Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 486 (24.9.1935)
- Date
- 1935-09-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 486 — 24. September 198r Dtl STIMM« 8e!fd 3 a Fünf neue Judengesetxe in Vorbereitung Zehn Juden im Kreis Hannover ermordet Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur aus maßgebenden Kreisen in Berlin erfährt, bereitet die nationalsozialistische Regierung fünf neue Gesetze vor, die auf eine weitere Isolierung der Juden und ihre wirtschaftliche Einschnürung abzielen. Das Vermögen der Juden soll ganz unter Kontrolle gestellt werden. Die Gesetze sehen vor: 1. Einsetzung eines Regierungskommissars zur Kontrolle und Mitverwaltung aller jetzt in jüdischen Händen befindlichen Wohnhäuser und Grundstücke. 2. Verpflichtung der Banken, den Behörden in jedem Fall, wo ein jüdischer Depositeninhaber einen Betrag von 1500 Mark aufwärts abhebt, Mitteilung zu machen. 3. Verbot an die jüdischen Ärzte, die noch eine Privatpraxis ausüben dürfen, unverheiratete Arierinnen zu behandeln; 4. ein jüdischer Arzt wird eine verheiratete Arierin nur dann ärztlich behandeln dürfen, wenn die Patientin eine schriftliche Bestätigung ihres Ehemannes vorlegt, daß dieser nichts nnaii im Feiertage Mode-Hüte.S 9*80, 18*50 Aus Haarfilz.S 16'— Borsallno, Antica Casa . . . S 38*— Hiickels Veloursu. Filzhut-Spez. stets lagernd II., Taborslraße Nr. 39 XIV., Sechshauserstraße Nr. 39 XVII., Kalvarienberggasse Nr. 34 gegen die Behandlung seiner Frau durch einen jüdischen Arzt einzuwenden habe. (Diese Bestimmung bezweckt offenbar auch, die Feststellung und Verfolgung jener Deutschen zu erleichtern, die noch jüdische Dienste in Anspruch nehmen, d. Red.); 5. den jüdischen Anwälten, die auf Grund der Ausnahmeklausel des Arierparagraphen als ehemalige Frontkämpfer noch zur Praxis zugelassen sind, soll das Betreten der Gerichte überhaupt verboten werden; die von ihnen bearbeiteten Fälle sollen bei Gericht einzig durch arische Anwälte vertreten werden dürfen; solche arische Rechtsvertreter werden aber nicht vom jüdischen Rechtsanwalt, sondern vom Gericht bestellt. Aushungerung der Juden Die Verkündung der Judengesetze in Nürnberg wird — obwohl sie von Mahnungen begleitet war, nunmehr Einzelaktionen gegen Juden zu unterlassen — von den nationalsozialistischen Kreisen in der Provinz, auch in den größeren Städten, so KAUFT SCHULBÜCHER IM ANTIQUARIAT HERMANN lUCHNER WIEN, II., ECKE TABORSTRASSE 53 MITTEL-, HAUPT- U. VOLKSSCHULBUCHER NEU UND ALT IN GRÖSSTER AUSWAHL, SPESENFREIE ZUSENDUNG BILLIGSTE PREISE FÜR AUSKÜNFTE: TELEPHON R 41-4-20 aufgefaßt, daß der Jude nunmehr vogelfrei ist und daß man ihn ungestraft terrorisieren darf. Aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands treffen Nachrichten über neue Terroraktionen gegen den jüdischen Bevölkerungsteil ein. Namentlich dehnt sich die Aktion zur A u sh ungerung der Juden in einem Maße aus, das zu tiefer Beunruhigung Anlaß gibt. Hand in Hand mit der steigenden Boykottierung der jüdischen Geschäfte mehren sich die Fälle, wo den jüdischen Familien auch die notwendigsten Lebensmittel nicht verkauft werden. Aus Meldungen der nationalsozialistischen Zeitungen geht hervor, daß bereits in mehr als vierzig Städten sämtliche Lebensmittelgeschäfte xfiö &et M. daraufhin kontrolliert werden, ob sie Lebensmittel an Juden verkaufen. Die Zahl solcher Städte ist aber weit größer. Oft ist die jüdische Bevölkerung dieser Städte in einer nicht zu schildernden verzweifelten Lage, da eine Aktion, sich mit Lebensmitteln aus anderen Distrikten zu versorgen, leicht als „Greuel- Propaganda“ ausgelegt werden könne, auf der schwere Strafe steht. Berliner jüdische Kreise, die von der Not solcher jüdischer Familien aus der Provinz durch Nichtjuden erfuhren, haben begonnen, Lebensmittelpakete an die Notleidenden zu senden. Aber auch in Berlin selbst macht sich bereits der L ebensmittelboykott spürbar; jüdische Lebensmittelgeschäfte der Reichshauptstadt begegnen beim Wareneinkauf immer größeren Schwierigkeiten. Der „Völkische Beobachter“ teilt mit, daß in einer Reihe von Städten, so u. a. in Koblenz, zahlreiche jüdische Kaufhäuser, darunter altbewährte Firmen, wegen „unsanitärer Verhältnisse“ geschlossen wurden. In Schweinfurth wurden an den Stadteinfahrten Schilder angebracht: „Bauern, hütet euch vor den Juden!“ In unter freiem Himmel abgehaltenen Massenkundgebungen wurde den Bauern verkündet, daß derjenige, der mit Juden Handel treibt, als Verräter am Volk“ gebrandmarkt werden würde. Der Magistrat der Stadt Rothemann nahm einen Beschluß an, wonach Deutsche, die mit Juden Handel treiben, als aus der Gemeinde ausgeschlossen zu behandeln sind. Der „Neuen Weltbühne“ wird aus Hannover berichtet, daß In der Umgebung der Stadt SA im Bunde mit Jugendlichen planmäßig die Dörfer überfällt und regelrechte Pogrome inszeniert. Die jüdischen Wohnungen werden gestürmt, man schlägt alles kurz und klein; die Juden — Männer, Frauen und Kinder — werden aufs furchtbarste mißhandelt. Uberwachungskommandos bleiben zurück, um aufzupassen, daß die Bevölkerung ihnen später keine Hilfe gewährt; kein Arzt darf kommen, und niemand darf darüber sprechen, was passiert ist. Nach den Mitteilungen der Juden, denen es gelang, nach Hannover zu entkommen, steht bisher fest, daß mindestens zehn überfallene entweder sofort totgeschlagen wurden oder an den Folgen später starben. Hitlers erträgliches Verhältnis Aus verschiedenen Gegenden Deutschlands eintreffende Nachrichten lassen erkennen, daß die Verkündung der Judengesetze in Nürnberg keineswegs als ein Signal zur Beendigung von Terror und Einzelaktionen gegen die Juden, sondern im Gegenteil als ein Signal für neue solche Aktionen aufgefaßt wird. Im besonderen nimmt der Rassenschandewahn ungeheuerliche Formen an. Die „Frankfurter Zeitung“ gibt die Mit¬ Boykott gegen Deutschland In Kanada London, 19. September. Nach einer Meldung aus Halifax (Neusohottland) hat der Kanadische Kongreß der Arbeiterpartei mit einer gewaltigen Mehrheit den vollständigen Boykott aller deutschen Waren, die nach Kanada eingeführt werden, beschlossen. Eine zweite Entschließung lautet dahin, daß kein kanadischer Sportler an den Olympischen Spielen in Berlin teilnehmen darf. Vollständiger Boykott deutscher Waren ln Holland Die Direktion der wichtigsten holländischen Konfektionshäuser beschlossen einmütig, im Hinblick auf die letzten antijüdischen Gesetze in Deutschland einen strengen Boykott aller aus Deutschland stammenden Waren durchzuführen. Eine Sonderkommission wird mit den übrigen holländischen Industrie- und Handelszweigen Verhandlungen auf nehmen, damit der Boykott deutscher Waren in Holland ein vollständiger werde. Filmboykott ln Ungarn Budapest, 19. September. Da die deutsche Reichsfilmkammer auch einen zweiten ungarischen Film unter Berufung auf den Arierparagraphen nicht zulassen will, hat in der ungarischen Filmibranche eine Bewegung eingesetzt, den deutschen Film zu boykottieren. Es wird darauf hingewiesen, daß die ungarischen Fiknunternehmungen an die deutsche Filmindustrie im Vorjahre 1.7 Millionen Pengö gezahlt haben. (In Österreich aber fügen sich die Herren Filmproduzenten nach wie vor dem Diktat des Göbbelschen Propagandaminißteriums.) Die Olympiade New York, 19. September. In Amerika hat sieb ein Komitee gebildet, welches sich das Ziel gesetzt hat, die Sportorganisationen dafür zu gewinnen, daß die Olympiade 1936 von Berlin in ein anderes Land verlegt wird. Das Komitee, dem u. a. die Abgeordneten des amerikanischen Kongresses Emanue! C e 11 e r und Vito Marcant o n i o angehören, hat die folgende Erklärung veröffentlicht: „Auf die amtlichen Äußerungen von Hitler selbst hin, geben wir unserer unbegrenzten Opposition sowohl gegen die Abhaltung der Olympiade als auch gegen die Beteiligung der Amerikaner an einer Olympiade unter Nazi-Auspizien Ausdruck.“ Der Transfer Jerusalem, 20. September. Auf einer gemeinsamen Sitzung des Waad Leumi (Exekutive der jüdischen Gemeinschaft Palästinas Knesset Jisrael) und des Komitees zur Überwachung des Boykotts wurde die Frage des Transfer- Abkommens Deutschland—Palästina im Lichte der Nürnberger „Judengesetze“ behandelt. Als Resultat der Diskussion erklärte der Waad Leumi, daß er seine Vertreter, ans der „Haawarah“- Kommission (Kommission für Überführung von Vermögens teilen deutscher Juden in Form von Waren nach Palästina und dem Orient) zurückziehe. Rumänien kann nicht mit Deutschland Zusammengehen Bukarest, 19. September. Der Führer der NationalenBauernpartei (National-Zaranisten), der ehemalige Minister Costaohescu, hat auf einer Kundgebung der Partei in Jassy die folgende Erklärung abgegeben: „Das Programm der radikalen Rechtsparteien hat einen gemeinsamen Punkt: den Antisemitismus. Die Nationale Bauernpartei ist entschieden gegen jeden konfessionellen Kampf, denn ein solcher Kampf ist nur eine Nachahmung des Hitlertums. Die radikalen Rechtsparteien wollen durch ihren Antisemitismus Rumänien Deutschland annähern. Diese Parteien haben den Hitlerismus als Parole aufgenommen. Dagegen muß man auf das ent- Bfihdedensta proteetieren, denn n» darf nicht zulassen, daß eine rumänische Partei eine Politik eines Staates, der im Weltkrieg gegen uns war, als Programm übernimmt. Jede Änderung der rumänischen Außenpolitik wäre ein Verbrechen am rumänischen Volk. Niemand, der den Weltkrieg mitgemacht hat, wird jemals etwas derartiges zulassen. Wir haben nicht an unsere Leiden während der deutschen Okkupation vergessen. Sollte es den rumänischen radikalen Rechtsparteien gelingen, sich der Regierung zu bemächtigen, so würde dies eine Änderung der rumänischen Außenpolitik bedeuten. R u m ä n i e n kann aber niemals mit Deutschland Zusammengehen, deshalb ist auch eine Regierung der radikalen Rechtspartei in Bum&nien ausgeschlossen," teilung der Geheimen Staatspolizei in Karlsruhe wieder, wonach in Karlsruhe fünf Juden wegen „rassenschänderischen Verhaltens“ in Schutzhaft genommen und in das Konzentrationslager Kieslau überführt wurden, obwohl die angeblichen Delikte noch vor Erlaß der neuen Gesetze begangen worden sein sollen. In München-Gladbach wurde der 46jährige Glasfabrikant Siegfried Levy wegen angeblicher „Rassenschande“ zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Zweigstellen der NSDAP in den bayerischen Städten haben mit der Anlage von Listen jüdischer Männer und arischer Frauen, die in freundschaftlichen Beziehungen zueinander stehen sollen, begonnen. Seit Verkündung der neuen Gesetze gegen Mischehen finden in ganz Deutschland Verhaftungen von mit Arierinnen verheirateten Juden statt, obwohl sich die Gesetze nicht auf bereits geschlossene Mischehen beziehen. Aus Halle wird gemeldet, daß dort wegen angeblicher Rassenschande 13 Juden und sechs Arierinnen in Haft genommen worden sind. In der Sommerfrische SCHULBÜCHER für Volks-, Haupt- und Mittelschulen, neu und antiquarisch in den vorgeschriebenen Auflagen in der Buchhandlung M. Rath, Wien, II., Taborstraße 20 Ä. Telephon R 45-305 Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher zu höchsten Preisen Liebenzell wurden ein ausländischer Jude und seine arische Gattin, als sie sich als Gäste in einem Hotels anmeldeten, verhaftet. In Mannheim wurden der jüdische Kaufmann , Arthur Heinemann' und eine arische Frau verhaftet. In Franken-; thal, Altsdorf und in zahlreichen anderen Orten wurden Juden und Arierinnen wegen Rassenschande in Haft genommen. Das Gerieht in Magdeburg verurteilte eine Frau Erne Döhring zu 18 Monaten Gefängnis, weil sie, obwohl Arierin, ihre Zustimmung zur Heirat ihrer 19jährigen Tochter mit dem 20jährigen Juden Max Augenracb gegeben hat. Wie die „Main-Fränkische Zeitung“ in Würzburg meldet, hat der Stadtrat von H a ß f u r t beschlossen, in Zukunft alle Geschäftsleute, die noch mit Juden in Verbindung stehen, von jeder städtischen Liefe-; rung auszuschließen. Unterstützungsbedürfj tige, die mit Juden verkehren, werden vom Winterhilfswerk ausgeschlossen. Den Juden wurde das Baden an allen öffentlichen Badeplätzen veiv Sraubcn.Srinffur ®ie äöeinlcfe Ijat Begonnen — mit bringen nun toicber täglid) frifd) aus beut SBcingcreten SrauBcuntoft für Äur» ätoccfc. — fNüfecn 6ic bie £11040 jur Bluternfftifdjcnbert 2raubcn»2;rtnl£ur — biefe hmnbernnrfcnbe §crb|Kftut — ift burd) nichts 51t eiferen. — ©ic toirft öerfüngenb auf ben gaujeu Organismus — Bcforgt eine Bollfomntene innere Steinigung — uub befeitigt fo bie ©runburfndjen Bott Ärauftjeitcn uttb Borjcitigeu SUternS. — 5ßott ber einfachen SüerbauungSftörung — Bis 4« ben Ijartnäcfigffen Sciben Bortfiifjrt biefe ciiijigartigc .fjeillur ftänbig iffinnber. SProfftcfte über Srauben-Srinffnr mit ©ebraudjSanlcitung liegen in allen ^Betrieben auf. Z E I L I N G E R Sanbftvafte Aaubtft*« 17 3Ravfal>Mfe?gU«fe( 27 3o!mf&<39 SBirtcfelmamtffr. 22 2öaaenftcHtftr.4'’ $ngroS»Slbteüung: dcUigcnftäbtetftr. 33» Sei. B11-0 ' boten; jüdischen Kinder ißt der Besuch der Kinderbe wahr anstatt versagt. In der betreffenden Sitzung wurde beantragt, daß Juden bei den Übungen der Pflichtfeuerwehr gesondert antreten, da man „keinem SA-Mann zumuten könne, mit einem Juden in Reih und Glied zu stehen“. Angeregt wurde ferner, an den Bänken in der Promenade Plakate anzuschlagen mit der Aufschrift: „J uden ist das Benützen der Bank verböte n.“ In Starnberg wurden die Juden zum Verlassen des Kurortes gezwungen, die Hotels dürfen jüdische Gäste nicht mehr auf nehmen. Hingegen hat der Magistrat in Bad H a r m b u r g, von .wo die Mea Mrzlioji ausge*