Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 488 (4.10.1935)
- Date
- 1935-10-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Dü STIMM! Nr. 488 — r4. Oktober 1938 lohne UrzttK» Oculariumg] Wien,l.,AnnogDssel,EMkitait. k«| Untersuchung der Aagen a. Verord- E^j9 nang passender Augengläser, ün-CUäZ unterbrochen von 8 Uhr morgens Innni bis 6 Uhr abends geöffnet. PlimSM KOST EN LOS unter Leitung des Augenarrtee Herrn Doktor POBORSKI. (Tetephon R 27-0-41) Brillen von S 4-- aufw. niemand. Sämtliche jüdische Geschäfte in Dresden mußten Plakate „Jüdisches Geschäft“ aushiingen. Ein Kaufhaus in Dresden mit 60 Beschäftigten gehört einem Juden. Der Nazi-Terror hat es erreicht, daß der Besitzer sein eigenes Geschäft nicht mehr betreten darf. Der Inhaber des Damenkonfektionsgeschäftes Fritz Baum in Zwickau, Leopold Wertheimer, mußte sein Geschäft und die Familie verlassen, weil die NSDAP eines Nachts sedn Schaufenster mit der Aufschrift: „Du Judensau“, „Du Rassenschänder“ beklebt hatte. Schlesien: In Breslau sind Rassenschänder-Umzüge an der Tagesordnung. Uniformierte SA.-Leute schreiten voraus und blasen •Trompeten. Vor den Wohnungen der sogenannten Rassenschänder wird demonstriert. Ein Arier, der ausspuckte, als große Tafeln mit den Adressen von Juden und arischen Mädchen durch die Stadt getragen wurden, wurde verhaftet. Gegenüber der Meldung der „Times“, daß in Breslau Juden verhaftet und mißhandelt wurden, nur weil sie mit arischen Mädchen spazieren gingen, bringt das Breslauer Nazi-Organ ein angebliches Protokoll, das keinerlei behördlichen Vermerk trägt, in dem geschildert wird, ■wie ein Jude mit einem arischen Mädchen dm Bett gelegen habe. Das ganze trägt die Überschrift: „Die,SehlesischeTageszeitung* antwortet der ,Times*. Wir lassen Dokumente spreche n.“ Bei den Krawallen wurde ein polnischer Jude schwer verprügelt. Später erschien in seiner Wohnung ein Beamter der .Gestapo und bat, die Sache zu verschweigen. Breslau ist mit antisemitischen Plakaten übersät. In der Hohenzollernstraße befindet sich das j üdische Krankenhaus mit 360 Betten. Selbst Juden wagen es nicht, sich in das jüdische Krankenhaus zu begeben; zur Zeit ist esnur mit 95 Kranken belegt. Dr. Kuhn aus der Sonnenstraße in Breslau ist vor Monatsfrist verhaftet worden. Einwandfrei steht fest, 'daß er schon tot ist. Amtlich heißt es, er habe in der Zelle Selbstmord verübt, die Öffentlichkeit behauptet, daß der 'Arzt zu Tode gemartert wurde. Am letzten Sonntag im August veranstaltete ein marschierender SA.-Trupp einen Judenpogrom. Dabei wurde der schwedische Konsul in Breslau verprügelt. Es soll ein Protest der schwedischen Regierung erfolgt sein. Dr. Leo Kurzberg u.Frau II., Obere DonaustraBe 12 wünschen aUen Verwandten, Freunden und Gesinnungsgenossen herzllchst pDita nöTirr *iöa Auf dieses Vorkommnis ist der Aufruf des Gauleiters Wagner gegen Einzelaktionen zurückzuführen. In Striegau und in Jauer wird die Judenhetze in der gleichen Weise geführt. Dagegen sind in dem Teil Oberschlesiens, der Abstimmungsgebiet war, die Judenverfolgungen nicht ganz so kraß wie anderwärts, dies, weil die Juden dort durch die Genfer Konvention geschützt sind. In Görlitz hat man den Inhaber des großen Konfektionsgeschäftes Dresel wegen angeblicher Rassenschande verhaftet. Sämtliche Fenster seines Geschäftslokals wurden mit Aufschriften wie „Judensau“, „Dreckschwein“ usw. beklebt. Die Familie des Verhafteten lebt in ständiger Angst vor tätlichen Angriffen, die Frau ist vollständig zusammengebrochen. Als sich vor Gericht Dresels Unschuld herausstellte und er enthaftet wurde, fuhr er zur Erholung nach Krummhübel ins Riesengebirge. Kaum dort angekommcn, wurde er erneut verhaftet und siedet antesen. EINZIG IN WIEN!!! rein seiden ßerren ßemden beste paßform nur sowie alles in Wäsche und Wirkwaren billigst bei BERGMANN, I., Rabensteig 3, U 20-709. Himmelpfortg. 5, R 25-8-84. Köllnerhofg. 1, R 26-8-99 Wir bitten, sich bei federn Einkauf auf unser Blatt zu berufen Das jüdische Neujahr im Dritten Reich Eröff nungiameige I Seide, Blinder, Schleier nnd sämtliche Zubehörartikel "H ERIKA HOFBAUER (unter Mitarbeit Ihres Vaters Max Hofbatter) ni|M Wien, I., Bauernmarkt 13 IIMl (Ecke Landskrongnsse 1) in Berlin eintreffendo absolut zuverlässige Nachrichten lassen erkennen, daß der Plan der Enteignung der Juden bereits greifbare Formen annimmt. In erster Reiho ist es der in jüdischen Händen befindliche Haus- und Grundbesitz, der die Begehrlichkeit gewisser Parteikreise geweckt hatte. In vielen Städten und Landkreisen wurden die Juden, die Grundbesitz ihr Eigen nennen, von den Banken instruiert, daß ihre Hypotheken fristlos gekündigt Berlin, 30. September. Die Gottesdienste in den Synagogen Berlins und es Reiches aus Anlaß des Rosch- Haschanah-Festes sind, soweit Meldungen bisher vorliegen, ohne Störung verlaufen. Die Andachtsstätten waren außerordentlich stark besucht. Es herrschte bei aller bewegten Andacht eine Stimmung der Resignation und des tiefsten Ernstes: die Hoffnung auf eine Änderung der jüdischen Lage in Deutschland zum Guten besteht nicht mehr; man bereitet sich entweder zur Auswanderung oder zu einem Leben äußerster Einschränkung und Isolierung in Deutschland selbst vor. Da die Polizei in Berlin die Abhaltung von Gottesdiensten in privaten Vereins- und Klubhäusern verboten hat, sah sich die Gemeindeleitung genötigt, in den Synagogen je zwei Gottesdienste hintereinander stattlinden zu lassen. Trotzdem also jede Synagoge das Zdel der Wanderung größerer Massen war, fanden nirgendwo größere Ansammlungen statt, Mitglieder des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten wachten darüber, daß nirgends Synagogenbesucher Zu den Hohen Feiertagen I wie alljährlich auch heuer ins i ^RESTAURANT W. SPÄITZER jetzt II.i Hammer-Purgstall-Gasse 7 (Nähe Dianabad) (früher: Hotel National und Stefanie) Bekannt vorzügliche Wiener Küche MENUS von S 1*60 aufw, Orientalische Speisen am Rost und Spieß auf der Straße oder vor den Synagogen stehen blieben, damit der Polizei, die aus- Anlaß der Feiertage ein Verbot der Ansammlungen ‘erlassen hat, keine Gelegenheit zum Einschreiten gegeben wird. Die. nationalsozialistische Presse nahm die jüdischen Feiertage zum Anlaß einer scharfen Polemik gegen die deutschen Juden, denen allerlei Machinationen gegen Interessen Deutschlands zugemutet werden. Der „Völkische Beobachter“ nahm sich die Juden Memels zum Ziel vehementer Angriffe und behauptete, daß bei den jetzt in Memel durchgeführten Wahlen die Juden ganz auf der Seite der Litauer stehen und diesen Dienste zum Schaden Deutschlands leisten. Die Zeitungen erklärten, die Nürnberger Judengesetze dürfen keinesfalls so ausgelegt werden, als wären die Juden in Deutschland im Status einer Minderheit. Würde man ihnen diesen Status zug^teben. sie würden, so schreiben die Zeitungen, Streitfälle „erfinden“ und zum Völkerbund laufen, um Deutschland anzuklagen. Vor einigen Tagen waren in der nationalsozialistischen Presse Andeutungen enthalten, daß die Durchführungsbestimmungen zu den in Nürnberg beschlossenen Judengesetzen, die die in den Gesetzen niedergelegten Richtlinien schärfstens zu ungunsten der Juden interpretieren sollen, just zum jüdischen Neujahrsfest verkündet werden würden. Diese Voraussage hat sich nicht erfüllt. Wie man hört, liegt die Ursache darin, daß man sich hinsichtlich der Position der nichtjiidischen Nichtarier noch nicht klar geworden ist. Daß aber diese Durchführungsbestimmungen Juden mit tiicksichtsIos.es gärte treffen werden, darüber gibt man sich keinem Zweifel hin, und gewisse Beschlüsse wirtschaftlicher und Berufskörperschaften, die in den letzten Tagen in Anlehnung an dio Nürnberger Gesetze gefaßt wurden, geben hiezu das richtige Vorspiel. Jedenfalls sind die verflossenen jüdischen Neujahrs tage die ernstesten, die das Judentum je erlebt hat. Hitler verbietet Einzelaktionen Berlin, 27. September. Das Verbot der Einzelaktionen wird nir gends ernst genommen; aus einer weiteren Reihe deutscher Städte treffen Nachrichten über antijüdische Kundgebungen, verbunden mit Ausschreitungen, ein. In Gutistadt wurde am 25. September der jüdische Bürger Max H e i m a n n vom Pöbel durch die Straßen geführt, wobei er auf der Brust ein Plakat mit der Riesenaufschrift trug: „Deutsche Frauen und Mädchen, hütet euch vor jüdischen Rassen. Schändern!“ Der Stadtrat von Mannheim gibt bekannt, daß Juden zur Herbstmesse nicht zugelassen werden. In Berlin wurden am 24. September, abends, antijüdische Kundgebungen abgehalten, in welchen Beamte des Reichspro: pagaüdaministeriuins über den Prozeß in Kairo referierten und unterstrichen, daß die Juden als Propagandamittel gegen Deutschland Gerichtsprozesse im Ausland heraufbeschwören. Schacht fordert Einstellung des Boykotts Dieser Tage ist wieder einmal von deutscher amtlicher Seite einer Reihe ausländischer Pressevertreter mitgeteilt worden, daß „auf dringende Forderung von Doktor Schacht“ auf einer Sonderkonferenz der Reichsleiter und Gauleiter in Nürnberg die Anweisung gegeben wurde, daß künftighin antisemitische Eingriffe in die Wirtschaft zu unterbleiben haben; vor allem solle die Boykottpropaganda abgebaut und die Diffamierung von Besuchern jüdischer Geschäfte eingestellt werden. (Eine solche Meldung „aus gutunterriehteten Kreisen“ hat auch der „P e 81 e r Lloyd“ am 25. September gebracht. (Die Red.)! Wie der von einer Deutschlandreise zurückgekehrte Sonderberichterstatter der Jüdischen Telegraphen-Agentur festzustellen Gelegenheit hatte, spiegelt die Meldung in keiner Weise den wahren Sachverhalt wider; im Gegenteil: die Boykottpropaganda wird mit unverminderter Stärke weitergeführt. Was aber die jüdischen Kreise und die Wirtschaftskreise im allgemeinen noch mehr beunruhigt, ja mit tiefster Sorge erfüllt, ist der Umstand, daß die seit einiger Zeit in der Öffentlichkeit und auch unterirdisch lancierten Pläne zur Enteignung jüdischer Vermögen immer realere Formen annehmen. Der vom parteiamtlichen Wirtschaftsdienst enthüllte Plan der Schaffung einer „Auffang-GeBellschaft“ zur — eingestandenermaßen — möglichst billigen Erwerbung noch gut gehender Geschäftsbetriebe auswanderungswilliger Juden begegnete von Anfang an tiefem Argwohn, weil es sich auch hier offenbar um einen Plan handelt, ein akutes Problem eigenwil lig und ohne Mitwirkung der anderen Seite zu lösen. ' Aua .verschiedenen Seilen ^Deutschlands seien und daß die H y p o t h o k a r g c h u Idon sofort bezahlt werden müssen. Solche Instruktionen ergingen von verschiedenen Stellen gleichlautend, so daß es offenbar ist, daß man es hier mit einem System zu tun hat. Da die Banken den Juden seit längerer Zeit schon systematisch Kredite verweigern, sind die jüdischen Haus- und Grundbesitzer nicht in der Lage, der plötzlichen Zahlungsaufforderung nachzukommen. Ihr Besitztum kommt zur Versteigerung und es wird überall die Sache so arrangiert, daß der Besitz arischen Deut* sehen, meist zu Schleuderpreisen, zugesprochen wird. Sehr viele jüdische Haus- und Grundbesitzer sind auf diese Weise ihres gesamten unbeweglichen Eigentums verlustig gegangen, ohne auch nur einen Pfennig aus dem investierten Kapital retten zu können; ja vielfach stehen sie vor der Notwendigkeit, noch restliche Hypothe* karsclnüden sofort zu decken, da die erstei* gerte Summe zur Deckung der Hypothekar«) schulden nicht ausreicht. Zacharias Katz u. Frau VII., MarlahilferstraBe 96 wünschen allen Freunden, Kunden and Gesinnungsgenossen rDito ntrnn *iäa „Reinigung“ in der Verwaltung und im Auswärtigen Amt „Prager Tagblatt* bringt folgenden Eigen* bericht aus Berlin: Eine neue Aktion zur letzten endgültigen Ausbootung der letzten nichtarischen Eie«* mente aus der gesamten V e r w a 1* t u n g hat begonnen. Sämtliche Beamte und Angestellte haben Fragebogen zu* gestellt erhalten, die sie innerhalb einer dreitägigen Frist zu beantworten haben und in denen sehr ausführliche Auskünfte über ihre Abstammung verlangt werden. Der; grundsätzliche Unterschied im Vergleich zu der „Reinigungsaktion“ unter der Beamten* schaft, die der Nationalsozialismus im April 1933 vorgenommen hat, geht aber daraus hervor, daß man diesmal davon abgesehen hat, an die Beamten und Angestellten die Frage zu richten, ob sie den Krieg als Frontkämpfer mitgemacht haben. Die Frontkämpfereigenschaft hatte bisher zahl« reichen Nichtariern, auch Volljuden, ihre: Stellung gerettet. Jetzt wird auch auf die Frontkämpfer nicht mehr Rücksicht genom* men. Behördl. genehm. Nachmittags-SchWerhelin „STADTPARK“ III., Hansalgasse 6, Telephon B 54*9*86 Geleitet von erfahrenen Berufslehrern / Gediegene Schulnachhilfe (Fremdsprachen, Musik, Religion) / Basteln / Sport / Spiel / Wandern Geöffnet täglich von 2 bis ‘/J Uhr Davon sind auch einige höhere Be* amte in den Ministerien betroffen, die bisher als Frontkämpfer in ihren Stellungen verbleiben konnten. So wurde bereits der Leiter der Obstabteilung des Auswärtigen Amtes, Ministerialdirektor Meyer, der eine jüdische Mutter hat, zur Disposition gestellt, ebenso der stellvertretende Gesandte Hey; ferner wurden im Auswärtigen Amt in den einstweiligen Ruhestand versetzt: Generalkonsul W o 1 f f in Jerusalem, der mit einer Jüdin verheiratet ist, und die Legationsräte Freudenberg und L ü 11 g e. Verhältnismäßig zahlreicher war das jüdische und nichtarische Element bisher noch in der Justiz vertreten. Dio letzten Jo jriohterlichon BeamteUj die nicht als