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Die Stimme · 1935-09-17 · Heft 484 (17.9.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 484 (17.9.1935)
Date
1935-09-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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i Nr. 184 — 17. September 1935 DU tTlMMI Seite 5 Der Makkabi-Weltkongreß in Brünn Die Eröffnungssitzung Zu den Hohen Feiertagen HJ wrnMtl nach Polen billigst und bequem mit D-Zug, numerierte Sitze. Sichern Sie sich rechtzeitig einen guten Platz. Abreisen: 22., 25., 26. September. Rückfahrten: 9., 21. Oktober. Reisebüro „In die Welt» (Dr. S. Tocker), IX., Liechtensteinstr. 2, Tel. A 14-504 Kommunist, vor dein Richter in Haifa, weil er am Jahrestag der Hinrichtung der Pogrommörder eine rote Fahne mit der I n s c h r i f t: „E s 1 e b o die R ev o l u t i o n v o n 1929!“ gehißt hatte. Der Angeklagte wurde zu vier Monaten Gefängnis und 20 Pfund Geldstrafe verurteilt: wahrscheinlich wird man ihn auch deportieren. Seine Verteidigung: „Ich sympathisiere mit dem arabischen Befreiungskampf und betrachte die Ereignisse von 1929 als eine Revolte der Araber gegen ihre Unterdrücker.“ Der Richter wünschte, der Angeklagte hätte die Revolutionäre in Hebron wüten gesehen... * Ferner werden in den nächsten Tagen fünfzig illegale jüdischo Einwanderer, die man bei verschiedenen Versuchen der heimlichen Grenzüberschroitung fcsfcnahm, vor dem Richter erscheinen. Es sind viele Frauen und Kinder unter ihnen. Besonders tragisch erscheint das Schicksal einer Frau, die mit einem russischen Paß aus der Türkei kam, also weder dort noch in Rußland Wiederaufnahme fände. Es stellt zu hoffen, daß man ihr gestatten wird, im Lande zu bleiben. Zehn anderen illegalem Einwanderern, die ihre Strafe bereits verbüßt haben, will man den Aufenthalt gestatten, wenn sie eine Kaution von 100 Pfund pro Kopf stellen. Das ist eine höbe Summe, und der Rat der Jüdischen Gemeinschaft wendet sich jetzt an die Öffentlichkeit, um die erforderlichen Beträge aufzutreiben. « Nach dem „Dawar“ sind gegenwärtig 25.000 jüdische Arbeiter in den industriellen Unternehmungen des Landes beschäftigt. Auch die Arbeiter selbst sind Großunternehmer. So erhielt ihre Baugenossenschaft „•Sikum“ von einer großen Tol-Aviver und MATURASCHULE „AULA" WIEN, IX., LIECHTENSTEINSTRASSE 3. TELEPHON R 52-5-80 Leitung: Real.-Gymn. Dir. i. P. Dr. ZELLWEKER. Prospekte gratis,! Unentgeltl. Sludienberatung. Sprechstunden von Vs9 —■ 7s2; 4 — 7 Uhr, =====3amstag von 11 — 2 Uhr.ä==:~:=S einer bedeutenden Londoner Bank zwei Anleihen über insgesamt 350.000 Pfund Sterling. Mehrere Arbeiterwohnblooks werden mit diesem Geld geschaffen werden. Die „Histadruth“ weihte ihrer gewerkschaftlichen und kulturellem Arbeit, von der in Tel-Aviv und Jaffa 22.000 organisierte Mitglieder profitieren, ein neues großes Verwaltungsgebäude mit vier Sälen und vierzig Büros ein. Das Haus trägt den Namen des im Jalire 1921 verstorbenen sozialistischen hebräischen Schriftstellers Josef Cliajim Brenner. e Die Industriellen führen ihren Kampf für Zollsehutz gegen das japanische D u m p i n g weiter. Die Partei des Mufti hat hingegen an die Regierung ein Memorandum gerichtet, in dem sie bittet, von einem solchen Zollsehutz abzusehon, da von ihm zwar die jüdische Industrie profitiere, nicht aber die arabische Bevölkerung, die auf dieso Weise wichtiger billiger Einkaufsmöglichkeiten beraubt werde ... Auch in Syrien, wo genau dio gleiche Dumpingkampagne geführt wird, hat kürzlich eine Zeitung diesen Gesichtspunkt geltend gemacht, obschon er sich in seinen Konsequenzen hior ausschließlich gegorn oine .Industrio wendet, dio sich in arabischoii Händen befindet und die mit arabischer Arbeit produziert. E. G. Unsero geschätzon Loser werden auf die Buclihamllung llonn. Tucbner (siehe lnsorat) besonders aufmerksam gemacht, wo alle Schulbücher für Volks-, Haupt-, Mittol- und Fachschulen, auch antiquarisch, zu sehr mäßigen Preisen erhältlich sind. Leihbücherei eröffnet. Gebühr 10 Groschen täglich. Für Auskünfte: Telephon lt 41-4-20, j Brünn, 12. September. Im Riesensaal des Stadions der mährischen Hauptstadt Brünn, der von Delegierten und Gästen aus zahlreichen Ländern gefüllt war, erüffnete am Donnerstag, den 12. September, abends, der Präsident des Weltverbandes Makkabi, Dr. Hermann Lelewer, den Makkabi-Weltkongreß mit einer Ansprache, in der er unter anderem ausführte: ' Der Mäkkabi-Wcltverband ist in den letzten Jahren zu einer mächtigen Organisation geworden. Er existiert heute in 37 Ländern deT Welt und umfaßt etwa 200.000 Mitglieder. Als entscheidende Aufgabe hat er von seinen Mitgliedern verlangt, daß sie sich am Aufbau des jüdischen Palästina beteiligen sollten. Durch den Makkabi-Weltverband 'sind Zehntausend^ von jungen Menschen neu für die Idee des Zionismus aktiviert worden. Der Makkabi-Weltverband stellt die nationale Idee über alle anderen Aufgaben. Seine Parole ist: „Jüdische Volksgemeinschaf t“. Volk über Klasse, über Stand, über Beruf und soziale Schichtung! Im Makkabi-Weltverband marschiert der Ilotelporticr gleichberechtigt neben dem Lord. Der Makkabi-Weltverband hat in den letzten zwei Jahren 7000 Pfund für den Jüdischen Nationalfonds gesammelt und dafür von diesem Fonds 1000 Dun am Land in der Nähe von Haifa in Palästina zur Besiedlung für seine'Mitglieder erhalten. Dort, im „K f a r H a m a k k a b i“, wird das erste Dorf der Makkabi in Palästina erstehen. Eine besonders wichtige Aufgabe besteht darin, eino Hochschule für Leibesübungen in Palästina zu schaffen. Diese Hochschule soll dazu dienen, jüdische Turnlehrer und Sporttrainer für Palästina und die ganze Welt zu erziehen. Dor Kongreß des Makkabi-Weltverbandes wird beschließen, auf welcher Basis diese Schule organisiert werden soll. Zur Zeit der großen Levanto-Messe im nächsten Frühjahr in Palästina soll im Makkabistadion zu Tel-Aviv, das füj* 50.000 Zuschauer Platz hat, ein großeis Turn- und Sportfest veranstaltet werden. Zu derselben Zeit soll auch der erste Kurs der Hochschule für Leibesübungen in Palästina gestartet werden. Der Redner schlägt außerdem vor, daß, ähnlich den Welt-Turmneisterschäften, jüdische W e 11 - T u r n m e i s t e r s c h a ft o n stattfinden sollen, weil ähnlich wie bei der Olympiade auch bei der Makkabiah das Turnen gegenüber dem Sport zu kurz kouinio. Er schlägt vor, die er s t en Mäkle a b i - Welt - Turnmoisfcerschafton im Sommer 193G in Wien zu veranstalten. Dom Weltkongreß dos Makkabi in Brünn wohnen etwa hundert Delegierte aus England, Frankreich, Irland, Palästina, Deutschland, Tschechoslowakei, Österreich, Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien, Polon, Litauen, Lettland, Danzig und anderen Ländern bei. Zu den bereits gemeldeten Begrüßungsansprachen in der Eröffnungssitzung ist liaehzutragen: Der Präsident dor Israelitischen Kultusgemeinde Brünn, Kommerzialrat Zwicker, umriß die Aufgabe des Makkabi im heutigen Judentum, die in der Förderung der physischen Regeneration des jüdischen Volkes und der körperlichen Ertüchtigung der Jugend besteht. Er versprach die Unterstützung der Bestrebungen des Makkabi durch die Gemeinde. Dr. Alexander Rosenfeld, als der Vertreter des Jüdischen Nationalfonds, verlas ein Schreiben des Präsidenten K. K. L., M. M. Ussischkin, der sich rühmend über die K. K. L.-Arbeit des Makkabi aussprach und mit Genugtuung .feststellte, daß der Makkabi in sein Regenerationsprogramm nun auch die praktische Siedlungsarbeit in Erez Israel anfgenonimen hat. Nachdem noch ein Vertreter des tschechoslowakischen Keren Hajessod das Wort ergriffen hatte, rechnete der Vorsitzende der Jüdischen Partei in der Tschechoslowakei, Ing. Frischer, mit dem ideologischen und praktischen Antisemitismus unter dem starken Beifall der Zuhörerschaft ab. Botschaften sind eingelangt von Lord Conwey of Alington, James de Rothschild, General Sir WyncLham Deedes, Barnett Jaiinor und Captain Striekland, Mitglieder des Unterhauses, vom Ehrenpräsidenten der Zio-, nistischen Weltorganisation Nalium Sokolow u. a. m. Die großen internationalen Sportverbände haben gleichfalls in herzlichen Worten den Makkabi-Kongreß begrüßt. In das Kongreßpräsidium wurden gewählt: Dr. Le 1 e w er, Uri Nadav, Dr. Mär z, Direktor S p i e g 1 e r, Senator Rosmarin, Ing. Schindler und Weinberg. 200.000 Makkabim In der Aktionskomiteesitzung wurde berichtet, das in der letzten Zeit in Chile, Peru, Kuba, Indien, Australien und Tripolis Makkabi-Verbände entstanden sind. Die Hochschule für Leibesübungen, die in Palästina gegründet wird, soll nach dem Präsidenten des Makkabi-Weltverbandes „Lelewer College“ genannt werden. In Palästina wird bald die erste Makkabi-Kolonle Kfar Hamakkabl gegründet werden, der weitore Makkabi- Siedlungen folgen sollen. Über die Bewegung Kfar Ha-makkabi berichtete ausführlich Dr. Alexander Rosenfeld, der über das Abkommen zwischen K. K. L. und Makkabi nähere Aufklärungen gab. Als Gegenleistung für die umfangreiche K. K. L.-Arbeit des Makkabi hatte der IC. K. L. dem Makkabi 1S00 Dunam Boden zur Gründung des Kfar Ilamakkabi in der Nähe von Haifa zur Verfügung gestellt, wovon 300 Dunam für Sportplätze und Bauten reserviert bleiben sollen. Die ICwuzah Raanana wird in den Kfar Ilamakkabi übersiedeln. Für die Siedlungsarbeit wurden bis jetzt 10.000 Pfund gesammelt. Dr. Roscnfeld hofft, weitere 5000 Pfund aufzubringeu. Mit dein Aufbau des Kfar Ilamakkabi beginnt die Siecllungstätigkeit des Makabi und dessen Umwandlung in eine Chaluz-Organlsation und die Eingliederung der Siedlungstätigkeit in das Erziehungewerk des Makkabi. Am 13. September trat der Makkabi-Weltkongreß zu seiner ersten Arbeitssitzung zu¬ KAUFT SCHULBÜCHER HERMANN IM ANTIQUARIAT lUCHHER WIEN, II., ECKE TABORSTRASSE 52 MITTEL-, HAUPT- U. VOLKSSCHULBÜCHER NEU UND ALT IN GRÖSSTER AUSWAHL, SPESENFREIE ZUSENDUNG BILLIGSTE PREISE FÜR AUSKÜNFTE: TELEPHON R 41-4-20 flammen. Der Generalsekretär des Makkabi- Weltverbancles, Dr. IC. F. J a k o b o w i t z (London), erstattete einen ausführlichen Bericht über den Stand der Makkabi-Organisation. Besonders in den engHischsprechenden Ländern kann der Makkabi-Weltverband auf sichtbare Erfolge hinweisen. In England selbst zeigt eich bei Juden und Nichtjuden ein aktives Interesse für die Makkabi-Bcwegung. An der Arbeit nehmen einige Untcrliausmitglicclor Anteil. Auch Holland hat in der letzten Zeit bemerkenswerte Erfolge erhielt. Die Amsterdamer Makkabi-Boxcr wurden Meister von Holland. In 37 Staaten hat der Makkabi-Werltverband 200.000 Mitglieder organisiert. S. Beinhacker (Prag), der Obmann des technischen Beirates des Weltverbandes (MOTO), erstattete ein Referat über den Stand von Turnen und Sport in der Makkabi- Bewegung. Im Jahre 1938 soll die dritte Makkabiali in Palästina stattfinden, für die schon jetzt alle Vorbereitungen getroffen werden müssen. Dr. Rose n f e j d (Palästina) berichtete über die Vorarbeiten zur Gründling des Kfar Hamakkabi, Leo C z u c z k a (Palästina) über die berufliche Umschichtung der jüdischen Jugend für Palästina und Dr. F r e u d e n t h a 1 (Palä-- stina) über die Auswanderungsmöglichkei-i ten für Makkäbi-Mitglieder. Uri Nadav -(Palästina) entwickelte eine Ideologie des Makkabi und stellte programmatische Richtlinien auf, von denen einige aber nicht ganz die Billigung des Kongresses fanden. Die Richtlinien lauten im wesentlichen: Der Makkabi bekennt sieb als ge* schlossene Bewegung zu der von Theodor Herzl geformten zionistischen Idee, das heißt zur Schaffung eines freien, wirtschaftlich, p o litisch und kulturell u n a b h ä ngigen jüdischen Volkswesens in Erez Israel. Der Makkabi betrachtet sich als den einzigen Träger des einheitlichen, alle Schichten des jüdischen Volkes umfassenden, nationalem Sportgedankens mit repräsentativer Verantwortung nach innen und nach außen. Der Verband bekennt sich zur Hachscharah, Alijah, Awodah und Hitjaschwuth als unparteiische Einrichtungen und schafft der reinen Zionsidee ergebene Chaluzgruppen aus den Reihen des Makkabi-Weltverbandes selbst. Er sieht die entscheidenden Fak-i toren nicht in dieser oder jener Wirtschaftsform einer Chaluzgemeinschaft, sondern in der Bildung und Erziehung von Charakteren und verantwortungsvoll handelnden Menschen. Dementsprechend setzt der Verband die Mitglieder seiner eigenen Chaluzorganisation (Plugoth Makkabi) als Vortruppe ein. Die Mitglieder der Plugoth Makkabi dürfen keiner politischen Partei angehören. Der Makkabi-Weltverband bekennt sich erneut zum Prinzip der jüdischen Arbeit im Bereich der jüdischen Wirtschaft und verpflichtet alle Makkabim zu diesem Prinzip. Der Verband verlangt die Umbildung der Histadruth Owdiin hakelalith in eine unparteiische, allen arbeitenden Gruppen des Volkes dienende nationale Gewerkschaft in völliger Unabhängikeit von internationalen Institutionen und Symbolen. Die Makkabi-Weltbewegung bekennt sich zu den Grundsätzen der jüdischen Religion und zur hebräischen Sprache als der Sprache des jüdischen Volkes. Zu Beginn seiner Ausführungen erklärte der Redner: Die Million Makkabi m, die Lord Melchett auf die Beine stellen wollte, wird da sein, wenn wir sie brauchen werden.

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