Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 483 (13.9.1935)
- Date
- 1935-09-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit* St Ort STIMM! Nr 488 — 18. September 1988 Bimse Rüsen imcti Palfisflno Kostenlose Beratung In allen Reiseangelegenheiten, welche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch: ReiseDilro ,,'n die Weif (Dr. S. Tod«er) X r.. Liechterisfeinsfr. & Fei. A 14-504 Handel trotz des jüdischen Welt* boykotts in keinem größeren Umfang zurückgegangen ist als der Außenhandei der anderen Länder auch. Er schließt dann mit Omer nochmaligen Kriegserklärung an den „bolschewistischen Juden in Moskau". Da Hitler ganz genau weiß, daß der Jude mit dem Bolschewismus nichts zu tuu hat, daß es keine jüdischen Drahtzieher gibt, so kann man seine ganze „Proklamation“ nur als die Ansage der Fortsetzung der Aktion ansehen, die in Deutschland den Juden die Lebensmittel, Medikamente, Wohnungen raubt, die Kinder verhungern läßt und eino halbe Million Menschen dem brauen Mob zum Fraß vorwirft, damit er nicht andere zu fressen beginnt. Zu dem Parteitag sind ungeheuerliche Aufgebote nationalsozialistischer Formationen zusammengezogen worden. Eine halbe Million Menschen ist nach der Pegnitzstadt berufen worden, unter ihnen 180.000 Parteifunktionäre, die dort neue Instruktionen erhalten sollen. Was sie von dieser Parade än Geistigem in ihre Ausgangsstellungen Entnehmen werden, liefert ihnen das Elaborat Hitlers. Ihm schließt sich Julius Streicher an, der Herr des Franken- Iahdes, der sich in einer Rede rühmt, sein „Stürmer“ sei die meistverbreitete Zeitung Deutschlands. Er hat dem Parteitag in einem Aufruf Weg und Ziel gewiesen: „Die Treue zum Führer und -der Glaube an seine Mission haben dem Nationalsozialismus die Siege errungen bis zu seiner Machtergreifung Im Dritten Reich. Die Treue zum Führer und der Glaube an seine Mission wird dem Nationalsozialismus auch den letzten Sieg erringen helfen, den Sieg über d en W e 11 f e i n d Juda. Daß sieb der Reichsparteitag 1935 vollzieht inmitten einer von Juden gehetzten Welt, läßt uns die Größe der Aufgabe erkennen, zu deren Lösung das Schicke a 1 den Nationalsozialismus ausersah.“ Deu richtigen Sinn gibt seinem Aufruf die dem Parteitag gewidmete Sondernummer des „Stürmers“, die den Titel trägt: „Menschen* mörder von Anfang än.“ Sie ist eine in Streicherscher Manier gehaltene zwanzig Seiten starke und illustrierte Geschichte des „jüdischen WeltbolscheWiSmus von Moses bis zum Komint e r n.“ Es ist eine einzige greuliche Lüge vom ersten bis zum letzten Wort, die aber genau dem Rezept in „Mein Kampf“ entspricht, daß die Propaganda sich immer auf den Beschränktesten einzustellen hat, weil dieser alles glaubt, was ihm immer wieder vorgetregen wird, und weil er das Urteil der Masse formt. Man kann sißh also schon jetzt auf allerhand neue Quälereien geLßt machen, zu denen der Nürnberger Trichter den Ton für die 500.000 Leute aügibt, die von Nürnberg nach allen Teilen des Reiches wieder zurückkehren werden. Julius Streicher ißt der mächtigste praeceptor Germania«. Er ist letzthin gemeinsam mit dem kongenialen Wilhelm Kube auf Verfügung des Führers und Reichskanzlers in die Akademie für deutsches Recht berufen worden. Seine volle Entfaltung steht demnach bevor, und während in der einen Woche Schacht eine seiner Reden an das Ausland halten wird, kann Streicher mit der höchsten Autorität hinter eich seine Theorien in Taten umwandeln. »Dr. Krüger-Heim« Zentralanstalt für Mädchenerx ehung und Fortbildung r*;*phon A 48-0-77 Wl*n, ll., Maisgaaa« i Vok«- un i Haupruchute für Mädchen / Drei .‘Ihrige Höhere Lehmn-itaU für wirtschaftliche Frauenberufe Zweiiilhriup Fachschule für n leidarmachen und Wäechewarener/eugung lieth Jacob Religion» Lehrerinnen Seminar Zweijährige Kindergflrtm*»Innen-liildungftanntaH Einjähriger praktischer Fortbildungskurs für Maiurantinnen Projekt auf Wunsch Internat btreng religiöser Haushalt Die große Koalition von Dr, Oskar Criinbaum In weiten zionistischen Kreisen herrscht FriedeneaehnSucht. Das ißt auch der Grund dafür, warum die in Luzern zustande gökomtöeno große Koalition überall große Befriedigung auslößt. Nicht« wäre aber unrichtiger, als schon jetzt in Jubel ÄüSZÜ* bfööhön. Die neue Exekutive hat vom Kongreß einen großen Vertrattönekredit bekommen, den sie erst abstatteit muß. Werth 64 auch verfehlt wäre, ihr von vornherein mit Mißtrauen etttgegenzukommen, ßö ist ei trotzdem notwendig, einmal aufzuzeigen, auf welchen Gebieten die Exekutive ihren Mann zu stellen haben wird, um däß In-sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Zwei große Komplexe von Problemen harren der Lösung, außenpolitische und in* nenpolltißche. Außenpolitisch ist die Situation durch die drohende Einführung eines Gesetzgebenden Rates beschattet. Erfreulicherweise ist in dieser Frage eine hundertprozentige Einheitlichkeit der Auffaesung des Kongresses zutage getreten. Der Kongreß lehnte einmütig den Gesetzgebenden Rat ab. England kann seine Einführung beschließen, die Juden aber werden ihn nicht beschicken. England kann den Gesetzgebenden Rat etablieren. Aber selbst dann,- wenn ihh die Araber beschicken sollten, wird er ein Toreo bleiben. Trotzdem wird unsere Situation aber eine schwere bleiben, Nimmt man noch dazu, daß die Öffnung Tranäjordan i e n e zu erreichen ist, daß der a b e eeinisebe Konflikt den Orient aufwühlt und das Mittelländische Meer, wie W e i z m a n n sagte, politieche Welle n zu schlagen beginnt, so wird man ermessen, daß das politische Ressort vor schweren Aufgaben steht. Matt muß fiUr wünschen, daß die Einheitlichkeit der Auffassung bezüglich d§6 Gesetzgebenden Rates Weizmann und Brodetzkys Aktionen auch ln allen anderen außenpolitischen Ägettdöfi stützen möge. Innenpolitisch sind die Probleme noch schwerer und auch vielfältiger. Die neue Exekutive muß zunächst einmal alle Anstrengungen machen, um einen größeren Einfluß auf die Gestaltung des Aufbaues «l gewindet!, die vielfach Über den Köpf der Ziöniettechett Organisation vor sich geht. BödönSprtkulatiöö tiOd Landflucht müssott energischer als bisher bekämpft werden. Das wird aber nur möglich seift, wetitt es gelingt, in Palästina das zu schaffett, was matt öffentliche M 6 i tt u tt g ttettnt, wentt das Prinzip dee lafesez faire, laisSez aller uttd des „Erlaubt ist, Was gefällt“ endlich einmal gebrochen wird. Dazu ist aber notwendig, daß der Kasten- und Klassengeist, oder, wie es Weizmann einmal genannt hat, der „1 at. e n t e Bürgerkrieg“ einer friedliche!! und gerechten Neuordnung Platz macht. Hier sind wir beim Kernproblem der neuert Exekutive angelangt: Es ist das Problem der Arbeitergewerkschaft. Vött seiner gerechten Lösung hängt der Erfolg öder Mißerfolg dor Exekutive ab. Der 19. Kongreß war eine deutliche Mahnung an die politischen Führer der Arbeiter. Beim 18. Kongreß in Prag konntet! eie sich noch elften „H eCbsch o r“ für die Histadntth holen. Beim 19. Kongreß in Luzern wurde über die Beschlüsse der Awodah-Kommission nicht abgestlmmt, sondern die Entscheidung dem Aktionskomitee Überlassen. Das war kein Zufall. Wäre es über die Frage der Arbeitsbeziehungen zu einer Debatte und Abstimmung gekommen, so hätte es wohl keine große Koalition gegeben. Vielleicht wäre sogar die Arbeiterpartei bei einer Abstimmung über die Anträge der Awodah-Kommission allein geblieben. Es war daher gut, die Beratung einem Komitee und dem Aktionskomitee zu überlassen. Hier wird also die staatsmännische Klugheit deT Parteien, insbesondere aber der Arbeiterpartei, die Probe zu bestehen haben. Der Luzerner Kongreß wird erst dann mit Sicherheit als erfolgreicher Kongreß bezeichnet werden können, wenn in allen mit der H is t a d ru t h zusammenhängenden Fragen, also auch bezüglich der Schlichtung von Arbeitskonflikten durch Schlichtung sämter und nationale Arbitrage ein alle Telle bindendes Übereinkommen erzielt sein wird. Ein solches Übereinkommen setzt Voraus, daß alle Arbeitergruppoft, aüch der Irgun der allgenm e i n - z i o n i s t i s c h ’e n Arbeiter, nach dem. Mus te r des H a p o e1 schel Misrachi ihre Autonomie erlangen. Eine weitere innerpolitische Frage ist die Frage des Statuts der Organisation. Die von dem jetzt abgetretenen Leiter des Örganisatiöasdepartements B o r I L ö c k 6 t-durChgOpeitschten Beschlüsse sind 1 nicht darnach angetan, eine befriedigende Lösung horbeizuführett. Locker stand dem einmütigen Widerstand des Weltverbandea der Allgemeinen Zionisten und des Misrachi gegenüber. Auch ein Teil der Arbeiterpartei und fast die Hälfte der Delegierten der WeltverOinigüng der Allgemeinen Zionieteu Einiges hat ör jetzt in Nürnberg geleistet. Den Juden ist verboten worden, sich auf Gartenbätike zu setzen, die jüdischen Kinder sind von den Spielplätzen weggewiesen worden, die Polizei hat den Auftrag erhalten, sich bei Exzessen taub und blind XU stellen. Im übrigen Reich ist es nicht anders. Den jüdischen Zeitungen ist der freie Verkauf untersagt worden, m württembergischen Städten darf ihnen keine Butter verkauft werden, die amtlichen Boykottbefehle sind kaum mehr zu zählen, eine Unzahl jüdischer Musiker ist mit sofortiger Wirksamkeit brotlos gemacht worden, und nun wird die Einrichtung der Ghettosehule gemäß den Grundsätzen der Ra&sentren nung angekündigt, das heißt, es werden die Kinder von volljüdischen Eltern mit den Kindern der sogenannten Halbjuden, also mit katholischen und protestantischen Kindern getaufter Väter oder Mütter zusammengestopft. Die Reform, die an sich nicht so uuangenehm wäre, weil sie jedenfalls die Judenkinder der seelischen Marter des in den Volksschulen betriebenen Russen unterrichtes entzieht, ist darauf angelegt, geradezu unerträgliche Zustände zu schaffen. Für eine Schule —* nicht Klasse — wird die Zahl vom zwanzig Kindern als Vorbedingung angenommen, wobei gegebenenfalls mehrere Oder sämtliche Jahrgänge in einer Klas«e zusammengepfercht werden. Aber nicht nur in den Volksschulen, auch iu den privaten Schujen und in den Hochschulen soll diese Rassentrennung erfolgen, die ausdrücklich als Demütigung der Juden bezeichnet wird, in dem ein amtliche! Kommentar die nichtjüdischen „N i c h ta r i e r“, also etwa Ungarn, Finnen, Ja paner, Chinesen, Von der Maßregel ausnimmt. Der Erlaß ist zudem unvollständig. Er sagt nichts Über den Lehrplan, nach welchem die jüdischen und zwangweise eingeschtilten christlichen Kinder gemeinsam von jüdischen Lehrern ausgebildet werden sollen. Eine weitere, über den deutschen Staat hinausgreifende Verschlimmerung liegt in den Beschlüssen der kürzlich in Hannover versammelten Führer der ausländischen Nationalsozialisten, die einer einheitlichen Instruktion unterstellt worden sind. Es ist wohl nirgend eine Unklarheit über den Obrakter dieser Vorschriften, die eine ganz «□verhüllte Einmengung in die inneren' Angelegenheiten anderer Staaten darstellen, die von deutscher amtlicher Seite, von den* Rosenbergschen Außenpolitschen Amt begangen wird. Die Großmächte haben vor kurzem in dem analogen Fall der Komintern-Beschlüsse viel Energie in Mo-skau aufgewendet und die Hinauswabl L i t w i n o w s aus d?m Präsidium des Völkerbundes — die inzwischen wieder korrigiert wurde — hängt mit dieser Angelegenheit zusammen. Die deutsche nationalsozialistische Partei, die sich immer mit dem Staat gleichsetzt, hat ihre Auslandsparteien als „Gau Ausland“ zusammengesetzt, stellt somit ihre Tätigkeit unter dio Aufsicht und den Schutz des Dritten Reiches. Diese Organisationen Relsepropagandadlens) der Billige und bequeme Sonderfahrt nach POLIN und CZiftNOWITZ im Sonder-D-Zug, Flaljsknrten mit Ssimnielpaß. Abfahrt Wien am 85. Meptemltei' »IMft. Rückfahrt ain 0. OlUob.cr 055. Fahrpreis Wien- Czernow.tz inkl. ViaageblWiren S 104*-. Technische DurchfUnrting, Anmeldung und Auak nfte: Ocslcrr.Verkehriburenu, Wien, 1., Friedrichstraße 7, T. lepli >n B 27-500; Oeilcrr, Verkehrs u reau, Wien, I., liraben 20, Telephon U 2!t-OI6: i-olnisches He.isebureau „Orbis-, Wien, I , Kflrnlneratraße 41, Telephon R 21-6-78; Heinebureau „MarienhrUoke“, Wien, I., Kotenturmstraße 26, Telephon R 24-2-86 und R 24-2-87. opponierte seiften Ahträgcn. So kamen Be- «chKißse zustande, die flicht Fisch und nicht Fleisch «ind. Es wurde lediglich das Prinzip des sogenannten Tertitorialverbandes angenommen. Es «ollen einheitliche Land(»Organisationen g eschaffen werden, die in Angelegenheiten der Fonds, der Hachecharah usw. beschließen sollen. In allen konkreten Fällen soll erst, wie es in dem Beschlüsse heißt, das Aktionskomitee entscheiden, nachdem vorher „auf Grund von V o r s c h 1 äg e n der Exekutive, basiert auf Klärung des Sachverhaltes mit den in verschiedenen Ländern vorhandenen Faktoren dio Situation geklärt“ «ein wird. Da außerdem die interterritorialen Vereinigungen und ihre Landesgruppen“, also auch der Weltverband der Allgemeinen Zionisten und seine Landesgruppen bestehen bleiben, ist die Einführung des Territörialverbandes, was zumindest Österreich anbelangt, kein rande die beften Plätze beim Reisebüro City Dr. I. ff. Körner Wien, I., Kohlmarkl 8 U 26-4*29 aktuelles Problem. Locker gab auch in «einem Schlußwort folgende Erklärung ab: „Weder die Organisation skommission, noch die Exekutive hat die Absicht, diese Sache von o|ben herab gegen den Willen d e r L ä n d e r e i n z u f li h r e n.“ Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten, dfesson Einheitlichkeit in Luzern so manche Erfolge zu verdanken sind, wird als Koalitionspartei die Frage des Territorial Verbundes zu gegebener Zeit im Schoße der Koalition besprechen. Auf alle Fälle ist festzuhälten, daß die Initiative dee Örganisatiönsdepartements abzuwarten ist. Ein weiteres brennendes inüerpölittechOs Problem ist däs Alijähprobiem. Wir wollen auf, Gfurid der KoaUtiönsbeSpfechutigeti hoffen, daß es möglich sein wird, im gütlichen Einvernehmen der Koalltionspärteien Mittel und Wege zu finden, um die berechtigten Beschwerden der Allgemeinen Zionisten zu beseitigen. Der vom Kongreß haben gemäß den Richtlinien des Münchener Programme« zu arbeiten, also überall die Interessen ihrer auf den deutschen Reichskanzler vereidigten Parteien über die Interessen der einzelnen Staaten zu stellen. Sie schaffen für Berlin so und so viele Anlässe, in die Politik anderer Staaten einzuigreifeii, und sie sind in allem, auch in militärpolitschen Fragen eidlich verpflichtete Handlanger des Systems, das durch Goebbels versichern läßt, der Nationalsozialismus sei keine Exportware, und trotzdem Fememörder in alle Welt hinausschickt. Diese Konstituierung des „Gau Ausland“ dürften die Staaten zumindest nicht ohne Einspruch akzeptieren. Was die Einrüstung bezweckt, darüber gibt es schon in Französisch-Nordafrika Erfahrungen. Hand in Hand mit der Judenhetze geht die a n t i e u r o p ä i s c h e Verschwörung, die bewußt den Untergang der Zivilisation herbeiftlhren will, aus der sich das Dritte Reich ausgeschlossen hat. Die Juden sind die Vorposten Europas und sie sind das erste Objekt des Angriffs. Welche Bedeutung Ihnen der Nationalsozialismus boimißt, zeigt Hitlers Expose, das nichts ist als eine antijüdische TOndenzröde. ERSTKL. MÄDCHEN - PENSIONAT MINA RUND •bphon? IfÜJfÜ*®0*** ** I In Verbindung mit allen Schultypen, Vorbereitung zur Staatsprüfung,'Deutsch, - Englisch. Französisch, Italieninch, Musik. Hebräisch, Handelsschule. Zeitgemäße Preise. Tagesheim.