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Die Stimme · 1935-09-13 · Heft 483 (13.9.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 483 (13.9.1935)
Date
1935-09-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 483 — 13. September 1939 Dtl ITfMMl S«?f# 9 als Kongrdjpräsident beschlossene Alijah-Schlüsse-l wird viele Reibungen aus dem Wege schaffen, ebenso wie die Anerkennung der Absolvierung von Fachschulen als Hachscharah. Darüber hinaus muß aber das Alijah- Recht der allgemein-zionistischen Handwerker durchgesetzt werden. Die bisher stiefmütterlich bedachte Alijah und A n e i e d 1 u n g von Mittelständlern ist ebenfalls ein noch nicht gelbstes Problem. Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten hat in den Koalitions- Verhandlungen großen Nachdruck auf die Behandlung dieses Problems gelegt und wir sind «doher. daß Dr. Rottenstreich hier seinen Mann stellen wird. Puter den innerpolitischen Streitfragen wurrle in Luzern ein Postulat des Krakauer Pnvrramms des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten erfüllt. Das Kontrolla in t, unter der Leitung von Dr. Ruppin, der keiner Partei angehört, wurde geschaffen. Damit wurde nicht nur eine Rechnungskontrolle eingeführt, sondern auch ein Amt, das überall dort einschreiten kann, wo unsachgemäße Ausgaben erfolgen oder wo es an der nötigen Sparsamkeit mangelt. In allen anderen innenpolitischen Fragen aber ist der Luzerner Kongreß nur eine Promesse. Wir vertrauen den gemachten Zusagen, sonst wäre der Weltverband der Allgemeinen Zionisten nicht in die Koalition gegangen. Koalition bedeutet nicht die Aufgabe des Programms, weder bei den Arbeitern noch bei uns. Von der Arbeiterpartei sind wir weltanschaulich getrennt. Wir haben aber im Interesse des Aufbaues und des Friedens wesentliche Punkte des allgemein-zionistischen Programms einstweilen in der Hoffnung zurückgestellt, daß der andere Vertragspartner jene Loyalität an den Tag legen wird, die wir bei Eingehung der Koalition vorausgesetzt haben. Für uns bedeutete diese Koalition kein Opfer an Überzeugung, aber ein Opfer an Geduld, weil wir unseren eigenen Forderungen getreu dem Krakauer Programm den Primat der nationalen Interessen voranstellten. Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten wird aber die Hände nicht in den Schoß legen, sondern weiter am Ausbau seiner Positionen in der Galuth und in Erez Israel arbeiten. Der Weltverband hat durch seinen Eintritt in die große Koalition ein heroisches Opfer gebracht. Wenn sich dieses Opfer lohnt, dann war der Luzerner Kongreß der Markstein einer glücklichen Entwicklung der Zionistischen Organisation. Dr. Rottenstreich über den Kongreß Das neugewählte Exekutivemitglied Doktor Rottenßtreich, der den Weltverband der Allgemeinen Zionisten in der Exekutive vertritt, erklärte der Ifca: Der Kongreß hatte zwei Schwierigkeiten zu überwinden: erstens, den Misrachi fester an die Organisation zu knüpfen, und zweitens durch die Wahl des Präsidiums der Organisation wieder Autorität vor der Außenwelt zu geben. Beide Aufgaben wurden erfüllt. Ungeachtet der politischen Schwierigkeiten hat sich der Kongreß ernsthaft auch mit wirtschaftlichen und finanziellen Problemen befaßt. Der Standpunkt des Leiters des Finanzdepartements, daß es zu keinem Defizit kommen dürfe, wurde gewahrt. Sehr, wichtig ist der Beschluß, noch im Jahre 1936 zwei Finanzinstrumente, eines fiir die Landwirtschaft und eines für die Industrie, zu schaffen. Außerdem hat der Kongreß beschlossen, die Exekutive aufzufordern, sie möge die Bankinstitute in dem Sinne beeinflussen, daß de die Kreditgewährung an die Palästinaimhißtrie ausdehne. Daraus ist zu ersehen, d,»ß der Kongreß sich für die Industrialisierung Palästinas ausgesprochen hat. Die Aufgaben der neuen Exekutive, fuhr Dr. Rottenstreich fort, werden meiner Meinung nach in folgendem bestehen: erstens zu vereuchen, ein übermäßiges Wachstum der Städte auf Kosten des Dorfes zu verhindern; zweitens Möglichkeiten für eine neue großzügige landwirtschaftliche Kolonisation zu finden; drittens energische Vorstellungen in der Frage der palästinensischen Zollpolitik zu erheben; viertens zu versuchen, die Handelsbilanz Erez Israels zu verbessern. Weizmann Zu den hervorstechendsten Ergebnissen des Luzerner Zionistenkongresses, die diesen zum denkwürdigen machten und zu einem historischen stempelten, gehört wohl d i e Rückkehr Weizmanns an die Spitze der Zionistischen Weltorganisation. Und diese Rückkehr wurde eigentlich gleich am ersten Arbeitstage des Kongiesses mit der Wahl Professor Weizmanns zum Kongreßpräsidenten besiegelt. Es war das Ereignis des Kongresses und dazu angetan, einen neuen Abschnitt in der zionistischen Gesamtbewegung einzuleiten. Weizmann als Kongreßpräsident bedeutete den ersten offiziellen Schritt auf dem Wege, wieder an der politischen Führung und Gestaltung der zionistischen Bewegung und der Palästinaarbeit aktiv teilzunehmen. * Das Amt des Kongreßpräsidenten, das auf den ersten Zionistenkongressen von Herzl selbst ausgeübt wurde, hatte während sämtlicher Nachkriegskongresse der knapp nach dem Prager Zionistenkongreß verstorbene Leo Motzkin inne. Es wird wohl kaum einen Teilnehmer der letzten Zionistenkongresse geben, der sich nicht an diese populäre Gestalt des energischen und gütigen, des klugen und witzigen Kongreßpräsidenten Leo Motzkin erinnern würde. Die Wahl des Kongreßpräsidenten — immer der erste Punkt der Tagesordnung — war während all der Jahre lediglich ein rein formeller Vorgang, dem keinerlei Meinungskämpfe der Parteien voranzugehen pflegten. Eine Ausnahme brachte bloß der Prager Zionistenkongreß, auf dem es zum erstenmal efn tagelanges Ringen um das Kongreßpräsiditim gab, wobei auch damals in Bezug auf die Person Motzkins sich sämtliche Parteien einig waren. Denn Motzkins vorbildliche Arbeit als ständiger Präsident der Zionisten- "V on Dr. -Jakob Kosentbal Dr. Weizmann unter den Zuhörern vor seiner Wahl zum Kongreß Präsidenten kongresse in der Nachkriegsperiode war zu einer der schönsten Traditionen der Kongresse selbst geworden. Motzkin hatte es mit viel Geschick verstanden, die verzwicktesten Situationen eines aus aller Welt beschickten jüdischen Parlaments zu meistern und zu lösen. Mit Recht war er der Liebling aller Parteien. * An diese Motzkinsche Tradition der Kongreßführung hat Prof. Weizmann, wie er es in seiner Ansprache nach der Wahl als seine Absicht kundtat, angeknüpft: An die Tradition der Hochhaltung der demokratischen Prinzipien. Die überragende Persönlichkeit Weizmanns, seine diplomatische staatsmännische Klugheit und nicht zuletzt die ungedie von diesem Manne ausgeht, sowie did große Autorität, die er beim gesamten Kon-« greß — unbeachtet der politischen Gegnerschaft von mancher Seite — genießt, stellten der Weizmannschen Kongreßführung von vornherein das beste Horoskop. Seine Arbeiten als Kongreßpräsident haben dies nicht nur bestätigt, sondern sogar weit über^ troffen. Er führte die Verhandlungen und Beratungen mit Witz, mit Klugheit, mit Objektivität und mit dem ihm eigenen Scharm. Ja, Weizmann war sogar als Kongreßpräsident von einer gewissen Milde. Und von sehr viel Takt, insbesondere gegenüber der Opposition. Gegenüber den eigenen unaufdringlich nachgiebig, war er der Opposition und dem Gegner gegenüber geduldig und nie hart. Und trotzdem war dabei seine Kongreßführung strenge und sachlich. Der Engländer in ihm dominierte da. Er schuf eine wunderbare Ordnung. Von seinem Präsidialtische gab er den Ord-i nern Weisungen, die Türen zu schließen* bat die Gäste, ihre Plätze einzunehmen, die Gänge freizuhalten, und er tat dies mifc jener Einfachheit und Selbstverständlichkeit, die einer großen Persönlichkeit für alle kleinen und klein scheinenden Dinge eigen ist. Scharmant war seine Kongreßführung und reich an Einfällen. Da stand an der Rednertribüne gerade ein Mann, der nicht nur durch seine Körpergröße und Stärke, sondern auch durch die gewaltigen Stimm-« mittel auffiel. Seine Ausführungen lösten bei der Opposition Widerspruch und ZwL schenrufe aus. Weizmann ließ sonst Zwi-« schenrufe zu, solange sie nicht in Massen-« chöre auszuarten drohten, aber diesmal gab' er der Opposition den klugen Rat, die Zwischenrufe zu unterlassen, da, was Stimm-« mittel anbetrifft, der Redner mit seinem wuchtigen Organ im Vorteil wäre. Weizmann konnte sich trotz seiner absolut nicht wohnliche, fast magische Suggestivwirkung, Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. YfT T fn) Lu IÜ \li UL) Das 100% reine Kökosn u ßfett Nur echt in Originalpackung! Der Zionistische Landesverband zum Kongreßersebnis Am 10. September fand eine gemeinsame Konferenz der Mandatare des Landeskomitees, der Bezirkssektionen und der Kultusvorsteher statt, bei welcher Dr. Grünbaum über die Ergebnisse des Kongresses referierte. Dr. Berger, der den Vorsitz führte, beantragte folgende Resolutionen, die einstimmig augenommen wurden: 1. Die Konferenz beglückwünscht Professor Dr. Chaim Weizmann anläßlich seiner Wahl zum Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency und wünscht ihm vollen Erfolg im Kampfe um den Aufbau Erez Israels und um die Konsolidierung und Verbreitung der zionistischen Bewegung. Der Zionistische Landesverband fiir Österreich gibt der Hoffnung Ausdruck, Professor Weizmann bald als seinen Gast in Wien begrüßen zu können. 2. Die Konferenz dankt dem bisherigen Präsidenten, Dr. Nahuin S o k o 1 o w, fiir seine ersprießliche Tätigkeit, beglückwünscht ihn zu seiner Ernennung zum Ehrenpräsidenten und wünscht ihm vollen Erfolg in seiner neuen Tätigkeit auf dem Gebiete des Keren Hajessod und der jüdischen Kultur. 3. Die Konferenz begrüßt die neugewählte Exekutive und gibt der Zuversicht Ausdruck, daß es ihr gelingen möge, die Befriedung der zionistischen Organisation und die Sicherung des Aufbauwerkes dtirchzuführen. Die Konferenz hofft insbesondere, daß die neue Exekutive auf dem Gebiete der Alijah der jüdischen Not in Österreich, insbesondere der Not der jüdischen Jugend Rechnung tragen und dem Kibuz Winai s c h e 1 G’d u d Z i r i m ihre Fürsorge angedeihen lassen wird. 4, Die Konferenz dankt den Kongreßdelegierten Dr. Oskar Grünbaum, Frau Sophie Löwenherz und Dr. Nacbman Frey für ihre Tätigkeit beim 19. Kongreß und spricht ihnen das Vertrauen aus.

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