Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 483 (13.9.1935)
- Date
- 1935-09-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. Prrfi dlaiir Nummer 20 g JÜDISCHE ZEITUNG SONDERFAHRT NACH PALÄSTINA UND ÄGYPTEN mit dem Luxusexpreßdamp'er „CONTE GRANDE" Mtr ab Triest 30. September an Haifa 3. Oktober an Alexandrien 4. Oktober AuskQn ft«: Generafagentur, Wien, I., Kärntnerring 6 Telephon 3-2«= U 47-5-60 la mit LLOYD TRIESTINO FLOTTE RIUNITE LLOYD TRIESTIMO-MARITTIMA ITALIANA-SITMAR jo« fe Dir?fie» ** CaMfAMtltA« «*1* I Redaktion und Administration: Wien, L, Marc-Aurei-StraBe 8. 499 p ” SCII5 aCpICInOCr *™<i35P I Tel.: U 22-3-91 Redaktioneschiuß Montag und Mittwoch vorm. I (15- Elul $695) | 8. Jahrgang XUuuwi VAL Warschau, 11. September. Der „Hajnt“ meldet unter dem 8. ds. aus Jerusalem: Aus Kreisen, die der Palästinaregierung nahestehen, wird mitgeteilt, daß die Regierung für das komme n d e H a 1 b j a h r, das am 1. Oktober beginnt, etwa 10.000 Zertifikate bewilligen wird, das heißt um 1500 mehr als die letzte Scbedule ausmachte. Die Regierung ist aber gezwungen, auch diesmal von der angegebenen Zahl eine gewisse Zahl für Touristen, die im Lande illegal verbleiben, in Abzug zu bringen. In den Kreisen derJewishAgency hält man es für wichtig, daß die Regierung diesmal zumindest 20.000 Zertifikate bewilligt, um so teilweise die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes zu erfüllen. Dabei wird darauf hingewiesen, daß ein Teil der Zertifikate für Unverheiratete bestimmt ist, und daß andere Kategorien diese Zertifikate nicht werden benützen können, so daß auch dadurch der Zustrom neuer Menschen ins Land verringert wird. Die Frage wird erst nach der Rückkehr der Agency-Mitglieder aus Luzern nach Jerusalem endgültig entschieden werden. : REISEBÜRO CITY . d r. j; ij.-. .k:o’ r.n e. r . i WlENJ. KOHLMARkT Ä^U-Z^-i^ j YihCLYbeACACJtMtQ . . Vier Juden in den polnischei Sejm gewählt Warschau, 11. September. (2. T. A.) Am Sonntag, den 8. September^ wurden in Polen auf Grund der neuen, die bürgerlichen Wahlrechte und besonders die Wahlrechte der Minderheiten sehr eipschränkenden Wahlordnung die Wahlen zum Sejm durchgeführt. In Kongreßpolen haben auch die offiziellen Zionisten, in anderen Gebieten hat auch die jüdische Orthodoxie Wablenthaltung empfohlen. Im allgemeinen wird die schwache Beteiligung an den Wahlen als eine schwere Schlappe des Regierungslagers beurteilt, so daß mit einer Kabinettsrekonetruktion als fast sicher gerechnet wird. Im Warschauer zweiten Wahlkreis, der die größte Zahl jüdischer Wähler umfaßt, wurden der Nichtjude Francziszek Urbansky mit 12.351 und der frühere jüdische Sojmabgeordnc-to und Gründer des jüdischen Kooperativwesens 'in Polen W a c l a w W y s zlick i mit 12.127 Stimmen gewählt. Im ganzen haben sich laut Schätzung etwa 16 Prozent der wahlberechtigten Juden in Warschau an der Stimmabgabe beteiligt. ln Wilna wurde der frühere jüdische Senator Oberrabbiner J i z c h a k Rubinstein, ein Führer des Misrachi, in Lodz der bisherige agudistische Sejmabgeordnete und Vorsitzende der Lodzer Jüdischen Gemeinde Leib M i n z b e r g, in Lemberg der zionistische Kandidat und bisherige Abgeordnete Dr. Emil Sommer stein in den Sejm gewählt. Dagegen ist in Krakau der Kandidat der jüdischeu Frontkämpfer, Leopold Spira, durchgofallen. Da die Juden etwas übor 10 Prozent der Bevölkerung Polens ausmachen, hätten sie Anspruch auf 21 (von den ingesamt 208) Sitze im Sejm; die neue Wahlordnung hat die Besetzung von bloß 4 Sitzen möglich gemacht. Bei den Wahlen zum Sonat haben die Juden nicht einmal die Chance, einen einzigen Kandidaten durchzubringen. Doch ist es wahrscheinlich, daß unter den von der Regierung zu nominierenden Senatoren drei Juden sein werden, nämlich Prof. Dr. Schorr, Prof. Dickstein und Dr. Rosmarin. Die blutige Internationale Der Historiker B. N i k o 1 a j e ws k y, Sachverständiger in dem Berner Prozeß, der nach wochenlanger Beweisaufnahme die angeblichen Protokolle der „Weisen von Zion“ als eine Fälschung und ein Plagiat gerichtlich feststellte, enthüllt in der neuen Nummer der „Zeitschrift für Sozialismus“ Veilagsanstalt GTaphia. Karlsbad) das Bestehen einer Internationale der Antisemiten,, diö in Verbindung mit dem deutschen Propagandaministerium in allen Ländern eine getarnte Tätigkeit ausübt. Das wesentliche ideologische Merkmal des gegenwärtigen Antisemitismus ist die Rolle, die darin die Protokolle der „Weisen von Zion“ spielen, das verbreitetste Buch unter den Anhängern des kämpferischen Antisemitismus. Es ist nicht nur in alle lebenden europäischen Sprachen übersetzt, sondern auch in die wichtigsten Sprachen der Völker Asiens und Afrikas. Die Protokolle werden aber nicht nur übersetzt, sie werden auch gelesen. In Paris sind im Laufe des Jahres 1934 vier verschiedene Ausgaben der Protokolle erschienen. Der ungeheuren Verbreitung der Protokolle entspricht der Umfang ihres ideologischen Einflusses. Die ganze „Theorie“ des gegenwärtigen Antisemitismus ist auf den Protokollen aufgebaut. Der Antisemitismus verschmilzt immer enger mit der unverhüllten Reaktion. Die Protokolle haben die organische Verschmelzung des Antisemitismus mit dem „Antidemokratismus“ theoretisch begründet. Indem sie die Demokratie als das Mittel darstellten, mit dessen Hilfe die geheime Organisation der Weltjudenschaft die dem Judentum feindlichen Staatskörper zersetzt, haben sie die Übertragung des glühenden tierischen Hasses, der bis dahin bei den Antisemiten nur gegen die Juden gerichtet war, nun auch auf die Demokratie ideologisch begründet. Die antisemitische Internationale besteht gegenwärtig schon und bildet einen Faktor, der bei den politischen Erwägungen unbedingt in Rechnung gezogen werden muß. ln Deutschland, wo die antisemitische Bewegung streng zentralisiert und dem Propagandaministerium untergeordnet ist, ist die Gruppe in Erfurt mit der Aufrechterhaltung der internationalen antisemitischen Verbindungen betraut worden. An der Spitze dieser Gruppe steht Oberst Fleischhauer, der im Berner Prozeß als Sachverständiger der Verteidigung aufgetreten ist. Sämtliche internationalen Verbindungen sind in der Zentralstelle in Erfurt vereinigt. Sie verfügt über bedeut ende Mittel. Es ist ihr daher sehr bald gelungen, fast die gesamte antisemitische Presse der Welt unter ihren Einfluß zu bringen. Deutschland druckt jetzt mit: Vorliebe antisemitische Literatur in allen möglichen Sprachen und gibt sie zur Verbreitung im Auslande zu weit günstigeren Bedingungen ah, als der reguläre Buchhandel. In den letzten zwei Jahren fanden bereits zwei internationale antisemitische Kongresse statt, beide in Deutschland. Die Teilnehmerlisten wurden geheim gehalten. Es waren Vertreter aus fast allen Ländern, auch aus Japan, Indien usw. erschienen. Es ist bezeichnend, daß die antisemitische Internationale den Kolonialländern große Aufmerksamkeit widmet. Da dort fast keine oder nur wenige Juden leben, so richtet sich die Hauptspitze der antisemitischen Agitation dort nicht gegen die Juden, sondern gegen die Demokratie und gegen die demokratischen Länder Europas. Auf dem Kongreß ist ein internationales Büro gegründet worden. Hier befindet sich die Leitung der internationalen antisemitischen Propaganda. Es wird ein Informationsbulletin in drei Sprachen (deutsch, französisch, englisch) herausgegeben, das nur an vertrauenswürdige Personen und Organisationen versandt wird. Ferner befaßt man sich zur Zeit mit der Herausgabe einer antisemitischen Enzyklopädie. Außer dieser offenen, internationalen Vereinigung gibt es noch eine zweite, bedeutend engere und streng geheime internationale antisemitische Vereinigung unter dem Namen „Pan-ArischeBrüderschaf t“. Sie ist nach dem Vorbild der Freimaurer- Logen organisiert. Der Ritus dieser „Brüderschaften“ ist eine Mischung von Freimaurerbräuchen und dem Ritual der altgermanischen Ritterorden. Aufgabe dieser Brüderschaft ist die Vereinigung der vom Standpunkte des deutschen Nationalsozialismus zuverlässigsten, führenden Elemente der internationalen antisemitischen Bewegung, um diese mit Hilfe des Apparats zu beherrschen. Die Nürnberger Proklamation Den Nürnberger Parteitag der Nationalsozialisten hat Adolf Hitler mit einem langen, politischen Expose eingeleitet, daa er seiner Stimmbänder wegen verlesen lassen mußte. Die Erklärung geht den. außenpolitischen Fragen sorgsam aus dem Weg und macht nur in einigen Sentenzen, wie „Das Recht ist schwach, der Schein regiert die Welt, wehe dem, der selbst schwach ist“ Anspielungen auf die gegenwärtige Unruhe. „Indem man Sklaven befreit, werden Sklaven gemacht, indem man Klassen vernichtet, werden Klassen geboren.“ — Das kann als Verbeugung vor dem großen Londoner Freund gelten. Sonst gilt die Rede dem „jüdischen internationalen Kommunismus, der glaubt, in einem allgemeinen europäischen Chaos die Fahne des Aufruhrs aufrichten zu können“, der „dünnen Schichte einer jüdisch-boischewis tischinternationalen Literaten- und Intellektuellencliqu e“, dem „j üdischen Marxismus“ und seinen „j üdiscben Drahtziehern“, denen der Reichskanzler wörtlich sagt: „Wir haben euch vielleicht in zu großer Gut* tu ü t i g k e i t die Möglichkeit gegeben, bei kluger Zurückhaltung im Laufe der Zeit vergessen zu werden. Wir haben die Empfindung, daß diese Nachsicht mißverstanden wurde. Die Folgen konnten nicht ausbleiben und sind nicht ausgeblieben. Der nationalsozialistische Staat wird nunmehr seinen Weg in der Überwindung dieser Gefahren weiterschreiten. Ich möchte dabei feststeJlen, daß der Kampf gegen die inneren Feinde der Nation niemals an einer formalen Bürokratie oder ihrer Unzulänglichkeit scheitern darf, sondern dort, wo sich die formale Bürokratie des Staates als ungeeignet erweisen sollte, ein Problem zu lösen, wird die deutsche Nation ihre lebendige Organisation ansetzen, um ihren Lebensnotwendigkeiten zum Durchbruch zu verhelfen.“ Das ist das Bekenntnis zum Pogrom, das mit den Worten angekündigt wird: „Was der Staat nicht zu lösen in der Lage ist, wird durch die Bewegung gelöst. Die Entscheidung liegt aber bei der Führung nicht beim Einzelnen.“ Mit dieser Erklärung deckt Hitler alles, was noch geplant ist, und da ihm die deutscho Nation als dem Führer gehorcht, fällt die Verantwortung eben auf das ganze deutsche Volk. Hitler führt dann aus, daß dio Beteiligung Deutschlands am internationalen scre Leser nur: ' er Fahrschulen Wien, VIII., Neudeggerg. 18 Tel. B 46-5-72 undlnxersdorf (Nieder-Österreich) Prüfungserleichterung durch:,.?! Laufendes Auto im Lehrsaa!!!