Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 486 (24.9.1935)
- Date
- 1935-09-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054241--5338-3061063- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
8«It« 4 Ott STIMM* Nr. 486 — 24. September 1935 IHR HEIM sich mit wenig Geld elegant und gemflttich herzurichten, bietet Ihnen Weltzner, VI., MariahilferstraBs 105, IV., Wladner HaaptstraB« 10. J. Bouclö-Teppich, 2X8 groß S 39'— Velours- und Asminster-Teppiche S 78'—, Netzatoffe S 1158, Indanthrenstoffe ab S 1*9S, Seidensteppdecke 8 12*80, Stores, Handarbeit S 4*80 bis S 12*—, Doppelbettdecke S 12-— bis 24,*—, Laofteppiche, ind. Bouclö. p. M. S 3*90, Bettvorleger S 3*70 usw. FEHLERHAFTE TEPPICHE Velours 3X4 grofl S 60 —.echter Smyrna, 350X450 S180*-f echter Perser ab S25-—u. SS8-—,Banyai-Teppiche billigst wiesen wurden, jüdische Gäste wieder offiziell zum Besuch eingeladen und ihnen Sicherheit garantiert. In Kreuzburg marschierte die gesamte Hitler-Jugend unter Absingen antijüdischer Lieder in mehrstündiger Demonstration durch die Straßen. Plakate mit der Aufschrift „Wir wollen keine Juden hier“, wurden vorangetragen. Die jüdischen Einwohner hielten sich in den Wohnungen verborgen. Die Restaurants bängten Zettel heraus: „Juden unerwünscht!“ In Mainz kam es zu einem regelrechten 'Angriff von SA-Leuten und anderen auf mehrere Cafes, die von Juden besucht werden. Es wurde „Nieder mit den Juden!“, „Juden raus“ gerufen. Die Juden verließen panikartig die Caf£s. Die Mainzer Presse fordert die Cafebesitzer auf, Schilder anzubringen, daß den Juden der Eintritt verboten ist. Laut „Heidelberger Tageblatt“ haben die Bürgermeister zahlreicher Orte Badens den städtischen Beamten zur Kenntnis gebracht, daß sie fristlos entlassen werden, fall sie Juden in Schutz nehmen. Den Juden wurde das Betreten der öffentlichen Märkte verboten. Aus mehreren Städten Thüringens wird gemeldet, daß den Juden behördlich verboten wurde, die Kinos zubesuchen. Die Ausschließung aus der Wirtschaft Berlin, 20. September. Ein Aufsatz im Handelblatt der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ bespricht unter der Überschrift „Nürnberg und die Wirtschaft“ die Ergebnisse des Nürnberger Parteitages der NSDAP in wirtschaftspolitisoher Hinsicht. „DerFührer hat den unbedingten Willen der Partei bekundet, keinerlei Zugeständnisse an die „wirtschaftliche Vernunft“ liberalen Angedenkens zu gewähren. Das gilt vor allem für die Judenfrage, wenn auch ihre wirtschaftliche Seite keine gesetzliche, besondere Regelung erfahren hat. Die deutsche Wirtschaft weiß jetzt und muß sich bei ihrer weiteren Arbeit stets bewußt sein, daß sie ihre Aufgabe unter den Vorau Setzungen zu lösen hat, die für dies Gebiet durch den Nürnberger Parteitag geschaffen worden sind. Wirtschaftliche Übergangsschwierigkeiten, die dadurch entstehen, müssen in Kauf genommen werden, ohne daß sie den Wirtschaftswillen und Wirtschaftserfolg beeinträchtigen dürfen.“ JudentUten Der Vorstand der Jüdischen Religionsgemeinde in Dortmund veröffentlicht im dortigen Gemeindeblatt eine Anzeige, wonach er von amtlicher Stelle aufgefordert worden ist, ein genaues Verzeichnis aller in Dortmund wohnenden Juden einzureichen. Die Gemeindemitglieder werden ersucht, die erforderlichen Angaben für sich und ihre Familienangehörigen unverzüglich zu machen. InternationaleReselungdesFlüchtlingswesensgefordert 2 Min. vom Ring zwei elegante Zimmer, Bad, Telephon, Klavier an 1 - 2 Herren zu vermieten. Besichtigung von 13 -18 Uhr, III., Bechardgasse 21/12a Verlautbarung der Reichs* Vertretung der deutschen Juden Berlin, 19. September. Die Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Die Reichsvertretung als die verantwortliche Führung des Judentums in Deutschland hat auf Grundlage der neuen Reichsgesetze Maßnahmen in die Wege geleitet, die für eine planvolle Gestaltung jüdischen Lebens von entscheidender Bedeutung sein werden. Die Reichsvertretung wird ihre Pläne nach Fühlungnahme, mit den berufenen Stellen MmafcglMp Genf, 19. September. Im Rahmen des Empfanges einer Delegation der Internationalen FrauenligafiirFrieden und Freiheit und des Weltkomitees der Frauen gegen Krieg und Faschismus durch den Vorsitzenden der Völkerbundversammlung und Außenminister der Tschechoslowakei Dr. Eduard B en e s c h hat Frau Marie Schmolka, Mitglied des Beratungskörpers des Kommissariats für Flüchtlinge aus Deutschland, dem Völkerbundvorsitzenden die Fordeningen der privaten Flüchtlingsfürsorge an den Völkerbund vorgetragen. Frau Schmolka führte aus: Deutschland hat Menschen unter Vorwänden ausgewiesen, die nicht nur gegen die Gesetze der Menschlichkeit, sondern auch gegen alle internationalen Konventionen verstoßen. Die Immigrationeiänder vermeiden es, wegen individueller Fälle zu intervenieren, und wir glauben, daß die deutsche Regierung gemäßigter Vorgehen wird, wenn diese Einzelfälle vor ein internationales Forum kommen. Es war bisher nicht möglich, eine einheitliche Praxis in den Fragen des Asylrechtes und den Paßfragen in den verschiedenen Ländern der Immigration zu erzielen, und wir sind überzeugt, daß nur die Autorität des Völkerbundes bewirken kann, daß eine einmal angenommene Konvention auch eingehalten wird. Die Emigranten, die in die Nachbarländer Deutschlands fliehen, können weder arbeiten noch in ein anderes Land emigrieren, da sie kein Visum erhalten. Es gibt keine privaten Geldquellen mehr, um ihnen an Ort und Stelle zu helfen, noch sie in überseeische Länder zu bringen, wo sie das Recht auf Arbeit finden würden. Die Emigration wächst und die Länder, die den Emigranten Asyl gewähren, sehen keinen anderen Ausweg als den, sie aus geringfügigsten Gründen auszuweisen. Da die Ausgewiesenen in kein Nachbarland eingelassen werden, kehren sde zurück und halten sich verborgen. So wird nur die legale Einwanderung in eine illegale umgewandelt. für diese Emigration sollten von jenen Ländern zur Verfügung gestellt werden, die keine Emigranten haben, während die Länder, die Emigranten beherbergen, ihre sozialen Institutionen jenen Emigranten öffnen sollten, die sich für eine Emigration in überseeische Länder nicht eignen. Die Hilfsorganisationen, die bis jetzt für die Emigranten gesorgt haben, sollten a 1 s B e r a t u n g ß k ö r p e r s c h a f t der neuen Institution des Völkerd e s affiliiert werden. In jedem Immigrationslande sollte diese Institution des Völkerbundes einen Repräsentanten haben, einen Staatsangehörigen des betreffenden Landes, welcher der objektive Vermittler zwischen dieser Institution, der Regierung und den Emigranten wäre. Den in der Emigration geborenen Kindern sollte die Staatsangehörigkeit des Landes ihrer Geburt gewährt werden. Denjenigen, die das 14. Lebensjahr erreichen, sollte Arbeitsbewilligung gewährt werden, damit sie ein Gewerbe erlernen können. Wir hoffen auf Ihre Hilfe zur Erlangung dieser Ziele. Minister Dr. B e n e s c h sagte unter anderem: Wir leben in einer Zeit innerer Revolutionen. Solche Revolutionen haben seit dem Altertum politische Emigranten gezeitigt. Ich habe meinen Delegierten die Weisung gegeben, für das norwegische Projekt zu stimmen. Ich will nicht die Schwierigkeit dieses Problems verschweigen, die darin besteht, für die Delegierten der Nationen, die hier sind und verschiedene Regierungssysteme vertreten, eine Zu den Hohen Feiertagen njtt? rnyKI nach Polen billigst und bequem mit D-Zug, numerierte Sitze. Sichern Sie sich rechtzeitig einen guten Platz. Abreisen: fi2.r 25., 26. September. Rückfahrten: 9., 21. Oktober. Reisebüro „In die Welt" (Dr. S. Tocker), IX., Lieditenstälnstr. 2, Tel. A 14-504 T>ratetikcLnt aus gutem Hause wird mit Anfangsgehalt für Lederwarengeschäft sofort aufgenommen. Wolf Wagschal, VIII., Alserstraße 59 Telephon: A 20-6-36 gemeinsame Verständigung zu finden. Ich begrüße die Gründung der zentralen Organisation, nicht weil iöh wünsche, daß die Last auf andere Länder übertragen werde. sondern weil ich eine Lösung auf dem I Die einzige Lösung, die wir in diesem internationalen Forum immer be- Moment sehen, ist die Kolonisation in übergrüße, wodurch Differenzen zwischen einseeischen Ländern. Die nötigen Fonds) zelnen Staaten vermieden werden. Keine SpitaUhiife Der Gemeinderafc von Schott Hessen beschloß, daß Juden in den städtischen Krankenhäusern keine Aufnahme finden. Drohung der SS, Berlin, 19. September. Das Blatt der obersten SS.-Führung „D a chwarzeKorps“ schreibt: Der Führer hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß wenn die jüdische Boykottropaganda im Auslande jetzt wieder gegen das nationalsozialistische Deutschland zu arbeiten beginnt, er sich nicht scheuen wird, weit schärfere Maßnahmen zu ergreifen. Diese Worte sollten sich die Juden als Warnung dienen lassen. Synagoge verwüstet, Thorarollen auf die Gasse geschleppt Das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz“ erfährt aus Nieder-Ohmen Oberhessen über Frankfurt: „Als man morgens in die Synagoge gehen wollte, erlebte man buchstäblich Chorban Mikdoscheinu (Verwüstung unseres Heiligtums). Wie Barbaren hat man in der vergangenen Nacht in der Synagoge gehaust: die Thorarollen auf die Gasse ge schleppt usw. Vor Schmerz vermag man nicht alles niederzuschreiben. Es wird eine jüdische Familie mehr ortbleiben können. Die alte, echt jüdische Kehilla hat zu bestehen aufgehört.“ Die Pastoren für Streicher Berlin, 23. September. In letzter Zeit haben wiederholt evangelische Pfarrer und Gemeinder c h e n r ä t e, die der deutsch-christlichen Richtung angehören, ihre Hilfe filr die Verbreitung des „Stürmers“! gewährt. k i r c h e in Berlin hat auf Antrag des deutsch-christlichen Pfarrers Sawade die folgende Verfügung getroffen: „Der Gemeindekirchenrat hat beschlossen, dem Antrag der NSDAP., Ortsgruppe Mariannenplatz, einen ,Sttirmer‘-Kasten an einem kirchlichen Gebäude anbringen zu dürfen, zu zustimme n.“ In der Gemeinde Jever in Oldenburg hat sogar ein evangelischer Pfarrer den am Gemeindehaus aufgestellten „Stürmer- Kasten gesegnet. Ein „arisches** Gurkensyndikat in Znaim Aus Znaim wird der „Bohemia“ geschrieben: Die Marktpreisbildung am Znairner Markt ist der heutigen Krisenzeit nicht mehr entsprechend. Die Gurkenpreisbildung, so wie sie derzeit gehandhabt wird, entspricht nicht mehr. Das in Aussicht genommene Gurken-Zwangssyndikat unter arischer Führung hat die Rayonierung des Gurkenanbaugebietes festzulegen und den Markenschutz von den kompetenten Regierungsstellen zu fordern. Die Vorarbeiten für die Schaffung des Gurkenzwangssyndikats sind bereits im Gange. Schon vor dem Krieg hat es solche Bestrebungen in Znaim gegeben. Der seinerzeitige deutschradikale Abgeordnete Oskar Teufel hat sich als erster arischer Gurkenhändler bezeichnet. Wenn das arische Syndikat zustande kommt, wird man einfach die Znaimer Gurken ablehnen. Eine jüdische Massenkundgebung in Amsterdam Amsterdam, 22. September. Der vom Komitee für besondere jüdische Interessen im Apollo-Saal zu Amsterdam veranstalteten Kundgebung gegen die Nürnberger Judengesetze wohnten weit mehr a 1 s 6000 Juden und Nichtjuden bei, während tausende wegen Platzmangels umkehren mußten. Der Präsident des veranstaltenden Komitees und der Aschkenasischen Gemeinde Hollands A. Asscher und der interimistische Oberrabbiner von Amsterdam L. H. S a r 1 o u s sprachen von den ewigem Werten des Judentums, die durch einen Streicher oder Rosenberg nicht herabgewürdigt werden können. Der christliche Geistliche und Theologieprofessor an der Universität Amsterdam Dr. A. H. d e II a r t o g h führte aus, Israel sei ein Gottesvolk; er beendete seine Ansprache mit den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Worten: „Heil Israel!“ Der katholische Geistliche Drost aus Rotterdam erklärte: „Wir Christen spüren das Böse, das den Juden angetan wird, als wäre es uns selbst zugefügt.“ Der protestantische Geistliche! J. J. Buskes erklärte, der Gott, in dessen Namen Goering spricht, sein ein Popanz, der nichts zu tun hat mit dem Gotte Abra-i hams, Isaaks und Jaakobs. Der VizepräsL dent des Obersten Gerichts im Haag, Dr. L. E. V i s s e r, erklärte, die Nürnberger Gesetze seien, keine Gesetze, sondern mir eine Kodifizierung des Hasses. Nach einer Ansprache von Prof. Doktor D. Cohen wurde eine Resolution gefaßt, in der an alle Völker appelliert wird, das Unrecht, welches in Deutschland einer, wehrlosen Minderheit zugefügt wird, wieder, gutzumachen. Sympathiekundgebungen von der Gemeinde der Juden Niedeirländisch-Os tindiens, von der liberalen Staatspartei und der sozialdemokratischen Partei wurden verlesen. In Budapest wieder Taufen Aus Budapest wird uns geschrieben: Die beiden Söhne des verstorbenen Staatssekretärs Leopold V a d a s z, der auch im jüdischen Leben eine führende Rolle spielte, nämlich der Advokat Dr. Adalbert V adasz und der frühere Chefarzt des jüdischen Spitals Dr. Paul V a d a s z, sind zum Christentum übergetreten. Auch der Chefredakteur vou „Az Est“, der bekannten I Boulevardzeitung Ungarns, Emerich S a 1 u- Dtt GßWfilfldfiWtoheftrai des hat die Taute genomuw WlZO-Welthonferenz in Budapest, Budapest, 20. September. Die Mitglieder des Organisations- und Propagandaausschusses des Weltverbandes zionistischer Frauen (Womens International Zionist Organisation — WIZO) halten der-; zeit in Budapest eine Tagung ab. Außer der Präsidentin der Exekutive, Frau Romana Goodman (London), sind in Budapest eingei troffen: Marie A p t e (Krakau), Ethel H a y-i mann (Südafrika), Dr. Sophie Löwen-; herz (Wien), Dr. Salomea L e w i t e (War*; schau), Selma M. M a r g u 1 i e s (Bukarest), Pollak van Cie eff (Tillburg, Holland), Frau Dr. Desider Roth (Temesvar), Lunka Reiter (Temesvar), Dr. Mirjam Scheuer-* Goldes (Teplitz - Schönau), Marianne S c h a p i r a (Bukarest), Prof. Hanna S t e i<* nor (Prag) und Rosa Steindler (Bel-; grad). Bei den Beratungen führt Oberregie-i rungsrat Dr. Ignaz Friedmann, Präsw dentin der WIZO-Sektion Ungarns, den' Vorsitz. Hebräische Universität gegen Ab• Haltung des Entomologen- Kongresses in Berlin Madrid, 19. September. Auf dem gegenwärtig in Madrid abgeh/altenen Zweiten Internationalen Kongreß der Entomologen wurde der Antrag eingebracht, den nächsten Internationalen Entomologen-Kongreß 1938 in Berlin aibzuhalten. Der Vertreter der Hebräischen Universität in Jerusalem Professor B o« denheimor sprach sich sehr scharf gegen diesen Antrag aus und erklärte, kein jüdischer, Gelehrter werde sich an einem in Deutschland abgehaltonen Kongreß beteiligen. Ungeachtet dieses Protestes stimmte die Mehrheit des Kongresses tili Berlin«