Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 485 (20.9.1935)
- Date
- 1935-09-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sei!« a er« trtMMf Nr. 485 — 20. September 1035 Der „Verein der Buczaczer" veranstaltet, wie alljährlich, auch heuer anläßlich der Hohen Feiertage einen in den Sälen, Wien, II., Untere AugartenstraOe Nr. 38 Kartenverkauf dortselbst allabendlich von 6—8 h In memoriam Svetozar Marinkovics Die Volksschule der Kultusgemeinde Während in anderen Städten eehon seit Jahren Schulen aller Kategorien von den jüdischen Gemeinden erhalten werden, wie beispielsweise in Budapest, Lemberg, Warschau, hatte. Wien bisher bloß die Talmud-Thora-Sehule und das Chajes-Realgymnasium, beides Anstalten, die von Vereinen erhalten werden. Nunmehr hat der Kultusvorstand beschlossen, ein eigenes Schulwerk zu errichten. Die I. Klasse wurde im Gebäude der Pollak von Rudinschen Stiftung, II.. Oastellezgasse 35, am 16. September eröffnet. Diese Schule wird allen Anforderungen einer modernen Erziehungsanstalt entsprechen. Das Schulzimmer wurde Von Architekt Bonzen so eingerichtet, daß anschließend daran Garderobe und Waschraum sich befinden, so daß die kleinen Kinder während des Winters ohne Mäntel den kalten Gang nicht passieren müssen und trotzdem die Überkleider sich nicht im Unterrichtsraum befinden. Die Fenster der Schulzimmer gehen in den Augarten. Trotzdem die Einschreibung erst zu einem späten Termin bekanntgegeben wurde, sind bisher 33 Kinder in den I. Jahrgang aufgenommen worden. Die Leitung der Schule wurde einem seit vielen Jahren in Graz an der Jüdischen Volksschule wirkenden Lehrer übertragen. Es muß nicht erst gesagt werden, daß durch Bestellung eines tüchtigen Religions- und Hebräischlehrer3 dafür gesorgt ist,- daß die Kinder gut jüdisch erzogen werden. Diese Schule ist keineswegs eine Konkurrenz für die bestehende Vereinsschule „Talmud-Thora“. Schon die Einschreibung hat gezeigt, daß durchwegs Kinder aus anderen Schichten der jüdischen Bevölkerung dieser Schule den Vorzug geben. Der Unterricht beginnt um 9 Uhr früh. Dies entspricht dem vielfachen Wunsch der Eltern und Kinderärzte. Am ersten Schultage wurden sämtliche Kinder bereits ärztlich untersucht, ebenso hat die Jugendfürsorge der Kultusgemeinde die Erhebungen für die besonders bedürftigen Schützlinge bereits angenommen. Es ist zu erwarten, daß diese Schule wirklich zur Musteranstalt eines jüdischen Sehul werk es wird. Die feierliche Eröffnung durch Herrn Oberrabbiner Dr. F e u c h t w a n g wird Mittwoch, den 25. September, stattfinden. Von Dr. Oskar Grünbaum. Aus Belgrad kommt die Nachricht, daß dortder ehemalige Ministerpräsident und Minister des Äußeren Svetozar Marinkovics an einem Lungenleiden gestorben ist. Mit Marinkovics hat das jüdische Volk einen großen Freund verloren und insbesondere die Zionistische Organisation einen warmen Fürsprecher. Marinkovics war im Jahre 1931 Berichterstatter der Mandatskommission im Völker bundrat. Es war die Zeit, da der Konflikt zwischen der Zionistischen Organisation und der englischen Mandatarmacht trotz des inzwischen verlautbarten MacDonald-Briefes noch auf dem Höhepunkt war. Ich fuhr damals im Einvernehmen mit der Zionistischen Exekutive nach Belgrad und wurde dort am 4. April 1931 zusammen mit Dr. David Albala, einem führenden Mitglied der Zionistischen Organisation in Jugoslawien, von Marinkovics empfangen. Marinkovics gab sich bei dieser Unterredung, die annähernd eine Stunde dauerte, mit vollkommener Offenheit. Anfangs betonte er zwar, daß Palästina ein heißer Boden sei und daß die Mandatarmacht und die Mandatskommission des Völkerbundes mit größter Vorsicht zu Werke gehen müssen. Marinkovics verwies insbesondere auf das arabische Problem und auf den notwendigen Schutz der arabischen Interessen. Daraufhin erinnerte ich Marinkovics daran, daß sich vor wenigen Jahren, es war dag im Weltkriege, die serbische Regierung und die Armee infolge der Siege der Mittelmächte geschlagen außerhalb des Landes befunden hätte: „Hat damals die serbische Regierung, oder haben Sie Exzellenz,“ fragte ich, „auch nur einen Moment die Hoffnung aufgegeben, daß die Armee wieder von Serbien Besitz nehmen wird und daß die Souveränität Serbiens über sein Gebiet wieder hergestellfc sein wird?“ In .diesem Moment färbten sich die fahlen Wangen Marinkovics rot und er erwiderte: „Jamais!“ (Niemals). Ich fragte weiter; „Nehmen Sie an, Eure Exzellenz, daß die Großmächte Serbien nicht die volle Souveränität über sein Gebiet zugebilligt hätten. Nehmen wir an, daß Serbien ein Mandatsland geworden wäre und folgen Sie mir weiter in der Hypothese, daß in Serbien Araber wohnen würden. Hätte das serbische Volk es zugelassen, daß die Mandatarmacht unablässige und zähe Arbeit auf allen Gebieten der zionistischen Sache zum Siege zu verhelfen. Mit besonderer Betonung erklärte Marinkovics, daß das serbische Volk die Leiden des jüdischen Volkes verstehe und daß das jüdische Volk im Kampfe um seine Freiheit immer auf die Unterstützung der Serben und der serbischen Regierunj rechnen könne. Er selbst wolle dazu seinen Teil beitragen, um der zionistischen Sache zum Siege zu verhelfen. Er sei auch bereit, für die zionistische Sache in der Völkerbundversammlung das Wort zu ergreifen. Schließlich entließ Marinkovics mich und Dr. Albala mit den besten Wünschen für die Durchsetzung unserer Forderungen auf freie Einwanderung, freien Bodenerwerb und wünschte uns vollen Erfolg im Kampfe gegen die Einführung des Gesetzgebenden Rates. Gerade jetzt, wo die Einführung des Gesetzgebenden Rates droht, wäre uns Marinkovics sicher ein treuer Freund und Helfer gewesen, obwohl er Bich von der aktiven Politik längst zurückgezogen hat. Das jüdische Volk verliert in Marinkovcis einen vorurteilslosen und warmen Freund. Insbe sondere die Zionistische Organisation wird seiner wegen seines mutigen Eintretens für die jüdischen Rechte auf Palästina stets in Ehrfurcht und Dankbarkeit gedenken. Erstklassiger Bäckermeister, Jude, beste Referenzen, mit Praxis im Großbetriebe, für Palästina gesucht. Unter „Mit Zertifikat bevorzugt“ an die Administration des Blattes. Brodetsky, Präsident des Makkabi Brünn, 17. September. Nach fünftägiger Dauer wurde, nach einer längeren Nachtsitzung, der VIII. Weltkongreß des Makkabi in Brünn am Montag morgen geschlossen. Der abtretenden Exekutive wurden Dank und Entlastung ausge sprochen. Das Jahresbudget des Weltverbandes wurde mit 2900 englischen Pfund festgesetzt, das neue Statut des Makkabi- Weltverbandeä wurde angenommen, ebenso wurden die vorgeschlagenen Resolutionen bezüglich der Siedlungstätigkeit des Makkabi-W eltverbandes in Palästina (Kfar Hamakkabi) und anderer Aktionen angenommen. Zum Vorsitzenden der Exekutive des Weltmakkabi wurde an Stelle des zurücktretenden Dr. Hermann Leiewer Professor Dr. Selig Brodetsky (Leds), Mitglied der Exekutive der Jewifih Agency, gewählt. Zum Ehrenpräsidenten wurde Lord M e 1c h e 11 wiedergewählt. Der Kongreß bereitete seinem Präsidenten Dr. Hermann Lelewer eine warme Ovation und wählte ihn zum Ehren-Vorsitzenden des Weltmakkabi. In die Londoner Exekutive wurden gewählt: Dr. K. F. J a k o b o v i t z, Erich G u m p e r t (London), N a t h a n e 1 (Palästina). die Einwanderung von Serben nach Serbien sperrt und ein Parlament mit arabischer Mehrheit gegen den Willen der Serben etabliert?“ „Jamais!“ erwiderte neuerlich Marinkovics mit Bestimmtheit. Ich informierte ihn nun über das Weißbuch Passfields. Über die Kautsc-hukbestimmungen des MacDonald-Briefes und die ganze mandatswidrige Politik Englands. Nun ging Marinkovics vollkommen aus sich heraus. Er sprach mit großer Wärme über Lord Balfour und erklärte, daß nach seiner Meinung kein Zweifel darüber bestehen könne, daß die Balfour-Deklaration die Errichtung des Judenstaates ermögliche. Im weiteren Verlaufe der Unterredung führte Marinkovics Details an, die klar bewiesen, wie England alle Hebel in Bewegung setzte, um die Mitglieder der Mandatskommission zur Akzeptierung des englischen Standpunktes in den Palästina- Fragen zu bewegen und wie der finnische Minister Prokope und andere Mitglieder der Mandatskommission, durchwegs Vertreter kleiner Länder, mit Unerschrockenheit für den Standpunkt der Jewish Agency in dieser Frage eintraten. Die Details dieses Teiles der Unterredung eignen sich einstweilen nicht zur Veröffentlichung. Beim Abschied erklärte Marinkovics nochmals, daß die Balfour-Deklaration und der Mandatsvertrag klar und gerecht für den zionistischen Standpunkt sprechen und daß es sich nur darum handeln könne, durch Die Lage der Juden in Mexiko Bei einem Besuche in New York gab der Herausgeber der in Mexiko erscheinenden jüdischen Zeitung „Der Weg“ Mosche Rosenberg der Jüdischen Telegraphen- Agßntur folgende Schilderung der augenblicklichen Lage der mexikanischen Juden, Die etwa 30.000 Juden Mexikos haben eich den Landesverhältnissen gut angepaßt. Ihre materielle Lage ist zufriedenstellend. Es gibt in Mexiko zwei jüdische Volkebanken und etwa 20 nationale Berufsvereinigungen und Finanzinstitutio nen. Auch das kulturelle Leben verfügt über eine verzweigte Organisation. Die jüdische Bevölkerung ist national ein teilt. Vor kurzem wurde der Grundfitein einem eigenen Schulgebäude gelegt. D i e jüdische Schule wird im kommenden Jahr zu einer höheren Schule ausgestaltet und besitzt volles öffentlichkeitsrecht. Die Unterrichtssprache ist Spanisch, doch wird auch dem Jiddischen und Hebräischen ein breiter Raum gewährt. Die Juden Mexikos verfügen Uber ein ständiges jüdisches Theater. Es arbeiten in Me xiko etwa zehn jüdische Schriftsteller und Publizisten. Die einzige jüdische Zeitung ist „Der Weg“. Zur Einwanderungsfrage bemerkte det Gewährsmann, daß vorläufig völlige Einwanderungssperre besteht und es den in Mexiko ansässigen Juden sogar schwer ist, Angehörige aus Europa nachkommen zu lassen: man erwarte aber, daß binnen kurzem ein neuee Einwanderungsgesetz gewisse Milderungen bringen wird. Die antisemitische Propaganda wird von der Organisation der „G o l d h e m d e n“, an deren Spitze der frühere Präsident General Rodriguez steht, getragen. Die jüdische Bevölkerung habe aber volles Vertrauen zu dem gegenwärtigen Präsidenten, General Cardenas, und erwartet von ihm, daß er die „Goldhemden-Bewegung“ in den gebührenden Schranken halten wird. ZlonUthdie Beilrkstektion u. Wlxo Meidling, XIV., Seduhauierstr, 58 Montag, don Sl. September 191S, */*9 Uhr abend« Dr. Oskar Grünbaum »Bericht Ober den Kongreß in Luzern« priaidentde»zj6nirti«ohea L»ndMv«rb»ndea t. ö«terr. gBoaaHaaHnaaaMaMaaaaaaaaHMaaaaaaaaaiaaaa Restaurant Rillet Bestrenommierte Küche ^3 Reichhaltige Menüs ä S V90 u. 2*60 ll.,Hammerpurgstal gasse 3 (nächst Salztorbrilcke) Kein Jude in den polnischen Senat gewählt Warschau, 18. September. (Z. T. A.) Bei den am Sonntag durchgeführten Wahlen zum polnischen Senat wurde kein einziger Jude gewählt. Ein Drittel der Senatoren, nämlich 33, wird in einigen Tagen durch den Staatspräsidenten ernannt werden. Klub „Adolf Stand“ Prater t II., Ausstellungsstr. 11 veranstaltet in seinen Prachträumen zu den Hohen Feiertagen ein M i n j a n mit erstklassigem Vorbeter zu zeitgemäßen Preisen. — Kartenvorverkauf täglich ab 20 Uhr. Tel. R 48-7-51. Der Rassenparagraph in der neuen ungarischen Advohatenordnung Budapest, 17. September. Der Kampf der großen Mehrheit der ungarischen Advokatenschaft gegen den Rasseparagraphen der neuen Advokatenordnung dauert unvermindert an. In der letzten Sitzung derBudapester Advokatenkammer wurde darauf hingewiesen, daß von den 60 Kriegßgefallenen der Kammer 37 Juden waren. Justizminister a. D. Doktor Emil N a g y führte unter anderem aus: Der Entwurf widerspricht unserer ganzen historischen Tradition. Man will die Kammer zum Versuchskaninchen der Ideen eines fremden Volkes machen, die der ungarischen Nation niemals erwünscht sein werden. Wenn wir für Ungarn Gerechtigkeit verlangen, darf auch Ungarn keiner einzigen Ras3e, Konfession oder Nationalität gegenüber ungerecht «ein. Eine Verwirklichung des § 31 wird jenseits unserer Grenzen von verheerender Wirkung auf das Ungartum sein. Professor Josef Zimbler übernimmt noch einige Schüler für Violinunterricht und Kammermusik, IX., Hahngasse 31. Tel. A 12-8-28. Wegen Abreise nach Palästina werden zu jedem annehmbaren Preise verkauft: 1 prachtvolle», antikes piedermeior-Wohn-, event. Schlafzimmer, div. Gemälde, echte Porzellane und Sonstiges. Zu besichtigen Samstag, 21. d. M. nachmittags, und Sonntag, 22. d. U. den ganzen Tag, Baden, Helenonstr. 85. I. Stock. nsii Wollen Sie Zeit, Ihe nnd Geld sparen? Dann gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden und Bekannten, Kunden und Klienten zu Rosch Haschanah durch „Die Stimme“ dio in verstärktem Umfang mit interessanten Festbeiträgen am 27. September erscheinen wird Der Preis für das Einheitsinserat beträgt S 6*-—, in doppelter Größe S 10“— „Die STIMME1* Administration Spendet al« Um Septemto-BflctoenleeniM nüdttt i m» Keren KaiemeHif