Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 481 (6.9.1935)
- Date
- 1935-09-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Ulf 4 DII tflMME NY. 4SI 6. September lorsr» PRAKTISCHE NEUHEIT!! Sporthemd mit Reservekragen aus feinstem Seidenpoplin in allen Modefarben ........... 8 50 sowie alle Artikel in Wäsche und Wirkwaren billigst bei BERGMANN, I., RABENSTEIG 3, TEL. U 20-709 HIMMELPFORTGASSE 5, TEL. R 25-8-84 KOLLNERHOFGASSE 1, TEL. R 26-8-99 | Rabbi Abraham Jixchafc Kook | Nacli längerer Krankheit ist in Jerusalem tlie Ziffern eine deutliche Sprache. Der W e r t der n a c h P a 1 ä s t i n a ein g ei ii h r t e n deute e!i e n W a r e n i t 1> e d e u t e n d g r ö ß e r, a 1 s d i e S u in in e der T r a n s f e r g e 1 d e r. Es wird also tlie Haavara dazu mißbraucht, um deutsche W a reu ins L a n d z u bring e n. ohne daß damit eine Überführung von deutschen Juden nach Palästina stattfindet. Dieser U n f u g muß abgeetellt werden und aus diesem Grunde ist. eine Kontrolle de«s Transfers notwendig. Eine andere Frage aber ist ecs. ob sich gerade die Zionistische Exekutive offiziell mit dem Transfer und seiner Kontrolle befassen soll. Die gewichtigen Bedenken der Minderheit wurden nicht gutgeheißen. Alles an dieser Debatte war unerquicklich, sowohl die Verteidigung des Transfers als auch die Art und Weise, wie die Judenstaatspartei ihre Argumente vertrat. Es kann nur bedauert werden, daß der Antrag Dr. S c h in o- Take, die Transfer-Resolution an den Ausschuß zurückzuverweisen von der Mehrheit abgelehnt wurde. Das Ergebnis der Abstimmung, insbesondere die Stimmenthaltungen bei der Arbeiterpartei scheinen zu beweisen, daß sich in Palästina gegen die ,.G es c h ä f t s t ü c h t i g k e i t“ deutscher Emigranten und ihrer Hintermänner und gegen (“inen engstirnigen ..Palästina-Patriotismus um jeden Preis“ gewisser palästinensischer Kreise ein immer stärkerer Widerstand bemerkbar macht. Das und nicht die radikalen Kontrareden im Plenum des Kongresses war vielleicht das einzige erfreuliche M o int1 n t in dieser unerquicklichen Debatte. STROHWITWER! Ausgezeichnetes Mittag-Menü S 1*80 u. 2*50 RESTAURANT Tel. A 46-4-39 BARSCHAK IL, Große Schiffgasse 3, nächst Salztorbrücke Der IV. Council der Jewish Agency eröffnet Luzern, 4. September. Heute wurde im Kongreßhaus die Tagung des IV. Councils der Jewish Agency im Beisein zahlreicher Ehrengäste, Vertreter der Behörden und der Diplomatie eröffnet. Die Session wird am Freitag, den 6. September, zu Ende gehen. Im Namen der Exekutive berichteten Dr. A. Ruppin über Probleme und Perspektiven der Palästina-Arbeit und Mosche S h e r t o k über die politische Lage. Hierauf wurde die Debatte über dieBe richte eröffnet. In der zweiten Sitzung erstattete das Mitglied der Exekutive Dr. M. B. H e x t e r den Bericht über Kolonisation und Finanzen, Dr. Werner Senator berichtete über Einwanderung und Ansiedlung deutscher Juden, Miß Henrietta Szold über Jugend-Alija, und Dr. Arthur II a n t k e über Keren Hajessod. Am Mittwoch und am Donnerstag werden die Kommissionen tagen. Es wurden Kommissionen für Politik, für Wirtschaft und Finanzen, für Organisation und Verfassung und ein Nominationsausschuß gewählt. Am Donnerstag wird die Debatte fortgesetzt. Am Freitag werden die Kommissionen ihre Berichte erstatten und Anträge stellen. Hierauf wird die Wahl der Organe der Jewish Agency vorgenommen werden. Orthodoxes sephordlsches BethOUS, InsasseTNhr68 SUCftt für die hohen Feiertage einen tpiD bjD eventuell als pn für das ganze Jahr. Orthodoxe verheiratete Bewerber wollen sich an obige Adresse persönlich wenden Weltkongreß jüdischer Ärzte in TehAviv Luzern, 4. September. (2. T. A.) In einer zweitägigen Konferenz jüdischer Ärzte wurde beschlossen, einen Weltkongreß jüdischer Ärzte für das Frühjahr 1930 nach T e 1 - A v i v e i n z ti b e r u f e n. Der Kongreß «oll sich mit Standesfragen der Ärzte in den verschiedenen Ländern, mit der Bekämpfung von Volkskrankheiten in den Ländern jüdischer Mus.serisiedlung und von Tropenkrankheiten in Palästina sowie mit der Errichtung einer medizinischen Fakultät an der Universität Jerusalem 'befassen* am 1. September der Oberrabbmer der aschkenasischen Gemeinschaft in Palästina, Rabbi Abraham Jizchak Häkchen Kook, im Alter von 69 Jahren gestorben. Unter der Judenschaft Palästinas hat sein Ableben tiefe Trauer hervorgerufen. In Luzern hat dio Nachricht vom Abloben des Rabbi Kook in den Kreisen der Delegierten und Gäste, besonders unter den Mitgliedern des Misrachi, die in Rabbi Kook ihren geistigen Führer verehrten, tiefe Trauer ausgelöst. Der Kongreß hat, wie berichtet, in einer Trauersitzung des verstorbenen großen Juden gedacht. Rabbi Abraham Jizchak Kook wurde 1866 in Griva (Kurland) geboren, wurde 1886 Rabbiner in Semel, später in Bausk (Litauen) und erhielt 1903 einen Ruf nach Jaffa. In Palästina entfaltete Rabbi Kook bald eine vielseitige Tätigkeit, indem er in den mit der jüdischen Kolonisation zusammenhängenden religionsgesetzlichen Fragen (Maasser, Schomitta usw.) bedeutsame haiaohische Entscheidungen traf. In Deutschland, wo er an der konstituierenden Versammlung der Agudas Jisroel teilnehmen wollte, vom Weltkriege überrascht, blieb er zunächst in der Schweiz lind folgte 1916 dem Rufe der „Machsike Hadass“-Gemeinde jn London. Dort nahm er an den Bestrebungen, die schließlich zur Bai f our-D ek lar ation führten, Anteil und erließ den Aufruf zur Schaffung der Jerusalem-Organisation (Histadruth Jeruschalajim, auch Degel Jeruschalajim), die den Zweck verfolgt, die nationale Wiederbelebung zu den ursprünglichen Quellen des Judentums ziurückzuführen, das Rabbinat zu vereinheitlichen und Thora-Institutionen in den Kolonien zu fördern. Nach Kriegsende wurde Kook Oberrabbiner der aschkenasischen Gemeinde in Jerusalem, 1921 Vorsitzender des neugesehaffenen Bet din hagadol, das heißt Oberrabbiner der aschkenasischen Juclenheit, Palästinas. Die 1922 von ihm gegründete Jeschiwa merkasit olamit in Jerusalem steht seither unter seiner Oberleitung. Rabbi Kook, der stets energisch für dieStärkungder palästinensischen Einheitsgemeinde Knesseth Jisrael eingetieten ist, war die führende Persönlichkeit der gesetzestreuen Judenheit im neuen Palästina. Er stand dem Misrachi nahe und hat wiederholt Kundgebungen zugunsten des zionistischen Aufbaues erlassen. Gegenüber der Regierung vertrat er stets stolz und würdig die Forderungen des palästinensischen Rabbinats. Er hat eine Reihe von Schriften halachischen Inhalts veröffentlicht, in „Roschmillin“ eine Zusammenstellung der kabbalistischen Grundworte gegeben und in „Orot“, sowie „Orot hatOBchuwa“ Abhandlungen über Palästina und der Renaissance des jüdischen Volkes in seinem Lande in Buchform veröffentlicht. Ferner erschien mehrbändig eine Sammlung seiner Briefe („Iggrot Reaja“). * Über die Beisetzung des Oberrabbiners Kook wird uns aus Jerusalem gemeldet: Unter ungeheurer Anteilnahme der gesamten jüdischen Bevölkerung des Landes wurde Oberrabbiuer Abraham Jizchak Kook am 2. September auf dem ö 1 b e r g zur letzten Ruhe bestattet. Die Zahl der Menschen, die dem Sarg folgten und in den Straßen, die der Trauerzug passierte, Spalier bildeten, wird auf 80.000 geschätzt. Etwa 25.000 bis 30.000 Trauergäste waren aus der Provinz horboigeströnit. Diohito Menschenrassen säumten, ßfleht mir die Fahrbahn auf dem Wege zum Friedhof ein, sondern füllten auch die Baikone und Dächer der am Trauerweg liegenden Häuser. Von der Zentral-Jeschiwa bewegte sich der Zug durch die Jaffa-Straße zum Friedhof. Eine Abteilung von hundert Polizisten an der Spitze des Trauerzugcs sorgte für die Freihaltuiig cles Weges. Nach iihr kam eine große Gruppe von Schülern der Talmud-Thor a- Schuleu, die auf dem Wege Trauerpsalmen rezitierten. Infolge der ungeheuren Hitze wurden mehrere Kinder von Ohnmacht befallen und mußten gelabt werden. Bachurim der Jeschiwa und Mitglieder des Hapoel Hamisrachi flankierten den Zug, iu dem zahlreiche Vertreter der jüdischen und niclitjüdischen religiösen Gemeinschaften, der verschiedenen Organisationen, der Regierung und des Konsularkorps schritten. Den Mitgliedern derJugend-und Wehrverbände war das Tragen von Uniformen bei dem Leichenbegängnis untersagt worden. Nur die malerische Tracht der orientalischen Rabbiner belebte das einförmig düstere Bild cles Zuges. An dem Grabe, das sich in der Nähe der letzten Ruhestätte des Vaters des Verblichenen j des Rabbiners Salomon Hakolien Kook, befindet, kam es zu ergreife nden Sz.enen der Trauer, als nach dem von dem Sohne des Oberrabbiners, Rabbi Zwi J e li u d a, gesprochenen Kadclisch die zahlreichen religiösen und weltlichen Würdenträger, die an dem Begräbnis teiilnaihmen, Erdschollen auf den Sarg niederfallen ließen. Nachrufe wurden nicht gehalten. Es sprachen nur kurze Worte religiösen Inhalts die Rabbiner Isser Salman Meitzer im Namen der religiösen Institutionen und Joseph L e v y. für das sephardische Rabbinat. Während des Begräbnisses ruhte die Arbeit in sämtlichen jüdischen Betrieben des Landes. Die Misrachi-Organisation hat einen nationalen Trauertag, verbunden mit Traucrgottesdiensten im ganzen Lande, proklamiert. Hermann Bernstein gestorben Washington, 2. September. Vom State Department wird mitgeteilt, daß der frühere Gesandte der Vereinigten Staaten in Albanien und Schriftsteller, Hermann Bernstein, am 31. August einem Herzleiden erlegen ist. Bernstein hat ein Alter von 59 Jahren erreicht. An seinem Sterbelager weilten seine Gattin, sein Sohn David und seine Tochter Frau A. Nash. Der Leichnam wurdo nach New York überführt, wo am 1. September unter zahlreicher Beteiligung der diplomatischen, politischen und der führenden jüdischen Kreise das Begräbnis stattfand. Hermann Bernstein wurdo 1876 an S c h i r w i n t bei Wilna geboren und kam 1893 nach Amerika. Er ist der Begründer der großen jiddischen Tageszeitung „Der Tog“ (Tho Day) und war Herauisgebor dor führenden jüdischen Wochenschrift in englischer Sprache „Jewish Tribüne“. Er besuchte wiederholt Rußland, so 1915 und 1918. 1019 ging er als Korrespondent New Yorker Zeitungen nach Galizien, um die Ursachen der dortigen Progroine aufzuhellcn. Von dort zurückgekehrt, begann er einen Kampf gegen die damals von Henry Ford geleitete und finanzierte antisemitische Bewegung in den USA. Durch eine Reiho von Schriften und Aufsätzon in führenden Zeitungen gelang es ihm, die öffentliche Meinung- Amerikas von der Grundlosigkeit der antisemitischen Legenden und von der Fälschung ihrer Quellen zu überzeugen. Er brachte gegen Henry Ford Verleumdungsklage als Jude ein und zwang auf diese Weise Ford zu einer Entschuldigung und zu dem Zugeständnis, daß die von den Antisemiten gegen die Juden angeführten Quellen, vor allein die „Protokolle der Wersen von Zion“, gefälscht sind. In der Folge schwor Henry Ford öffentlich dem Antisemitismus ab. Erst vor wenigen Monaten hat Hermann Bernstein wiederum in Verbindung mit dem Berner Prozeß eine umfangreiche Schrift über die „Protokolle“ herausgegeben, dio cten klaren Nachweis der Fälschung enthält.; Das Buch machte in der amerikanischen Öffentlichkeit und in der Presse tiefen Eindruck. }' 1918 hat Bernstein dio berühmten „Willy-Nicky“- Telegramme (Geheimkorrosponclenz zwischen Kaiser Wilhelm II. und dem Zaren Nikolaus) an die Öffentlichkeit gebracht. Da.s Vorwort schrieb der verstorbene Präsident Theodor Roosevelt. Bernstein veröffentlichte auch eine Reihe Interviews mit hervorragenden Staatsmännern, unter anderen mit Präsident Masaryk, in Buchform. Auch als Übersetzer Tolstojs, Gorkis und Andrejows ins Englische machte er sich einen Namen. Während mehrerer Jahre vertrat er die „New York Times“ in europäischen Zentren. Er war Berichterstatter über dio Friedenskonferenzen für „New York American“ und andere große Zeitungen. Präsident Hoover, der ihn sehr schätzte, ernannte ihn z u m Gesandten der USA. in Albanien, welches Amt er vier Jahre lang bekleidete. Er war Anwärter auf weitere diplomatische Posten in Zukunft. für 11jährigen Mittelschüler im 20. Bei., Nähe Staudingergasse, gesucht. Anfragen: Gerber, Andau (Brgnld.) Oskar Strnad gestorben Einen schmerzlichen Verlust hat das jüdische Volk zu beklagen. In Alt-Aussee, wo er zum Sommeraufenthalt weilte, ist Professor Oskar Strnad im 56. Lebensjahre plötzlich gestorben. Die Nachricht wird weit über die Grenzen Österreichs hinaus tiefe Trauer um einen der hervorragendsten Künstler Österreichs, um einen der Bosten im geistigen Judentum hervorrufen. Professor Strnad hatte neben seinen hervorragenden Arbeiten als Architekt in den letzten Jahren vor allem durch seine Bühnenentwürfe, dio in mancher Hinsicht bahnbrechend wirkten, seine stärksten Erfolge errungen. Seine letzte Arbeit waren dio Bühnenentwürfe zu clor Aufführung des „Don Giovanni“ in Salzburg. In den letzten Jahren litt Professor Strnad an einem schweren Herzleiden, das nun auch zu seinem plötzlichen Tod geführt haben dürfte. Professor Strnad wirkte seit vielen Jahren an der Kunstgewerbeschule, wo er dio Architekturklasse leitete. Von Häusern, die er erbaute, ist die Villa des Dichters Jakob Wassermann in Grinzing zu nennen und das Kurhaus in Schallerbach, das er im Verein mit Klemens Holzmeister erbaute. Groß wurde sein Name aber vor allem durch seine Verbindung mit dem T h e a t e r. Neben Alfred Roller, der ihn mit seltener Neidlosigkeit anerkannte, galt Strnad als der beste Bühnenbild gestalt er. Unvergessen sind seine Entwürfe für Reinhardts „Mirakel“, seine Bühnenbilder für „Sommernachtstraum“, „Leinen aus Irland“, „Juarez und Maximilian“ im Burgtheator und für die Opern „Jonny spielt auf“ und „Wozzek“ in der Staatsoper. Professor Strnad hat für dio Tagespolitik niemals Interesse gehabt. Aber er hat an allen Problemen des jüdischen Löbens regen Anteil genommen. Er ist oin auf seine Zugehörigkeit zum Judentum stolzer Mann gewesen und hat sich in der letzten Zeit dem Zionismus sehr stark genähert. Die jüdische Renaissance in allen ihren Formen mußte auf den Künstler lebhaft einwirken, und er hat auch die Entwicklung in Palästina nicht als kühler Beobachter, sondern mit dem heißen Herzen eines direkt Beteiligten verfolgt.