Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 488 (4.10.1935)
- Date
- 1935-10-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sott« 2 OIE STIMME Nr. 488 — 4. Oktober 198» Billige Belsen nach PALÄSTINA kostenlose Beratung in allen Reise- Angelegenheiten, welche Palästina betreffen, erteilt Dr. S. Tocker Wien, IX., üechtenstelnstraße 2, Tel. A 14-504 Feder unterschriebenen Kellog-Vertrages entwickelt England seine riesige Seemacht im Mittelmeer, sperrt es bei Gibraltar und Port-Said ab, sondern zum Schutze seiner Interessen. Und es ist für uns, für das Judentum, eine fast unerträgliche Situation, daß nun auch der Mandatsvertrag beiseite fliegt und Palästina in das eiserne Netz mi litärischer Vorbereitungen einbezogen ist aber auch in das diplomatische Spiel. Schon ist vom Sender in Bari ein Rundfunkvor trag in arabischer Sprache hinausgegangen der von der Unterdrückung der Araber in Vorderasien handelte und dabei auch Pa lästiua nannte, von einem Sender Italiens also, das selbst seine Unterschrift unter das Abkommen von San Remo gesetzt hat.. Vielleicht ist es ein Zufall, vielleicht auch nicht, daß gerade jetzt der ehemalige Se kretär der Palästinaregierung, Herr Cust in „Near East and India“ die Frage des palästinensischen Status vom Gesichtspunkt Englands aus prüft und von der festen An schauung ausgeht, daß Palästina für lange hinaus in Englands Hand bleiben muß. Das ist wohl für den Fall eines englisch-italieni sehen Krieges geschrieben. Aber entspricht das dem Sinn des Mandats oder auch nur seinem Text? Haben wir nicht von Hoare lind Eden gehört, daß ein Pakt seinem Buchstaben und Geist entsprechend gelten muß? Wir glauben, daß die Zeit kommen wird, in der wir an diese Reden erinnern werden. Es ist leider eine Notwendigkeit ge worden, daß England das palästinensische Gebiet militärisch sichert und daß es recht zeitig alle Maßnahmen trifft, um ein Über greifen des afrikanischen Feuers auf Ara bien zu verhüten. Der Hafen von Haifa wim melt von Kriegsschaffen, der Berg Karmel soll befestigt werden. Es wird in versohiedemen Zeitungen, besonders in reiohsdeutschen viel von der Aufstellung einer Freiwilligenarmee in Palästina gesprochen. Authentische Nachrichten liegen hierüber zur Zeit nicht vor. Aber es versteht sich wohl von selbst, daß für den Fall der Organisierung der Landesverteidigung die Juden nicht übergangen werden dürfen, die ein sehr heißes Interesse daran haben, das jüdische Land vor den Schrecken eines Krieges oder einer Insurrektion zu bewahren und die das Einzige, das sie besitzen, mit Zähnen und Klauen schützen würden. Billigste Reisen nach Palästina und Aegypten durch PALESTINE & ORIENT LLOYD Generalvertretung für Oesterreich : Nordisches Reisebüro (Reiseleitung N. M. Racker) Wien, I., Graben Nr. 10, — Telephon R 24-2-31 tief erschüttert und zutiefst beleidigt durch die deutschen Judengesetze, welche eine offizielle Diffamierung des Judentums und eine in der Geschichte allein dastehende Beleidigung des gesamten jüdischen Volkes darstellen, schließen sich dom Proteste der jüdischen sowie der ganzen Kulturweit gegen diese Gesetze an und appellieren an Sie, Herr Präsident, in Ihrer Eigenschaft als treuer Deuter demokratischer Grundsätze und Mitarbeiter des großen Masaryk, für die Verteidigung der so schwer verletzten elementaren Menschenrechte einzusetzen. Englischer Gruppen- und Einzel bei staatlich geprüfter Lehrerin. Englische Stenographie. Broczyner, II., Adambergergacse 10. Telephon A 45-4-63. Protest der jugoslawischen Juden gegen die Nürnberger Judengesetze Beograd, 30. September. Die deutschen Judengesetze haben eine große Protestwelle im jugoslawischen Judentum ausgelöst. In einer Kundgebung der Zionistische Ortsgruppe in Zagreb brachte der Präsident des Jugoslawischen Zionistenverbandes, Dr. Alexander Licht, die Gefühle des Protestes aller jugoslawischen FÜR DIE FEIERTAGE: PUTZT, FÄRBT, BÜGELT Telephon U 38-0-82, B 37-4-81. Abholen und Zustellen gratis. Billige Reise noeü Polen Abfahrt 17. Oktober, Rückkehr 10., 21, Oktober 1935, ev. auch später Auskunft bei Dr. S. Tocker. Wien, IX. Llechtensteinstrafle 2, Tel. A14-504 Die Wirkung des Ostafrika-Konflikts in Palästina Wie berichtet, hat die Unsicherheit, die sich in Palästina vor etwa zwei Wochen im Zusammenhang mit dem italienisch-abessinisohen Konflikt ergeben hat, bei einejr Reihe von Banken zu Depositenabhebungen geführt und übt zweifellos einen ungünstigen Einfluß auf das Wirtschaftsleben aus. Über den Umfang der Depositenabhebungen von den palästinensischen Banken in den Tagen der Unruhe sind genaue Ziffern nicht bekannt. Nach den Schätzungen informierter Persönlichkeiten belaufen sich die Abhebungen auf ungefähr VA Millionen Pfund. Ein kleiner Teil der Abhebungen ist zu den Banken wieder zurückgeflossen, der große Teil derselben ruht in Safes oder in den Wohnungen der Abheber. In jedem Falle ist dieses Geld dem Wirtschaftslebenentzogen. Alle Banken legten m der ganzen Zeit eine große Stärke und Festigkeit an den Tag. In keinem einzigen Fall wurde die Auszahlung nicht auf sofortiges Verlangen getätigt. .. . „ . In Bankkreisen schweben Verhau dlungeh über eine Aufhebung sämtlicher Kreditbeschränkungen, die bereits in den nächsten Tagen wirksam werden soll. Es wird erwogen, mit zusätzlichen Krediten der herrschenden Unsicherheit entgegenzutreten. Auch auf dem Gebiet der Lebensmitel machen sich Preiserhöhungen fühlbar; da die Detailhändler von den Grossisten größere Mengen als gewöhnlich kaufen. Die Grossisten haben daher die Preise erhöht und den Detailkaufleuten die Kredite beschränkt. In anderen Branchen macht sich teilweise eine Abschwächung der Umsätze geltend. Der Absatz von Pfandbriefen und anderen Wertpapieren hat sich verringert. Teilweise macht sich ein gewisses Angebot palästinensischer Wertpapiere geltend, das zu einer Kursermäßigung geführt hat. Als Folge der in Palästina geschaffenen Situation, deren Echo natürlich das Ausland erreicht hat, verminderte sich in der letzten Woche der Zustrom ausländischen Kapitals nach Palästina in starkem Maße. IHR HEIM sich mit wenieGeld elegant und gemütlich herzurichton, bietet Ihnen Weltzner, VI,, MariahilfarstraBe 105, IV., Wiednar HauptstraBe 10. J. Bouclö-Teppich, 2X8 fcroß S 39’— Velours* und Axminater-Teppiche S 78’—, Netzstoffe S 1*68, Indanthrenstoffe ab S 1*85. Seidensteppdecke S 12*50, Stores, Handarbeit S 4‘5fl bis S 12*—, Doppelbettdecke S 12’— bis 24,*—, Laufteppiche, ind. Boucle, p. M. S 3*90, Bettvorleger S 3*70 usw. 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Man muß berücksichtigen, daß die palästinensische Kaufkraft viel größer Ist als es der Einwohnerschaft des Landes entspricht, da eine große Anzahl von Immigranten sich ständig neu im Lande niederlassen und ihren Bedarf hier aus mitgebrachten Kapitalien decken. Die palästinensische Industrie muß auf zwei Wegen geschützt werden: 1. Durch Schutzzölle und das Kontingentsystem, 2. durch Loyalität gegenüber inländischen Erzeugnissen. Es gibt kein Land in der Welt, dessen Angelegenheiten in einer so freien Weise, ohne Programm und ohne zentrale Leitung verwaltet werden, wie das in Palästina der Fall ist. Es gibt Leute, die sagen, daß Schutzzölle die Preise steigern. Diese Leute vergessen, daß jedes industrielle Unternehmen die Kaufkraft des Landes erhöht. Der Einwand ist grundsätzlich falsch: Schutzzölle erhöhen die Preise nicht. Der Fall Nesher kann als ein gutes Beispiel hiefür angesehen werden. Als die Zementfabrik „Nesher“ gegründet wurde, fielen die Preise für importierten Zement. Als Nesher einen Schutzzoll erhielt, erhöhten sich die Zementpreise in Palästina etwas, aber trotzdem blieben sie viel billiger als sie vor Errichtung der Zementfabrik in Palästina waren. Meines Erachtens sollten in erster Linie diejenigen Industrien unterstützt werden, die p a 1 ä st in ensische Rohstoffe verarbeiten, da diese Industrien dem Lande äini meisten* Nutzen bringen. Vor allem istr es eine Lebensnotwendigkeit, eine Institut tion zu schaffen, die eine leitende Kraft der palästinensischen Wirtschaft ist. Schulz für die Industrie Palästinas Schweden- Cafe I., Schweden platz 1 wünscht allen Freunden und Gästen herzliche! raits wnn ioj Schiffskarten ^Palästina für sämtliche Linien zu günstigen Preisen bei COMPASS TOURS IX. Bezirk, Spitalgasse 3, Tel. B 42-6-38 Juden zum Ausdruck. In allen Orten Jugoslawiens werden Protestversammlungen abgehalten. Das Großrabbinat und der J ü d ische Gemeindebund Jugoslawiens sandten das folgende Telegramm an den Präsidenten der Völkerbund versammlung, Dr. BeneS, nach Genf: Das Großrabbinat und der Jüdische Gemeindebund in Jugoslawien, als zentrale Vertreterschaften .des gesamten jugoslawischen Mentumsj In Palnews äußert sich ein führender Industrieller über die Lage der palästinensischen Industrie, Die schwierige Lage einer Reihe palästinensischer Indußtrieunternehmungen ist keine Zufallssache, sondern das Resultat einer längeren Entwicklung. Es muß die bedauerliche Tatsache in Betracht gezogen werden, daß neues Kapital, das in großen Beträgen ins Land fließt, der Linie des geringsten Widerstandes folgt: es wird im Häuserbau und in Bodenkäufen investiert — aber nicht in genügendem Umfang dei Industrie. Die palästinensischen Bansen unterstützen diese Investierungstendenzen und lenken die Kapitalinvestition nicht in die schwierigere industrielle Richtung. Dabei kann kein Zweifel darüber bestehen, daß das Kapital, das in der Industrie investiert ist, das lebendige und schöpferische Kapital ist — nicht nur weil jede Fabrik eine bestimmte Anzahl von Arbeitern beschäftigt, sondern weil jedes industrielle Unternehmen indirekte Beschäftigungsquellen erschließt: Neben- und Hilfsindustrien, Transporte, Agenten usw. Aber da Palästina über keinen lokalen Effektenmarkt verfügt, ist das Problem der Industriefinanzierung •— sowohl für alte wie neue Unternehmungen — ein sehr schwieriges. Die palästinensische Industrie ist außerdem nicht genügend gegen fromde Konkurrenz geschützt. In anderen neuen In dustrieländern, wie der Türkei, Ägypten und anderen, unterstützen die Regierungen die Entwicklung der Industrie durch Zahlung von Zuschüssen usw. In Palästina ist nicht nur keine Rede von derartigen Unterstützungen durch die Regierung, sondern die Industrie hat auch keinen Schutz gegen die Konkurrenz der großen, entwickelten europäischen Industrieländer. Die Unterstützung der Industrie durch die Regierung, die für unsere Industrie nötig ist, soll der Industrie nicht den Export ermöglichen, sondern sie in den Stand versetzen, den lokalen Markt bis zum Maximum zu durchdringen. Die Erfahrung vieler Länder zeigt, daß die Industrie erst dann für den Export produziert, AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER STOBERIPREISi OK Alt-Wien im Grinzinger Keller. Täglich Musik der ® Kapelle Auerbach. Konzert, Jazz,- Stimmung. Mitwirkend: Stiminungssänger Hans Blnsdhek und Violinvirtuose R. Ohlensdiläger Wieder eine Fabrik in Ramath Can geschlossen Jerusalem, 80. September, Infolge des Importes aus der Tschechoslowakei mußte die Wirkwarenfabrik „G e r e b“ in Ramath Gau geschlossen werden. Es ist dies bereits der zweite Betrieb in Ramath Gan, der dem ausländischen Dumping zum Opfer fällt. Bekanntlich mußte vor kurzem die Kunstseidenfabrik „Meshi‘* wegen Überflutung des Marktes mit billiger japanischer Ware den Betrieb einstellen. Die Palästina-Regierung hat eine Sitzung ihres Industriebeirates einberufen, um Maßnahmen zum Schutz der palästinensischen Produzenten zu erwägen. Statistisches Amt der Palästina* Regierung Die Palästina-Regierung hat Professor Cadmour vom Statistischen Amt in Kanada beauftragt, im Rahmen des Immigrationsdepartements der Regierung ein Statistisches Amt einzurichten. Das neuo Amt soll sich mit der statistischen Erfassung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse dos Landes befassen. Eb heißt, daß die Aufstellungen des neuen Amtes auch zur Bestimmung der jeweiligen Aufnahmefähigkeit des Landes und dementsprechend zur Festsetzung der Einwanderungsquoten benutzt werden sollen. Wir machen unsere geschätzten Leser auf das Inserat Erika Hofbauer, I., Bauernmarkt Nr, 18 (Landskronga&ae 1), aufmerksam,