Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 482 (10.9.1935)
- Date
- 1935-09-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. Frei* dlMer Nummer SO g jüdische * üzvy Die «rroßen, vorzüglichen Salonschifte „Gallien“. „Palcntlna“ und „Gerusalemme“ «lei direkten Eillinie TRIEST - JAFFA <ieh LLOYD TRIESTINO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten rreitag HuhrprelB In der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß Lire 666*- - Auskünfte. Lloyd l'riestino, I.. Kärntnerring t Wien, io. September Redaktion and AdminlatraÜM: Wien, U Mare-Aural-Itriie S. Tal.: U 2J-3-A1 RedektioiwseliluB Montag und Mittweeh varm. (13. Elul 5695) | 8. Jahrgang Jewish-Asency beschließt 1 Million Pfund für Palästina-Siedlung Sitzung der neuen zionistischen Exekutive ' Luzern, 8. September. Nach der Tagung der Jewish Agency hielt die neue zion l's'tische' E x eku ti ve ihre erste Sitzung ab, um die Richtlinien der zukünftigen Arbeit festzusetzen.- Die Verteilung der Portefeuilles soll Ende Oktober in Palästina erfolgen. Da die neue Exekutive gering .an Zahl ist, würde beschlossen, zwecks Utferwachung der komplizierten Arbeit sieben Administ.ratoren der verschiedenen Departements zu ernennen. Diese werden den Mitgliedern der Exekutive Unterstehen und nicht an den Sitzungen der Exekutive teilnehmen. Der Arbeiterflügel stellt drei, die Weltyereinigung Allgemeine Zionisten zwei Administratoren, , MJsracfii und Weltverband je einen Administrator. Den Einwanderungs-Administrator stellt Misrhchl. . . 1! Leonard Stein h&t die auf ihn entfallene Wahl als englischer Rechtsbeistand der Exekutive abgelehnt, man hofft aber, daß er ehrenamtlich der Jewish Agency bei der Behandlung von Rechtsfragen mit der Mandatarmacht zur Verfügung stehen wird. Dr. J. Schwarzbart zum Vizepräsidenten des A. C. gewählt Dr. J. S c h w a r z b a r t, der Präsident des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, wurde zum Vizepräsidenten des A. C. gewählt Zwei Juden im Ss’m Warschau, 9. September. (Telephonisch.) Gestern haben in ganz Polen die Sejm- Wahlen stattgefunden. Der Führer des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, Doktor S o m m e r s t e i n, ist in Lemberg g ewählt worden, in Lodz, wurde der Agudist Münzberg gewählt. Der Misrachist Rabbi Rubinstein aus Wilna ist nicht gewählt worden, ebenso fehlen dem Zionisten Dr. G o 111 i e b etwa 200 Stimmen zur Erreichung eines Mandates. Die jüdische Vertretung im neuen Sejm Ist stark zusammengeschrumpft, insbesondere werden Dr. T h j o n, Dr. Rottenstreich und Dr. Rosmarin fehlen. 5163 Palästina-Einwanderer im Juli Jerusalem, 6. September. (2. T. A.) Wie offiziell mitgeteilt wird, sind im Monat Juli dieses Jahres in Palästina 5163 Juden, davon 649 in der Klasse der sogenannten Kapitalisten mit einem Mindestkapital von je 1000 Pfund, in Palästina eingewandert. Steigerung der Eingänge des Keren Kafemeth Tn den ersten zehn Monaten des jüdischen Jahres 5685 betrafen die Eingänge des Keren Kajemeth 261.000 Pfund gegenüber 214.000 Pfund in der gleichen Periode des Vorjahre». Die Tagung der Jewish Agency Luzern, 8. September. Nachdem der Council der Jewish Agency die von Dr. H a n t k e eingebrachte Resolution, betreffend Aufbringung einer Millen Pfund in den nächsten zwei Jahren zur Finanzierung der Ansiedlung von 2000 jüdischen. Arbeiterfamilien,unter Beifall angenommen hatte, referierte Dr. Maurice B. Hext er über das Kolonisationswerk in Palästina in den letzten zwei Jahren, behandelte eingehend das Problem der Wasserversorgung in der Landwirtschaft, mit« dessen Lösung sich, zwei Gesellschaften befassen. Hierauf begann die Generaldebatte. Als erste sprach Lady E r 1 e i g b, die erklärte, die Aufgabe in Palästina bestehe nicht allein in Aufbauarbeit, sondern auch in der Erhebung des Geistes des Judentums. Der Dichter Schalom Asch führte aus,, nicht nur jeder deutsche Jude blicke heute auf das Heilige Land, sondern auch Millionen Juden in osteuropäischen Ländern, deren Lage eine furchtbare ist. Schalom Asch wünschte, daß die Hachscharah nicht allein Chaluzim, sondern auch Leute der Kapitaliisten-Kategorie erfasse, damit niemand unvorbereitet nach Palästina kommt. Berl Kä tzn eIso n schilderte das Unterrichtssystem in Palästina und antwortete den Generalrednern. Dje' vom Council eiiigösköittmissiofleÄ befaßten sich In mehcstöndigen Sitzungen mit den öplitischöh, RölöniäitöriSchÖri,' adfflinisttativen und Einwaddeftingsproblemen des Jüdischen Nationalhelmes. Auch eine Änderung .der. Bezeichnung „non-zionists“ für die sogenannte nichtzionfstische Hälfte / der Jewish Agency wurde erörtert, ein formaler Beschluß hierüber wurde, nicht gefaßt. ' ’ ’ ' ’ * * - Vermehrung der nichtzionistischen Sitze Nachdem vereinbart wurde, daß den Nichtzionisten drei Sitze in der neuen Exekutive der Jewish Agency, statt der bisherigen zwei, eingeräumt werden, wurde die Tagung geschlossen. Unter dpm Beifall der Anwesenden erklärte der Präsident der Jewish Agency Prof. Dr. Chaim Weizmann, Palästina sei für die nächsten 20 Jahre noch groß ge | nug; in 20 Jahren aber werde man einen erneuerten Orient gegenüberstehen (in dem die jüdischen Kinder dann das größere Palästina suchen und finden werden. Ueberführung der Gebeine Herzls nach Palästina Luzern, 6. September. Das vom Zionistenkongreß ln Luzern neugewählte Aktionskomitee der. Zionistischen Organisation hielt am 4. September abends in Luzern seine erste Sitzung ab. Hauptgegenstand der Beratung war die Überführung der sterblichen Reste Theodor Herzls, des Schöpfers des modernen Zionismus und Begründers der Zionistischen Organisation, nach Palästina. Dr. Reichenfeld, ein früherer persönlicher Sekretär Herzls, bezeugte, daß Herzl wiederholt den Wunsch geäußert habe, auf dem Berge Karmel beigesetzt zu werden; somit käme eine Beisetzung in der jetzigen Vorstadt Haifas, Ha dar Hacarmel, in Betracht. Das Aktionskomitee beschloß, die Überführung der Gebeine Herzls nach Palästina noch vor Ende dieses Jahres, stattfinden zu lassen. Das Aktionskomitee setzte ein aus Vertretern des Aktionskomitees, des Waad Leumi und der Exekutive der Jewish Agency bestehendes Komitee zur Durchführung seines Beschlusses ein. Die Wahl des Ortes der Beisetzung (Hadar Hacarmel öder Jerusalem) wurde diesem Komitee überlassen. Zehn Mi'llonen Dollar Aufbauhilfe an jDdlsdie Flüchtlinge New York, 2. September. Die Gründung der Refugee Economic Corporation unter Führung des Felix M. Warbürg ist soeben in New York vollzogen worden. Die Gründer der Gesellschaft hoffen, das nominelle Kapital von 10 Millionen Dollars in absehbarer Zeit beisammen zu haben. Der leitende Gedanke des Unternehmens ist, produktiveHilfedenAuswanderern aus Deutschland zu leisten. Reine Wohltätigkeit will sie nicht leisten. Eutgegen irrigen Annahmen wird die REC nicht einzelnen Menschen helfen, sondern ausschließlich, und zwar vorwiegend durch die Vermittlung bestehender Organisationen, Gruppen unterstützen. In Frage kommen Schaffung und Förderung von Hilfskassen, soweit sie gesund fundiert sind, Ansiedlung in geeigneten Gebieten, vielleicht auch Erleichterung gewisser palästinensischer Pläne in Zusammenarbeit mit anderen, wobei man an Jugeud-Alijah, denken könnte. Der Führer der Verirrten Wladimir Jabotinsky hat in der Eröffnungssitzung seines Kongresses eine mehrstündige Rede gehalten, in der-er das Programm der von ihm gegründeten neuen Organisation darlegte. Er : hat mit der Erklärung begonnen:. „700.000 staatszionistische Votanten haben beschlossen, die Gliederung . und Zusammenfassung des, ziontreuen Judentums aufs neue und auf neuer Grundlage durchzuführen.“ Wir wollen gleich sagen, daß dem Redner die Phantasie: einen Streich gespielt hat. Die Votanten haben nicht das geringste beschlossen. Die Ziffer ist nicht seriös zu werten. Es hat weder eine Wahl stattgefunden, noch sind solche Massen in Bewegung gekommen. Es wäre auch unverständlich, wie ein noch'gär nicht eingespielter Apparat" zu solcöed Ergebnissen kommen sollte. In Wien, wo man von 17,000 Wählern spricht, haben sehr hoch gerechnet, iOOO Leute an der „Abstimmung“ teilgehommen durch Unterfertigüng einer Deklaration, daß. sie für ein freies Paläsitinar' zu beiden Seiten des Jordans sind. Akzeptiert man aber für einen Augenblick diese; 700.000, dann würden sie ein Argument. g<jgen Jabotinskys Politik bedeuten. Mit liesen 700.000 hätte er ja in Luzern mühe- ’ los alles durchsetzen und die Leitung erobern können... Aber der Verantwortung, die er dann unter der wachsamen Kontrolle ler zionistischen Öffentlichkeit hätte übernehmen müssen, ist er ausgewichen und nacht eine neue Organisation. Seine Prograimnrede, die Arbeit eines geistreichen Feuilletonisten, kann denn auch die innere Verlegenheit nicht übertünchen. Er hat nichts zu bieten als Versprechungen, wenngleich die Rede sich so anhörte, als stünden hinter Jabotinsky einige Millionen von Bajonetten ... Jabotinsky findet, daß das Verwaltungssystem Palästinas in keinem Zusammenhang fteht mit den Zielen des Mandates, daß das Parlamentsprojekt antizionistisch ist. Das und Neuigkeiten? Er findet, daß der Welfcgefa.hr ein in jedem Sinne inadäquates1 Judentum gegenübersteht. Wir wollen das ergänzen: 17 Millionen Juden gegen etwa 300 Millionen feindselig eingestellte Niohtluden. Sollte Jabotinsky ein Mittel wissen, diese Relation zu ändern, so möge er es nennen. Er verlangt Bodenreserve in Palästina, Freigabe Transjordaniens, Änderung des Zollsystems, Förderung der Privatinitiative... Wer die Verhandlungen von Luzern verfolgt hat., wird sich daran erinnern, daß dort alle diese Forderungen durch, gesprochen wurden, daß sich dort in allen diesen Forderungen Einstimmigkeit ergeben hat. Ja — sagt Jabotinsky — die Hemmnisse und Drohungen stoßen auf keinen bemerkbaren jüdischen Widerstand. Wir meinen, daß. die Fortführung der Arbeit, die Verstärkung der Einwanderung, die Bereitstellung von Geldmitteln die Voraussetzungen für einen Widerstand schaffen werden. Mehr Menschen, mehr Geld, mehr Boden, mehr politische Kraft. Die Formel ist nicht so kompliziert, und was bisher erzielt worden : ist,, für ein armes Minderheit« volk, inj