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Die Stimme · 1935-10-04 · Heft 488 (4.10.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 488 (4.10.1935)
Date
1935-10-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. '488 '4. Oktober 1035 »IV STIMM! Seite 5 KAUFT SCHULBÜCHER HERMANN IM ANTIQUARIAT IUCMNEK WIEN, II., ECKE TABORSTRASSE 59 MITTEL-, HAUPT- U. VOLKSSCHULBUCHER NEU UND ALT IN GRÖSSTER AUSWAHL, SPESENFREIE ZUSENDUNG BILLIGSTEM PREISE; FÜR AUSKÜNFTE: TELEPHON R 41-4-20 rasserein gelten, werden jetzt verabschiedet. Die zahlreichsten Opfer fordert die neue Aktion aber unter den Notaren. In Deutschland wurde bisher das Notariat von Rechtsanwälten im Nebenberuf ausgeübt. Für viele jüdische Anwälte, die als Frontkämpfer in ihrem Beruf verbleiben und auch das Notariat behalten konnten, bedeutet der Verlust des Notariats unter den heutigen Verhältnissen vielfach den Ruin der Existenz, da die Anwaltspraxis kaum mehr etwas einbringt, angesichts der weitverbreiteten Meinung, daß die Vertretung durch einen jüdischen Anwalt vor Gericht nicht interessefördernd sei. Weiter wird gemeldet, daß auf Grund der Arierbestimmung des Berufsbeamtengesetzes drei weitere Hochschulprofessoren ihrer Amtspflichten entbunden wurden. Acht Professoren beantragten von selbst ihre Amtsenthebung, um einer solchen Maßnahme zuvorzukommen. Es handelt sich bei diesen elf ordentlichen Professoren meist um Personen, die keine Beziehungen zum Judentum hatten. Deutscher Makkabi nimmt an der Berliner Olympiade nicht teil Berlin, 27. September, i Der deutsche Makkabi mit einer Mitgliedj schaft von über 20.000 Sportlern teilt mit, j daß er außerstande sei, Spieler aus seiner Mitte zur Olympiade Berlin 1936 zu stellen, da die Juden in Deutschland nach Verkündung der Nürnberger Gesetze nicht mehr als Bürger angesehen werden und demnach Deutschland nicht repräsentieren können. (Auf dem Makkabi-Weltkongreß in Brünn Mitte September d. J. hat die Delegation des deutschen Makkabi bekanntlich gegen die Resolution gestimmt, in der die olympischen Komitees aller Länder aufgefordert wurden, jüdische Spieler von der Teilnahme an der Olympiade zu befreien.) Es ist sehr zweifelhaft, ob andere jüdische Sportgruppen in Deutschland, wie z. B. die des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Spieler zur Olympiade stellen werden, da infolge der Zurückdrängung der Juden im deutschen Sport durch Fernhaltung von den Sport- und Trainingsplätzen usw. die wenigen jüdischen Olympiade-Anwärter keine Gelegenheit hatten, sich für ihre Aufgabe vorzubereiten. EPHRUSSI&C0. GEGRÜNDET 1856 Bankgeschäfte aller Art Abteilungen für Wertpapiere u. Devisen WIEN, IX., WASAGASSE 2 Alle jüdischen Eisenbahner entlassen Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn hat in einer vom stellvertretenden Reichsbahndirektor, Kleinmann, Unterzeichneten Verfügung diejenigen Beamten vom Dienste beurlaubt, die V o 11 j u d e n sind. Dazu meldet das Tschechoslowakische Proßbüro: Es handelt sich dabei um eine vorläufige B e u r l a u b u u g bis zum Vorliegen der angoktindigten Ausftihrungsbestimmungen zu d«?m neuen Reiclisbürgergesetz. Jedenfalls ist das ein deutliches Vorzeichen dafür, daß in diesen Ausführungsbestimmungen die Ausnahmen des seinerzeitigen Borufsbeamtengesetzes fallen werden, wodurch nämlich jene jüdischen Beamten, die Kriegs .fceilnoh m o r oder Söhne oäet Väter .von gefabenen Kriegsteilnehmern waren, im Dienste belassen worden sind. Der Verein deutscher Ingenieure hat beschlossen, daß die rassischen Grundsätze der NSDAP ohne jede Ausnahme zur Voraussetzung für die Mitgliedschaft deutscher Staatsangehöriger beim Verein deutscher Ingenieure gemacht werden. Dieser Beschluß gilt auch für die dem Verein angeschlossenen Vereine. Der Ausschluß der Juden aus dem Ingenieur-Verein bedeutet für sie — ähnlich wie beim Ausschluß aus anderen Berufsklassen — vielfach den Verlust der Existenz. Berlin, 30. September. Wie die „Jüdische Rundschau“ mitteilt, hat die Elektro-Ga-s-Gemeinschaft Mainz folgendes beschlossen: „Nur Arier und im Besitz von Ariern befindliche Geschäfte im Sinne des Reichsbürgergesetzes vom 15. September 1935 können Mitglieder der Elektro-Gas-Gemeinschaft sein. Eine genaue Festlegung dieser Bestimmung erfolgt nach Erscheinen der Durchführungs- und Ergän- Ein englischer Staatsmann, wenn ich nicht irre, war es Lord Cecil, bezeichnete als das wesentlichste Resultat des Weltkrieges die Schaffung des Völkerbundes und die Traktate betreffend den Minderheitenschutz. Für ihn war der Gedanke des Schutzes der Minderheiten und die Befreiung der unterjochten Nationen so groß und so wertvoll, daß er durch diese Tatsache allein das Massenmorden im Weltkriege entschuldigen wollte. Die Verfechter der Minderheitenvertrage erstrebten die vollkommene politische und kulturelle Befriedigung der nationalen Minderheiten — eine Art personal-kulturelle Autonomie. Denn nur im völkischen Ausleben, in der vollkommenen Freiheit der Minderheiten erblickte Wilson und mit ihm die großen Staatsmänner der Entente die sicherste Garantie-für die zukünftige Verhinderung eines neuen Weltkrieges. Man war sich darüber im klaren, daß das entsetzliche Menschenmorden von 1914 bis 1918 auf die Unterdrückung der kleinen Nationen zurückzuführen war. Selbstverständlich spielten auch da wirtschaftliche Momente mit, welche in der Schwerindustrie zu suchen sind. Und in der Tat haben die Bestimmungen der Minderbeitenverträge in der aufgewühlten, revolutionären Zeit nach dem Weltkriege die Gemüter beruhigt und die Hoffnung geweckt, daß die befreiten Völker, eingedenk ihrer Leiden zur Zeit ihrer eigenen Unterjochung, ihren Minderheiten die Freiheiten gewähren werden, welche ihnen die Friedensverträge garantieren und für die die neuen Herren der Welt, die neuentstandenen Staaten und die auferstandenen Nationen so lange selbst gekämpft hatten. Weit gefehlt! Kaum ein Jahrzehnt verging und schon schickten sich all die Staaten, welche die Minderheitsklausel der Friedensverträge unterschrieben hatten, an, die kaum gewährten Freiheiten ihrer eigenen Minderheiten zu entziehen und einen streng Goebbels und Reventtow kütv digen einen neuen Eeidxug an Berlin, 30. September. Auf einer öffentlichen Kundgebung in Mainz erläuterte Graf Reventlow die Nürnberger Judengesetze im Sinne völliger Ausschaltung der Juden aus jeder Betätigung außerhalb ihres Kreises. Der Reiohspropagandaminister Dr. G o e bb e 1 s kündigte in Berlin einen neuen Feldzug gegen die Juden an, der in Kürze erfolgen wird. zungsbestimmungen zu obigem Gesetz.“ Der Ausschluß der, Juden und jüdischen Geschäfte von der Mitgliedschaft der Elektro- Gas-Gemeinschaft bedeutet für sie den Verlust des Rechtes auf Bezug von Gas und Elektrizität, wa.s nicht nur für die jüdischen Haushalte unerträglich wäre, ' sondern auch den Zusammenbruch der jüdischen Betriebe und Geschäfte mit sich bringen müßte. chauvinistischen Kurs einzuschlagen. Eine Errungenschaft nach der andern wurde den Minderheiten genommen, so daß heute 40 Millionen der europäischen Minderheitsnationen vor der Tatsache der sukzessiven Entnationalisierung stehen. Es scheint, daß dieser Prozeß weiter fortschreiten wird und dies um so mehr, als die Säulen und das ganze Gebäude des Völkerbundes als dem obersten Wächter und Beschützer der europäischen Minderheiten stark unterminiert und erschüttert sind. Die europäischen Nationalitätenkongresse, die einzelnen Völkerbundligen, die Interparlamentarische Union ■ haben ihre Bedeutung verloren und sind zu Debattierklubs herabgesunken. Dies darf uns um so weniger Wunder nehmen, als doch der Parlamentarismus im allgemeinen eine schwere Krise durchmacht und sich an seiner Stelle autoritäre Staatsformen breitmachen. Es gab eine Zeit, wo man ernstlich daran dachte, einen Völkerbund der nationalen Minderheiten zu schaffen, welcher mit dem Völkerbund in Genf kooperieren sollte. Wer denkt heute noch an die Realisierung dieses Gedankens! Die nationalen Minderheiten sind wirtschaftlich und kulturell an den Rand des Abgrundes gebracht, haben sich durch den Druck von oben in verschiedene Gruppen gespalten und sich im ganzen und großen mit dem Schicksale von Bürgern zweiter Klasse abgefunden. Wenn dies das Los der europäischen Minderheiten ist, welche eigene Mutterländer haben und kulturell mit ihnen Zusammenhängen, um wie vieles schlechter muß sich die Situation der Juden gestalten, welche eine doppelte Bürde zu tragen haben: Judentum und Minderheit! Die Enttäuschung ist sehr groß! Noch vor 15 Jahren jubelten die Galuthbejaher, daß endlich einmal die Zeit gekommen sei, wo ihr Programm realisiert wird. Die „Folki* sten“ und die „Autonomisten“ sahen die Stunde für gekommen, die jüdischen Mas- ABESSINIEN-DIEIE IX. PORZELLANGASSE 39 TÄGLICH 9-4 UHR FRÜH Es spielen: Jules Carp, Göttlich Naumann, Ferry Harsch und Max Vielgut Für Juden kein Gas und Strom 26 Schilling Ist viel — 26 Schilling Ist wenig .., 26 Schilling ist viel für einen Haarhut - 26 Schilling ist wenig für einen Richard-Sdiwarz-Hut... Ich könnte billigere Haarmischungen bringen - aber die wären teuerer! . . . Mein 26- Sehilling-Hut hat die Fassonfestigkeit, die Linien und Farben, den gewissen Schwung, der den Richard-Schwarz-Hut zum Hut des Herrn gemacht hat. Der Richard - Schwarz - Hut , um 26 Schilling ist mehr als „billig" - er ist preiswert! RICHARD SCHWARZ der Hut des Herrn Kärntnerstraße 53 Adlergasse 4 tltl«tMHI.HI«ltt .t1t.lt1.lll.1tt .H1.ttt.1H.1tt .Ht.M1.1H.1H.tttetH.Hf.Ht.IHfltfttOtH.9ll.M1.M4.Mt.1H.tH.11t.Ht.Mt .M1.HI.1H.IH.tH.H1.1t1.IM 15 Jahre Minderheitspolitik Von Dr. Manfred Reifer, gewesener Deputierter Das große Wiener Filmereignis LILI DARVAS HANS IARAY in (MARIA BASCHK1RTZEFF) mit Szöke Szakall, Attila Hörbiger, Anna KaUina, Sylvia de Bettini, Eta von Storm Buch: Felix Joachimson. Regie: Hermann Kosterlitz. Musik: Paul Abraham Gartenbau-, I., Kärntner-, l.f Busch-, II., Haydn-, VI., Kolosseum-Kino, IX. SSO Ein Panta-Film im Verleih Paul Freiwirth flff59 sen in der Galuth in ihrem Geiste zu beeinflussen. Der „Bund“ marschierte mit dem europäischen Proletariat, mit und hoffte, die! personal-kulturelle Autonomie unter der S roten Flagge auszubauen. Trotz der großen i Erfolge des Zionismus haben die Galutli- I bejaher — ich meine die Gegner des Zionis- I raus, welche uns als Galuthverneiner be- 1 zeichnet hatten — in den jüdischen Zentren Osteuropas große Massen angezogen und ihnen ein Gottesreich auf Erden vorgespiegelt. Man erinnere sich nur an die ungeheuren Massendemonstrationen des jüdischen Proletariats und der jüdischen Intellektuellen am 1. Mai in den Nachkriegsjahren. Dies darf uns nicht wundern. Denn es schien in der Tat — leider nur kurze Zeit —, daß das Programm der personalkulturellen Autonomie seiner Verwirklichung entgegengehe. In der Ukraine bekamen die Juden ihr eigenes jüdisches Ministerium. Sogar die Banknoten der ukrainischen Staatsbank hatten jüdische Aufschriften. In Litauen wurde ein jüdisches Ministerium kreiert und man begann mit dem Ausbau eines jüdischen und hebräischen Schulnetzes. In Polen zogen 44 Deputierte; und Senatoren ins Parlament ein. In Ru-i mänien schritt man an den Ausbau eines nationalen Schulwerkes, ganz besonders in den neu angeschlossenen Provinzen. Auch' in den anderen Staaten, welche zur Einhaltung der Minderheitsverträge verpflichtet worden waren, ging die Führung der Juden an eine jüdische Repräsentanz über. Man begann mit dem Ausbau von jüdischen Volksgemeinden, deren Leitung den alten jüdischen Assimilanten entrissen wurde und überall bekamen diese Gemeinden eine Volksvertretung auf breiter Basis. Mit einem Worte, die Realisierung der personalkulturellen Autonomie des jüdischen Volkes in den jüdischen Massenzentren schien eine vollendete Tatsache. Und nun wiederholten sich’, sowohl bei den nationalen Minderheiten als auch bei den Juden die alten geschichtlichen Ereignisse. Nach den großen Tagen der Französischen Revolution von 1789 folgt- 1815 die Reaktion mit der Gründung der Heiligen Allianz. Nach den Barrikadenkämpfen in den 48er-Jahren erhebt der Absolutismus wieder sein Haupt und erstickt, wenn auch nur für kurze Zeit, den Freiheitsdrang der unterjochten Völker. Nicht anders ergeht es den europäischen Minderheiten und in schärferem Maße den Juden nach der erfolgten „Läuterung“ der neuen Herrenvölker Europas. Die Reaktion breitet sich geradezu epidemisch aus und steckt alle Staaten, in RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Operer) II., Taboretraße 12 Telephon R 46-5-57 Ausgiebige Braten-Menüs S 1*60 *•*.&*> IW«? „ Geflügel- „ S 2-20 ll£7w sowie & la Carte, Speisen am Rost Großer Saal mit Bühne für Veranstaltungen und Hochzeiten abzugeben. denen Minderheiten leben, an. Die jüdischen Gemeinden in Litauen, im klassischen Lande der Autonomie, verloren ihre Bedeutung. Das jüdisch-hebräische Schulwerk in Polen, in den Randstaaten und in Rumänien befindet sich im Stadium einer latenten Krise, weil es vom Staate keine Subventon erhält und die verarmten jüdischen Massen es nicht erhalten können. Die jüdischen Volksgemeinden haben vielfach ihre nationale Repräsentanz verloren und werden von Regierungskommissaven oder von solchen Juden yerwaltetj welche <Re Markentender

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