Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 483 (13.9.1935)
- Date
- 1935-09-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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fett« 4 Nr. m — 19. September 1998 Bl« tTTMMt besonders starken Stimmittel auch ohne Zuhilfenahme dos traditionellen Kongreßhamhers stets Ruhe verschaffen, So g;ab Welzmann einen geradezu idealen Kongreßpräsidenton ab. Allein seine Arbeiten als Kongreßpräsident haben über die an sieh schon bedeutende Tatsache seiner aktiven Teilnahme am Kongreß, und über die. reinen Präsidialfunktionen hinaus, dem Luzerner Zionistenkongreß das bestimmende Gepräge lind auch den Glanz verliehen. * Die Kongreßpräsidenfcschaft Weizmanns hat sieh, jo länger der Kongreß dauerte, immer mehr als bloßer Auftakt für die Rückkehr Weizmanns an die Spitze der Bewegung erwiesen. Aber noch immer war diese Frage ungeklärt. Zwölf Kongreßtage waren bereits verstrichen. Es war am zweiten Kongreß-Sabbath. Die Kongreßteilnehmer, schon von zwölftägiger Arbeit ziemlich stark mitgenommen, verbrachten diesen spätsommerlichen wunderschönen Tag ln den herrlichen Gegenden zwischen Luzern und Pilatus, zwischen Weggis und Engelberg. Weizmann selbst, der sein Hauptquartier in dem entzückend gelegenen Vitznau aufgeschlagen hatte, verbrachte hier den Sabbath. Seine Bereitwilligkeit, die ihm angebotene Präsidentschaft wieder anzunehmen, war noch niemandem bekannt. Die Frage: Kommt WeizmannV stand auf aller Lippen. Am Abend dieses Sabbath, den repräsentative zionistische Persönlichkeiten des Kongresse« als „Schabbath Gadol“ und „Schabbath Teschuwah“ bezeichneten, als das Kongreßgebäude an den Ufern des Vierwaldstättersees wieder von Menschenmassen umlagert wfar, als die Wandeigänge, die Couloirs und die Räume des Kongreßrestaurants sich immer mehr mit Delegierten und Gästen füllten, -wurde die Antwort bekannt. Weizmann hatte angenommen. Diese Nachricht verbreitete sich überall rasch und bildete den allgemeinen Gesprächstoff. Weizmann selbst sah man oft an diesem Abend und was schon bei seinem ersten Erscheinen an diesem Kongreß angenehm auffiel, konnte man an diesem Abend besonders feststellen; das Ausgeruhtsein dieses Mannes. Man sah es Weizmann, als er nach vierjähriger Pause in der denkwürdigen Dienstag-Abendsitzung zum Abschluß der Generaldebatte wieder eine Rede auf dem Zionistenkongreß hielt, an, wieviel innerlicher Zusammenhang und starke Liebe diesen Mann an den Zionismus binden. Der Gesamteindruck dieses ersten Auftretens Weizmanns nach den trüben Erinnerungen in Basel 1931 war, rein persönlich, ein ausgezeichneter. Er ließ sieh in einem Wort zusammenfassen: Gesammelt, in sich gefestigt. Jede Bewegung, jede Geste dieses Mannes verrieten dies. Unwillkürlich mußte ich an ein anderes Bild denken, das in meinem Gedächtnis haften blieb. Es war nach dem Basler Zionißtenkongreß im Jahre 1931. In Badgastein. Hier saiohte ich Professor Weizmann auf. Seine Haltung war stolz und beschwingt der Sebritt, aks er mir auf den Stufen des Kaiserhofes in Gastein entgegentrat. Nur über der hohen Gelehrtenstirn, über den scharf gemeißelten Zügen «eines Gesichts lag ein zarter, dünner Schatten, der unendliche Müdigkeit verriet. Diese Müdigkeit kam auch nachher im kurzen Gespräch in der Hall zum Ausdruck. Er fragte nach allen möglichen Ereignissen, die in der großen Welt vorgingen, nur vom Kongreß und seinen nächsten Plänen wollte er nichts reden. Er sagte dies mit der ihm eigenen Verhaltenheit. Als ich Weizmann verlassen hatte, blieb ich noch lange, lange im Banne der Bewegung mit dieser Persönlichkeit. Nichts von jenem Schatten schwebt beute über diesem herrlichen Kopf des jüdischen Staatsmannes. Er macht den Eindruck eines Menschen, der aus ungeheuren Ressourcen schöpferische Kräfte zu schöpfen vermag, für das einzige große, ewige Ideal, von dem sein Herz beständig vibriert. Der Mann der nüchternen, harten, realen und praktischen Arbeit, der immer wieder nur diese predigt, wird zum Träumer, wenn er von Palästina spricht. Denn über die schweren und harten Arbeiten schwebt ihm da« jüdische Reich vor, an dem er zimmert im Bewußtsein und im Gefühl, an Werten und Werken der Ewigkeiten mitzuarbeiten. # Weizmann int wieder in den Lichtkegel der zionistischen Arena gerückt, er ist wieder zur neutralen Figur des Kongreese« geworden und jetzt nunmehr auch der gesamten zionistischen Bewegung. ( EINZIG IN WIEN!!! rein seiden ßerren fremden beste paßform nur sowie alles in Wäsch« und Wirkwaren billigst bei BERGMANN, Rabensteig 3, ü 20-709, HimmelpJortg. 5, R 25*8-84. Köllnerhofg 1, R 26-8-99 Wir bitten, sich bei jedem Einkauf auf umar Blatt tu berufen Daß diese Rückkehr Prof. Weizmanns in Luzem auf Schweizer Boden erfolgte, hat ihre beeondere hietorisphe Note. Denn hier in der Schweiz, in Basel, hat ihm der Zionistenkongreß vor vier Jahren «ehr viel Bitternis gebracht. Aber es ist für Professor Cliaim Weizmann bezeichnend, daß auch während der vier Jahre, da er keinerlei offizielle Würden inne hatte, seine Verbundenheit mit der zionistischen Idee und vor allem mit dem Schicksal Palästina-; eine gleich starke geblieben war. und er auch weiterhin — wenn auch stets im Hintergründe — mit unverminderter Energie für die zionistische Sache wirkte, Der Kongreß hat zunächst mit der Wahl Weizmanns zum Kongreßpräeidenten und dann zum Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency dem früheren Präsidenten einen hohen Ehrentribut erwiesen. Die stürmischen Ovationen. die überaus herzliche Begrüßung, die Weizmann bei «einem ersten Erscheinen im Kongreßsaal am ernten Kongreßtago und insbesondere nach seiner Wahl «owohl zum Kongreßpräsidenten, al« auch vierzehn Tage später zum Präsidenten der Organisation, von der überwältigenden Mehrheit dee Kongresse« zuteil wurde, waren aber auch bemerkenswerte Kundgebungen der Liehe und Anhänglichkeit großer Teile der Bewegung für Chaim WeLzinann. Denn Weizmann ist heute wirklich der Exponent des kollektiven Willens nicht nur fast aller zionistischen Parteien im Kongreßzionismus, sondern viedleicht mehr noch de« gesamten jüdischen Volkes. In Luzern 1935 wurde Basel 1931 liquidiert. Das ist vielleicht das historische Ereignis in der zionistischen Bewegung der Nachkriegsperiode. Mit Weizmann als Kongreßpräsident hatte der Kongreß wieder seine zentrale Figur erhalten. Mit Weizmann als Präsidenten der Organisation hat die Bewegung wieder ihren Brennpunkt erhalten. Möge er zum Lichtspender werden! Die Jewish Agency Luzern, 9. September. An der Aussprache auf der IV. Tagung des Rates der Jewish Agency am Freitag vor- und nachmittags beteiligten sich Itatsmitglieder aus den verschiedensten Ländern. Der Generalsekretär des" American Joint Distribution . Committee Joseph C. Hyman gab die Erklärung ab, daß die Nichtzionisten Amerikas mit den Zionisten Schulter an Schulter arbeiten werden. Er gab dem Wunsebo Ausdruck,' daß diese Zusammenarbeit jetzt und in Zukunft in Vertrauen und gegenseitiger Achtung erfolgen werde. —.— Dt. Viktor Stein (Tschechoslowakei) erinnerte an die Freundschaft des Präsidenten Masaryk gegenüber dem Zionismus. Er forderte eine verstärkte Organisation der Nichfczionisten un-d ein Budget für diese organisatorische Arbeit, damit der Palästina-Aufbau mit gemeinsamen Kräften beschleunigt werde. Max M. Marburg (Hamburg) gab die Anregung, daß die Sitzungen de« Councils Zu den hohen Feiertagen Billige Sonderfahrten nach Polen u.Czernowitz Abfahrten : 18., 22-, 25. September Uüeklahrten: 15. September, ö., 21. Oktober FRANCOPOI" Wienm*'R«nnw«si „ritAnVVrVl Telephon U 16-4-90 parallel mit den Sitzungen des Kongresse« stattfinden sollen. M e r e m i n s k y appellierte an die Nichtzionisten, ihre Leistungen zu verstärken, bemängelte es, daß noch ein separater Emergency Fund besteht, und forderte Vereinigung aller für den Palästina-Aufbau bestimmten Fonds unter der Kontrolle der Jewish Agency. Rabbiner Dr. Rosen man (Bialystok) forderte Verbesserung der Lebenäbedingungen in den Hachscbarah-Kibbuzim und Erhöhung des Budgets für Hachscbarah, damit die Chaluzira wenigstens nicht hungern müssen. Der Vorsitzende des Board of Deputier of British Jews, Neville L a g k i, übte Kritik an der Einwanderungspolitik der Mandatarmacbt, insbesondere an der Tatsache, daß die Einwanderung jüdischer Arbeiter in einem Zeltfwmk/fc eingeschränkt wird, da lm Lande starker Bedarf nach neuen Arbeitern besteht. Er verlangte, daß in Palästina Rqgierungslänclereäen zur sofortigen Inangriffnahme intensiver jüdischer Kolonisation zur Verfügung gestellt werden. Bezüglich der Zusammenarbeit der beiden Partner in der Jewish Agency bemerkte Neville Ln.ski, der Begriff „nonzioniist“ sei picht glücklich gewählt. Die Zusammenarbeit müsse auf gleichen Rechten und gegenseitiger Achtung aufgebaut sein. Jakob L ß s t ß c b i.n s k y' (Polen) erklärte, Palästina bahn der Juclenheit die Möglichkeit gegeben, die deutsche Katastrophe in eine historische Rettungg&rbeit um zu wandeln. Der Zionismus sei ein Resultat, nationaler und sozialer Sehnsucht; beide Momente müssen berücksichtigt werden, jedoch in der zionistischen Bewegung gehe jetzt ein Kampf absterbender Klassen gegen den Gedanken der Verwirklichung der Arbeit vor sich. Abraham Harz fei d (Palästina) erklärte, der ‘ nichtzionistißchß Teil der Agoney habe mittels des Emergency Fund eine große konstruktive Arbeit in Palästina geleistet. Er forderte neuen Boden für nationale Kolonisation und die Aufbringung von 500.000 Pfund jährlich zur Kolonisierung von 2500 Familien in jedem Jahre auf dem Lande, Rabbi 8 h ü 1 m a n (Amerika) gratulierte dem Zionistenkongreß zu der Verständigung zwischen Arbeiterschaft und Misrachi. Oberrabbiner Prof. Schon (Warschau) erklärte, die Agency symbolisiere die Einigkeit des jüdischen Volkes. Alle sieben Jahre sollte eine Massen-Alijah jüdischer Besucher für Palästina organisiert werden. Für die Jerusalemer Universität, die Krone unseres Aufbauwerkes, müsse mehr gesorgt werden. Es sprach dann Dr. Daiches (England). M. M. U $ s i s c h k i n führte aus, es werde einmal die Bezeichnung „nonzionlsts“ ebenso wie die Bezeichnung „zioniats“ verschwinden, weil Judentum n n d Zionismus als Synonyme werden erkannt worden. J. Sprinzak (Palästina) führte aus, der Unterschied zwischen beiden Teilen der Agency sollte sich darin ausdrücken, daß die Z. 0. Einzelpersonen, der andere Teil aber Körperschaften, wie jüdische Gemeinden u«w. umfaßt. Präsident Nahum Sokolow dankte ln herzlichem .Worten dem Council für die tos ii" l„ Bösendorferstr. 12 (Musjkvoreln) Tel. U 46-4-37 l„ Himmelpfortgasse l| Telephon R 28-1-76 20. Schuljahr Direktion Prot. Josst Raitloi Unterricht In Gesang, Klavier und allen OrchepleU Instrumenten von den ersten Anfängen Ins zu künstlerischen Ausbildung. Eigene lilinterfibteJinng. Anmeldungen und AuFnahmsprUfunß täglich vor- und nuchmiltiigs apinsvliOicOEirlt Im Musikvcreinsgebflurle. I., Wlsendorforstraße IV J&b Unterstützung und da« Vertrauen, die er Ihm im Verlauf von vier Jahren entgegengebracht hat. Ich werde, fuhr Sokolow fort, auch als Ehrenpräsident der Agency nicht, untätig bleiben, man hat mir zu dem Titel Ehrenpräsident gleichsam ein Postskriptuin gegeben: P r ä s i d e n t des K eren Ilajessod. In dieser Eigenschaft appelliere ich an den Council, die Arbeit für den Keren Ilajessod zu verstärken. In der Nachniittagssitzuug bestätigte der Council einstimmig die Beschlüsse dos XIX. Zionistenkongresses, die Dr. Hcxter vorlegte. Max Ritter von Anhauch (Cernanti, Rumänien) referierte über die Finanzr e s o J u t i o ii e n, die ebenfalls angenommen wurden. Er gab der Zufriedenheit über die Sanierung der Finanzen der Jowish Agency Ausdruck. In einer besonderen Resolution wurde der Keren fl a j e s s o tl als das zentrale Finanzinstitut der Jewish Agency zu seinem 15jährigen Bestehen beglückwünscht. Der K. II., heißt es weiter, habe den Grundstein für den Palästina-Aufbau gelegt und müsse jetzt neuerdings Zehnteusende jüdische Familien auf dem Boden verwurzeln. Zu diesem Zwecke sind vorerst eine Million Pfund für die nächsten zwei Jahre auf zubringon. Nach einem Referat von Altmana (Wien) wurde das Budget ohne Änderung angenommen. Lady E r 1 e i g h referierte über die politischen R e s o 1 u t i on e n, die ebenfalls einstimmig zur Annahme gelangten. Besonders akklarniert wurde die Protestresolution gegen den Legislative Council. Latzky-Bertholdi referierte über Alijah und Hachscharah, Dr. Bernhard Kahn über Organisation und Konstitution Zionistische Sesirfcsgektion leopold- Stadt, Wien, U,, PratersSraße 13, TeBephon 42-407 Wie alljährlich, veranstaltet auch heuer die Zionistische ßezirkesehtioi) keppoIhsUdt anläßlich der HOHEN FEIERTAGE in den Räumen des Zentrallokals, II., Tabor- Slfaßn 8. ein MINJAN bei dam der bekannte Uersch LfW/ekrpy} (Herschaly) fundieren wird. Karlenvorverkauf beginnt Sonntag, den 8. September 1085, täglich von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, im Zeutrallokul, JJ., Taborslraße 8, und yop 8 big 10 Uhl abends im Sektionsheime, II., I’ratei Straße 13. der Jewish Agency. Die Kommission, sägte Dr. Kahn, beschloß, in der Konstitution der Agency keino Änderung eintretßu zu lassen. Die Exekutive wird beauftragt, in Jerusalem ein Departement für Organisierung der Nichtzionisten zu errichten und für diesen Zweck eine entsprechende Summe in da« Budget einzustellen. Dem Departement «oll ein Beirat beigegeben werden. In einer besonderen Resolution wird erklärt, daß keiner in den Council g c w ä h 11 werden d a r f, d er n i c h t K e r e n - II a j e « s o d - Z a b 1 e r ist. Allo Mitglieder de« Councils müssen «ich an der KerenTIajessod-Arbeit aktiv beteiligen. Alle diese Resolutionen wurden angenommen. Die Neuwahlen Im Namen der Nomination&kommission machte Max M, Warburg Vorschläge zur Wahl des Administrative Committee und der Exekutive, die angenommen wurden. Restaurant Bidet ^3 Bestrenommieite Küche vj Reichhaltige Menüs ä S 1*gjp u. 2*60 II., Hammerpurgstal gasse 3 (nächst Sa’ztorbrlicke) 07046658