Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 488 (4.10.1935)
- Date
- 1935-10-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Bfe, 488 — '4. Oktober 1936 Plfi STIMMI Sette 7 iflosts Hemmet Am 29. September starb in Wien der älteste aktive Zionist, Herr Moses Hammer, im 81. Lebensjahre. * Geboren am 80. Mai 1855 in Zllöczow, lebte Moses Hammer nach einem längeren 'Aufenthalt in Rußland seit 1890 in Wien Schon in seiner frühesten Jugend schloß sieh der Jubilar noch vor Herzl der zionist.i sehen Bewegung an und gehörte seit dem Auftreten HerzLs zu dessen treuesten Jün gern. Zu Beginn unseres Jahrhunderts war er Obmann des Vereines „Z i o n“ in Wien und einer der rührigsten Organisato ren der Herzl-Versammlungen. Von beistimmendem Einfluß war für ihn die tiefe Freundschaft mit Nathan Bim' bäum, dem Autor der „Selbstemanzipation“ mit dem er gemeinsam mit Buber und dem so früh verstorbenen Doktor Hausmann die seinerzeit so berühmten „jüdischen Abende ins Loben rief. Diese Abende, die vielen im Westen erst das reiche Gebiet der jiddi sehen Literatur vermittelten, brachten dem 'Jubilar auch die herzliche Freundschaft Schalom Alejchems ein.' Im politischen Leben trat Moses Hammer immer im Sinne der jüdischen National bewegung hervor, insbesondere sei hier erwähnt, daß er als Mitbegründer und Vorstand des Jüdischen Nationalvereines zu einer Zeit wirkte, als es erstmalig den nationalen Juden gelan vier Abgeordnete in den österreichischen Reichsrat zu entsenden. Im Jahre 1906 kandidierte Moses Hammer auch auf der Wahlliste des vereinigten zionistischen Wahlkomitees bei den Wah len in die WrenerKultusgemeind e. Auf kulturellem Gebiet ist hervorhebenswert, daß er im Jahre 1907 die erste hebrä ische Schule in Wien ins Lehen rief. Aber auch auf dem Felde der sozialen Fürsorge entfaltete der Jubilar ein segensreiches Wirken. Es sei nur daran erinnert, daß Moses Hammer der Gründer und erste Obmann des Vereines „Aha.wa“ ist, und daß er den Verein „Jüdische Spcischalle“ in der Herminengasse ins Leben gerufen hat. Auch in seinem hohen Alter nahm Hammer an allen Vorgängen im zionistischen Lager regen Anteil und war bei allen Versammlungen und bei vielen Vorträgen immer zur Stolle. Der Zionistische Landesverband für Österreich und die Zionistische Bezirkssektion VIII/IX betrauern den Hingang ihres wohl ältesten Mitgliedes, der in seinem langen Leben mit großer Ergebenheit der Organisation anhing. Die Wiener DirsKi von PMM;mporume azbb .Dunna sind zu haben bei: Rabbiner Salanton Friedmann, Wien, Bl., DöckSlnstraße 112, Tel. B 51001, Verkaufsstelle: Wien, II., Qrofle SchiVfg. 19 Hotel Baron, Tel. A 43-1-48 Zionisten werden Moses Hammer stets ein ehrendes Andenken bewahren. Das Leichenbegängnis Moses Hammers fand am 1. Oktober statt. Die kantoralen Funktionen versah Kantor Funke. Die Trauerrede hielt Oberrabbiner Doktor T a g 1 i c h t, der die vortrefflichen menschlichen und jüdischen Eigenschaften des Verstorbenen pries. Namens des Zionistischen. Landesverbandes für Österreich nahm Dr. Grünbaum von Moses Hammer Abschied und dankte ihm für seine Treue zum zionistischen Gedanken und für seine unermüdliche Mitarbeit. Eine zahlreiche Trauergemeinde begleitete Moses Hammer, mit dem ein Stück zionistischer Geschichte dahingegangen ist, auf seinem letzten Wege. Anspruchsvolle, Starkbärtige, Empfindliche, Eilige, nehmen nur die sanft-scharfe Zum Makkabi'Weltkongreß in Brünn Wir erhalten folgende Zuschriften: In Nummer 486 brachte die „Stimme“ über den Makkabi-Kongreß in Brünn einen zusainmenfassenden Bericht, wonach trotz heißer Debatten und vieler Widersprüche schließlich doch eine Einigung erzielt, werden konnte. In diesem Bericht wurde — durch Erwähnung des seit drei Jahren erstandenen Typus des Makkabi Chaluz — eine Frage nur leicht gestreift, welche in Brünn besonders heiß umstritten war, nämlich über das Verhältnis des Makkabi-Chaluz zur His t adru th Haowdim, der herrschenden Arbeitergewerkschaft in Palästina. Dieser Bericht muß richtiggestellt werden. Zwar hat der Makkabi-Kongreß in seiner allgemeinen Resolution, welche die Spaltungstendenzen in der Zionistischen Bewegung verurteilt, nebst einer Zionistischen Weltorganisation auch eine Gewerkschaft verlangt. Aber über das Wesen dieser Gewerkschaft wurde nichts festgelegt. Ein vom deutschen Makkabikreis, welcher bekanntlich mit der politischen Richtung der reichsdeutschen Zionisten parallel geht, vorbereiteter Antrag, der Weltmakkabi möge seine Chaluzim der Histadruth Haowdim durch einen Kooperationspakt (nach der Art jenes des Hapoel Hamisrachi) eingliedern, wurde zufolge des Widerstandes aus den meisten anderen Kreisen der neugewählten Exekutive des Makkabi-Weltverbandes als Material übergeben. Es muß also festgehalten werden, daß kein bindender Beschluß in dieser Frage vorliegt. * Weiters erhalten wir folgende Zuschrift: „Bedauerlicherweise hat der Makkabi- Kongreß keinen erfreulichen Erfolg gezeitigt. Es gab Nächte hindurch lange Debatten ohne Ergebnisse. Es bestand ein Block der Makkabim aus Deutschland und der Tschechoslowakei, die mit ihren Delegierten vollzählig vertreten waren, was zum Beispiel für Polen, Palästina, Litauen usw. nicht zutraf. Verfolgte man die Debatten, dann hatte man den Eindruck, eine Kopie des 18. Zionistenkongresses zu erleben. Es scheint, daß die Makkabi die Entwicklung nicht mitgemacht hat, wie sie der 19. Kongreß gezeitigt hat. In Brünn war Herr Josef Baratz aus Daganiah anwesend, der immer dort auftaucht, wo es darum geht, Seelenfang für die Arbeiterpartei zu betreiben. Bei der Konferenz des Weltverbandes der All gemeinen Zionisten saß Herr Baratz in einem Kaffeehaus nebenan und spann seine Fäden. Die vox populi geht dahin, daß er an der eingetretenen Spaltung im allgemein-zionistischen Lager nicht unbeteiligt war. In Brünn saß ebenfalls Herr Baratz im Kaffeehaus nebenan und man muß sagen, daß die ihm nahestehende Sportorganisation .Hapoel' nicht unzufrieden mit der Brünner Tagung des Makkabi sein dürfte. Herr Baratz hat seine Verdienste um Daganiah und die Arbeiterschaft. Es wäre aber gut, wenn jene Kreise, bei denen Herr Baratz freundliche Aufnahme und eine offene Geldbörse findet, einmal dar- SWOBODA DAUERBRANDOFEN f ü KOKS HOLZ KOHLE A 4. bis 10. Oktober 1935 7. bis 13. Tfschrl 5696 Freitag (4.) Sabbath-Elngang . .5*5 Uhr Samstag (5.) Sabbath-Ausgang .6J5 Uhr Woihenabschnitt: Haasinu Sonntag (6.). .... nni Montag J.). sind die besten 25% Bundestusdiuß auf Holzbrandöfen „FÖHN“ ALOIS SWOBODA & Co, WIEN XVIII., Jörgerstraße 10 - Tel. A 27-5-80 STADTNIEDERLAGE: IV., Lothiingerstraße 2 - Tel. U 46-3-43 über nachdenken würden, wohin man sie führt. Und was den Makkabi selbst anlangt, so müßte er sich einmal darüber klar sein, daß Neutralität gegenüber den Parteien auch bedeutet, sich nicht von Herrn Baratz, der Arbeiterpartei und dem ,Hapoel' ins Schlepptaunehmenzulassen. Die Folgen sieht man am besten am Beispiel und das sroße Oktober- Variete-Pros ramm der Chaluzim vom Makkabi aus der Tschechoslowakei, die in die Kwuzoth Gord o n i a abgewandert sind. Alle aufrichtigen Freunde des Makkabi können nur hoffen, daß der Makkabi als Weltorganisation bald die richtige Linie finden möge. * Nachwort der Redaktion: Wir haben aus Gründen der Loyalität auch diesen Zuschriften Raum gegeben und beendigen hiemit diese Diskussion, da wir nicht die Absicht haben, derzeit in einen offenbar im Gange befindlichen Klärungsprozeß einzugreifen. Bei Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, gestörtem Schlaf, schlechter Laune, gereizter Stimmung greife man sogleich zu dem altbewährten „Franz-Josef“-Bitterwässer. Ärztlich bestens empfohlen. Hilferuf der Wiener Chewra Kadischa Die Chewra Kadischa- I., der älteste Verein unserer Gemeinde, befindet sich in finanzieller Not! Dqr Verein mußte in den letzten Tagen neuerlich die Bewilligung von Geldunterstützungen an arme Kranke einstellen. Hunderte von Gesuchen harren der Erledigung. An die Mitglieder unserer Gemeinde, Männer und Frauen, ergeht die dringende Bitte um rasche Hilfe durch gütige Überweisung von Spenden an die Administration der „Stimme“ oder im Wege der Postsparkasse auf Konto Nr. 30.963. MiedweUa* mi SUeaMU Nach anderthalbjähriger Pause hat man endlich auch in Wien die Gelegenheit, wieder einen neuen B er gner-Film zu sehen Ein Wiedersehen mit dieser Künstlerin, zumindest auf der Filmleinwand, ist nicht nur eine Freude, sondern wird stets zu einem starken inneren Erlebnis. Elisabeth Bergners subtile Kunst hat diese Schauspielerin schon vor Jahren zu einer der eigenartigsten, ja größten Schauspielerinnen des deutschen Theaters ihrer Generation gestempelt. Seither mußte diese zarte Künstlerin einen dornenvollen Weg gehen. Aber dieser dornenvolle Weg ist für Elisabeth Bergn’ör zu einem ruhmbedeckten geworden. Sie hat als Erste den Übergang von der deutschen zur englischen Bühne gewagt. Und siehe, die kleine zarte Elisabeth, das kleine Mädchen mit den wundervollen großen Kind#augen aus dem Wiener Judeinghotto hat mit dem englischen Wort im Lande Shakespeares einen Triumph errungen, bei der bekannt strengen englischen Theaterkritik eine Anerkennung gefunden, dio ihresgleichen auch in der Theatorgeschichte beider Kontinente sucht. Der Erfolg Elisabeth Bergners blieb der Künstlerin auch jenseits des großen Wassers, in Amerika:, treu. Das Theatorstück, das Elisabeth Bergner der angelsächsischen Welt mit einem Schlage zum erklärten, Liebling gemacht hat, heißt „Escape me never“ („Verlaß mich nie!“) von Margaret Kennedy, ein Stück, das die Bergner durch ihre einzigartige Darstellungsgabe, durch ihre leidenschaftlich stürmisches und zugleich kindhaft rührendes Spiel zu einem Welterfolg führte. Der Dichter Karl Zuckmayer hat nun das Drehbuch für die Verfilmung dieses Stückes geschrieben (Regie: Dr. Paul Czin ner). In der Tat gibt es wenige Spreohfilme mit ähnlich interessanten und von so hohem Niveau getragenen Dialogen. Freilich wer den diese Dialoge zum Großteil von der Bergner geführt, bald lachend und bald weinend, bald spitzbübisch und bald mädchenhaft; sie schreit hemmungslos und wild auf und ist erschütternd, wenn sie ganz zart und leise nur so vor sich hin ihr Leid hinstammelt. Elisabeth Bergners Spiel ergreift ja immer und nach all den Filmerlebnissen, die sie vermittelte, konnte man sich fragen, ob überhaupt noch ein Sichsteigern möglich sei. Wer denkt da nicht an die unvergeßliche „Ariane“, an „Fräulein Else“, an ihren „Träumenden Mund“ und zuletzt an ihre little Katarin als „Katharina die Große“. Und doch zeigt der neue Bergner- Film die Künstlerin auf unerreichten Gipfelhöhen und gleichsam eine neue Bergner. Ihr Spiel ist noch gereifter und ihre Ausdruckskala in den tragischen, wie in den heiteren Akzenten womöglich noch vielfältiger und reicher geworden. In der Tat ist heute der Bergner am ganzen internationalen Theaterhimmel nicht Gleiches zur Seite zu stellen. Bei einzelnen Szenen dieses Films aber erinnert ihre Darstellung an Charlie Chaplins große Kunst. Denn es gelingt ihr diesmal wieder ganz neue Offenbarungen ihres Könnens und Talents zu vermitteln. Nur der nach wie vor größte Künstler Chaplin vermag mit gleich knappen Mitteln und Gesten so zu ergreifen und aufzuwühlen. Aus Elisabeth Bergners großen Kinderaugeu spricht das rätselhafte Fragen nach dem ewigen Warum menschlichen Leides, spricht die Welt ihrer Herkunft. Noch schmerzlicher und aufwühlender als sonst offenbart sich diesmal in der Rolle der kleinen Gem/ma dio große Tragödin Elisabeth Bergner, rührt, das wundersame Wesen der Bergner an die letzten Dinge des Lebens. Auch diesmal merkt man es kaum, daß Elisabeth Bergner eigentlich in einer fremden Sprache, englisch, spricht, so vollendet, so natürlich ist ihre Sprache. Freilich, aus Elisabeths verträumten und träumenden Mund klingt dieses Englisch wie reinste Musik. So brachte nun auch dieser mit Spannung erwartete Bergner-Film der gefeierten und geliebten Künstlerin einen außergewöhnlich großen und rauschenden Triumph. Er war mehr als verdient. Jakob Rosenthai.