Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 480 (3.9.1935)
- Date
- 1935-09-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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' Sette 4 Ml fTfMfMI Rfe. '49(1 — 8. September 1G88 und dieses Kongresses gelöst werden. Für Mittelstandssiediung l)r. Pinn er (Deutschland) führt aus, der Zionismus stelle dem Willen, die Juden zu vernichten, den Aufbauwillen in Palästina und die Überführung der Menschen in produktive Berufe in Palästina entgegen. Die Frage sei nur, ob dieses Werk mit dem Tempo der Vernichtung in der Galuth Schritt halte. Bei der bisherigen Kolonisa-j tion lag die ganze Initiative vorwiegend bei der Arbeiterschaft, während auf dem Gebiete der Mittelstandskolonisation wenig Systematisches geleistet wurde. Als nun aber mit der deutschen Alijah plötzlich eine neue Schicht vom Mittelstand nach Palästina kam, erwies sich die Lückenhaftigkeit der Vorbereitung für seine Aufnahme. Mittelstandskolonisation kann nicht improvisiert, sondern muß organisch in das gesamte Kolonisationswerk eingebaut werden. Es muß eine gemischtwirtschaffcli che Gesellschaft, für die aus den Hilfsgeldern für deutsche Juden der Grundstein bereits gelegt ist und an der sich auch Privatkapital deutscher Juden in ziemlich großem Maßstab beteiligt, ins Leben gerufen werden, die die Flächen vorbereitet und sie den Mittelstandssiedlern sozusagen „schlüsselfertig“ übergibt. Die Führung dieser Gesellschaft soll in nationalen Händen liegen, aber die Kreise, denen sie dienen will, zur Beteiligung heranziehen. Bezüglich der nationalen Fonds glaubt der Redner, es ließen eich deren Einnahmen ganz bedeutend steigern, wenn eine Form gefunden würde, daß die Juden der Galuth im Laufe der Jahre durch ihre Spenden für sich und ihre Familien ein Anrecht auf Sied-, lungsboden erwerben. Ferner müßten auf breiter Basis die Mittel gefunden werden, um siedlungsfähigen und -willigen Familien durch ein großes. Kreditinstitut die notwendigen Kredite zur .Verfügung zu stellen. L e w i n s o n (Arbeiterfraktion) erklärt, die Arbeiterschaft bekenne sich zur Herzischen Idee dos Judenstaates, lehne aber gerade deshalb die entstellte Lehre der Judenstaats- Partei ab. Sie erblickt die Verwirklichung der historischen Prognose Herzls im Sieg der Idee der jüdischen Arbeit. Sowohl die Gesamtheit als auch das Individuum bauen das Land. Aber man darf die Grenze nicht verwischen. Das gelte auch für das Gebiet der Religion. Die Gesamtheit anerkenne die religiösen Grundlagen als vorgängige Bedingung des Landes, das Individuum meutere mitunter. Mit Strafen dürfe man das religiöse Ziel nicht erreichen wollen. Das Beobachten, des Sabbaths sei heilig, das Beobachten des Beobachtens des Sabbathe dagegen sei nicht heilig. Jede Gewalttat auf dem Gebiet des Gewissens könne das Volk der Religion höchstens entfremden. Sitzung vom Dienstag, den 27. August, vormittags. B a d i c h i (Jemenitische Arbeiter) verlangt vom Kongreß die Einsetzung einer Prüfungskommission, die die Frage der j emenitischen Einwanderung und der jemenitischen Ansiedlung untersuchen soll. Die jemenitischen Arbeiter erklären, daß sie alle Mittel anwenden werden, um ihre Rechte als Partei, als unteilbarer Bestandteil der Histadrath Haowdim, der zionistischen Bewegung und des zionistischen Kongresses zu verteidigen. Z i s 1 i n g (Arbeiterfraktion): Man schätzt den Import des künftigen Jahres nach Palästina auf 20 Millionen Pfund. In der politischen Welt wird der Import aber allgemein zum Gegenstand auch politischer Verhandlungen gemacht. Der Jischuw in Palästina ist kein Staat und hat keine Regierung, die Mandatsregierung aber hat ihre Interessen, die eich mit denen des Jischuw nicht decken. Hier kann eben nur jene Konzentration der Kräfte, hinter der die gesamte Wirtschaft steht, Abhilfe schaffen. Fortsetzung dar kofon isatoriechen Tätigkeit. Es gelte jetzt, Hu loh zu entsumpfen und aus Huieh einen blühenden Garten zu »neben, os gelte, eine große Boden reeerve in Er ec Israel zu schaffen. In politischer Hinsicht hält der Redner eine Kooperation mit der Mandatarmacht, aber gleichzeitig eine Verständigung mit den Arabern für unerläßlich. Aufgabe der Zionistischen Organisation müsse es endlich sein, dafür Sorge au trägem, daß die Verwirklichung des Zionismus nicht durch einen möglicherweise bevorstehenden Krieg gefährdet wird. Rabbi Wohl (Arbeiterfraktion Amerika) anerkennt die hervorragenden Leistungen der gegenwärtigen Exekutive und insbesondere auch ihre Anstrengungen, Juden ans Deutschland nach Palästina zu überführen. Der Redner verteidigt den Transfer, da dieser Freiheit und Leben der deutschen Juden sichern hilft. Man habe kein Recht, Menschen ihre Hoffnung, nach Palästina zu übersiedeln, zu zerstören. Aus eigener Anschauung erzählt Rabbi Wobl, welch großes Werk Henrietta Szold und ihre Mitarbeiter für die jüdischen Kinder aus Deutschland in Erez Israel geschaffen habe. Die Jugend-Alijah müsse aber auch auf Polen, Österreich und andere Länder ausgedehnt werden. Zur Lage in Amerika übergehend, führt der Redner aus, daß es dort Menschen und Geld gibt, aber keine Führer, die die Massen zu aktivieren imstande sind- Die alten Propagandamethoden versagen. Hier stelle sich dem Zionismus eine große Aufgabe. Die Jewish Agency müsse neue Wege Der Leiter des Einwanderungsdepartements der Exekutive, J. Grünbaum, macht einige Bemerkungen zur Kritik, die in der Generaldebatte hinsichtlich der Einwanderung geübt worden ist. Bezüglich der Verteilung der Zertifikate nach Ländern führt Grünbaum aus: Es gab früher zwei Gattungen von Ländern, einmal diejenigen Länder, die die Alijah brauchten, und sodann die anderen, in die man Zertifikate nur deshalb schickte, damit sie sich erinnerten, daß es ein Erez Esrael gibt. Diese zweite Gattung von Ländern, die keine Alijah brauchen, ist in den letzten beiden Jahren fast völlig verschwunden. Heute werden selbst aus Amerika, das früher ein Einwanderungsland für Massen aus Osteuropa war, Zertifikate zu hunderten verlangt. Bei der Verteilung der Zertifikate werden folgende drei Grundsätze befolgt: Erstens wird die Lage in dem betreffenden Lande berücksichtigt, nämlich, wie groß dort die Bedrängnis der Juden ist, das zweite Kriterium ist die Größe der zionistischen Bewegung und die Größe der chaluzischen Bewegung in jenem Lande, und das dritte die Zahl der für den Aufbau Palästinas brauchbaren Menschen, die das betreffende Land auf weist. Auf die Angriffe des Präsidenten des österreichischen Landesverbandes Dr. OskaT Grünbaum, daß die Agudisten in Österreich bevorzugt und die Zionisten verkürzt würden, erklärt der Referent, daß die Exekutive 155 Zertifikate nach Österreich geschickt hat, und die Exekutive wird noch weitere für Österreich bekommen. Bezüglich der Juden des Orients •bemerkt Grünbaum, daß die europäischen Juden von deren Bedrängnis nichts wissen und die Existenz der Juden Afganistans, Persiens, der Türkei und des Jemens fast ganz vergessen haben. Es ist die Pflicht der Zionistischen Organisation, diesen Ländern zu Hilfe zu kommen und ihnen die Möglichkeit der Alijah zu sichern. Grünbaum weist aber auf die Schwierigkeiten hin, die sich in verschiedenen Ländern des Orients der Zuteilung von Zertifikaten entgegenstellen. So ist es beispielsweise nicht möglich, Zertifikate nach Persien zu schicken, und die Türkei hat die Vertreter der zionistischen Exekutive verhaftet und sie gezwungen, das Land zu verlassen, so daß es unmöglich ist, den Juden der Türkei die für sie bestimmten Zertifikate zuzustellen. Die Exekutive ist bereit, den orientalischen Ländern nicht weniges als (nff. M. MöWbeuer und Freu zeigen Hocherfreut di« Geburt einet Sohnes an. Wien, 30. August 1935. einschlagen. Einen davon erblickt der Redner in der Entsendung einer Art von Gesandten der Jewish Agency in die verschiedenen Länder, die die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen der Agency mit ihnen pflegen und in engem Kontakt mit der Exekutive der Agency arbeiten sollen. (Dieser Vorschlag wurde bereits mehrmals in der „Stimme“ gemacht. — Red.) K 1 e i n b a u m (Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten) rügt den Boykott der zionistischen Fonds durch den Mieraehi, der es rechtfertigen würde, diese Fraktion zur Teilnahme am Kongreß nicht zuzulassen. Auch dem Misraohi gegenüber, der mit der „Nonen Zionistischen Organisation“ kokettiere, müsse bei aller Bereitschaft, seinen religiösen Forderungen entgegonzukommen, unbeugsam an der Einheitlichkeit der Zionistischen Organisation festgehalten werden. Einzig die Disziplin werde der Zement sein, der die Organisation untermauert. Der nationale Charakter und die Priorität der ehaluzisohen Alijah müssen im Interesse der Entwicklung der Landwirtschaft in Erez Israel erhalten bleiben, Ale weiteres wichtiges Postulat bezeichnet der Redner die kulturelle Arbeit in der Galuth, ohne die es nur eine Emigration, aber keine Alijah geben wird. 10 Prozent der Zertifikate zu sichern, die sie von der Regierung bekommen wird. Im weiteren befaßt sich Grünbaum mit der Notwendigkeit einer Verbesserung der Lage der ohaluzischen Irgunim und einer Reform der Hachscharah. Glücklicherweise ist heute die Stunde einer Masseneinwanderung des Volkes, wie die Zionisten sie ja gewünscht haben, gekommen. Darin dürften sich alle einig sein, daß es sich um eine arbeitende Alijah handeln muß, und daß alles Mögliche getan werden muß, damit nicht auf Grund der Zertifikate jemand anderer als ein arbeitender Mensoh einwandert. Ein Arbeiter hat auch einen Anspruch darauf, seine Verwandte nach Palästina kommen zu lassen, da ihm nicht die schwere Last aufgebürdefc werden kann, seine Brüder und Schwestern in der Golah zu ernähren. Aber auch für diese Verw wandten muß gelten, daß es sich um Arbeiter handelt. Wenn sie kein Fach haben, müssen sie eines lernen, sonst bekommen sie kein Zertifikat. Darnach teilt Grünbaum mit, daß die Exekutive die Zertifikate in zwei Gattungen teilen will: 50 Prozent für die Chaluzim und 50 Prozent für die; Arbeitenden aller Gattungen. Zum Schluß weist Grünbaum noch darauf hin, daß die Einwanderung nach Palästina in den letzten Jahren ihr Gesicht stark geändert hat. Früher handelte es sich nur um eine Alijah, heute auch um die Regelung der Auswanderung; der Auswanderung der Juden aus Deutschland, der Juden aus dem Jemen, aus Afganistan usw., und auch des Überschusses, der sich in Ländern wie Polen, Rumänien und anderen anhat. In seinem Vorwärtssohreiten verwandelt sich der Zionismus immer mehr in eine Bewegung des Auszugs aus den Ländern der Golah nach Erez Israel. Zwischen Alijah und Auszug besteht aber ein großer Unterschied. In der Alijah hatte man es mit den Auserwählten des Volkes zu tun, die den Weg bahnten, heute aber handelt es sich um die Massen des Volkes, um das ganze jüdische Volk. Der Zeit- Unsere geschätzen. Leser worden auf die Buchhandlung Herrn. Tüohner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo alle Schulbücher für Volks-, Haupt-,- Mittel- und Fachschulen, auch antiquarisch, zu sehr mäßigen Preisen erhältlich sind. Leihbücheroi eröffnet. Gebühr 10 Grosohen täglich. Für Auskünfte: Telephon R 41-4-20, Die Not der Juden In Zentralasien E m a n u e 1 i (Arbeiterfraktion Buchara) verliest ein Memorandum derJuden aus Buchara an den Kongreß. Danach beträgt die Zahl der bucharisehen Juden heute ungefähr 40.000, wovon 4000 in Palästina, der Rest aber immer noch in Buchara, in Turkestan und einige Tausende bucharischen Juden als Emigranten in Afghanistan und anderorts leben, mit dem einzigen Wunsch, nach Erez Israel zu kommen. Die Lage der Juden hat sich seit dem Krieg immer mehr verschlechtert, der Krieg und der Bürgerkrieg haben die jüdische Gemeinde zugrundegerichtet. Armut und Hunger veranlassen die bucharischen Juden zur Flucht. Etwa 20 Prozent der Gesamtzahl der bucharischen Juden sind Hungers gestorben oder getötet worden. Die anderen wurden in alle Weltteile zerstreut. Etwa 4000 konnten sich nach Afghanistan und Persien retten, wo aber angesichts der steigenden Zahl der Flüchtlinge schwere Verfolgungen gegen sie einsetzten. Dank der Hilfe der Jewish Agency sind bis heute 1800 Personen nach Palästina eingewandert, die von der Histadrutb in der Stadt und in den Kolonien untergebracht wurden. Aber die verbleibenden 2200 Menschen befinden sich in Persien und Afghanistan in einem schrecklichen Zustand und flehen um Hilfe. Die bucharifichen Juden fordern, man solle ihnen Zertifikate für die Flüchtlinge zur Verfügung stellen und von der Palästinaregierung erleichterte Einwanderungßbcwilligungen für die gegenwärtig in Persien und Afghanistan vorübergehend sich aufhaltenden Juden verlangen. Man solle den in Buchara selbst wohnenden Juden die Möglichkeit der Einwanderung geben. Der KKL wird aufgefordert, Boden für die bucharischen landwirtschaftlichen Arbeiter zur Verfügung zu stellen, für deren Ansiedlung der KH sorgen soll. Die Erziehunge- und Gesundheitsinstitutionen sollen aufgefordert werden, in ganz besonderer Weise für die Hebung des kulturellen und physischen Zustandes der buchari- BD&&S m sorgen, Die buohort* sehen Juden wenden sich schließlich an die jüdische Öffentlichkeit mit der Bitte, ihren Flüchtlingen in Afghanistan und Persien materielle Hilfe zu bringen. K o 1 o d n i (Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten) unterstützt die Fordemng der Arbeiterschaft nach Erhöhung der Zertifikatenzahl für die Chaluzim mit dem Hinweis auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft in Palästina. B a r a t z (Arbeiterfraktion) bemerkt, die hebräische Sprache habe in den Schulen der Alliance erst Fuß gefaßt, nachdem die Schulen der jüdischen Arbeiter, zuerst die Volksschulen für Knaben und Mädchen in Jaffa, eröffnet wurden und in nationalem Geifit zu arbeiten begannen. Man habe sich am Kongreß darüber aufgeregt, daß Ben Gurion vom Roten Meer und von Transjordanien gesprochen habe, wo dies doch ein Monopol der Judenstaatler ist. Die Judenstaatler haben aber nur davon gesprochen, während vor 26 Jahren eine kleine Gruppe von Chaluzim nicht gesprochen, sondern sich in TransjoTdanien an gesiedelt habe. Suche Hofmeister mit Praxis und guten Referenten für 9jährigen Knaben. Perfekt Englisch, Hebräisch. Offerte unter „IV. Bezirk“ an die Administration des Blattes. J. R i f t i n (Arbeiterfraktion) bezeichnet den 18. Kongreß als einen Kongreß der Rettung. Am 19. Kongreß könne man bereits nicht nur von Rettung, sondern von der Gesundung sprechen, von einem großen Werk, das dem Zionismus bevorsteht. Diese Entwicklung ist vor allem der Tatsache zu verdaten, daß an der Spitze der zionietißohen Bewegung eine arbeitsfähige Exekutive stand, dom unerbittlichen Kampf der Arbeiterschaft gegen die revisionistische Reaktion und ganz besonders dem Glauben des jüdischen Volkes an die Verwirklichung des Zionismus durch die Kraft der Arbeit. Zeichen der Gesundung in der Zionistischen Organisation erblickt der Redner in der Zahl de* SohekeUahlfli und in der J. Grünbaum über die Einwanderung