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Die Stimme · 1935-09-17 · Heft 484 (17.9.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 484 (17.9.1935)
Date
1935-09-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seife 2 DIB STIMME Nr. m — 17. Foptemticr ml r« Billige Reisen nach Palästina Kostenlose Beratung in allen Reiseangelegenheiten. welche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch: Reisebüro „ln die Welf (Dr. S. Tockcr) IX.. Licehtensteinsfraße 2. Tel. A 14-504 r i £ o n o u v ö 1 k i s e h e n L o b om auf allen Gebiotm eröffnet wurden, wip sie i n k e i n c m a u d o r o u L a n d e zu verzeichnen wären. Wir glauben an die seelische Kraft des deutschen Judentums. Aber sie wird sieh kaum auswirken können. Bürgerliche Entrechtung, Verfemung, wirtschaftlicher Ruin — das stellt ihr Hitler in den Weg. Dieweil die arische Welt die abbe'sini'ehen Sklaven befreien will. •So schwer aber die Juden Deutschlands zu leiden haben —• die in dem Blut- und Ehrcgesetz angestrebte Diffamierung trifft sie nicht. Wenn (30 Millionen eine halbe Million anfallen, so ist das für die M i n d e rlieit keine Schande. Die Mehrheit schündet sieh selh>t. Wir waren vor Hitler und wir werden nach ihm ^*in. Die Wahlen in die JewUh Agency Seitens des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten wurden in den Council der Jewish Agency nominiert und vom Kongreß unter anderen gewühlt: Als ordentliches Mitglied. Staats rat Dr. Dcrider F r i e clm a n n, als Stellvertreter Dr. Paul ßerg e r, Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich und Vizepräsident Dr, Josef Löwenherz, Die Weltkonferenz: im Ausland Übender polnischer Juden London, 13. September. In der am 12. September abgehaltenen Sitzung der Weltkonferenz der im Ausland lebenden polnischen Jude» richtete George Landsburry, einer der Führer der englischen Arbeiterpartei Wim Unterhaus, einen Appell an alle Juden und Christen, sich'für die. Sache des Friedens zusammenzuschließTen. Landsbury erklärte: „Der Hitlerismiis mitsamt allen Schrecken des Faschismus wird hin weggefegt werden. Die Juden aber werden gestärkt aus den Verfolgungen hervorgebenA Nach weiteren Ansprachen von Neville Laski, Winter und Tygel wurde eine Resolution angenommen, die sich für die Boykottierung der deutschen W a r e n ’ ausspricht. Die Resolution erklärt, die deutsche Regierung widme große Geldbeträge der Unterdrückung der Juden und deshalb fordern die Juden, da ihnen kein anderes Verteidigungsmittel zur Verfügung stehe, ihre Delegierten auf, einen Boykott gegen alles zu verkünden, was aus Deutschland komme, und diesen Boykott über die ganze Welt zu verbreiten. Wollen Sie Zell, Hie will Geld sparen? Dann gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden und Bekannten, Kunden und Klienten zu Rosch Haschanah Die Stimme Ci 1« die in verstärktem Umfang mit Interessanten Festbeiträgen am 27. September erscheinen wird Der Preis für das Einheitsinserat beträgt S 6’—, in doppelter Größe S 10— „DIE STIMME11 Administration Der Antrag Bernhard Altmanns an die Jewish A Wie schon berichtet, haben an der Tagung dos Rates der Jewish Agency in Luzern von den nemlologierten n i c h t. z i o n i 9 t. isehen Mitgliedern des Councils um Österreich die Herren Bernhard Altmann und Prof. Dr. L. Braun sowie die Ersatzmitglieder Prof. Dr, Elias und Direktor K r a. u g teilgenommen. In der K o m m i s s i o n f ii r W irts c h a f t s f r a g e n legte Herr Bernhard A 11 m a n n eine auf Palästinas H a n d o 1 spolitik bezügliche Resolution vor. In seiner Begründung wies er auf die schwierige Situation hin. in welcher sich Palästinas Handelspolitik befinde. Nach Art. 18 des Mandates — so führte der Redner aus — ist Palästina verpflichtet, von sämtlichen Ländern Waren aufzunehmen. die Mitglieder des Völkerbundes sind. Daher sei das Land heute nicht in der Lage, eich unter den Staaten die Lieferanten auszusuehen, die auch palästinensische Produkte übernehmen. Dieser Umstand bilde eine handelspolitische Schwierigkeit, die zu einer großen Gtd’aihr werden könnte, wenn vielleicht einmal krisenhafte Zustände einträten. Daher bezeichnet er einen Zollschutz für palästinensische Produkte als unbedingt notwendig. Selbst wen» es infolge des Mandatscharakters nicht gelingen sollte, einen normalen Zollschutz zu erreichen, müßten Mittel und Wege gesucht werden, um für die palästinensischen Produkte die Auslandsmärkte sieherzustelien. Die von ihm namens der Kommission vorgelegto Resolution, welche einhellige Annahme fand, hat folgenden Wortlaut: „Der Council fordert die Ergreifung von geeigneten Maßnahmen, um den palästinensischen Bodenprodukten sowie den heimischen Industrie- und Gewerbeerzeugnissen den Innenmarkt zu sichern und den für den Export geeigneten Gütern die Auslandsmärkte sieherzustelien. Der Council unterschätzt nicht die Schwierigkeiten, die sich der Änderung der Zölle und Handelsverträge in den Weg stellen. Dennoch erwartet der Council, daß die Mandatsmacht der Wirtschaft jenen Schutz verschaffen wird, dessen die gleichmäßige Entwicklung, do/r landwirtschaftlichen. gewerblichen und indu- striellen Unternehmungen bedürfen.“ Aus den weiteren Beratungen des Ratee sei nochmals hervorgehoben, daß die Exekutive des Councils beauftragt wurde, eine Steile für den organisatorischen Ausbau der Agency zu errichten, deren Hauptaufgabe cs ist. die Stärkung und Erfassung des nichtzionistischen Teiles lierbeizuf(ihren. Hiemit wird gerade einer Forderung der Xiclitzionisten entsprochen, welche mit dem Wunsche der Zionisten selbst konform ist. Auch <Me N ich tzi onisten erkenuen und wissen, daß die Einräumung von Rechten auch Pflichten mit sich bringe. Dies kommt namentlich in den Beschlüssen bezüglich des K. e r e n U a j e s s o cl zum Ausdruck und der Council hat seine Mitglieder zur aktiven M i t a r b e i t f il r d e n Keren Hajessod verpflichtet. Es ist zu hoffen, daß cler wirkliche Ausbau der Jewish Agency einsotzen wird. Es ist sehr leicht möglich, daß dieser Ausbau zu einem organischen Umbau unter völliger Übereinstimmung beider Teile führen und daß die Einteilung in Zionisten und Nichtzionisten einem anderen und besseren Einordnnngsprinzip Platz machen wird, wie dies gerade von nachtzionistischer Seite gewünscht wird. Zusammenbruch des Minderheltenkongresses (Big. Ber. der Genf, 15. JSeptemhÄ Der Kongreß der miropäischen Nationalitäten, der anfangs September in Genf abgehalten wenden ist, hat mit einer schweren Kriga geendet. Der Vertreter der deutschen Minderheiten Dr. Paul Schiemann (Riga) hat seine Stelle im Präsidium zurückgeiegt und an seine Stelle ist ein Delegierter der Henlein-Partei getreten. Damit sind alle während des Kongresses geäußerten Anschauungen bestätigt worden, daß die deutschen Minderheiten sich haben gleichschalten lassen. Der Kongreß, der überdies sehr schwach besucht war —- er zählte insgesamt 34 Teilnehmer — litt unter dem Druck dieser Stimmung so sehr, daß er ohne Beschlüsse auseinundergegangen ist. Die jüdischen Vertreter haben gefehlt-und auch dies hat dem Kongreß jedwede Agilität genommen und auch das Niveau der Debatten gedrückt. Die Vertreter aus Österreich waren bemüht, der in der österreichischen Verfassung erfolgten Sicherung des Minderheitenschutzes die gebührende Aufmerksamkeit zu sichern, da hier ein zürn autoritären Prinzip übergegangener Staat eine für den Rechtsgedanken bedeutsame Tatsache geschaffen hat. Aber infolge der Einflußnahme der unter Berliner Führung stehenden deutschen Volksgruppen wurden die österreichischen Berichte nicht nur nicht erörtert, sondern ln dem offiziellen Communique nicht einmal erwähnt. Der Kongreß hat nicht zuletzt durch die Abwesenheit der jüdischen Minderheit jede politische Bedeutung eingebüßt. Der Verlauf seiner Arbeiten zeigte das Übergewicht der deutschen Totalitätsideologie und wie stark «sich dies geltend gemacht hat, ist aus dem Abschiedseclireiben Dr. Schiemanns zu erkennen, das der Vorsitzende Dr. Wilfan (Slowene) zur Verlesung brachte, ln diesem Brief heißt es: „Es läßt sich leider nicht verkennen, daß dieser Abschied zu einem Zeitpunkt erfolgt, der unserer Bewegung nicht günstig ist. Nicht uur praktisch hat (»ich die Lage der nationalen Minderheiten Europas in den letzten Jahren fast überall verschlimmert, auch die ideologischen Grundlagen unserer Bewegung haben innerhalb der Staaten und innerhalb . der yolk'BgemeinÄcliafteh ..Ahfeebtüngen zu ferienT-en und durchleben emü kritische; Zeit. Der Charakter dieser Krisis wird auch in zwei Punkten der diesjährigen Tagesordnung des Kongresses angodeutet. Tief durchdrungen von der. inneren Wahrheit und ethischen Notwendigkeit unserer Grundsätze, die auf der i m abend 1 ä n 4 i b c h e n Sittengesetze wurzelnden Auffassung von Pflicht und Recht beruhen,.glaube ich trotz allem an einen endlichen Sieg des in unserem Kongreß verkörperten europäischen Gemeinschaftsgedankens.“ Die zwei Punkte der Tagesordnung, die Dr. Schiemann erwähnt, sind die Bedrohung des Nationalitätenreehtea durch die letzten politischen Vorgänge (Umwälzung in Deutschland) und der. Minderheitenschutz in den autoritären Staaten. Zu dem ersten Punkt hatten die nationalsozialistischen Deutschen nichts zu sagen, der zweite Punkt erledigtesich durch dio Rücksicht auf die deutsch-polnische Freundschaft, So blieb nur die nochmalige Loyalitätserklärung der Sudetendeutsclieu als immerhin wichtiges Moment übrig. Aber die Tschechoslowakei ist nicht autoritär, sondern demokratisch regiert, so daß adle Minderheiten sich mit dem Mehrheuisvolk jederzeit in voller Freiheit aussprechen können. Die Frage der jüdischen Minderheiten wurde von Dr. Wilfan behandelt, der ihre Absenz bedauerte und auf ihr Wiedererscheinen hoffte. Das ist eine Unmöglichkeit. Solange nicht die Gewälir dafür bestellt, daß die deutsche Pogromgesetzgebung auf dem Kongreß öffentlich besprochen wird, kann kein jüdischer Vertreter dort erscheinen. Der Slowene Doktor B e s e d u j a k war der einzige, der meritorific'U auf die Frage der deutschen Juden wenigstens andeutungsweise oinging. Es sei schwer, sagte er, die deutschen Juden als Minderheit zu behandeln, da sie das selbst nicht wollten. Bio seien Deutsche mosaischer Konfession. Dieser Referent'nahm nicht zur Kenntnis, daß die Juden Deutschlands überhaupt keine Möglichkeit besitzen, ihre politische Stellung unbefangen zu erörtern, und das wichtige Detail, daß li u n d e r 11 a usend Juden in Deutschland den Reisepropagandadlenst der CmwiH flllpti ZtiliiD Rillige und bequeme Sonderfahrt nach POLEN und CZERNOWITZ Im Sonder-D-Zug, l’lalikarlen mit Sammelpnß. Abfahrt Wien am SO. September 1935. Rückfahrt am 9. Oktober 1935. Fahrpreis Wien—O.ernowitz, inkl. ViBagebilhren S 104*~-. Technische Durchführung, Anmeldung und Aua» künfto: Oeaterr.Verkehrsbureau, Wien, I., Friedrichstrnßc 7, Telephon B 27-500; Oeaterr. Verkehrsbureau, Wien, I., Graben 20, Telephon U 29-035: Polnisches Rcisehureau „Orbis“, Wien, I., Ktfrnfnerstrnße 41, Telephon R 21-5-78; Reiscburonu „Marienbrüeko", Wien, 1., Rotenturmstraße 26, Telephon R 21-2-80 und R 24-2-87. Schekel gezahlt hatten, sieh ateo für den Zionismus, das nationaJjüdische Bekenntnis, entschieden luitton, blieb ihm unbekannt. Er meinte, daß eine jüdische Volksgruppe au« Deutschland an dem Kongreß teilnelimen könnte. Darüber müßte er Hitler fragen. PALÄSTINA MELDET: Großzügige Einbürgerungsaktion in Palästina Jerusalem, 12. »September. (2. T. A.) Dio Jerusalemer Jüdische Gemeinde hat eine großzügige Aktion zur Er» w e r b u n g de r P a 1 ä s t i n a - B ii r g e r» schaff, durch die jüdische n E i ns wohn er für die Zeit vom 17. Ein! bis Ende Tiechri proklamiert. In einer Besprechung der Vorsteher der Gemeinde mit dem Vorsitzenden des Waad Leiirni J. B e n- Zvi und Vertretern der Presse wurden die Richtlinien für die Aktion festgelegt. Die „Illegalen" Jerusalem, 12. Septembers.} Die arabische Zeitung „A Difaa“ teilt m!$,. daJ3 an der Grenze von Libanen rieben jüdfo sehe illegale Einwanderer verhaftet wordeÄ seien. Ferner wurden acht illegal eingewan« ,derte . Juden aus Ungarn, Österreich und Italien in Migdal verhaftet und $u ic einem Monat Gefängnis mit nachfolgend Landesverwriißüng verurteilt, i , zehn im '4-kka- G ef ängrns In den Hün< gerstreik getretenen illegalen jüdischen Eli* Wanderer haben den Hungerstreik eingestellt, nachdem Vertreter der lokalen jüdischen Gemeinde sie aufgesucht und ihnen versprochen hatten, daß alles nur Mögliche getan werde, um Ihre Haftentlassung zu erwirke». Vier der Gefangenen wurden bereits gegen Kaution befreit. Das Rechtsbüro der Jüdischen Gemeinde bemüht sich, auch für die restlichen sechs Gefangenen die Geldbürgschaft aufzubringen. Professor Josef Zimbler übernimmt noch einige Schüler für V i o I i n u n t e r r 1 c h t und Kammermusik, IX., HaUngaese 31, Tel. A 12-8-28. Die Juden von Kabul ausgetrieben Die hebräische Tageszeitung „Davar“ hat eine Mitteilung aus K a b u 1, der Hauptstadt von Afghanistan, erhalten, clerzufolgc die Regierung die Austreibung sämtlicher Juden aus Kabul nach dem fernen Dorf Farali ungeordnet hat. Die Judenschaft von Kabul befindet sich in einer verzweifelten L a g o; in dem von 600 Afghanen bewohnten Farah ist für sie weder Wobn raum, noch irgend eine Existcnzm öglichk eit vorliande n. Kirfath Gaphen, eine neue Sied* Iwng bei Lydda In der Nähe von Lydda, an der Chaussee Lydda—Tel-Aviv, ist auf einem Komplex von 450 Dunam eine neue jüdische Siedlung, Kirjath Gapheu, gegründet worden. Es wird dort eine Tonwarenfabrik orriohtet, in der 40 Arbeiter beschäftigt worden, sowie eine Schuhmacherkooperativo, dio aua 30 Familien besteht. Bau einer Chaussee Haifa-Bagdad Wie der Huifaer Korrespondent der Zeitung „Mokkatam“ mitteilt, ist der Bau einer asphaltierten Chaussee von Haifa nach Bagdad parallel zur Erdölleitung aus Mossul beschlossen worden. Mit der Durchführung der in nächistor Zeit in Angriff zu nehmenden Arbeiten i«t eine englische Gesellschaft beauftragt wrorden. 013200010128013201

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