Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 482 (10.9.1935)
- Date
- 1935-09-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 4 01« «TIMM« Nr. 482 — tö. September 1933 geben können in Bedingungen, unter denen eie das Beste leisten können. Und ich hoffe» daß diese Bedingungen heute für eie gegeben sind, nicht nur, wie Ussisehkin sagte, auf dem Papier, sondern daß sie im Leben eich verwirklichen werden. Und die Majoritätspartei der Arbeiter, die, ich sage es offen, mir nahesteht und der ich nahe stand, hat bewiesen, daß eie die konstruktiven Kräfte werten kann, die sich im Mierachi und im religiösen Judeutum bergen. Es ist auch üblich, etwas über die politische. Lage zu sagen. Was den Kongreß ausgezeichnet hat, ist eine Reihe von Resolutionen positiver Natur, die zur Grundlage der Politik, die wir zu leiten haben, werden können. Auch eine schwerwiegende und weitgehende und von großer Tragweite charakterisierte Resolution der Gegnerschaft zum Legislative C o u nc i 1 wurde hier gefaßt. Ich will hoffen, daß diese Gegnerschaft, in die wir gedrängt wurden, eich nur auf dieses Gebiet beschränken wird, daß wir auf anderen Gebieten versuchen werden, wie wir es bis jetzt getan haben, mit der Mandatarmacht zu kooperieren, soweit es mit unseren zionistischen Prinzipien zu vereinbaren ist. Ich glaube, wir dürfen sagen, daß infolge der Arbeit und der Leistungen Im Lande ein tiefere« und ein besseres, wenn auch noch nicht vollständiges Verständnis für unsere Ziele in den Kreisen der englischen und palästinensischen Regierung vorhanden ist. Und ich will Sie nochmals erinnern — es ißt meine Pflicht das zu tun—, daß wrir trotz der zeitweiligen Schwierigkeiten, die wir mit der Mandatarmacht haben. nicht vergessen sollen, daß die britische Regierung und das britische Volk uns möglich gemacht haben, mit der Arbeit in Erex Israel in ihrer modernen Form weiterzukommen. Es wird immer eine Unzulänglichkeit bestehen »wischen dem Notwendigen und dem Möglichen. Für diese Unzulänglichkeit iat keine Exekutive verantwortlich, das liegt in der Natur der Zeiten, da» ist nicht nur bei unserem Volk, das ißt auch bei anderen Völkern, auch wenn es uns viel schmerzlicher und viel tiefer trifft. Wir sind, glaube ich, jetzt in den allergrößten Schwierigkeiten, die einem begegnen, wenn man aus der Periode der Organisierung und der theoretischen Begründung seiner Ansichten zur Periode der Verwirklichung schreitet. Eine Verwirklichung ißt langsam, ist müheam, ist schmerzlich, iet echwierig. Und diese Schmerzen macht jetzt das neue Palästina, das in der neuen Form kaum 15 bfe 16 Jahre alt ist, das unter einem ungeheuren Druck von Sorgen und Leiden zu arbeiten hat —, diese Schwierigkeiten macht jetzt das Land durch und wir mit ihm. Wir können manch eß uns selber erleichtern, und ich glaube, der Schritt der Einigung, der jetzt gemacht wurde, i3t eine Erleichterung und wird eine immer größere Erleichterung werden. Manches hängt ab von Faktoren, über die wir keine Kontrolle haben. W i r tretenlangsamauedemStadium der Amateure, die wir vor einigen Jahren noch waren, in das Stadium der geprüften, erfahrenen Baumeister. Wir haben einen unserer Besten, trotz seiner 25 Jahre Arbeit, noch immer vorgespannt, er möge weiter bauen, und R u p p i n wünschen wir Glück in dieöer neuen Arbeit (lebhafter Beifall), der Arbeit des Planes und der wirtschaftlichen Erforschung der Grundlagen den Aufbau«. Denn man kann nur heutzutage weiterkommen, wenn man mit allen Mitteln der Wissenschaft den Aufbau weiter fördert. In dieeer Beziehung möchte ich einen Wunsch auasprechen: vielleicht eine der edelaten Aufgaben der Leitung wird es eein, alle wissenschaftlichen Kräfte, die heute in Fülle im Lande «ind und ihm noch weiter Zuströmen, zu organisieren und für den Aufbau des Lande« zu benutzen, alle die Kräfte, die Institutionen, die manchmal noch in embryonalem Zustande vorhanden sind, die aber noch zu mächtigen Instrumenten, viel mächtigeren als manche zerstörenden Instrumente e« «ind, gemacht worden können im Dienste de« Aufbaus. Der politische Führer ist nicht« andere« als ein Feger, ein Straßenfeger. Er kann nur versuchen, Steine, die Hindernisse bilden, vom Wege wegzufegen. Die anderen werden diesen Weg beechreiten. Unser Weg ist noch immer ein schmaler, aber er wird durch um «eie Arbeit immer breiter und breiter* Wir beginuen unsere Arbeit im Zeichen schwerer Sorgen, schwerer Sorgen für das Bestehen großer jüdischen Gemeinden, schwerer Sorgen internationaler Natur. Unsere Arbeit hängt vom Frieden in der Welt ab. Und ich glaube, daß es Keinen in diesem Saale gibt, der nicht innerlich sehnsüchtig den Frieden erwünscht. Daß Mittelmeer fängt an, politische Wellen zu schlagen. Und ich glaube, daß unsere Arbeit gerade in diesem Teil der Welt zur Stabilisierung und zur Verwurzelung de« Friedens beitragen wird. Und in dieser Beziehung glaube ich, daß unsere Interessen sich mit den Interee«eu der Mandatarniacht decken. Und darum glaube Ich an das Verständnis für unsere Arbeit in den Kreißen der aufgeklärten englischen öffentlichen Meinung. Luzern, 5. September. Der Eröffnung des IV. Council der Jewish Agency, die am 4. September im Kongreßhaus zu Luzern erfolgt ist, wohnten mehr ate 200 Delegierte aus fast allen Ländern der Welt und zahlreiche Gäste, unter ihnen solche aus der Diplomatie, bei. Auf Vorschlag Dr. Weizmanns wählte die Versammlung ein Präsidium, bestehend aus dem Vorsitzenden der Zionistischen Organisation Amerikas, Morris Rothenberg, dem Präsidenten des Board of Deputier of British News Neville, Laßki, dem Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds und Vorsitzenden des Zionistischen Aktionskomitees, M. M. Ussisehkin, und Professor Herbert Speyer aus Brüssel. Präsident Kr* Chalm Welzmann erklärte in seiner Eröffnungsrede unter anderem: Wir stehen im Schatten der großen Tragödie der deutschen Juden, gleichzeitig ist e« uns ein Trost, daß Palästina eine so große Bedeutung als die neue Heimat der verfolgten Juden gewonnen hat, Palästina hat mehr deutsche Juden angenommen als alle anderen Länder zusammen. Die Art, wie wir die deutschen Juden in Palästina seßhaft gemacht haben, wird hoffentlich die Mandatarmacht überzeugen, daß unsere Arbeit in Palästina nichts als aufbauend ist und dem ganzen Lande großen Nutzen bringt. Weizmann dankte der Stadt Luzern für die Gastfreundschaft und begrüßte die Vertreter deß Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, den britischen Gesandten Sir George Warner und die anderen diplomatischen Vertreter. Im Namen der Kantonsregierung von Luzern und des Luzerner Stadtpräsidiums begrüßte der Stadtpräsident Dr, Z i ra m e r 1 i den Council. Er wies auf das hohe Niveau des 19. Ziontetenkongresses als des,..Parlaments des jüdischen Volkes hin und begrüßte die Jewish Agency als die anerkannte politische Vertreterschaft des jüdischen Volkes. Das Volk der Schweizer, fuhr er fort, welches für seine Freiheit «o sehwer hat kämpfen müssen, bringt dem Palästinawerk Verständnis und Bewunderung entgegen und glaubt, daß die jüdische Aufbauarbeit Palästina zu einem Zentrum europäischer Kultur in Asien machen wird. Der englische Gesandte Sir George Warner, der dem Council die Grüße der englischen Regierung tiberbrachte, betonte ln seiner Ansprache, daß Palästina dazu bestimmt sei, bei der Erschließung des Mittleren Ostens eine bedeutende Rolle zu spielen. Palästina sei eines der friedlichsten Länder am Ufer des Mittelmeeres. Die englische Regierung hoffe, daß die beute noch bestehenden Schwierigkeiten und Meinungsverschiedenheiten ln Palästina friedlich und zu allgemeiner Zufriedenheit beigelegt werden würden, was zur Stabilisierung der Verhältnisse am Mittelmeer, wo Großbritannien wichtige Interessen hat, beitragen werde. Die englische Regierung Interessiert sich für alles, was irgendwie mit der Lage des Jüdischen Volkes zu tun hat. Kr* Arthur Kuppln, der bisherige Leiter des Kolonisation»- departementa, referierte über die Probleme und Auseiohten der Palästinaarbeit. Er erklärte unter anderem, daß die Befürchtungen, betreffend einen wirtschaftlichen Rückschlag in Palästina und (lett Ausbruch einer E« gibt in der Geschichte Ebbe, es gibt ln der Geschichte Flut. Wehn wir unser Schifflein leiten, muß man es so leiten, daß es in der Ebbe ankert und in der Flut verbucht, weiterzukommen in der Richtung, die uns zum Ziele führt. Niemand von une kann die Zukunft Voraussagen, aber jeder von uns kann die Zukunft vorbereiten, so vorbereiten, daß wir unseren Kindern und denjenigen, die nach uns kommen werden, etwas überantworten, da« ihr Leben reicher und schöner und leichter macht, als das unsere ist und war. Der 19. Zionistenkongreß iet geschlossen. Stürmischer Beifall dankt dem Präsidenten. Delegierte und Gäste erheben sich und I stimmen die H a t i k w a h an. | Krise, als übertrieben bezeichnet werden müßten. Selbst wenn es einmal in Palästina zu einer Krise kommen sollte, werde sich diese lange nicht so verhängnisvoll auswirken wie in anderen Ländern. Denn die großen, aus den Verwaltungsübersehüesen, die die Regierung in den letzten Jahren erzielen konnte, gebildeten Reserven würden in diesem Fall zum Teil zu Notstandsmaßnahmen und für produktive Arbeitslosenfürsorge verwendet werden. Anderseits aber sei die Lage in 'den Ländern der Diaspora politisch und wirtschaftlich so ungünstig, daß man noch auf lange Zeit hinaus mit einem Einströmen kapitalkräftiger Elemente nach Palästina und mit der Fortsetzung der Investitionstätigkeit rechnen könne. Durch diese wirtschaftliche Potenz werde aber der Ausbruch einer Krise verhindert, Im Namen des Legitiroationsauascbussea gab der europäische Direktor de« American Joint Distribution Comittee, Dr. Bernhard Kahn, bekannt, daß dem Council der Jewish Agency zur Zeit 224 Mitglieder, und zwar 112 von dem Zionistenkongreß ge- * wählte Mitglieder und 112 von den nichtzionistischen Gremien entsandte Delegierte 'augehören. Dr, Ruppln umriß den Plan der Schaffung einer Treuhandgeaellsohaft (holding Corporation) der wirtschaftlichen Institutionen in Palästina; die Korporation soll sämtliche Gesellschaften und Institutionen beraten, die von ihnen auf den Markt gebrachten Aktien kontrollieren, um auf diese Weise das. gesamte jüdische Kapital in Palästina in die meistproduktjven Kanäle zu leiten. Die Aktienausgabe von Institutionen, die der Korporation nicht angehören, soll verhindert werden. Dr. Ruppin unterstrich, daß die große Mehrheit der eingewanderten deutschen Juden bereits in Palästina Wurzel gefaßt hat und zollte der Arbeit von Miß Hen« rietta Szold, Dr. Werner Senator und Dr, Georg Landauer hohe Anerkennung. Ate ich, fuhr Dr. Ruppin fort, vor 25 J.ahren nach Palästina kam, um da« Koionisationswerk zu leiten, wurde mir ein Budget von 800 Pfund zur Verfügung gestellt. Heute hat uns die größte englische Bank eine halbe Million Pfund alsAnleihe gegeben. Ruppin wies auf die wunderbare Entwicklung der Stadt Tel-Aviv hin, erklärte, daß Palästina der einzige Garant für den Fortbestand des jüdischen Volkes sei und schloß mit dem Appell, alle Kräfte auf die palästinensische Arbeitsfront zu konzentrieren. MIß Henrietta Szold, die Leiterin des Departements für Ansiedlung jüdischer Kinder aus Deutschland in Palästina, berichtete, daß bla jetzt durch die Jugeud-AUjah 718 Kinder, deren Eltern in Deutschland leben, dauernd in Palästina untergebraoht wurden. Jetzt werden Pläne zur Fortführung dieeer Arbeit auf möglichst breiter Basis »««gearbeitet. Die Rednorin schilderte die dieser Arbeit entgagenstehendon Schwierigkeiten und wies die Wege, die zu deren Überwindung ergriffen werden müssen. In Deutschland und in andoren europäischen Ländern, sagte Miß Szold, warten mindestens noch lO.OOOKinder darauf, daß man sie rette und einem produktiven Lebeu in Palästina zufUhrt. Das Land der Väter Ist zum Lande der Kinder geworden, if « ■ mMAO Wollen Sie Zeit, ilie und Geld sparen? Dann gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden und Bekannten, Kunden und Klienten zu Rosch Haschanah durch „Die Stimme“ die in verstärktem Umfang mit interessanten Festbeiträgen am 27. September erscheinen wird Der Preis für das Einheitsinserat beträgt 3 6*—, in doppelter Größe S 10-— „DIB STIMME“ Administration Kr. ferner Senator berlchttö über Palästina-Einwanderung. Pa* lästina, sagte er, nimmt jetzt jährlich diel Hälfte der Zahl von Juden auf, die Im Jahre 1907 nach Amerika einwanderten, als Ame* rika die Höchstzahl jüdischer Einwanderer auf nahm; dies, obwohl Palästina wirtschafte lieh noch lange nicht so weit entwickelt sei,, wie es Amerika 1907 war. Eine f o r t g e* setzte großzügig« Einwanderung von ‘Juden müsse dio Basis der jüdischen Arbeit in Palästina sein. Dr. Senator verteidigte die heute geübte Methode» der Einwanderung durch Auswahl und der Bevorzugung jüngerer Elemente gegenüber solchen mittlem und höheren ‘Altem, Mail müsse aber augehen, daß die Hachseharah, die Form der Ausbildung junger Juden in der Diaspora für die Arbeit in Palästina vor* bessert werden müsse, ” *.*£ Mosche Sheriok, Leiter de« Jerusalemer politischen Dcparta* - ments der Exekutive, umriß die politische» Situation und erklärte, die E i u w a n d e* rung von Arabern aus den benachbart ten Ländern in Palästina sei dazu angetan, die Prosperität des Landes zu untergraben, Die Arbeit zur Herbeiführung einer Verstän* digung zwischen Engländern, Arabern und Juden sei durchaus notwendig, und es sei möglich, die Interessen aller dieser drei Gruppen im Nahen Osten miteinander in Einklang zu bringen. Nach dieser Richtung hin 'arbeitet die Exekutive, Ein Legislative Council zu diesem Zeitpunkt sei unbedingt abzulehnen. So lang« «ine arabisch-jüdische Verständigung nicht erzielt sei, müßte sich dl« Errichtung des Legislative Council als Hindernis für das Wachstum des JUdisohen Nationalhelmes auswirken. Deshalb halte die Exekutiv« an ihrer Opposition gegen den Legislative Council fest. Diese Opposition dürfe aber nicht die. sonstige Zusammenarbeit mit der Mandatar* macht beeinträchtigen, diese Zusammen*' arbeit werde in allen anderen Angelegen*. heiten fortgeführt werden. w * t» Kle Kommlsslonsberatungen Der zweite Tag der Konferenz des Coun* eil der Jewish Agency, der 5. September, war geschlossenen Beratungen der versohle* denen Kommissionen gewidmet. Es wurde» eine Reihe aktueller Probleme politischer und Innerorganteatorteoher Natur behandelt. Unter anderem wurde die Frage einer even* tuellen Änderung der bisherigen Bezelchnung „non-zioniste“ für diejenigen Mitglieder der Jowifih Agency erörtert, dlo nicht als Vertreter der Zionistischen Organisation in den einzelnen Gremien tätig elnd. Stoffwechselkrankheiten. Zahlreiche fachärztlichu Berichte bestätigen, daß auch Nioren- und Gichtleidende, Rheumatiker, Stein- und Zuckerkranke mit der Wirkung doe natürlichen „Franz-Josel^-Bifcierwasseri sehr zufrieden sind« DleJ^guiigderJewIsliAgencj 7276003