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Die Stimme · 1935-09-27 · Heft 487 (27.9.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 487 (27.9.1935)
Date
1935-09-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 487 — 27. September 1935. jiBERgwWI JABENSTEIG 3 4—' — JIMMELPFORTfl. 5 4... . JCOLLNERHOFfl. 1 I 4————■ SÄMTLICHE ARTIKEL IN WÄSCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FÜHREND IN ETERNA- HEMDEN (von S 6‘80 aulw.) zuriiokziiftlhren ißt, daß ihnen alle anderen Berufe verschlossen bleiben. Die mißlichen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung Wiens offenbaren sich schließlich nicht zuletzt auch darin, daß 42.553 Zensiten, somit 88 Prozent aller Steuerträger, mit Steuerquoten von 1 bis 100 Schilling bemessen werden. Um den gewaltigen Aufgaben gerecht zu werden, «dc-n bisher entstandenen Ausfall, insbesondere auf dem Gebiete der Fürsorge, zu decken und die W i n t c r h i 1 f s a ktd o n vorzubereiten, hat der Kultusvorstand der Wiener Gemeinde beschlossen, an die Steuerzahler einen Aufruf zu versenden und eie aufzufordern, einen freiwilligen 20%igen Zuschlag zu leisten. Der Vorstand der Gemeinde rechnet selbstverständlich mit der schlechten materiellen Situation der Judensohaft und sah auch aus diesem Grunde von der Vorschrcibung einer ^waugssteuerzulage ab. Der Kultusvoretand hofft jedoch, daß der^ Aufruf bei allen Juden und Jüdinnen den enteprechenden Widerhall finden, und daß sich niemand dieser edlen Menschen- und Judenpflic-ht entziehen wird. Noch nie war die Judenschaft auf die eigene Unterstützung*, auf die Solidarität und gegenseitige Hilfe so angewiesen, wie jetzt. Von den Ergebnissen dieser im Laufe des Monat Oktober zur Durchführung gelangenden Aktion wird es schließlich abhängen, ob und in welchem Ausmaße die Wiener jüdische Gemeinde in der Lage sein wird, ihr soziales und edelmütiges Werk der jüdischen Winterhilfe zu organisieren und auszubauen. 1 Die Juden, die überall, wo es sich um Hilfeleistungen bandelt, wo es um Linderung der Not von Menschen geht, als Helfende stets in der ersten Reihe stehen, werden auch diesmal, wo der Appell um Hilfe für die eigenen Brüder und Schwestern an sie herangeht, sicherlich nicht versagen. Die Kultusgemeinde, deren Leistungen gerade auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge auch ein beredtes Zeugnis von der Hilfsbereitschaft und Hilfeolidarität der jüdischen Bevölkerung dieser Stadt ablegen, wrird auch diesmal ihren Hilferuf nicht vergeblich gemacht haben. SMe üScittlefe Gat begonnen — toir bringen mm tmeber täglicf) frtfcb ans bem SSeingarirn Jtnubenmoit für .Hut> Stoecfe. — 9!üöen Sie bic hir^e 3eit }ur blutaufftijdjenbeu Zrauben*ZtlnitüT — biefe tounberttnrfenbe .§erbft».ftut — ilt butdj nidjts $u eiferen. — Sie nrirft ocriiingeub auf ben gamen Crganlsnm« — befolgt eine öoUfommeue innere Steinigung — unb beteiligt io bie CJninburiadjen bon .«ranfbeiten mib oorjeitigen Üüterne. — Son ber einfachsten 33erbauungMtötung — bis }U ben battnäcfigften Sciben uoilfübrt biefe einzigartige .'geilfut ftänbig iffiunber. Sßtofpcfte it6er 2rauben»Irin{fur mit CjebrautbSanlcitung liegen tn allen Setrieben auf. ZEILINGER Sanbftrafie Äauptftr. 17 SDiarFafrilfctgUrtel 27 3of»nfh*.39 ißtndelmannftv* 22 3BaHenftetttrtr.4fl engros.ütbteilung: #cUlgenftäl>te«ftr.33. 2ei. Bll»0 07 Ärierparagraph im österreichischen Shiverband Wie wir erfahren, hat der Österreichische Skiverband den Arierparagraph eingeführt und dazu beschlossen, daß „Amtswalter’1 des Verbandes nur Personen germanischer Volkszugehörigkeit sein können. Der Skiverband ist der österreichischen Turn- und Sportfront eingegliedert, einer offiziellen Körperschaft, die unter der direkten Leitung des Vizekanzlers Starhemberg steht. Es muß also darauf aufmerksam gemacht werden, daß ein Dulden des Beschlusses ein Verstoß gegen die Verfassung wäre. Neues Im Reiseverkehr nach Polen! Wollen Sie billig in Ihre Heimat kommen, Ihre Verwandten besuchen, dann verbinden Sie sieb raschest mit dem Reisebureau „In die Welt“ (Dr. S. Tocker), IX., Liechteuätcinstraßo 2, Tel. A. 14-501, wo man Ihnen alle Auskünfte und Erleichterungen gewähren wird. Wir besorgen Ihnen auch Ihr Visum, Ihre Fahrkarten nach Polen. Prospekte stehen gratis zur Verfügung. Besondere Verbilligungen fiir Fhizelu|$ <pe £oln;£chen Kumte* Spital a. S. hat keine Freude am Zuzug jüdischer Fremden Die Jugendgruppe der Agudah hatte im Sommer zur Einrichtung eines Sommerlagers für Kinder eine Villa in Spital a. S. um einen verhältnismäßig hohen Betrag gemietet. In Vertretung der Agudah verständigte Rechtsanwalt Dr. B. Ebner das Gemeindeamt Spital a. S. am 12. Juni von dieser Pachtung und fragte an, ob diesem Sommerlager der behördliche Schutz zuteil werden wird. Darauf erhielt er die folgende Antwort: Gemeindeamt Spital am Semmering, am 21. Juni 1935. An Herrn Dr. B. Ebner, Rechtsanwalt, Wien, I., Kai 19. Zu Ihrem Schreiben vom 12. Juni 1935 wird folgendes eröffnet: In Spital am Semmering befindet sich ein Gendarmerieposten und außerdem verfügt die Gemeinde über ein Wachorgan. Es ist selbstverständlich, daß alle diese Organe in gleicher Weise für die Sicherheit des Lebens und Eigentums aller Bundesbürger und hier wohnenden Fremden Sorge tragen. Zur Gewährleistung eines besonderen Schutzes, über diese allgemeinen Schutzmaßnahmen des Staates hinaus, hat die Gemeinde keine Möglichkeit und auch keine Organe. Im übrigen muß Ihnen mdgoteilt werden, daß die große M e h r z a li 1 d er Be. v ö 1 k e r u n g von Spital a. S. j il d isehen Ferienkolonien ablehnend g e g e n ii b e r s t e h t und keine Freude am Z u z u g j ii d i s c h e r F r e ni den h a t. Der Bürgermeister: Haiden e. b. Bürgermeisteramt Spital a. S. Gerichts- und politischer Bezirk Miirzzuschlag, 8teierm ark. Trotz dieser deutlieh ausgesprochenen Ablehnung hat die Agudah das Sommerlager bezogen, ja sie h a t d i e Tatsachedes Schreibens des Gemeindeamtes bisher verschwiegen. Welche Meinung mag sich wohl der Bürgermeister von diesen Juden bilden, die den Schimpf ruhig einstecken und sich drei Monate später daran erinnern? Abgesehen davon aber muß die offizielle Verkehrswerbung gefragt werden, was sie zu diesem Akt zu sagen hat. Der Brief liegt, wie uns mitgeteilt wird, dem Wiener Jugendhilfswerk vor. TUCHHAUS D. TABAK I., SALZGRIES 5 bringt zur Herbstu. Wintersaison hervorragende ORIGINAL ENGLISCHE HERREN- U. DAMENSTOFFE ZU SEHR MASSIGEN PREISEN Neue Pläne der Judenmission In Bari hat Mitte September eine Missionstagung der italienischen Kleriker stattgefunden, auf deren Programm die Missionierung des heidnischen, islamitischen und jüdischen Ostens stand. Nach einem Bericht der „R e i c h s p o s t“ sprach Professor Ri c ci o t ti über die heutige jüdische Welt vom Missionsstandpunkt aus. Er verlangte unter Verweis auf ausländische antisemitische Bestrebungen für den jungen katholischen Missionär im Gegenteil höchste A'chtung vor der jüdischen Religion als der besten seelischen Vorbereitung der Menschheit zu Christus. Das moderne Judentum aber sei vielleicht mehr noch als die Hebräer der alten Zeit erlösungsbedürftig, denn hier gelte es heute vor allem, das neue Heidentum unter den Juden zu überwinden, das dieses Volk tiefer vor Gott habe fallen lassen, als selbst sein pharisäischer Hochmut vor dem Messias. Der L i b e r a 1 i s m u s, der Skeptizismus, der Bolschewismus als geistige Einstellung des modernen Juden verlange die ganze Aufmerksamkeit und Liebe der christlichen Mission. Durch Christusgeist allein könne, wie zu Zeiten des Tempels, der Jude erlöst werden auch von den Leiden, die die Welt über ihn verhängt. Dem Judentum gegenüber sei die christliche Mission heute nötiger als je und auch als kulturelles Geschenk der Kirche an die politische und abendländische Kultur der Gegenwart aufzufassen. Das schließe nicht aus, daß nur gründliches Talmud-1 s t u d i u m sowie eine genaue Kenntnis der ostjüdischen Rabbinerlehre der Neuzeit den Missionär vor den armen Volksmassen der Juden im Osten Europas als Wahrheitskünder legitimiere; die Judenmission, bei der viele Übereifrige Fehler gemacht worden seien, verlange weniger Organisationen und „Versöhnungsvorsucho“ zwischen Christen und Juden, als vielmehr echte tatfroho apostolische Seelsorge mitten im jüdischen Volk. Gerade seine politischen und nationalen Konzontrierungsversuchü im palästinensischen Zionismus zu Füßen des heiligen Grabes sammle dieses geprüfte» Volk auch geistig erneut zu Füßeii des Herrn. Mitten im jüdisch enLande wie einst müssen daher die Missionäre wirken, aber sie müssen ebenso in den Großstädten des Westens wie in den Ghettos des Ostens die Juden trösten, die nicht mit Palästina verbunden sind, ßie Mission dte sie des &qtestanten hat bisher im Judentum keine besonderen Erfolge erzielt, und es ist auch für die Zukunft kein Grund zu irgend welcher Beunruhigung. Natürlich muß die Seelenfängerei überall, wo sie sich zeigt, genau beobachtet werden, insbesondere in Palästina. Wenn die Mission den Bolschewismus als geistige Einstellung der modernen Juden betrachtet, so macht sie damit eine geistige Anleihe aus dem Fälscherlaboratorium des Nationalsozialismus. Die Zahl der jüdischen SW0B0DA DAUERBRANDÖFEN KOKS HOLZ KOHLE sind die besten 25% Bundeszuschuß auf Holibrandöfen„FOHN" ALOIS SW0B0DA & Co., WIEN XVIII., Jörgerstraße 10 - Tel. A 27-5-80 STADTNIEDERLAGE i IV., Lothringerstraße 2 - Tel. U 46-3-43 Bolschewiken verschwindet neben der der nichtjüdischen. Wir vermissen aber in der Programmaufstellung jede Bezugnahme auf Deutschland. Weshalb wurde nicht über die Notwendigkeit gesprochen, im Dritten Reich kulturelle uud zivilisatorische Mission zu treiben? Dieses Gebiet läge den katholischen Seelsorgern doch etwas näher als das immerhin harte und gestählte Judentum, sogar näher als die in einer geistigon Reformbowegung stehende islamitische Welt. Wenn die Mission im Dritten Reich itt echter, tatfrpher Seelsorge die Kenntnis der Zehn Gebote, insbesondere „Du sollst nicht inorduu“, „Du sollst nicht stehlen“, „Du sollst nicht üble Nachrede gegen den Nächsten führen“, verbreiten würde, so wäre ihr der Dank der Welt sicher« Zu den Hohen Feiertagen wie alljährlich auch heuor ins “KP- RESTAURANT W. SPRITZER Jetzt ll.y Hammer-Purgsiall-Gasse 7 (Nähe Dianabad) (früher: Hotel National und Stefanie) Bekannt vorzügliche Wiener Küche MENUS von S 1*60 aufw, Orientalische Speisen am Rost und Spieß Die Folgen des Verbotes des Privat-Kundenhesuches Bei der Novellierung der Gewerbeordnung in Österreich wurde das Auf suchen von Privatkunden zwecks Entgegennahme von Bestellungen verboten und auf diese Weise unzähligen Kaufleuten uud ihren Vertretern im Ratenhandel, von denen die große Mehrzahl Juden sind, die weitere geschäftliche Betätigung fast unmöglich gemacht. Da dieses Verbot auch viele Wirtschaft»« zweige an sieh schwer trifft, sind nun Bemühungen im Gange, Ausnahmestellungen für gewisse Branchen zu erlangen, und in der Tat ist es gelungen, für die Vorarlberger Stickereibetriebe eine Befreiung von dem Verbot zu erreichen. Die Textil- und Radiohändler fordern nun auch für ihre Branchen eine Änderung der betreffenden Bestimmung der Gewerbeordnung. Besonders schwer wurde der Toilzahlungshandel in Textilien von diesem Verbot betroffen, dessen Umsätze sehr stark zu« rückgegangen sind, was natürlich auch bei seinen Lieferanten *=—. der Textilindustrie und den Textilgroßhändlern — ungünstige: Folgen gezeitigt hat. So wird beispielsweise von den Baumwollbleichereien und den Appreturbetrieben der Rückgang des Konsums infolge dieses Verbotes auf 20.000 Stück Ware im Jahr geschätzt. Aber auch die Konfektionär« führen über dieses Verbot Klage. Es wird' darauf hingewiesen, daß dem Kassadetail-: handel mit dem Verbot in keiner Weise geholfen wurde, denn trotz dieses Verbotes hat der Kassadetailhandel nur sehr geringe Um-i sätze erzielt. Aus der W e i ß w a r e n« branche wird berichtet, daß in diesem Jahre Betriebseinstellungcn in solchen Großhandelsbetrieben vorgenommeu werden mußten, die ausschließlich mit Kassadetailleureü arbeiten. Die gesamte Textilkaufmannseliaffc uud der Teilzahlungshandel erklären daher, daß sie, wenn das Verbot nicht aufgehoben oder wenigstens gemildert wird, außerstande wären, ihre Betriebe und ihren großen Angestelltonstand im bisherigen Umfange aufrcchtzuerhalten. österreichische Tierschutz* vereine fordern Schachtverbot Das Bundeskanzleramt hat dem Verband der österreichischen Tierschutzveroine den Entwurf eines „Gesetzes zum Schutz defi Tiere gegen Quälerei“ zur Stellungnahme übermittelt, worin es u. a. heißt, eine Tier-» quälerei begeht, wer einem Tier Leiden zufügt, indem er es „absichtlich quält, miß* handelt oder rücksichtslos überanstrengt..« es unsachgemäß tötet...“ Gegen diese Tioix quäloroieu sollen sowohl Verwaltungsstrafen als auch Strafen im ordentlichen Gerichtsverfahren verhängt werden. Der Verband der Tiorschutzvereine verlangt die Einschaltung des Satzes: „Unsachgemäß ist insbesondere jede Schlachtung eines warm-i blütigon Tieres, das nicht vor Beginn der. Bluteiizlehung völlig betäubt wurde.“ Der Verband verlangt sonach von der Regierung ein klares Verbot des rituellen Schächten» in Österreich, das ist einen Eingriff in diu Gewissensfreiheit. Die Herren mit den edlen Herzen würden besser tun, sich um die Quälereien zu kümmern, diö i&ß dem;webjlQBßa MM begangen senden», j

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