Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 487 (27.9.1935)
- Date
- 1935-09-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 2 DIE STIMME Nr. 48? — 7. September 1935 die wieder dem Blutratißch nnheimf allen will, in der es als höchstes Glück der Erdenkinder, ja als Bestimmung der Jugend gepriesen wird, sich willenlos dem Vemichtungstrieb zu ergeben. Das jüdische Volk ist angegriffen worden. Ihm wurde der Krieg erklärt. Zeiten, die seinem Gedächtnis fast schon entschwunden waren, tauchen wieder aus dunkelsten Tiefen auf, ärger, beschämender als je. Die hochentwickelte Technik, die ganze Wissenschaft, die vollkommenste Kenntnis der .Massenpsychologie werden ge gen eine kleine Untergruppe in einem mächtigen Staat angesetzt und dieser Krieg, der nur einseitig geführt werden kann, wird noch vergiftet durch den Versuch der Entehrung und Demütigung seitens der Nation, in der einmal Kant gelebt hat, der nachwies, daß man einem Volk niemals die Ehre nehmen kann. Und trotzdem wäll das jüdische Volk den Frieden für die Menschheit. Sucht man die Gründe für diesen Haß, der seit je vorhanden war und sich heute nur durch die besondere Exzes.-dvität hervorhebt, so findet man sie in der Grundeinstellung des jüdischen Volkes, das immer nur den Frieden will für die Menschheit, Frieden und Freiheit für Geist. Gewissen und Arbeit. Damit ist es immer in Gegensatz zu den herrschenden, auf Krieg und Gewalt gestellten Strömungen geraten und da es überall in der Minderheit war, von der vollen Wucht der Feindschaft getroffen worden. Die Geschichte Israels ist die Geschichte des Kampfee tun den Frieden, um die Herrschaft der Vernunft und des Geistes. Wir haben keinen Dank gefunden und nach einer Ära von kaum einem halben Jahrhundert Emanzipation erleben wir, daß unter dem tönenden Schweigen der ganzen Welt die Juden Deutschlands außer Gesetz und Recht gestellt werden, sehen wir ähnliche Tendenzen in der ganzen Bannmeile der deutschen Kultur. Was das jüdische Gesetz dem Menschen an seelischen und sittlichen Pflichten auferlegt, haben wir erfüllt, so sehr, daß dieses Gesetz für alle Zivilisation die Grundlage geworden ist. Und wir ernten die Erfahrung, daß es uns gegenüber keine Sym- Billigste Reisen nach Palästina und Aegypten durch PALESTINE & ORIENT LLOYD Generalvertretung für Oesterreich: Gordisches Reisebüro (Reiseleitung N. M. Racker) Wien, I., Graben Nr. 10, — Telephon R 24-2-31 Minister Eden stellt Verfassungsbrudi in Danzig fest SehiS&karten ^Palästina sämtliche Union zu günstigen Preisen bei COMPASS TOURS IX Bezirk, Spitalgasee 3, Tel. B 42-5-38 pathio gibt, daß unser Recht durch irgend eine bewaffnete Formation aus der Welt geschaffen werden kann. Diese Erfahrung zwingt uns naturnotwen- 'dig, den Weg, den der Zionismus gezeigt hat, fortzusetzen. Mit verdoppelter Energie müssen wir an der Freiwerdung der Nation arbeiten. Wir haben dem Judentum neue Hoffnungen gegeben, ihm eine neue Arbeitsstätte aufgeschlossen; wir haben Palästina aus der Erstarrung reißen müssen, aber w’ir haben es dem jüdischen Herzen wieder näher gebracht und dem ganzen Volk ein Zentrum neuer aussichtsvoller Arbeit gewiesen. Schon vor 40 Jahren ist Palästina aus dem Traum der Sehnsucht in die Politik eingeführt worden. Das jüdische Volk hat aber die große Bedeutung dieses Problems nicht erkannt. Erst heute tritt das Land der Väter vor die Söhne und fordert ihre Liebe, ihre Person. Das jüdische Volk hätte keine Aussichten mehr, diese heutige Zeit zu überstehen, wenn es nicht Erez Israel hätte. Das neue Jahr wird eine weitere Verschlimmerung in den Ländern des Exils bringen. Aber es wird auch die Fortsetzung de« Baues sehen, den sich das jüdische Volk aus seiner eigenen Kraft errichtet. Immer stärker wird die Anziehungskraft des Landes der Zukunft, das ein Land der Freiheit, dejj Geistes, der Arbeit wird und in dem die Bne Israels wieder zu den Quellen ihres Wesens zurückfinden werden. (Fortsetzung von Seite 1.) bezwecken, die Bevölkerung gegen die jüdischen Bürger aufzuhetzen. (Edens Worten war zu entnehmen, daß er hier auf starke Verbreitung des ,,S t ii r m e r‘ in Danzig anspielte.) Anthony Eden wies die Bemerkungen des Danziger Senats zu den jüdischen Petitionen, daß in den zwei Jahren dev? nationalsozialistischen Regimes in Danzig kein einziger Jude infolge von Exzessen getötet oder ernstlich verletzt wurde, als unangemessen zurück und erklärte. es bestehe tatsächlich im Freistaat die Gefahr einer, Störung der öffentlichen Ordnung durch Angriffe auf Juden; der Juristenaiischuß weise ausdrücklich auf diese Gefahr hin. Ich hoffe, fuhr Eden fort, daß der Präsident des Danziger Senats dem Rat des Völkerbundes formelle Zusicherungen hinsichtlich der Maßnahmen geben wird, die der Senat nach dieser Richtung hin zu ergreifen gedenkt. Ich habe die dem Rate übermittelten Bemerkungen des Senats zu dem Bericht des Juristenaiissehusses mit der gebührenden Sorgfalt und Aufmerksamkeit studiert. Ich bin jedoch zu dem Schluß gekommen, daß es meine Pflicht ist, dem Rat zu empfehlen, die Auffassung der Juristen zu akzeptieren und sich die allgemeinen Erwägungen, die die Juristen hinsichtlich des Geistes, in dem die Verfassung gedacht und auszulegen ist, vorgebracht haben, zu eigen zu machen. Ich möchte den Rat daran erinnern, daß der Präsident dee Danziger Senats auf der Maitagung des Rates erklärt hatte, daß falls der Rat zu dem Schluß kommen sollte, daß die Verfassung in bestimmten Punkten gefährdet worden ist-, der Senat des Freistaates seine Meinung auf der Basis der Interpretation seitens des Rates m o a if i z i e r e n und geeignete Maßnahmen ergreifen werde. Ich bin überzeugt, daß der Präsident des Senates des Freistaates Danzig diese seine Erklärung an den Rat heute wird bekräftigen wollen. Eden wies insbesondere auch auf die Verletzungen der Pressefreiheit durch die Danziger Behörden hin und forderte Remedur. Der polnische Außenminister Oberst Jo-| eef Beck stimmte den Ausführungen Edens die Meinung des Völkrrbundrates zu eigen zu machen. Der französische Premier und Außenminister L a v a 1 legte besonderen Nachdruck auf die Tatsache, daß die Danziger Verfass ung unter der Garantie desVölkerbundesstehe. Der Völkerbund, sagte er, habe d i e Pflicht, darauf zu sehen, daß seine Garantie wirksam sei. Der Präsident des Senates habe im Mai eine Erklärung in diesem Sinne gemacht; er, Lava!, sei überzeugt, daß der Senat diese Erklärung respektieren wird. Die Erklärung des Hochkommissärs Lester unterstrich die Tatsache, daß kürzlich über 40 Prozent der Wähler im Danziger Freistaat sich gegen die nationalzosiaiistische Politik erklärt hatten. Diese 40 Prozent sind es, deren Rechte am häufigsten angegriffen werden, und die einen Ausweg darin sehen, an den Völkerbund zu appellieren. Der Hochkommissar habe vor kurzem wieder Petitionen von der katholischen Zentrumspartei, den Sozialdemokraten, den Deutschnationalen und der an Zahl kleinen jüdischen Gemeinde über Verletzungen der Danziger Verfassung erhalten. Die so notwendige Kooperation zwischen Senat und Hochkommiss^fliat habe „in den letzten Monaten viel zu wünschen übrig gelassen“. Hochkommissar Lester appellierte an den Senatspräsidenten Greiser und an dessen Kollegen im Senat, Garantien dafür zu schaffen, daß die Verfassung nicht nur dem Buchstaben, sondern auch dem Geiste gemäß angewendet werde. Die Erklärung des zu diesem Teil der Ratstagung geladenen Präsidenten des Danziger Senats, Greiser, fiel matt aus. Greiser versuchte, das Vorgehen des Senats zu rechtfertigen, meinte, die' Petitionäre täten am beeten, statt mit ihren Klagen zu den Konsuln zu gehen, sich direkt mit den Behörden ins Einvernehmen zu setzen, und erklärte schließlich, der S enat w er de in Zukunft die Bestimmungen der Verfassung einhalten. Der Völkerbundrat hat in einer Entschließung die Ausführungen und Empfehlungen des Berichterstatters Eden, beziehunga- Ruhige Stimmung in Palästina Tel-Aviv (Palnews). Die Depositenabhebungen bei den Banken sind in der vergangenen Woche vollständig zum Stillstand gekommen. Inzwischen finden bereits Wiedrrin/.ahlungen abgehobener Depositen statt. Nach Klärung der Lage im italienisch-a beninischen Konflikt dürfte damit zu rechnen sein, daß die abgehobenen Beträge in vollem Umfang an die Banken znrückfließen. Die plötzlieh >n noporitenahhebungen in der ersten Septemberwoche dürften auch zur Folge haben, daß die Vorfinanzierung des Bedarfes durch Wechsel gewisse Einschränkungen erfahren wird, da die Banken das Bestreben verfolgen, sieh außerordentlich liquid zu halten und zum Teil auch gewisse Depositenverluste durch Einschränkung der Wechseldiskontierung aus¬ Cafe Continental an der Sdiwedenbrikke vollständig renoviert zu und empfahl dem Danziger Senat, sieh | weise des . Juristenaussehuses angenommen. DANDY Telephon U 38-0-82, B 37-4-81. FÜR DIE FEIERTAGE: PUTZT, FÄRBT, BÜGELT Abholen und Zustellen gratis. Auch die Saarverträge gebrochen »Dr. Krüger-Heim« Zentralanstalt für Mädchenerziehung und Fortbildung Telephon A 48-0-77 Wien, li., Mafzgaese 7 Volks- und Hauptschule für Mädchen / Dreijährige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe / Zweijährige Fachschule für Kleidcrmachen und Wäscbewarenerzeugung!;etb Jacob Religions - Lehrerinnen - Seminar Zweijährige Kimlorgärtrierinnen-Bildmigsanstalt Einjähriger praktischer Fortbildungskurs für Maluratitinnen! Prospekt auf Wunsch / Internat Streng religiöser Haushalt Eine Reihe deutscher Emigrantenorganisationen und in der Emigration lebender Persönlichkeiten, wie Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Rudolf Breitscheid, Wilhelm Koenen und Kurt Rosenfeld, haben dem Völkerbund rat zwei Memoranden eingesandt, das eine über den Bruch des von der deutschen Regierung am 5. Dezember 1934 untorschriebenen Abkommens betreffend das Saargebiet, das andere über die Verletzungen der Verfassung durch die Nationalsozialisten auf dem Gebiet der Freisfcadt Danzig. Das Memorandum über das Saargebiet enthält auch einen Hinweis auf die Behandlung der Juden. Das von der deutschen Regierung am 6. Dezember Unterzeichnete Abkommen garantierte (für die Zeit eines Jahres, das heißt bis zum Frühjahr 1930) die Aufrechterhaltung der Gleichberechtigung aller Bürger in der Saar ohne Unterschied ihrer Rasse, Sprache oder Religion. Diese Bestimmung wird von der deutschen Regierung nicht eingehaiton. Das Memorandum führt als Beispiel den Fall eines saarländischen Juden namens Erich Oppenheimer, Kaufmann, an, der wegen „R a s s e n s c h a n d e“ verhaftet, mit gebundenen Händen und Füßen unter Begleitung von S p r e c h c h ö r e n der Nazi durch die Straßen geschleift und schließlich Ins Gefängnis ge- .wor.fen wurde, -— -■ Dreißig jüdische Badeude, darunter der Kaufmann Kahn aus Saarbrücken, wurden gezwungen, das Gemeindebad von Deutschmühlen zu verlassen, weil b 1 o Juden seien. Die jüdischen Geschäfte werden boykottiert, dort cintretende Kunden photographie r t, der Eingang zu den Geschäften mit beleidigenden Aufschriften versehen. In der Stadt Saarbrücken worden antisemitische Umzüge veranstaltet. Juden, die angegriffen werden und sich zur Wehr setzen wollen, werden sofort verhaftet, ohne daß man IHR HEIM sich mit wonitf Geld eleaant und gemütlich liorzurichten, bietet Ihnen Woltxncr, VI., MarlahllferstraBe 105, IV., Wisdner HauptstraB# 10. J. 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Die Einschränkung des Wechsel- Umlaufes dürfte nicht zuletzt auch zur Konsolidierung der gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes beitragen und eine Vorbeugungsmaßnahme gegen Konjunkturriicksohläge darstellen. Bezüglich der Nachrichten, daß die sepliardischen Juden von der Unruhe und Nervosität in erster Linie mitorgriffen wurden, teilt Herr Recauati, der Leiter der Palestine Discount Bank Ltd., deren Kunden hauptsächlich sephardische Juden sind, mit, daß bei ihr keine Tendenz zu einer Abhebungsbewegung zu bemerken war. Confe Grande die besten P/ätze beim ReisebUro City Dr. I. H. Körner Wien, I., Kohlmarkt S U 26-4-29 Atlein-Vertretung für Österreich der Weltorganisation Palestine Express Ltd. Agenturen im Nahen Osten: Palestine ft Egypt Lloyd Ltd. Jerusalem, Haifa, Tel-Aviv, Kairo, Alexandrien, Port Said, Beyrouth, Damaskus, Bagdad, Teheran Deritalienlsdi-abesslnlscheKonfllkt und die Palästina-Wirtschaft Tel-Aviv, 24. September (2. T. A.) Im Hinblick auf die Gefahr, daß infolge des italienisch-abessmischen Konflikts die Wirtschaft des Orients gestört und die wirtschaftlichen Verbindungen Palästinas gehemmt werden könntuu, hat eine soeben in Tel-Aviv äbgöhaltene Konferenz der palästinensischen Bankiers, Industriellen und Leiter wirtschaftlicher Unternehmungen koordinierte Maßnahmen zum Schutze der palästinensischen Wirtschaft beschlossen. Die Konferenz wurde vom stellvertretenden Bürgermeister von Tel-Aviv I. Rokcach geleitet. Die Teilnehmer gaben ihrer Meinung Ausdruck, daß Palästina nicht weiter durch Entwicklungen im italieuisch-abessinischen Streit betroffen werden würde. Mit Genugtuung wurde fest* erteilt, daß die anfängliche Kriogispanik, die Nahruugsmittelhamstoruugen und Bank-* abltobungen durch Versicherungen der Re- •’ierungBvertreter und durch die Haltung der Presse gedämpft wurden. Beruhigend wirkte auch die Mitteilung, daß b e i II a i f a keine englischen Flottenmanöver stattflndeu würden. (In Palästina waren Gerüchte verbreitet, daß falls England den Suez-Kanal sperrt, Mussolini einen Weg zum Roten Meer und zu Afrika über Palästina suchen würde.) Zwei jüdische Senatoren in Polen Warschau, 24. September. Die heutige Ausgabe des „Hajnt“ meldet, daß unter den vom Reichspräsidenten nominierten 32 Mitgliedern des polnischen Senates auch zweiJudou zu Senatoren ornannt wurden*. Es sind dies Prof. Dr. Mch sos S c h o r r und der Kaufmann Jakob T r o c k o n h e i m. Prof. Schorr ist Obew rabbiner von Warschau, währeud Jakob T r o c k e n h o i m der Agudah angehört. Unter den nominierten Senatoren befindet sich auch Erwin Hasb^ch als .Vertreter der Deutschen. — :