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Die Stimme · 1935-09-10 · Heft 482 (10.9.1935) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 482 (10.9.1935)
Date
1935-09-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nt. 482 — 10. September 193fr- DHI STIMM« Seit« 7 Karrikaturen von Dr« J. Bickels (Lemberg) Erste Reihe von links nach rechts: Welzmann, Sokolow, Ruppltt, Usslschhln Brief aus Erci Israel; Hfwm mOH’ 6ei um spricht Jerusalem, Mitte 'Anglist. Die Technik trägt (hoffentlich) <?as Ihre zur Annäherung der vorderen Orientvölker hei. Mit Bagdad kann man jetzt von Jerusalem aus telephonier e:n wenigstens, wenn man Postdirektor ist. Fürs Publikum wird ..di© die;,den Irak ans'-yt Weltgespräohsuetz.. anschJießt, demnächst eröffnet. Ebenso scheint sich das Projekt des Bahnbaues Bagdad— Haifa zu verwirklichen.»« und in die Wüste unseres Südens soll vom nächsten Jahre, aü eine regelmäßige Autoverbindung hineinknattern, die von Jerusalem aus direkt bis zum Kloster am Berge Sinai führen soll. Einige Reise- und Wüstenfachleute, unter denen Herr Bar-Darom war, der Verfasser eines umfangreichen hebräischen Werkes über den Süden Palästinas, haben die erforderliche Zweitausendkilometerfahrt in sechs Tagen ohne Zwischenfall zurückgelegt, * . In diesem Jahr1 war beliebteres Reiseziel C y p e r n,•‘■•ferner die Insel Rhodos, für die die Italiener zunächst eine plakatreicfte und farbenprächtige, dann aber eine BChr schlechte Reklame gemacht hatten: die Insel war für ein paar Tage vom Schiffsverkehr abgeschnitten, weil die Lloyd- Triestino-Dampfer, die sie bisher anliefen, Soldaten nach Abessinien zu führen haben. Dun meldet allerdings der Draht, daß Ereatzschiffo in den Inseldionst gestellt Wörden, Zu den Attraktionen, die dazu verlocken Bollen (und werden), auch in den bitteren Zeiten sommerlicher Glut im Land zu bleiben, gehört ein modern eingerichtetes, von Prof. Bodenheimer geleitetes Sanatorium, das soeben aüf dem Karmel eröffnet wurde. Richard Kaufmann hat es gebaut. Daß Erich Mendeläon auf dem Boden der Jerusalemer Universität ein Klubhaus für Studenten errichten soll, wurde schon erzählt. Aber jetzt haben die Studenten energisch gegen die ses Projekt protestiert: ein Heim, in dem sie billig wohnen können, brauchen sie und keinen Klub, den man den Touristen zeigt... Hingegen schießen teure Mietwohnungen jetzt in Jerusalem unentwegt aus d£m zu phantastischen Preisen gehandelten Boden oder auch aus den ersten Stock- Werken der niedrigeren Häuser heraus, die mit Eifer aufgestockt werden. Außerdem sollen die vier Kinos, die wir jetzt hier haben, dreifapho Konkurrenz bekommen. 9 Neues Leben blüht aus den Ruinen von Sodom und Gomorrha* Am Südufer des Toten Meeres, wo jene Städte standen, hat die „Palestine Potash“, die bisher nur am Nördufer arbeitete, ein Drittel ihres Erweiterungsprogramms durchgeführt. Zwei Pumpen, die von Dieselmotoren zu je 175 PS betrieben werden, ziehen pro Stunde eine Million Gallonen Wasser aus dem Toten Meer. Durch einen Kanal wird das! Wasser in Verdunstungsbeckeu geleitet. Das Prinzip der Kaligewinnung ist also dasselbe wie am anderen Ende des Sees. Wenn die ganze Anlage fertiggestellt ist — die Aufopferung mutiger junger Chaluzim, die sich zur Höllenarbeit in diesem tropischesten Zipfel der Welt bereitfanden, ermöglicht sie — kann die „Palestine Potash“ 100.000 Tonnen Kali pro Jahr fördern und damit eine der wichtigsten Positionen der jüdischen Wirtschaft der Welt noch unentbehrlicher machen. * Andere Wirtschaftsnachrichten:' Die palästinensische Regierung will den Einfuhrzoll auf Seide erhöhen, insbesondere für einfachere Qualitäten, um damit, dem japanischen Dumping entgegenzutreten. — In den ersten drei Monaten dieses Jahres führte Japan für 162.000 Pfund Waren ein, Palästina nach 'Japan für ganze 119 Pfund Waren aus. — In,Tel-Aviv soll eine Gasanstalt, die Petroleumgas herstellen und verteilen wird, gegründet werden. — Iri Rischon-Ie-Zion soll eine Seifenfabrik, in Haifa eine Eisfabrik und eine Fabrik für Fensterglas eröffnet werden. Desgleichen erstehen in Haifa gegenwärtig große, neue Lagerhäuser. Auf Waren, die hiereingelagert werden, wollen die Hallenbesitzer Kredite einräumen. 9 Endlich „Kunst, und Wissenschaft“: In Nazareth hat eine französische Expedition das Skelett eines. Vorzettmenschen ausgegra* ben2 dessen Alter dio Fachleute auf sechzig* bis achtzigtaüsend Jahre beziffern. Das Skelett ist drei Meter lang, der Kopf größer als der eines Esels. Der Fund wurde nach Jerusalem gebracht. Prähistorische Objekte ' aus der Steinzeit hatte ein argentinischer Sammler vor Jahresfrist der Hebräischen Universität schenken wollen. Er gab die Sendung zwei Leuten mit',' die aber unterwegs verlorengegangen sind. Vergeblich wartet die Universität auf ihre Steine. Wo sind Abraham Anglouster und Abraham Manis? Und eine Frage, die uns etwas mehr bewegt, ist: Wer ist der Komponist der Techesaknah? Die Techesaknah ist ein schönes Gedicht Bialiks, das in seiner Vertonung fast zur zweiten Nationalhymne geworden ist. Aber ihr Komponist ist ebenso wenig bekannt, wie es die Komponisten vieler anderer Lieder sind, die nur zu gern von den Schallplattenfabrikanten und Filmmusikern, als Volksweisen adoptiert werden. Da die Prosperity um . die Hausungen der Künstler einen großen Bogen macht und mancher von ihnen hungert, tut der Verband der Komponisten recht daran, wenn er endlich die Väter suchen geht. Erich Gottgetreu. Wahlen im Weltverband der Allgemeinen Zionisten Luzern, 5. September. (2. T. A.) In Luzern fandenzum Schlüsse der 4. Weltkonferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten die Wahlen statt, Es wurde beschlossen, zwei Zentralkomitees einzusetzen. Dem einen Komitee, das seinen Sitz in Krakau haben soll, werden die Verbände in den Galuth-Ländern unterstellt sein. Das zweite Zentralkomitee wird sich mit palästinensischen Angelegenheiten zu befassen haben,, Mit dessen Bildung würde Zweite Reihe: Brodetsky, Stephan Wlse der Parteirat in Erez Israel betraut. Zum; Präsidenten des Krakauer Zentralkomitees; wurde Dr, Schwarzhart, zu Vizepräsi*1 denten wurden Dr, SzmöraK imd LeönT Lievite gewählt* , ' AUS DEM DRITTEM REICH mummmmaumammamammtmesam Hitler, beruft Streicher und Kuba in die Akademie für/ Deutsches Hecht Im Auftrag des Reichskanzlers Hitler hat der Präsident der Akademie für Deut*; sches Recht Dr. Frank den bekannte#,, Antisemiten, und Herausgeber des „Stiir-:/ mer“ Julius Streicher zum Mitglied der., Akademie für Deutsches Recht ernannt. Die- Urkunde, in der die Berufung Streichers fesfy gelegt wurde, hat folgenden Wort* laut: „In Vollmaetit. und im Auftrag des Führers und Reichskanzlers, Adolf Hitler berufe ich als Präsident der Akademie für Deutsches Recht Herrn Gauleiter Julius Streicher, Nürnberg, in An-, erkennung seiner Verdienste und im Vertrauenaufs ei negewiasenhafteMitarbeitanderdeutschert Rechtserneuerung zum Mitglied der Akademie für Deutsches Recht.“ Zugleich mit Streicher wurde der eben-i falls radikale antisemitische Gauleiter der ICurmark, Oberpräsident Wilhelm K u b e, in. die Akademie berufen. Vor dem Nürnberger Parteitag In Nürherg ist der Polizeibeamtensch'aft' durch streng vertrauliche Bo* fehle verboten worden, Partei zu nehmen^ wenn es auf der Straße zu Konflikten zwischen Juden und Deutschen kommt. Daß die Polizeibeamten sich jeglichen, auch des nachbarlichen Verkehrs mit Juden enthalten müssen, ja sie und ihre Familien nicht ein-: mal den Gruß eines Juden erwidern dürfen, wird nicht weiter verwundern. Juden ist in der Parteitagsstadt verboten, auf Ruhebänken in öffentlichen Parks Platz zu nehmen und jüdische Kinder werden vou den Spielplätzen gewiesen. Auch gegen tote Juden wird von Hitler-Jungen demonstriert. Vor dem jüdischen Krankenhaus in Fürth bei Nürnberg haben sich wiederholt bei jüdischen Begräbnissen Scharen von jungen Lümmels in Hitler-Uniform eingefunden, sind neben den Leidtragenden hergegangen und haben im Sprechchor gegröhjt: „Gott sei Dank, wieder ein Jud ver» reck t!“ Kein Polizedbeamter schreitet ein, I aber zur Ehre der Bevölkerung; sei gesagt,

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