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Die Stimme · 1935-09-17 · Heft 484 (17.9.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 484 (17.9.1935)
Date
1935-09-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 484 — 17. September 1935 Seit« 3 Der Stand des Palästina• Exports iV| Tel-Aviv (Palnews). Der palästinensische Weinexport hat Bich im ersten Quartal dieses Jahres mengenmäßig zwar von 300.000 Litern im Vorjahre auf 321.000 Liter erhöht, wertmäßig ist der Weinexport aber in dieser Zeit von 11.139 Pfund Sterling auf 8183 Pfund Sterling zurückgegangen. Hingegen ist der Export von Fruchtsäften mengen- und wertmäßig im ersten Quartal 1935 sehr beträchtlich gestiegen, und zwar erhöhte er sich mengenmäßig von rund 39 Tonnen im Vorjahr auf 87 Tonnen, wertmäßig ist er von 1612 Pfund Sterling auf 2642 Pfund Sterling angewachsen. Der Export von rohen Häuten und Fellen stieg von 6021 Pfund Sterling auf 7243 Pfund Sterling. Der Waschseifenexport ist mengenmäßig von 598 Tonnen auf 574 Tonnen zurückgegangen, wertmäßig steigerte er sich aber von 15.790 Pfund Sterling auf 18.103 Pfund Sterling. Sehr beträchtlich hat sich der Strumpf- und Sockenexport erhöht, der sich im ersten Quartal 1934 auf 1783 Pfund Sterling stellte, im ersten Quartal dieses Jahres aber auf 3064 Pfund Sterling angewachsen ist. Auch der Export anderer Bekleidungsgegenstände hat sich von 6377 Pfund Sterling auf 8000 Pfund Sterling erhöht. Die Ausfuhr künstlicher Zähne ißt in diesem Jahre in beträchtlicher Weise zurückgegangen, und zwar von 8863 Pfund Sterling im Vorjahr auf 6243 Pfund Sterling im ersten Quartal dieses Jahres. Dieser Rückgang des Exports künstlicher Zähne dürfte sich aus der Eröffnung der Fabrik auf Cypern erklären, die einen Teil des Exports, der bisher immer steigende Tendenz hatte, übernommen hat. ^EOIN^SMÜHR I.. WOLL2EILE 34. TELEPHON R 26-4-31 SIMPL i ENGE£^tVIESENTHA£ £ A C H E S OßNE PAUSE trage vom vorangegangenen Jahr im Betrage von 34.051 Pfund ergibt sich ein Gewinn von 199.562 Pfund. Daß Direktorium eohltig vor, 70.000 Pfund als allgemeine Reserve zu rück zu behalten, wodurch der Reservefonds auf 100.000 Pfund anwächst. 25.000 Pfund sind für die englische Einkommensteuer und andere Abgaben reserviert, aus der verbleibenden Stimme wird für daß Jahr 1934 eine einkomm e n s te u e rf re ie Dividende von 7%% ausgeechüttet. 1 SCHULBÜCHER I m für Volks-» Haupt- und I m Mittelschulen, neu und I M antiquarisch in den vor- 0 geschriebenen Auflagen in der Buchhandlung Mi Rath, Wien, II., Tabor. Straf!« 20 A. Telephon R 45-305 Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher zu höchsten Preisen BectUM Tewel e£m6&'(}e&üd$ta$ Ärztliche Nachrichtens Dr. S. Goldstern Chefarzt der Wiener Kuranstalt-Fangohellanstalt, IX., Lazarettgasse 20, ist vom Urlaub zurückgekehrt. E. Palästinas Elektrizitäts- Wirtschaft Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Palestine Electric Corporation, des früheren englischen Außenministers und einstigen Vizekönigs von Indien Lord R e a d i n g fand in London die ordentliche Generalversammlung dieser Gesellschaft statt. Der Vorsitzende erstattete den Rechenschaftsbericht für das Jahr 1934 und erklärte, die Entwicklung Palästinas auf sämtlichen Gebieten wirtschaftlicher Tätigkeit während der letzten Jahre sei als außerordent- 1 i c h zu bezeichnen. Eine führende Rolle in dieser Entwicklung habe die Elektrizitätswirtschaft gespielt. Die Palestine Electric Corporation habe im Berichtsjahr weitere 13.463 Stromabnehmer gewonnen, der Stromverbrauch ist um über 70% gestiegen. Die Roheinnahmen im Jahre 1934 betrugen 363.900 Pfund gegenüber 221.128 Pfund im Jahre 1933, sind also um 142.772 Pfund oder etwas über 64% gestiegen. Die Ausgaben sind von 67.504 Pfund im Jahre 1933 um 52.177 Pfund auf 119.681 Pfund im Jahre 1934 angewachsen, was hauptsächlich auf die durch den bedeutend vergrößerten Stromverbrauch notwendig gewordene Erweiterung der Stromerzeugungs- und Zuleitungsanlagen zurückzuführen ist. Für Zinsendienst wurden im Berichtsjahre 28.031 Pfund gegenüber 26.511 Pfund im vorangegangenen Jahr in die Bilanz eingesetzt. Dem Amortisationsfonds wurden 48.800 Pfund gegenüber 41.900 im Jahre 1933 zugeführfc. Damit hat der Amortisationsfonds eine Gesamthöho von 240.625 Pfund erreicht. Der Rohgewinn betrug 193.542, der Reingewinn 165.511 Pfund; unter Hinzurechnung des Gewinnvor- Berthold Feiwel ist dieser Tage 60 Jahre alt geworden. Er ist einer der ersten Kämpfer gewesen, die das Westjudentum für den Zionismus gestellt hat. Wenn man heute den Namen Feiwels nennt, $o treten die Jugendtage des politischen Zionismus in die Erinnerung, in denen Feiwel, ein liebenswürdiger, heiterer, gütiger Mensch, die Feder führte. Er i&t zuerst in Brünn dis einer der Gründer der zionistischen Verbindung „Veritas“ hervorgetreten und wir lassen hier ms einer fast schon verschollenen Schrift dieser Vereinigung aus dem Jahre 1898 die Betrachtung Feiwels zim Dreyfus-Prozeß folgen. Feiwel ist am 11. September 1875 in Pohrlitz in Mähren geboren, schloß sich als Student der zionistischen Bewegung an und nahm am ersten Baseler Kongreß teil. Er wurde von Herzl in die Redaktion der „Welt“ berufen und leitete später unter Wolffsohn in Köln dieses zionistische Zentralorgah. 1902 gründete er mit Buber, Lilien und Trietsch den Jüdischen Verlag in Berlin, war Mitherausgeben des „Jüdischen Almanach“ und der Zeitschrift ,Jung Israeli'. Im selben Jahr gründete er mit Weizmann die zionistisch-demokratische Fraktion, die er mit Buber und Motzkin leitete. Nach der Gründung dies Keren Hajessod im Jahre 1919 wurde er der geschäftsführende Direktor dieses Fonds. Seit 1929 ist er der Leiter der jüdischen Kolonialbank. Dem Aktionskomitee gehörte er seit dessen Gründung durch lange Jahre an. Er ist an der Seite Weizmarms gestanden und man kann ihn den ersten Sektionschef nennen, der schwierige Verhandlungen mit Landesorganisationen mit großem, diplomatischem Geschick geführt hat. Leider ist er durch Krankheit der Arbeit entzogen und er fehlt... Ungleich bedeutender als seine politisch-organisatorische aber, ist seine Tätigkeit auf literarisch-kulturellem Gebiet. Er hat Morris Rosenfeld in ein prachtvolles Deutsch übersetzt, das an Wärme und Gestaltungskraft das Original oft übertrifft, ln den „Jungen Harfen“ hat er die erste Anthologie der nationalen Die ostjüdische Literatur kann es Feiwel nicht genug danken, daß er ihr die europäische Welt aufgeschlossen hat. Er ist aber. auch selbst mit tief empfundenen, formschönen Gedichten und Liedern hervor getreten. Alle Zionisten vereinigen sich zu seinem Geburtstag in den besten Wünschen und Grüßen an einen, dessen Rat und am gleichende Güte die jungjüdische Bewegung schwer entbehrt. Wir hoffen, ihn bald wieder in guter Gesundheit an der Arbeit zu „Weizmann als Kongreßpräsident“ In den unter diesem Titel in unserer letzten Nummer erschienenen Aufsatz, haben sich zwei peinliche Druckfehler edngeschlichen. So soll es auf Seite 4, Spalte 1, Absatz 3, nicht „im Banne der Bewegung“, sondern richtig „im Banne der Begegnung“, ebenso in letzter Spalto nicht „er ist wieder zur neutralen Figur“, sondern richtig „er ist wieder zur zentralen Figur“, heißen. . Von Bertt&oIdL Feiwel Es gibt eine Insel, die heißt die Teufels- Insel. Es mag wohl ein Stück Höllenland sein, das die bösen Geister ins Meer gesenkt haben. Eine entsetzlich kahle, steinige Insel ist es. Unter der furchtbaren Glut der Sonne brennt der Boden. Alles Leben muß da verkümmern. Nur Distelwerk und Giftpflanzen drängen ihr Geäste durch die Felsspalten. Trostlos ist der Blick aufe Meer. Es liegt da, grau, schwer, unbewegt, als wäre es ein Meer von Tränen... Auf der Teufels-Insel, wo nicht Tier, nicht Pflanze leben will, lebt ein Volk von Menschen, ist verurteilt, da zu leben. Unschuldig verurteilt! Die Nationen saßen zu Gericht über dieses Volk: „Es ist ein Volk, das anders ist als wir. Menschen sind es, die einen fremden Glauben haben. Sie haben eine Schrift in einer Sprache, die wir nicht verstehen. Was uns heilig ist, ist ihnen unheilig. Sie dürfen uns betören, hintergehen, betrügen. Meineid gegen fremde Völker ist ihnenkeine Sünde. Sie lieben das Land nicht, in dem wohnen: Darum ist es ihnen leicht, das Land zu verraten. Sie rauben uns unser Geld, sie brauchen unser Blut. Sie vergiften die Brunnen, sie erregen Fieber und Pest. Sie eind feig und, träge; Uns spanne» sie vor den schweren Pflug, sie aber heimsen den Ertrag unserer Arbeit ein. Ungeheure Reichtümer sind in ihrer Hand: Sie spannen ein Netz über die ganze Erde, in dessen Maschen wir uns verfangen. Sie bedrücken den Bauer, sie. entwerten sein Korn. Sie häufen das Korn in ihre Scheunen, eie bringen Hungersnot und Krieg. Ihr Handel ist trügerisch, die Ware schlecht, die sie uns verkaufen. Sie verführen unsere Jugend, sie verderben unsere Sitten, sie zerstören unsere Kunst...“ Das waren die Beschuldigungen, welche die Völker gegen das angeklagte Volk erhoben. Und sie gingen daran, das Urteil zu fällen. Sie sagten zu dem Volke: „Du bist schuldig!“ Da schrie das Volk auf aus tiefster Seele: „Ich bin unschuldig!“ Nun hätten Männer auftreten sollen, die Eid und Zeugenschaft geleistet und Beweis geliefert hätten, daß das Volk schuldig sei. Aber die waren nicht da. Doch geheime Beweisstücke gab es, geheime Zeugenschaft. Kluge Köpfe wollten die Schriften des Volkes enträtseln und darin alle Sünde der Welt gefunden haben. Und das Gerede und die Gerüchte! Wohl wußte man nicht Mann und Ort und Zeit für die Anklagen. Aber von Gerüchten wußte man, die durch die Länder gingen. Der hatte manches gehört von jenem, und der eine hatte dem anderen insgeheim anvertraut, was er Schlechtes von dem Volk wußte. Der Haß aber setzte sich zu den Richtern und raunte ihnen zu: „Sprecht es schuldig!“ Und sie verkündeten: „Das Volk ist schuldig!“ Nun gingen sie daran, die Strafe zu bestimmen. Sie hätten das Volk am liebsten vom Erdboden tilgen mögen, so feind waren sie ihm. Aber der Haß raunte ihnen zu: „Tod? Tod ist keine Strafe. Ihr sollt es leben lassen auf der Teufels-Insel, wo das Leben zehnfacher Tod ist!“ Da verurteilten sie das Volk zur Teufels-Insel. Und sie verkündeten dem Volk das Urteil. Sie spieen den Verurteilten ins Antlitz, sie zerbrachen ihnen die Waffen, mit denen sie ihre Ehre hätten reinwaschen können. Und sie rissen ihnen die Zeichen der Menschenwürde vom Leibe, sie wollten ihnen damit die Seele aus dem Leibe reißen. „Wir sind unschuldig!“ riefen die Verurteilten. Höhnisches Lachen war die Antwort darauf. Nachdem sie das Volk entehrt und besudelt hatten, brachten sie es auf die Teufels-Insel. Eine starke Macht der Nationen hielt die Insel bewacht, daß das Volk nicht entkommen konnte. Sie teilten ihm Speise zu, daß es nicht verhungere. Daa Volk sollte nicht leben, aber a/uoh nicht sterben. Unschuldig verurteilt! An der felsigen Küste sammelte sich alltäglich das Volk und blickt hinaus auf das weite Meer. In ihrem Herzen schreit es; „Wir sind unschuldig!“ Die Felsen ririgium antworten: „Und doch seid Ihr verurteilt!“ Sie ringen die Hände und rufen: „Hört uns doch an, wir wollen uns verteidigen.., Gibt es denn kein Recht? Warum sollen Sün-i der in Ehren stehen und Unschuldige müs-i sen so entsetzlich leiden?“ Das weite, graue Meer schweigt wie zuvor. Sie raufen sich das Haar, sie möchten mit dem Kopf an die Felswand rennen — da ruft es in ihnen: „Vielleicht wird ’ doch noch die Unschuld des Volkes offenbar!“ Welch furchtbares, entnervendes Ringen von Hoffnung und Verzweiflung! Wer wird Sieger sein?... Manchmal dürfen sie Botschaft hinübersenden in die Länder, die sie verlassen haben. Sie findet den Weg in die Länder, nicht den Weg in die Herzen der Menschen. Manchmal dringt freudige Kunde zu ihnen: Ein Edelster, ein Bester ist aufgestanden und fordert, daß man über das unschuldig verurteilte Volk neues, ehrliches Gericht halte. „Revision“ nennt man das in der Sprache der Richter. Aber es dauert nicht lange, daun kommt die traurige Meldung nach, die Völker, hätten den edelmütigen Sachwalter verlacht oder gemartert. Manchmal sogar schickten sie den, der gemeinsame Sache mit dem geächteten Volke gemacht hatte, selbst auf die Teufels-Insel. So gehen die Zeiten dahin. Immer größer wird die Verzweiflung, immer kleiner die Hoffnung, immer schwächer das Volk. Alltäglich versammeln sie sich an der Küste., Mit brennenden Augen blicken sie hinaus auf das Meer. „Revision!“ murmeln ihre Lippen, „Revision!“ Furchtbar ist die Glut der Sonne. Das weite Meer liegt da, grau, schwer, als wäre es ein Meer von Tränen... Die „Czernowitzer Allgemeine Zeitung“ veranstaltet wie alljährlich anläßlich der kommenden hohen Feiertage, eine billige und bequeme Sonderfahrt nach Polen und Czernowitz. Abfahrt von Wien: 25. September, Rückfahrt: 9. Oktober 1985. Anmeldung und Auskünfte siehe Inserat Seite 2. Das Reisebüro „In die Welt“ (Dr. S. Tocker), IX., Liechtenstein-Straße 2, Tel. A 14-504, veranstaltet jeden Sonntag billige und bequeme Reisen nach Polen D-Züge, Pullman-Wagen und reservierte Plätze sichern angenehme Reise.

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