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Die Stimme · 1935-10-04 · Heft 488 (4.10.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 488 (4.10.1935)
Date
1935-10-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ff*. m — % mtobef tm Dlt STIMM« s«u« s Trauben-Trlnkkur. Oie Weinlese hat begonnen — wir bringen nnn wieder tlglich frisch ans dem Weingarten Traubenmost ftlr Kuriweoke. •— Nutzen Sie die kurze Zeit zur blutauffrischenden Traubentrinkknr—diese wtinderwirkendo Herbstkur — ist durch nichts zn ersetzen. — Sie wirkt verjüngend anf den ganzen Organismus —besorgt eine vollkommene innere Reinigung—und beseitigt so—die Grundursachen von Krankheiten und vorzeitigen Alterns.—Von der einfachsten Verdauungsstörung—bis zu den hartnSchfgsten Leiden vollfuhrt diese einzigartige Heilkur ständig Wunder. Prospekte Uber Tranben-Trinkkur mit Gebrauchsanleitung liegen in allen Betrieben anf. ZEILINGER LandstraBer Hauptstraße 17 Wincketmannstraße 22 Johnstraßc 30 Mariahjlfergttrtel 27 Wallensteinstraße 46 Bestcllbttro Teleph. B 85-0-10. RESTAURANT :: APERITIF :: BAR :: TEESALON DIREKTION» 3 Müsacet* IGNAZ DIENER WIEN, I., W E I H B U INTERNATIONALE KOCHE R0CASSE4::TEL. R20 » TREFFPUNKT DER WIENER GESELLSCHAFT 0-81 Der Arbeiterbedarf in Palästina steigt Jerusalem, 1. Oktober. Aus den beim Arbeitsamt der jüdischen Kolonien einlaufenden Berichten ist zu ersehen, daß der Arbeitermangel in allen Wirtschaftszweigen erheblich zugenommen hat. Der Landwirtschaftsbetrieb in Herzlia, Kfar Saba, Hadar, Magd fei, Ness Ziona und anderen Siedlungen hat unter dem Mangel an Arbeitern schwer zu leiden. Die Einwanderung in ihren gegenwärtigen Aus maßen ist nicht imstande, diesen Arbeifcermangel zu beheben. Obwohl mit jedem Dampfer neue Arbeitereinwanderer in das Land kommen, bleibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den Kolonien u n v e r ä n d c r t, da die Einwanderer zum größten Teil sofort in die Kooperativgrupp'en gehen, die ebenfalls dringend neue Mitglieder brauchen. Der Ausbau der Landwirtschaft und die Schaffung neuer Unterneh mungen tragen dazu bei, den Bedarf an Arbeitern noch weiter zu steigern. Die wichtigste Rolle bei der Entwicklung der Landwirtschaft spielt die Jewish Agency, die vom Jänner bis September 1935 etwa 300.000 Pfund auf diesem Gebiet investiert hat. Die Gesellschaften Nir und Habokar werden in der zweiten Hälfte 1935 etwa 100.000 Pfund investiert haben. In Herzlia wurde mit Brunnenbohrungen be duktion und die Arten ihrer Erzeugnisse ständig vermehrt, will in diesem Herbst weitere 1Ö0 Arbeiter aufnehmen. In H a i f a herrscht lebhafte Tätigkeit im Baugewerbe und in der Industrie. Die Entwicklung wird durch den Bau von Straßen in verschiedenen Stadtvierteln gefördert. Hand in Hand mit dieser Entwicklung geht eine erhöht© Nachfrage nach Angestellten für Hotels, Restaurants Privathaushaltungen und nach Chauffeuren. In den ersten acht Monaten des Jahres 1935 wurden in diesen Berufen allein 850 Personen in Haifa neu angestellt. Sehr starker Mangel herrscht an gelernten Arbeitern einzelner Berufszweige, so in Jerusalem vor allem au Pflasterern und anderen Bauarbeitern. Es ist beabsichtigt, Neueinwan derer nach Jerusalem zu bringen, um sie dort im Steinmetzhandwerk auszubilden. wenn Raucher der Verfärbung der Zihne verbeugen wollen, denn hilft nur dio rogefmfififge. tägliche Pflege mR ODOL«Zahnpasta. m iPS M Kleine Tube S —90 Große Tube 8 1.40 CAFE INDUSTRIE IX. PORZELLANGASSE 39 NEUERÖFFNET! Hitler: Erträgliches Verhältnis zum jüdischen Volk Eia eben veröffentlichter Deutschland-Bericht der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands enthält ein sehr ausführliches Kapitel über den Terror gegen die Juden in allen Teilen Deutschlands, der erschütternde Tatsachen mitteilt. Diese Mitteilungen sind darum von besonderer Wichtigkeit, weil sie Beobachtungen unbefangener Augenzeugen widerspiegeln, denen das jüdische Schicksal nicht unmittelbar nahegeht, denen sich aber die besondere Tragik der Juden aufdrängt, so daß sie — obwohl sich, ihre Beobachtung auf ganz andere Dinge konzentriert — nicht umhin können, auch davon Notiz zu nehmen. Im folgenden geben wir eine kurze Auslese aus dem 18 Seiten starken Bericht. Der Aufzählung einer großen Reihe von Orten, in denen der Verkauf von Grund und Boden an Juden, der Zuzug von Juden, der Besuch der Lichtspieltheater, die Benützung der Straßenbahnen, der Bäder, der Bibliothek, der Gaststätten und Cafes, der Besuch der Viehmärkte usw. durch Juden verboten sind und in denen alle diejenigen, die mit Juden irgend welchen Verkehr pflegen, amtlich gemaßregelt oder gesellschaftlich geächtet werden, folgen zusammenhängende Berichte über die Lage in den einzelnen Gebieten: REICH- OFEN IV. Preßg. 28 B 20-2-38 (. Parkring 12 R 20-3-57 gönnen, für die neue Arbeiter dringend gebraucht werden. In dieser Kolonie werden auch neue Straßen und zwei große Häuser für landwirtschaftliche Arbeiter gebaut. Intensive Arbeit wird auch in Kfar Saba geleistet, wo in den letzten Wochen 150 neue Einwanderer aufgenommen wurden, wo aber noch weiter Arbeitermangel herrscht. Eine beträchtliche Zahl neuer Einwanderer hat in Hadar Beschäftigung;g\efunden. Diese Siedlung dehnt ihre Orangenpflanzungen aus und hat sich an die Landwirtsohaftskommission der Arbeiterorganisation um sofortige Zuweisung weiterer Arbeitskräfte gewandt. In Pcbach Tikwah ist der Arbeitermangel so groß, daß der Bau von Straßen lind andere wichtige Arbeiten zurückgestellt werden mußten. Ebenso dringend ist der Arbeiterbedarf in der Industrie. Die Schokoladenfabrik Elite erweitert ihre Anlagen und will 100 Arbeiter neu einstellen. Auch di« Fruchtsäftefabrik Assis, die ihre Gesamtpro- CHULBÜCHER für Volks-, Haupt- und Mittelschulen, neu nnd antiquarisch in den vorgeschriebenen Auflagen in der Buchhandlung M. Rath, Wien, II., Taborstraße 20 A. Telephon R 45-305 Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher zu höchsten Preisen Bayern: Die Mißgriffe, die sich in Bayern unreife Menschen in der Judenfrage leisten, spotten geradezu der sonstigen wirtschaftlichen Voraussetzungen in Deutschland. Durch Mißhandlungen und Verfügungen von Schutzhaft über jüdische Betriebsführer von größeren Betrieben :st für die Arbeiterschaft bereits Not und Elend einge treten. Die bayerischen Spiegelglaswerke vormals Bechmann & Kupfer, Fürth, wurden technisch und kaufmännisch von zwei Juden namens Offenbacher geleitet. Sie hielten trotz aller Exportschwierigkeiten zwei Betriebe mit rund 1200 Beschäftigten in Arbeit. Um die beiden Betriebsführer zur Strecke zu bringen, sorgte Streicher dafür, daß SA.-Leute vor den Kontoren der Firma demonstrierten. Darauf wurden diebeidenJudeninSchutzhaft genommen. Nach einigen Tagen schon zeigten sich Betriebsschwierigkeiten. Die insultierten Betriebsführer verließen nach ihrer Entlassung aus der Schutzhaft Deutschland. Nach zwei Wochen mußten die Betriebe kurzarbeiten, und in der letzten Augustwocbe sprach man ganz offen von einer vollkommenen Stillegung, da Staatszuschüsse trotz Bemühungen der neuen arischen Leitung nicht zu erhalten seien. Die Judenverfolgungen finden in der Bevölkerung keinen Widerhall, aber sie bleiben doch nicht ganz ohne Eindruck. Allmählich hinterläßt die Rassenpropagada doch ihre Spuren. Die Leute verlieren ihre Unbefangenheit gegenüber den Juden und viele sagen sich: eigentlich haben ja die Nazis mit ihrem Kampf gegen die Juden doch recht, aber man ist gegen die Übertreibungen dieses Kampfes. Baden: Die Propaganda gegen die jüdischen Geschäfte hat sich ins Unglaubliche gesteigert. Die Nazis photographieren die Kunden vor jüdischen Geschäften. Sämtliche jüdischen Geschäfte wurden mit einem Plakat versehen: „Dies ist ein jüdisches Geschäft. Wer beim Juden kauft, ist ein Volksverräter.“ In Mannheim aber gibt es eine absolute Mehrheit in der Bevölkerung, die sich durch die Hetze gegen die Juden nicht stören läßt und jüdische Geschäfte aufsucht. In Mannheim- Neckerau gab es sogar Schlägereien zwischen den Käufern und der SA. Die Judenverfolgungen sind auch in der Oberbadiseheu b ifillem Sauge, Überall werden „S t ü r m e r“ - K ä s t e n angebracht. Juden- Karikaturen tragen die Unterschrift: „Wer vom Juden frißt, stirbt daran!“ Die Judenverfolgungen haben sich auf die Grenzorte ausgedehnt. Pfalz: In Pirmasens wird der Kampf gegen die Juden so scharf wie noch nie geführt. Straßen und Cafe-Eingänge tragen antijüdische Karikaturen und Schilder. Käufer in jüdischen Geschäften werden belästigt und photographiert. In allen Fabriken ist den Arbeitern angekündigt worden, daß sie in Zukunft weder bei Juden kaufen noch sich von jüdischen Ärzten behandeln lassen dürfen. Es vergeht kein Tag, an dem nicht vor den jüdischen Kaufhäusern Tumult wäre; SS- und SA-Wachen hindern die Leute, die jüdischen Geschäfte zu betreten, Frauen wurden in die Straßenrinne geworfen. Am tollsten geht es vordem Kaufhaus Rothschild zu. Überall hängen vergrößerte Photographien von Käufern in jüdischen Geschäften herum, das hat immerhin eine abschreckende Wirkung. Im pfälzischen Badeort Dürkheim wurden in zwei jüdischen Geschäften die Fensterscheiben eingeschlagen, kein Glaser wagt es, bestellte Reparaturen vorzunehmen, um nicht als Judenknecht angesehen zu werden; die beiden Geschäfte sind seit mehreren Wochen ohne ganze Scheiben. Ein jüdischer Privatmann in Dürkheim, dem ebenfalls die Fenster eingeschlagen wurden, ging zum Bürgermeisteramt, um Klage zu führen. Der Sekretär des Bürgermeisters wurde sofort entlassen, weil er den Mann überhaupt angemeldet hatte. In Ludwigshafen hatte der Gastwirt Adolf Schütz, der bei einem Juden kaufte, ein unglaubliches Martyrium durchzumachen. Der 60jährige Mann wurde mehrmals überfallen, mörderisch geschlagen, zweimal in Schutzhaft genommen. Nordwestdeutschland: In allen Städten und Dörfern des Bezirkes Hannover sind an den Zufahrtsstraßen von der Leitung der NSDAP und von den Behörden Schilder mit folgenden Inschriften angebracht: „In diesem Orte leben Juden auf eigene Gefahr.“ „Wir wollen keine Juden sehen.“ „Deutscher Volksgenosse, denke daran, Juda ist dein Erbfeind!“ „Wer beim Juden kauft, ist ein Volksverräter.“ Vor allen jüdischen Geschäften stehen Posten, die die Leute am Betreten des Geschäftes hindern. Man hat i/o. Hannover vier Kinos geschlossen; die Juden gehören. Dann klebte man an die Reklametafeln der Kinos Plakate, die eine nackte Person zeigen, darunter den Spruch: „So muß der Jude Deutschland verlasse n!“ Diese Plakate wurden dann auch an dlie Schaufenster offener jüdischer Geschäfte geklebt. Mehrere Juden wurden von der SA verprügelt und dann durch die Polizei i n Schutzhaft genommen. Allein in den letzten Tagen sind zehn Betriebsleiter und Direktoren der Textilindustrie aus den Betrieben heraus verhaftet und in Schutzhaft genommen worden. Provoziert wurde das Vorgehen gegen diese jüdischen Männer von den Betriebsvertrauensräten. Unter den Verhafteten befindet sich auch der Inhaber der großen Firma Bornheim, der in Bielefeld zwei und in Oehrlinghausen-Lippe einen Betrieb hat. Die NS-Stellen erklären, den Juden sollen die Betriebe genommen werden, damit die Wirtschaft in rein arische Hände komme. In der Stadt Norden sind mehrere 'Juden und einige christliche Mädchen als „Rassenschänder“ durch die Stadt geführt worden. In der Stadt war eine einzige Unruhe. Die Bevölkerung war empört, weil ihr bekannt war, daß es sich um grund-. lose Denunziationen handelt. In der Stadt waren Bi 1 d e r von dem Martermarsch der Juden und Mädchen zum Ver-: Wie die Maschine den Dampf, so braucht der Körper ständige rationelle Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt werden. DIANA- Franzbranntwein mit Menthol ist das geeignetste Mittel zur rationellen Körperpflege und deshalb soU jeder Diana- Franzbranntwein ständig benützen. In Jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana“ nnd nehmen Me nur „Diana“. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurttckznwelseu. kauf angeboten worden. In Emden sollte ein Jude durch die Straßen geführt werden, er konnte sich der Marter durch die Flucht entziehen. Der Judenboykott wird streng durchgeführt, die jüdischen Geschäfte werden ständig von SA bewacht. Das Volk bemitleidet die Juden, es sagt, daß die Nazis durch die Judenhetze wieder einmal die allgemeine Aufmerksamkeit von großen Schwierigkeiten ablenken wollen. Vor dem einzigen großen Kaufhaus Falk & Co. in Emden halten „Stürmer“-Verkäufer mit einem Photoapparat ständig Wache. Berlin-Brandenburg: In Cottbus hat Sturmbann I einen planmäßigen Überfall auf den jüdischen Zeitungshändler Rosenthal vor den Augen der Polizei verübt. Rosenthal wurde fürchterlich zerschlagen und dann in Schutzhaft genommen. Anschließend daran demonstrierten SA-Leute vor dem jüdischen Kaufhaus Schocken. In der Lausitz wurde allenthalben vor den jüdischen Geschäften demonstriert. Die Zeitungen bringen ständig Bilder von Käufern in jüdischen Geschäften mit der Bezeichnung „Volksverräter“. Sachsen: In der Dresdner Pragerstraße ist es zu einem regelrechten Pogrom gekommen, ein jüdisches Photogeschäft wurde gestürmt, der Inhaber zusammengehauen; alles wurde zertrümmert, der Ladea fast völlig ausgeraubt, bis endlich Polizei erschien und den Ladeninhaber, aber nicht die Nazis festnahm. Jetzt ist der Laden geschlossen, was aus dem Juden geworden ist2 jveiß

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