Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 483 (13.9.1935)
- Date
- 1935-09-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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S«ft« 0 Dil STIMMI Nr, >183 — 13. September 193ö tatkräftigst unterstützt habet. Dies alles hat aber keinen Wert, weil auf einen groben Klotz ein grober Keil gehör t. Almosen sind gute Dinge, aber ein schlechtes Heilmittel. Sie helfen zeitweise, aber merzen nicht die Krankheitskeime aus. Der Hitlerismus ist eine Giftpflanze, die auegerottet werden muß. Ihr würdet nicht Wahnsinnige und Mördor bei euch tolerieren. Warum kauft Ihr aber deutsche Waren u n d stützet dadurch Hitlers Macht? Warum gebt Ihr den Nationalsozialisten Geld, für Gewehre, mit denen sie auf eure Brüder losgehen? Warum ermöglicht Ihr ihnen ihre schmutzige und betrügerische Propaganda auf der ganzen Welt auszubreiten? Ihr unterstützt die Ausrottung von Gangstern. aber zugleich stopft Ihr eure Wohnhäuser mit deutschen Waren woll. Wendet nur nicht ein. daß Ihr leben müsset! Es gibt kein deutsches Produkt, welches nicht, in einem anderen Lande erzeugt werden könnte! Erzählet mir nicht, daß Ihr dadurch jüdische Unternehmungen in Deutschland unterstützt. Solange die Nationalsozialisten a.n der Macht sein werden, werden die Juden gepeinigt und erniedrigt werden. Die Juden sollen zeigen, daß sie allen Wert auf Selbstachtung legen, daß Ehre ein unvergleichlich höherer Besitz ist als Geld — und die nichtjüdische W eit wird glücklich sein, ihnen zu helfen. Ich brauche harte Worte. Ich wiederhole nochmals, daß ich dies nicht tue. weil ich etwa ein Antisemit bin. Ich habe dies nur wehren meiner Achtung für die älteste zivilisierteste Rasse der Welt, und aus meiner Freundschaft für ein Volk getan, welches Männer, wie Spinoza. Einstein und Ehrlich hervorgebracht hat. fmmm Der palästinensische Jischuw gibt Rabbi Kook das letzte Geleit in Jerusalem DerKongreftderNjZjO. ZIMMER an jüdisches Mädchen bei alleinstehender Witwe nach höherem Beamten, die eine nette Mitbewohnerin sucht sehr billig zu ve geben. Y ll., Witkenburggasse 7,1. Stock. Tür 3 b. Ein Jude, der eine antisemiti• sehe Gesetzvorlage verteidigt Wir haben über die neuen Vorschläge zur Regelung der Advokatenordnung in Ungarn berichtet, welche deutlich den antisemitischen Charakter zeigten. Die zweideutigen Bestimmungen haben aber auch in den nichtjüdischen Kreisen verstimmt. Insbesondere der Advokat Dr. Gabor Medvigy, ein Vollblutungar, hat sich sehr scharf gegen die Vorlage gewendet. Dagegen hat der gewe sene Reichstagsabgeordnete Dr. Geza D e s i (früher Deutsch aus Großwardein) eich für die Vorlage eingesetzt. Er scheint den Zweck zu verfolgen, sich bei der Regierung Gömböe, die ihn hat fallenlassen, wieder in angenehme Erinnerung zu bringen. Seine Verteidigung der neuen Anwaltsordnung hat nun dazu geführt, daß 600 jüdische Advokaten in einer Eingabe an die Budapester Kultusgemeinde Desis Eliminierung aus dem Vorstand verlangt haben. Unsere nach der Eröffnungssitzung des Grünrhmgskongresses der N. Z. 0. ausgesprochene Meinung, der Kongreß der N. Z. 0. habe bei seinem ersten Schritt vor die jüdische Weltöffentlichkeit nicht die erwartete Resonanz gefunden, hat sich durch die Beratungen und Verhandlungen dieser neuen Körperschaft in den letzten Tagen nur bestätigt. Weder die Referate, noch die zweitägige lange Generaldebatte vermittelten auch nur die Spur konstruktiver Gedanken oder neuer Richtlinien einer zionistischen Politik. Was man bei der Generaldebatte jedoch feststellen konnte, ist. daß „bereits in diesem neuen Gebilde die Konturen von Gruppenbildungen und einer Opposition zu sehen sind. Sowohl wenn sic sich von einem Militarismus beherrschen läßt. Jakob de Haas gab diese Erklärung mit allem Nachdruck ab. Ihm trat Ing. K o p e 11 o w i c z entgegen, indem er darauf hinwies, daß auch in allen pazifistischen Ländern, auch in Amerika und sogar in der friedliebenden Schweiz. Posten für die nationale Verteidigung zu finden sind. Legion bedeute für sie nicht Militarismus, sondern Verteidigung und Sicherheit. Schließlich wurde über den Antrag auf Bildung einer Legionskommi-sion abgestirnmt und der Antrag mit großer Mehrheit angenommen. Ähnlich erregte und stürmische Szenen, die Uber die mangelnde Homogenität der neuen Körperschaft einigen Aufschluß gedie Referate als auch der größte Teil der j ben, brachte auch die Nachtsitzung von Generaldebatte wurden vor fast leerem ' Mittwoch, in der über die neue Konstitution Saale abgewickelt. Jeder der Debatteredner machte dem anderen den Vorwurf des Desinteressements. Der eine kritisierte, warum zu wenig das große Jabotinskysche Referat des Eröffnungsabends in den Kreis: der N. Z. 0. abgestimmt wurde. Hier löste vor allem der Delegierte Gurewitsch (Paris), der sich als Nichtanhänger der mosaischen Konfession und als Nichtjudo aus Jawne, sondern als Hebräer aus Samaria Kriegspanik bei den Arabern Palästinas Die Möglichkeit von Feindseligkeiten zwischen England und Italien als Folge des Abessinienkonfliktes hatte anfänglich unter der Bevölkerung Palästinas, besonders unter den Arabern, eine Panik hervorgerufen. Die jüdische und die arabische Presse bemühten sich, die Bevölkerung über die wirklichen politischen Zusammenhänge aufzuklären und sie zu beruhigen. Das hatte den Erfolg, daß die Lebensmittelhamsterei und die Geldabhebung e n bei den Banken aufgehört haben. Brüder Kunz - Aktiengesellschaft Die bekannte Kolonial- und Lebensmittelfirma Brüder Kunz wird unter Mitwirkung der österreichischen Kreditanstalt - Wiener Bankverein in eine Aktiengesellschaft umgewanddt Die neue Gesellschaft wird den Namen Bill im Kunz A. G tragen. Feiner erfolgt die Übernahme eines Aktienpaketes der neuen Gesellschaft durch die Julius Meinl A. G., die auf diesem Wege ihre geschäftlichen Beziehungen und Erfahrungen der Brüder Kunz A U zur Verfügung stellt. Die beiden Herren Walter und Hans Kunz werden auch den Verwaltungsrat der neuen Gesellschaft angehören, der Debatte gezogen wurde, der andere j deklarierte, stürmischesten Widerspruch auf wieder forderte straffe Organisierung»- i Seiten der Orthodoxie, die den Redner formen, also Methoden und Formen, denen | durch stürmische Kundgebungen am Reden Jabotinsky in seiner Eröffnungsrede den un-! zu behindern versuchten und schließlich auch erbitterlichen Kampf angesagt hat. Aus der. mehrmals den Versuch machten, dbu Konöden und langweiligen Reihe der General-: greßsaal zu verlassen. Der Exodus des debatte fiel die Rede des Baseler Delei orthodoxen Teiles wäre zweifellos erfolgt, gierten Dr. Schabbath auf, der. wie er; wenn sich nicht in letzter Minute Jabotinsky sich ausdrückte, „eine symbolische Brücke I selbst ins Mittel gelegt hätte. Der Streit.,■ um zwischen Basel 1897 und Wien 1935 schladen es sich hier handelte, wurde insbesongen möchte“. Allein er müsse die Bewegung mit allem Nachdruck davor warnen, Assimilation zu betreiben, Methoden aus der fremden Umgebung in die eigenen Reihen hineinzutragen, wie dies versucht wird. Andere wieder forderten den Beginn einer praktischen Arbeit. Alles in allem machte der ganze mehrtägige Verlauf dieser Verhandlungen den Eindruck eines Leerlaufes. Erregte Szenen brachte die Diskussion über die Bildung einer Legionskommis s i o n, die ein Wiener Delegierter am Montag beantragt hat. Gegen diesen Antrag wendete sich der Alterspräsident Jakob de Haas mit einer scharfen Erklärung, in der er die Drohung aussprach, an der N. Z. 0. nicht mitarbeiten zu können, wenn der Versuch gemacht würde, der neuen Körperschaft einen militanten Stempel und Charakter aufzudrücken. Er komme aus einem Lande, das antimilitaristisch eingestellt ist. Die Gefahr bestehe, daß die N. Z. 0. in Amerika keine Anhänger finde, dere durch den ersten Punkt, der neuen Konstitution ausgelöst, in der die unzertrennliche Verbindung der traditionellen Religion und der N. Z. 0. zum Ausdruck gebracht wird. Gurewitsch hatte sich nebst anderen Delegierten gegen diesen Punkt mit aller Schärfe und Heftigkeit gewandt und erklärt, obligatorische Proklamationen in Bezug auf religiöse Dinge ablehnen zu müssen. Im ähnlichen Sinne sprachen auch andere. Nachdem sich der ungeheure Tumult, den die Ausführungen Gurewitsch», die wohl noch nie auf einem zionistischen oder jüdischen Kongreß gemacht worden sind, einigermaßen gelegt hatte, ergriff Jabotinsky das Wort zu einer Erklärung, in der er sich mit aller Schärfe, insbesondere an die Orthodoxie dagegen wandte, die Redefreiheit auf diesem Kongreß zu unterbinden. Jabotinsky forderte in der ihm eigenen „ultimativen“ Art: entweder der Kongreß gibt jedem Mitgliedc die Möglichkeit, seine Meinungen auszusprechen, oder er „tue nicht mit“. Jabotinsky erklärt sich als Kämpfer DEMNÄCHST ERSCHEINT *DT?nön (DER FORTGESCHRITTENE) VON BEN-CHAVIV Verfasser des bekannten und weitestverbreiteten Lehrbuches FÜR ANFÄNGER VERL JOS. SCHLESINGER, WIEN, I. für Liberalismus und bringt mit großem Pathos den Dank jenen Männern der Geschichte zum Ausdruck, die für Gedankenfreiheit und gegen Klerikalismus gekämpft haben. Aber heute habe der Klerikalismus seine einstige Gefahr eingebüßt. Die Widerstände und Schwierigkeiten in der religiösen Frage seien zweifellos vorhanden. Diese können nicht, durch arithmetische Abstimmung gelöst werden. Man müsse vielmehr zu einander Vertrauen haben und sich bemühen, sich auf einer gemeinsamen Plattform zu finden. Den Ausführungen Jabotinsky» trat ein führendes Mitglied der Orthodoxie, J ii n gs t e r, entgegen, indem er sich gegen Jabotinskys ultimative Stellungnahme verwahrte. Jabotinsky zieht darauf das Wort ultimativ zurück und entschuldigt sieh beim Kongreß. Schließlich wurde in einer abgeänderten Form die Konstitution unter großen Beifallskundgebungen angenommen, in später Nachtstunde unter stürmischem Beifall des Hauses über Vorschlag des IVnnaneuzausehusses Seew Jabotinsky zum Präsidenten der neuen Zionistischen Organisation gewählt. Vorher wurden vier Resolutionen in der Frag»’ des Transfers und der Lage der deutschen Juden angenommen. ■* Die jüdische Legion hat Transjortfanien e obert In der Eröffnungssitzung der Wiener Tagung der Revisionisten hielt Colonel Patterson. der Führer der jüdischen Legion im Weltkrieg, eine Ansprache, in der er unter amlorm sagte „Wir kämpften in Transjordanien. Wer hat Transjordanien erobert? Nicht englische Soldaten, es war kein einziger englischer Soldat in Transjordanien; man muß England daran erinnern, daß es die jüdischen Soldaten waren, welche Transjordanien erobert haben. Die Engländer sind nicht so schlimm, man muß sie nur erinnern. Was ich zuletzt in Palästina gesehen habe, ist wunderbar. Wirtschaftlich ist alles ausgezeichnet. Politisch aber steht die jüdische Fahne auf Halbmast. Es ist eure Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die jüdische Fahne in Palästina auf Hochmast gebracht wird.“ Zum Dank für diese Tat der jüdischen Legion wird Transjordanien von England für die Juden gesperrt. Gisela Schönfeld Die Präsidentin der österreichischen WIZO, Frau Söffe Löwenherz, hat mit dem dieser Tage erfolgten Tod ihrer Mutter, Frau Gisela S c h ö n f e 1 d, einen herben Verlust erlitten. Mit Frau Gisela Schönfeld, die im 81. Lebensjahre stand, ist nicht nur eine selten gütige Mutter, sondern auch eine bedeutende zionistische Kämpferin dahingegangen. Frau Schönfeld stand jahrzehntelang ihrem Manne D a w i d Schönfeld, der zu den Pionieren der zionistischen Bewegung in Galizien gehört und auf allen zionistischen und jüdischen Gebieten Ersprießliches geleistet hat, in nichts nach. Frau Gisela Schönfeld hat insbesondere auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge in ihrer Heimatstadt, Lemberg Großartiges geleistet. Als Vorsitzende des Damenkomitees der Toynbeehalle, jener insbesondere im Osten so ausgezeichneten sozialen Institution, hat sie durch Einführung von Kindernachmittagen und -abenden Wertvollstes geschaffen. Aber auch in der zionistischen Frauenorganisation Polens entfaltete die Verstorbene! eine überaus ersprießliche Tätigkeit und leitete gemeinsam mit der, ihr im Tode vorangegangenen früheren Abgeordneten R o s a M c Iz e r, die Arbeiten der jüdischen Frauenorganisation in Lemberg. Seit 20 Jahren lebte Frau Gisela Schönfeld mit ihrem Gatten in strengster Zurückgezogenheit in Wien. Frau Schönfeld hatte an ihrem Lebensabend noch die stolze Genugtuung, ihr zionistisches und jüdisches Wirken in der reichen Tätigkeit ihrer Kinder, Frau Sofie und Dr. Josef Löwenherz, fortgesetzt zu sehen. Im vorigen Jahr feierte das Ehepaar Schönfold das 60jährige Hochzeitsjubiläum und war aus diesem Anlaß Gegenstand herzlichster Glückwünsche. Die Beerdigung fand gemäß einem Wunsche der Verstorbenen Montag in aller