Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 482 (10.9.1935)
- Date
- 1935-09-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 e **•"*•• DU STIMM! Kr. 482 — 10. SeplemTkr 193o Ifntii Polen Mllift and bequem Abreisen jeden Sonntag; Rückfahrten am 15. September u. 21.0ktob. Reisebüro „IN DIE WELT" (Dr. S. Tocher) IX., Liechtensfeinstrsßc 2 — Telephon A 14*904 dem die nationale Bewegung ein© Minderheit ist. gar nicht so geringfügig ist. Bileam muß die ..beispiellose jüdische Leistung“ anerkennen. Jabotinsky will etwas völlig Neues: Litinida.tion der Diaspora, Exodus aller Heiinatsbedürftigen; das jüdische Volk so frei normalisiert,- wie die große französische oder die kleine dänische. Also „Palestine so jewi-h as England i? englisch“, Sehr gut. "Vyarum aber hat Jabotinsky das Weißbuch Churchills angenommen? Der Judenstaat freilich ist nicht Endziel — sagt er —, er ist nur der erste Schritt im Prozeß der Verwirklichung des Hoehzionisnmts. Da ist also ein neues Wort, das die Heimkehr des Volkes und die- Schaffung einer nationalen Kultur in sich faßt. Und das alles erreicht Jabotinsky nicht mit vereinsartiger Organisation: keine Mitgliedsbeiträge, jeder Jude ist Bürger; ideologische Deklaration wird abgesehafft und e3 wird binnen einiger Jahre eine neue Nationalversammlung staittfinden, die die Weltgemeinde des Zrion-Judentums proklamieren, offizielle Anerkennung ihrer Hoheitsrechte, offizielle Vertretung in Genf nnd überall verlangen wird. Ob sie sie auch erlangen wird} kann selbst Jabotinsky nicht sagen* Aber wie er diese Wunderdinge ohne Organisation, ohne Mitgliedsbeiträge erreichen will, bleibt unbekannt. Oder sollte dies ia dem Zehnjahrplan enthalten sein, der angekündigt wird?! Die Welt hat bisher mit solchen befristeten Plänen keine ganten Erfahrungen gemacht, weder mit Hitlers VieTjahrplan noch mit Stalins Fünfjahrplan. Sie blieben-alle in der Entwicklung stecken, obzwar hinter ihnen organisierte Macht steht. L)a jabotinsky seine Weltgemeinde noch Picht h#, wird, er seinen Plan-r der Mansdätsregieruhjg voflegsen und zur.. Unterstützung die Mobilisation des Weltgewissens einleiten. Und damit ist er bei der Petitionsbewegung, mit der er im Vorjahr begonnen hat und die einstweilen im Archiv der Manidatsbewegung geendet bat. Der Wanderer durch die Wüste freut sich, wenn er die Fata Morgana sieht. Da glänzt in der Ferne ein blauer See, Palmen Wirken, ein Ende der Mühsal. Aber es ist doch nur eine Fata Morgana und es heißt geduldig wreitermarschieren. Das lockende Bild zerflattert-, es war ein Versprechen, das sich nicht einhalten läßt. Was Jabotinsky in den Himmel malt, sind solche Versprechungen. Verwunderlich ist nur der Ernst, mit dem sie vorgetragen werden. Die Wirklichkeit ist rauh. Was soll die Redensart von dem Exodus der Heimatbedürftigen? Ist sich Jabotinsky nicht dessen bewußt, daß er mit Hoffnungen spielt? Daß ihn seine rhetorische Kunst zur Demagogie treibt? Man darf nicht mit Hoffnungen spielen und auch ein Feuilletonist hat nicht das Recht, die Grenzen des Realen zu überschreiten. Der Schatten des Sabbatal Zewi wird heraufbeschworen. Das Weltgewissen kann nicht mobilisiert werden. Das Schicksal der deutschen Juden ist genügender Beweis. Pas Weltgewissen wird erst erwachen, wenn die ersten Ziele des Zionismus erreicht sein werden: die Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina, ihre feste Verankerung im Boden und die Bildung ihres Willens. Wir sind auf dom Weg zu diesem Ziele und wer die Mühen und Kosten bedenkt, die bisher aufgewendet werden mußten, um 400.000 jüdische Menschen zu erlösen, der hört mit entsetztem Staunen die Fessellosigkeit dieser Demagogie, die ohne jede Basis in aller öffentlü li' •„ Büsendnrferstr. I2 (Musikverein) Tel. U 46-4-37 I., Himmelpfortßasse II Telephon R 28-I-75 23. Schuljahr Direktion*. Prot. Josef Rattler Unterricht ln Gesang, Klavier un'l allen Orchester- Instrumenten von den ersten Anfängen bis zur kuuiillcriscben Ausbildung. Eigene Kinder» £it>teltung. Anmeldungen und Aufnahmeprüfung < täglich vor- und nachmittags auRsehlteQllch im Muslkverefnsgebäudc, Bösondorforalraßö 12 lrcbkeit eine unwürdige Lizitation begonnen j Einen Auftrag erteilt man nur jemandem, hat, die blutige Arbeit von zwanzig Jahren der schon etwas getan hat. Jabotinsky hat mit einer verächtlichen Handbewogung beiseite schiebt und so tut, als wäre ihr irgend ein Auftrag des jüdischen Volkes geworden. nichts getan. Es sei denn, daß or den Feinden des jüdischen Natioiiälheiiins neues Material gf3liefert hat. Die Minderheiten Jüdische Probleme vor dem Völkerbundrat Vom 2. bis 4. September hat in Genf der Kongreß der nationalen Minderheiten Europas (»eine diesjährige Tagung abgehalten und eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die sich aus der Sachlage ergeben. Sie gelten der Sicherung des Minderheitenrechtes, eine Forderung, die angesichts des in einer großen Zahl europäischer Staaten sich vollziehenden Überganges zur autoritären Staatsführung eine besondere Aktualität besitzt. Der Kongreß hat auch, wie das ausgeg^bene Cömmunique mitteilt, einmütig die Ansicht vertreten, daß das Nationalitätenproblem unabhängig von der Staats form ist und daß seine Lösung unter jedem Regime gleich dringlich bleibe. In der vom Kongreß angenommenen Entschließung wird gefordert, daß die Nationalitäten in den bestehenden Körperschaften des autoritären Staates vertreten sein sollen. An dem Kongreß haben, wie offiziell bekanntgegeben wurde, 24 Völkergruppen aus vierzehn verschiedenen Staaten teilgenommen, die nach einer vorsichtigen Schätzung 40 Milionen Menschen vertreten. Die jüdische Minderheit hat an dem Kongreß nicht teilgenommen, in Verfolg ihrer schon vor zwei Jahren eingenommenen Haltung. Sie lehnt es ab, sich an einem Kongreß zu beteiligen, der die Frage der Entrechtung der Juden, im Dritten Reich nicht diskutieren will. Und mit dieser;Absentierung ist auch; der Kongreß jedes moralischen und politi-, sehen Wertes bar. Er kann auch um so weniger als das legitime Organ der Minderheiten gelten, als er diesmal völlig unter dentecher Oberherrschaft.gestanden ist. Das deutsche Volk zählt in fast allen Staaten Mittel- und Osteuropas Minderheiten, die ihre Vertreter nach Genf entsendeten, nachdem sie in einer deutschböhmischen Stadt eine Vorberatung yabgehaiten hatten. ' Die deift* scben M'mdetheiteü eiöd heute fääP voHätSU^ dig vom' Nationalsozialismus durchsetzt.1. Ihre Mehrheit folgt der Berliner Instruktion und wird von dem außenpolitischen Amt Rosenbergs den Zwecken und Zielen des neudeutschen Expansionsdranges dienstbar gemacht. Wenn man Mehrheit sagt, so ißt damit angegeben, daß auch eine Minorität besteht und durch die von Berlin aus hineingetragenen Tendenzen sind innere Verwirrungen geschaffen worden, durch die insbesondere die Deutschen in Polen und Rumänien, respektive Siebenbürgen vollkommen aktionsunfähig geworden sind. Die aus Berlin kommenden pangermanischen Parolen haben in diesen Staaten aber auch heftige Gegenwirkungen ausgelöst und das Verhältnis zwischen Minderheit und Staatsvolk fast unheilbar vergiftet. Was in Deutschland an der wehrlosen jüdischen Minderheit verbrochen wurde, das wird in verschiedenen Staaten gegen die deutsche Minderheit angewendet, bis zu einem gewissen Grade natürlich, weil doch Polen, Rumänien, Litauen usw. immerhin dem europäischen Kulturkreis angehören, aus dem eich das Dritte Reich bewußt und konsequent ausgeschlossen hat. subjektiven Rechtsauffaseung und den Anfang hat das Dritte Reich gemacht. Solange dieser, „Hors de loi“-Zuetand der Juden andauert, eo lange sind alle Minderheiten ausnahmslos in der höchsten Gefahr. Niemand könnte die Deutschen in Rumänien davor schützen, daß ihre guten Freunde in der Eisernen Garde eines Tages die Parole ausgeben, daß jeder über die unbedingt notwendigen Beziehungen hinausgehende freundschaftliche Verkehr mit ihned als Rasseverrat und Rassenschande angeprangert wird. Ein deutsches Gericht in Berlin hat dieser Tage das Präjudiz hiefür erzeugt. Aber auch die 'gesamte Theorie von der Allmacht des Staates, der mit Volk gleichgesetzt wird, ist deutsches geistiges Eigentum. Sie geht auf Hegel zurück, der den Staat den Gott auf Erden nennt, natürlich den deutschen Gott, der mit klirrenden, Waffen die Welt herausfordert und jedes Recht des Schwächeren zertreten will. Diese Lehre hat in die Ferne gewirkt und alle Nachahmer der nationalsozialistischen Methoden und Formen haben diesen heiß in sich aufgenommen und richten ilm vor allem gegen die jüdische Minorität. Das jüdische Volk, die Minderheit der Minderheiten, kann-sich gegen, solche Ausnahmsßtelhiing. nur. verteidigen, und e6 muß in diesem Kampf .allein bleiben. Es ist in allen Staateländern deranderen. Mindere heiten Ziel von . Angriffen, die mit aller Intensität vorgetragen, werden und die sicherlich ihrese.libstgesetzte Aufgabe, das Judentum zu vernichten, erreichen würden, wenn nicht das jüdische Volk sich selbst den Ausweg -geöffnet hätte. Es muß Macht gewinnen, es muß selbst ein Staatsvolk werden, ■das. seine. Dinge selbst ordnet. Unsere CJejschichte' schützt,. uns (4avqr» Jemals , andere, .rechtlos zu ma'cheii, ihnen den Anspruch auf freie Bewegung und freie geistige Arbeit zu rauben. Aber der Besitz der Macht allein, und sei sie territorial noch so eingeschränkt, wirkt schon an sich als Schutz. Das ist ein tiefer Sinn des Zionismus und der eben abgelaufene Luzerner Zionistenkongreß hat seine Debatten um diesen Zentralgedanken kreisen lassen. „Wir werden, hat Herzl auf einem Kongreß gesagt — die Antwort geben: in unserer Zukunft, in unserem Land.“ Eillise Reisen nach Pamstlnß Kostenlose Beratung in allen Reiseangelegenhelten, welche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch: Reisebüro „In die Welt“ (Dr. $. Tocker) IX., Liechtensteinstr. 2, Tel. A14-504 Auf der Ratstagung des Völkerbund®® stehen auch einige Fragen von jüdl* schein Interesse zur Debatte. Der ftot wird den Bericht der Ständigen Mftn* datskoiümlssion Uber Ihre Tagung vom Juni dieses Jahres zur Kenntnis nein men. In dieser Tagung beschäftigte sich die Kommission unter anderem mit dem Jahres* bericht. *der Mandatarmacht i u P a 1 ä s t i n st und mit der Prüfung einer Anzahl von jüdi* sehen und arabischen Petitionen. Der Rat wird sich des weiteren mit der Prüfung der Petitionen der Danziger B e v ö 1 k e* r(ing, darunter der Juden von Dan* z i g, zu befassen haben. Die Prüfung dieser Petitionen wurde ftü Mai vertagt, um einem Juristenkomitee Gelegenheit zu geben, ein Gutachten für den Rat abzustatten. Dieser Bericht Hegt dem Rat bereits vor. Die Erledigung dieser Dan* ziger Petitionen durch den Rat wird wahr* scheinlich erst in der zweiten Hälfte des Septembers — der Rat tagt nicht nur vor,, sondern auch während und. nach der Völker*' bundversammlung, die am 9. September be« ginnt und wohl bis Ende September dauern wird — vor sich gehen. Eine ener* gische Stellungnahme des Rates in dieser Frage istunterdengegebenenpoli* tischen Umständen kaum zu er* Warten. Auf der Völkerbund Versammlung, ’dereü' Tagung am 9. September beginnt, wird der Vorschlag der norwegischen Regierung auf Schaffung eines zentralen, dem Völkerbund einverleibten Flüchtlingsschuta* amtes erwogen werden. Minderheitenkongreß and Judenproblem J A'm 2. und 3. September tagte in Gehf unter Vorsitz des ehemaligen slowenischen; Abgeordneten im italienischen Parlament Dr. Josip Wilf an der „Kongreß der euro* päischen Nationalitäten“ (Minderheitenkon* greß). Es nahmen an ihm außer dem Gene* ralsekretär Upr. Ammende &n gamaeü. tsirlsal;;zwöi Dutzend Dölegiort^ D”ijttel auf Verfcrefcer'der deütseh eh Mihderhe'itengruppeü fa den ver* schiedenen Ländern entfielen. In seiner Ein* leitungsrede berührte Dr, Wilfan wieder das — Bchon seit Zwei ‘Jahren bestehende «** Fernbleiben der Juden von die« semKongfeB. Er erklärte, daß die Ver* Landlungen mit den Vertretern der jlidi* sehen Gruppen wegen ihrer eventuellen Rückkehr zum Nationalitätenkohgreß fort* geführt werden und noeh nicht ab ge* schlossen werden konnten. Seitens des Kongresses, erklärte Wilfan, bestehe kein Hindernis für eine befriedigende Lösung der Frage der Teilnahme der jüdischen Gruppen, Der Kongreß würde auch eine jüdisch«p Gruppe aus Deutschland aufneh* men, sofern sie ein derartiges Gesuch stellt, Immerhin müßten Sich die jüdischen Gruppen — wozu sie sich 1933 nicht bereit erklären konnten — an die Kongreßgrundsätzer halten, wonach: die Behandlung der besonderen Lage der Grup* pen in den einzelnen Ländern' beidenDebattondesKongreßseia unzulässig sei. Pie Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses Es kann auch' logisoherweise nicht ohne weitere Wirkung bleiben,. wenn die Regierung eines, so großen Volkes den Satz „Recht, ist, was dem Volk nützt“ zum Ausgangspunkt der inneren Ordnung macht, aber diesen selben Grundsatz auf das schärfste bekämpft, wenn er in irgend einem anderen Staate angewendet wird. Siehe den Fall der litauischen Urteile gegen die nationalsozialistischen Aufstaudshetzer. Diese Doppelgeleisigkeit rächt sich zuerst an den deutschen Minderheiten, eie trifft aber dann alle Minderheiten überhaupt und nicht nur in ihrer politischen Stellung, sondern auch kulturell und wirtschaftlich. Der Grundgedanke des Nationalitätenrechtes ist der Schutz der ziffernmäßig Schwächeren vor deT kompakten Majorität. Indem der deutsche Staatsabsolutismus mit seiner To* talität und seinem überspitzten Nationalismus die jüdische Minderheit vergewaltigt, gibt er das Signal zu einem allgemeinen Angriff auf alle Minderheiten, ob es sich nuq um „rassische“ oder konfessionelle handelt. Die jüdische Minderheit' steht Sinter einer, Luzern, 6. September. Die Mitglieder des Comitö des Dölegations Juives und Vertreter des Exekutivkomitees des American Jevish Congress hielten in Luzern eine gemeinsame Sitzung ab. Den Bericht erstattete Dr. Nahum G o 1 d m a n n, der bisherige-Leiter des Comite des Delögations Juives und des Exekutivkomitees zur Vorbereitung dos Jüdischen Weltkongresses. In der auf den Bericht Nahum Qoldmanns folgenden allgemeinen Aussprache wurde die Lage der Juden in einer Anzahl Länder eingehend besprochen. Es wurde eine Reihe Entscheidungen angenommen, von denen sich einige auf die Lage in Deutschland beziehen, andere darauf, wie den Juden in. verschiedenen europäischen Ländern finanziell zu helfen sei. Soriderberiohte wurden über, die Lage der Juden in Polen und in anderen osteuropäischen Ländernerstattet. . Einender Hauptpunkte der Beratung bildete .die frage der Einberufung des J ü d isohen W el tk o ngr e s s e s sowie des' Zeitpunktes und des Ortes dieses Kongresses, der Bich mit Angelegenheiten der Juden in der ganzen Wplt zu befassen haben wird; Endgültige Beschlüsse hierüber sind noch nicht gefaßt worden. : ■ Zum Präsidenten des Komitees wurde der: Ehrenpräsident des American Jevish Con*- gress, Rabbi Dr. Stephen S; W is e, gewühlt.. Dieses Ehrenamt hattenbekanntlich nach Gründung des Comit6 Nahum Sokolow, dann Leo Motzkin, nach dessen Tode Dr. Nahum Goldmann inno. Dem neugewählten Präsidium gehören noch an: Dr. Nahum Goldman n, Genf/ und die Herren Pollock, Isaac N a id i t c h und J. Jeffroykin aus Paris^- Es wurde auch eine lögliedrige Weltexekutive eingesetzt, der aus Amerika Richter Ju* lian W. -Lipsky, der Sekretär des American Jevish Congressi, Dr. Joshua G old* b e r g, und Ab G o 1 d b e r g angehöreq, 98040251