daß sie auch etwaige Erschütterungen überstehen könnte. Nicht zu vergessen ist allenfalls das zweifellos gesteigerte nationale Interesse der Juden in Palästina, das heute einen viel größeren Impuls aufweist, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. Als die einzige vorläufige Wirkung des abessinischen Konfliktes auf Palästina läßt REISE BÜRO, CITY f) a J . H . '„K 'O'RNEi WIEN I. KOHLMARKT ö U-26-4-29 Yiha. ftetolgutig. , kVoitendwe ftcicituuc^ i Der österreichische Generalkonsul in Jerusalem) Hof- § | rat Dr« Ivo Jorda, der seit einigen Tagen in Wien weilt, | | hatte die Liebenswürdigkeit, unseren Dr. J. R.-Redakteur zu | | empfangen und ihm ln einem längeren Gespräch eine Reihe | | besonders interessanter und bemerkenswerter Informationen | | über die Wirtschaftslage in Palästina zu geben. Die Ausfüh- | 1 rangen des Hofrates Dr. Jorda, der seit zwei Jahrn das oster- | | reichische Generalkonsulat in Jerusalem leitet, geben wir an | | der Spitze unseres heutigen Blattes wieder. | iimiiuiiiiiiimmmiiimiiiiiiiiiiimiiiinmiiiiiiiimiiiiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiininiiiiiiiniiiiiiiiniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiii? sich vielleicht die Tatsache vermerken, daß j transporte auf dem Mittelmeer eine gewisse die Versicherungsprämien für Waren-1 Erhöhung erfahren haben. Die Wirtschaftslage Palästinas über die Wirtschaftslage Palästinas läßt sich im einzelnen folgendes sagen: Die Bautätigkeit hat in den letzten Monaten etwas nachgelassen. Insbesondere Ist dies gegenüber dem stürmischen Tempo des Jahres 1934 festzustellen. Das rapide Bautempo in diesem Zeitraum war durch den Ansturm der deutschen Einwanderer begründet. Diese Anforderungen sind nunmehr zu einem gewissen Teil befriedigt. Die Bautätigkeit wird gewiß aber wieder ein rapideres Tempo einschlagen, sobald ein neuer Einwandererstrom ins Land kommt. Jm Frühjahr dieses Jahres konnte man auch die begrüßenswerte Beobachtung machen, daß die Bodenspekulation, nicht zuletzt durch ihre unnatürliche Preisüberspitzung, gebrochen wurde. Ist die Bautätigkeit, insbesondere für Privathäuser, auch ein wenig zurückgegangen, so ist jetzt der Bedarf an Fabriksgebäuden größer geworden. Überaus groß ist der Bedarf an Zement. So ist die große Zementfabrik in Palästina, „Nesher“, gezwungen, in drei Schichten zu arbeiten, und kann dennoch kaum die Hälfte des Bedarfes des Landes an Zement decken. Wiewohl Palästina über ziemlich viel Rohmaterial verfügt, wird dennoch sehr viel Zement importiert, wobei hauptsächlich Jugoslawien durch große Kontingente von Zement aus Spalato vor allen anderen Ländern hervorsticht. Auch in vielen anderen Zweigen ist die Inlandsindustrie noch nicht in der Lage, die Inlandsbedürfnisse zu decken. Aber auch in landwirtschaftlichen Produkten ist dies der Fall. So müssen Butter und Käse eingeführt werden. Gut entwickelt ist heute bereits die Eisenindustrie (Eisenverarbeitung); die Werkstätten, in denen die Bestandteile für die Autobusse hergestellt werden, florieren ganz besonders. So sind im vorigen Jahre nicht weniger als 40 Autobusse im Monat in Betrieb gestellt worden. Auch die Glasindustrie ist in guter Entwicklung. Ihr kommt besonders das an der Küste gefundene Spezialsalz zugute. Auf anderen Gebieten; so insbesondere, in der Seidenbranche wieder, hat das japanische Dumping eine kleine Krise verursacht. Daran hindert nicht, daß insgesamt zwei Millionen Pfund an Zöllen eingehoben werden. Was die Orangenkultur und ihren Export anbetrifft, so wird jetzt mit einer Ernte von 6 Millionen Kisten gegenüber 4 Millionen im vorigen Jahr gerechnet. Bleibt diese Ziffer auch um eine Million hinter der erwarteten zurück, so bedeutet sie dennoch eine Steigerung von zwei Millionen, respektive 50 Prozent gegenüber dem Vorjahre. Palästina bemüht sich, s e i ne Handelsbilanz nach Tunlichkeit zu verbessern, allein es ist ziemlich schwer, den Export nach dem Westen flottmachen. Der grandiose wirtschaftliche Aufschwung kommt nicht zuletzt darin zum Ausdruck, daß die Reserve des Budgets der englischen Verwaltung im Lande die Höhe von 5 Millionen Pfund beträgt. Diese Reserve hat außer der Möglichkeit, bei einer etwaigen Krise helfend einzugreifen, vor allem moralische Vorteile. e «5. Dle „HEIMHILFE", Wien, XX., Dammstr. 27—31, Tel. A 42-0-14, verleiht — ohne Umstände — tadellose Tisch-, Küchen-, Bettwäsche und tauscht sie laufend gegen blütenweiße Reinwäsche um. Kostenpunkt: Billiger als eigeneWäsche! Häuserverwaltungen Reparaturkredite Geldbeschaffungen Tel. A 48-9-22 ____SENIAt_ R. TAUBMANN WIEN, II., NQRDPOLSTRASSE 2/3 Kauf- und Verkaufs- Vermittlungen kulantest Österreich—Palästina Palästina, als ein Land, das nach wie vor auf fast allen Gebieten auf den Import angewiesen ist, bedeutet selbstverständlich auch für den österreichischen Export ein günstiges Absatzgebiet. Es sind Bemühungen im Gange, um für ©ine Reihe von Spezialerzeugnissen, in denen Österreich führend ist, Exportmöglichkeiten nach Palästina zu schaffen. Hier kommt vor allem die Modebranche, dann das österreichische Holz, aber auch fast alle anderen Branchen, in denen Österreich exportfähig ist, in Betracht. Die Konkurrenz für Österreich in Palästina ist eine sehr große. So hat vor einem Jahre Deutschland, das durch das Transfer- Abkommen ziemlich viel nach Palästina einführt, für 169.000 Pfund Waren eingeführt, während Österreichs Einfuhr bloß 29.000! Pfund betrug. Die Tel-Aviver Messe, die schon vor zwei Jahren von 32 Staaten und etwa 20.000 Ausstellern beschickt wurde, war ein außergewöhnlicher Erfolg. Eine entsprechende österreichische Beteiligung mit repräsentativem Charakter, etwa ein eigener Österreichischer Pavillon würde zweifellos für den weiteren Ausbau der österreichisch-palästinensischen Handelsbeziehungen von größtem Nutzen sein. Insgesamt werden 300 Positionen vom österreichisch-palästinensischen Export erfaßt. Aber auch Palästina ist heute schon in der Lage, durch Export von Spezialartikeln seine passive Handelsbilanz zu verbessern. So kommen außer dem Orangenexport die Artikel Öl, Seife, in letzter Zeit auch künstliche Zähne und schließlich Grape fruit, die in Österreich fast unbekannt sind. Zweifellos wäre für eine Kompensation viel Raum. Insgesamt leben in Palästina gegenwärtig 7000 bis 8000 Österreicher, die fast alle in den letzten Jahren ins Land gekommen sind. Unter ihnen nehmen einige auch bemerkenswerte Positionen ein. So haben nicht nur die Österreicher bei der letzten Makkabiah den größten sportlichen Erfolg davongetragen, sondern auch auf anderen Gebieten sind zahlreiche Österreicher führend. So haben österreichische Architekten interessante Bauaufträge, ein Österreicher ist mit dem Bau des großen Stadions in Haifa betraut worden. Das Interesse österreichischer Juden fiir Palästina ist ein ansteigendes. Das ist aus den zahlreichen Anfragen, die an das Konsulat in Jerusalem gerichtet werden, ersichtlich,. Wohl gibt es bis nun noch keine geschlos- VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., ALSERSTRASSE 6