Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 480 (3.9.1935)
- Date
- 1935-09-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kr. 480 ~~ 3. September 1935 Oll STIMMI Seit« 5 Professors B e n t w 1 c h, des früheren Se kretärs der Palästina-Regierung, der die Er richtung zweier Kurien mit einer glei chen Zahl von arabischen und jüdischen Ab geordneten vorschlägt, die einander nicht überstimmen können. Die Entscheidung hätte dann stets die Regier u n g. Es verlautete gestern, daß der Kongreß eine Sondergesandtschaft n a ch London in dieser Angelegenheit schicken wolle. ln der gleichen Kommission beantragte der Amerikaner Dr. Wipe, dem Kongreß eine entschiedene Resolution gegen die Be handlung der Juden in Deutschland vorzulegen. Die Kommissionsanträge vor dem Plenum Luzern, 1. Sept. (Telephon.) Da« Plenum des Kongresses begann ge stern vormittags unter Vorsitz Dr. Mosel n s o n s mit der Beratung Über die Anträge der Kommissionen. Der Kongreß nahm folgende Resolutionen an: 1. Der Kongreß protestiert gegen die Ver Ordnung der palästinensischen Behörden in der Angelegenheit der Nichtzulassung von neuen Ärzten nach Palästina. 2. Der Kongreß bedauert, daß im Sanitätsdienst eine zu geringe Zahl von Juden beschäftigt ist und verlangt die Vergrößerung der Zahl der Juden in diesen Institutionen. 3. Der Kongreß verlangt die Erhöhung der staatlichen Subventionen für die Sanitätsimstitutionen. 4. Der Kongreß verlangt energische Bekämpfung von Malaria, Typhus und anderen Seuchen. 5. Der Kongreß bedauert, daß die Regierung der Krankenversicherung ablehnend gegenübersteht und fordert die Exekutive auf, -weitere Schritte in dieser Richtung zu unternehmen. 6. Alle Immigranten sollen für die Zeit von drei Monaten nach ihrer Ankunft nach Palästina krankenversichert werden. (Bisher wurden nur die Ohaluzini, und zwar für einen Monat versichert.) s ln" I., Bösendorferstr. 12 (Musikverein) Tel. U 46-4-37 I., Hlmmelpfortga8se II Telephon R 28-1-75 26. Schuljahr OirekUon; Prof. Josef Reitler Unterricht in Gesang, Klavier und allen Orchesterinstrumenten von den ersten Anfängen bis zur künstlerischen Ausbildung. Eigene Kinder» abteilang. Anmeldungen und Aufnahmeprüfung täglich vor- und nachmittags ausschllefilien tm Musikvereinsgebäude, I.. Bösendorferstraße 12 Fortsetzung und Abschluß der Generaldebatte 2 6. A « g u h t 7. Der Kongreß ermächtigt die berufenen Organe, die physische und sportliche Ertüchtigung in den Hachscharah-Kibbuzim und in den Schulen zu pflegen. Nach Annahme dieser Resolutionen hielt Henriette Szold, wie an anderer Stelle mitgeteilt, ihr Referat über die öffentliche Fürsorge. Der Kongreß nahm eine Reihe diesbezüglicher Resolutionen an. Samuel Zuchowicki referierte über die Resolutionen der Kolonisierung skommissioneo. Diese beziehen sich auf den Kampf gegen die Gnmdspekulanten, insbesondere gegen Bankinstitute, welche diese Spekulation unterstützen. Andere Resolutionen waren der Kolonisierung des Mittelstandes gewidmet. Der nächste Kongreß in Tei-Aviv? Luzern, 29. August. ln der Organisationskommission des Kongresses wurde beantragt, daß der nächste Kongreß und die weiteren Kongresse in Erez Israel, und zwar in T o 1 - A v i v, stattfinden sollen. Es soll ein großes Kong roßhaus errichtet werden, das den Kongreßzwecken angepaßt sein soll. Die Baukosten würden schon in drei Kongressen gedeckt sein. In der politischen Kommission referierte S h e r t o k über die politische Lage und stellte fest, daß die Sicherheit im Lande noch niemals so groß gewesen sei wie jetzt. Er befaßte sieh auch mit Fragen der Beziehung zur Mandatarmacht und STrans Jordanien«, Sitzung von Montag, abends. Dr. Kopel Schwarz (Arbeiterfraktion) kritisiert den Zustand, daß man den Balken nur im Augen des anderen sucht und da Trennende hervorhebt, statt das Gemeinsame zu betonen. Unbeschadet aller Meinungsverschiedenheiten und der Freiheit des Denkens gibt es gemeinsame Arbeitsinteressen, auf denen man weite Wegstrecken Zusammengehen kann. Wenn aber von Seiten Allgemeiner Zionisten der Exekutive und den Gruppen, auf die sie sich stützt, beispielsweise unterschoben wird, daß sie den Kommunismus im Jischuw verbreiten, statt für nationale Kolonisation zu sorgen, und wenn man den Parteigängern der Exekutive vorwirft, daß sie entweder Kandidaten auf Sitze in der Exekutive oder Beamten seien, und anderes mehr, so ist das eine Erscheinung, die jede Möglichkeit der Kooperation raubt. E s muß dem Haß ein Ende gemacht werden. A. M. Abrahams (Allgemeine Zionisten Südafrikas) weist darauf hin, daß die Zionisten in Südafrika kein Interesse für Parteikonflikte haben, sondern in einem Territorialverband zusammenge schlossen sind, dem auch trotz der Instrük tionen ihres Führers die Revisionisten weiter ange hören. Dieser Zusammenfassung der Kräfte ist es zu verdanken, daß der KKL. und der KH. in den letzten zwei Jahren in Südafrika große Erfolge aufzuweisen haben. Die Zionistische Organisation solle den Revisionisten die Tür für eine eventuelle Rückkehr offen halten. Ein Mittel zur Bekämpfung der Bodenspekulation erblibkt der Redner darin, daß man die Industrie nicht in Tei-Aviv konzentriert, womit man erreichen würde, daß die Bodenpreise nicht, so hoch sein werden. M. J a r I) 1 u m (Arbeiterfraktion) erwartet von der zukünftigen Exekutive die Verstärkung der politischen Aufklärungsarbeit und daß sie von den russischen Machthabern das Recht auf h eb r ä i s c h e Kultur und Zionismus für die jüdische Bevölkerung beanspruchen. Von der Kongreßtribüne aus entbiete er dem jüdischen Volk inDeutschl a n d, das unter dem dort herrschenden Verhältnissen schwer leidet, die Grüße und das Mitgefühl der Zionisten, nicht minder aber auch der deutschen Arbeiterschaft, die ebenfalls so schweres durchzumachen hat. Die Zionisten müßten zusammen mit der internationalen Arbeiterschaft den ökonomischen und geistigen Boykott des Dritten Reiches organisieren. Morris Rothenberg (Allgemeine Zionisten, Amerika) fordert gleich vielen seiner Vorredner das Primat der jüdischen nationalen Interessen über Partei- und Klasseninteressen. Im Hinblick auf die traurige Lage der Juden in Deutschland und in den anderen Ländern müßte der Kongreß der Frage der Zertifikate ein besonderes Augenmerk schenken. Die Sephardim Good m a n (Weltvereinigmig Allgemeiner Zionisten) plädiert als einer der Einberufer der vor einigen Monaten in London stattgef um denen internationalen Konferenz der S e p h a r d i m, für deren Sache und weist darauf hin, daß die Sephardim die ersten waren, die den ulte Jischuw gründeten. Der Sepha-rde Mose Montefiore sei der größte Chowew Zion und ein Vorkämpfer de« politischen und praktischen Zionismus gewesen. Es bestellt die Gefahr, daß man, wenn man sich mit den Problemen Ost- und Zentraleuropas be schäftigt, die scphardLsche Welt ganz au den Augen verliert. Die Sephardim, die noch urwüchsig sind und national jüdisch fühlen haben nicht nur Forderungen an die Zionistische Organisation, sondern können ihr auch viel Wertvolles geben. Redner unterbreitet daher dem Kongreß den kon kreten Vorschlag, ein besondere Ressort für dio von ihn aufgeworfene Frage der Sephardim zu schaffen. Bernstein (Weltvereinigung Allge meiner Zionisten, Rotterdam) ist für eine Kooperation, hält die Losung der Koope ration aber für gefährlich, wenn sie die eigentlichen Probleme nur verschleiert. Die politische Einstellung der Exekutive habe sich erheblich verbessert, die politische Situation selbst dagegen nicht. Statt eine aktive Ma ndatspolitik zu betreiben, begann man mit einer P a r i t ä t s Politik, die sich in eine umgekehrte M a n d a t s p o 1 i t i k verwandelt, bei der mit jüdischem Geld arabische Interessen gefördert werden. Die arabische Einwanderung nach Palästina, von der auf dem Kongreß fast nicht geredet wird, sei durchaus nicht ge ringfiigig und könne ä ia longue dazu führen, daß Palästina nicht das jüdische Nationalheim, sondern das be vorzu g t c Konzentrationsland der arabi sehe ,n Welt wird. Das Land, welches das jüdische Nationalheim werden muß, kann nur ein Immigrationsland für Juden sein Jede nichtjüdische Immigration nach Palästina ist aus dem Wesen der Sache heraus illegal. Diese Frage hat auch einen Zusammenhang mit den Zertifikaten. Wenn man nämlich die arabische Immigration schließt, dann wird die Vermehrung der jüdischen Zertifikate auch im englischen Interesse liegen. Weiter übt der Redner Kritik an dem Zustand, daß die Juden in Palästina Steuern zahlen, die Jewish Agency aber keineswegs zur Beratung über ihre Verwendung herangezogen wird. Deutscher Zement beim Bau der A. P. C. In der Abendsitzung vom 26. August teilte Del. Großmann (Judeustaatspartei) mit, daß in Tei-Aviv ein Parteigenosse verhaftet worden ist, als er sich an den neben dem Neubau der Anglo Palestine Bank aufgestellten Wachposten beteiligte, und wonach weitere Verhaftungen unter den an diesem Wachposten Beteiligten vorgenommen worden sind. Die Anglo Palestine Bank baue ein neues Gebäude mit deutschem Zement, und um dieses Vorgehen eines nationalen Pinanzinstitutes zu bekämpfen, habe das Vereinigte Boykottkomitee der Jugendorganisationen beim Bau Piketts (Mischmaroth) aufgestellt. Es scheine nun, daß die Bank oder der Bauunternehmer Polizei zu Hilfe gerufen hat, die eine Reihe junger Leute verhaftet hat, denen nun Gefängnis droht. Großmann trägt die Exekutive, ob ihr bekannt sei, daß der Neubau der Anglo Palestino Bank mit deutschem Zement ausgeführt wird; ob die Leitung der Bank die Verhaftungen der Mitglieder des Jugendboykottkomitees verursacht habe; was sie zu tun beabsichtige, damit die Verhafteten sofort befreit werden und was die Exekutive zu tun beabsichtige, daß deutscher Zement nicht für den Neubau der Bauk verwendet werden soll. Mitglied der Exekutive» Mosche S h e r t o k, antwortete, die Exekutive sei erst vor einigen Minuten auf die Angelegenheit aufmerksam gemacht worden. Einzelheiten über den Neubau der APC seien ihr unbekannt. Die Exekutive ist bereit, die Angelegenheit aufzuklären. Sie weiß nicht, ob die Direktion der APC die Verhaftungen. veranlaßt hat oder ob hiefiir andere Gründe Vorlagen. Eine Enthaftung könne die Exekutive nicht herbeiführen. In Polen und Czernowitz weilende Periengäste haben günstige Rückfahrtmöglichkedt mit der Gesellsoliaftsreise des Reisebüros „Irut“ aue Czernowitz nach Wien am 15. September. Anmeldungen und Einzahlungen: Reisebüro „I r u t“, Wien, I., Karlsplatz 1, Telephon U 44-5-79. (In Czernowitz durch dae Reisebüro der Bukowinaer Sparkasse, Riugplatz 2.) E Der Antrag Großmann, die Angelegenheit sofort zu verhandeln, wurde nach einer erregten Geschäftsordnungsdebatte abgelehnt (!). Für den Antrag stimmen die Judenstaatspartei, ein Teil des Misrachi und ein Teil der Allgemeinen Zionisten, Gruppe B (Weltverband). Das Ergebnis der Abstimmung wird von der LinkenmitApplaus, von der Rechten mit einem Sturm von Pfuirufen JÜDISCHE ELTERN! iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHflii Kauft Schulbücher Für Eure Kinder im Antiquariat Hermann Tuchner Wien« II., Ecke TaborstraBe 52 Volksschulen, Hauptschulen, Mittelschulen und alle Fachschulen Lehrbücher in den richtigen Auflagen für: Auch ANTIQUARISCH In größter Auswahl zu sehr mäßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos, spesenfreie Zusendung Überallhin. FÜR AUSKÜNFTE: TEL. R 41-4-20 aufgenommen. Es fallen auch Rufe: Heil Hitler! M e r e m i n s k i (Arbciterfraktiou) beantragt den A u s s c h 1 n ß der Heil- Hitler-Ruf er von den Verhandlungen des Kongresses. Vorsitzender Dr. G o 1 dman n erklärt, das Kongreßpräsidium werde darüber beraten, daß Disziplinärm a ß n a b in e n ergriffen werden müssen, wenn Delegierte solche Zwischenrufe machen. Nationale Kontrolle der Wirtschaft Das Mitglied der Exekutive, Louis L i p s k y (Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten, Amerika) begrüßt den bei fast allen Parteien in der Generaldebatte zutage getretenen Wunsch nach gegens e i t i g e r Verständigung. Die Idee der jüdischen Arbeit bildet die Basis des zionistischen Programms von allen. Die Zionistische Organisation hat es immer als ihre Pflicht betrachtet, die Arbeiterschaft zu erhalten und zu unterstützen. Sie ist an ihren Leistungen mitbeteiligt und trägt zusammen mit ihr die Verantwortung vor der jüdischen Öffentlichkeit. In Palästina bieten sich heute Aussichten, die noch vor ein paar Jahren als phantastisch angesehen worden wären. Die nationalen Interessen werden aber nur dann geschützt sein, wenn das große Gebiet des Privatkapitals und der Privatinitiative, des Handels und der Finanzen unter nationale Kontrolle gestellt sein wird. Die Form des wirtschaftlichen Individualismus beginnt in Palästina bereits eine Form der Wirtschaftsanarchie anzunehmen, die die gesunde ökonomische Entwicklung des Landes gefährdet. Die nationale Verteidigung erfordert die Schaffungeiner zentralen Institution, die alle Zweige der Wirtschaft, der Industrie, des Handels und der Finanzen in das nationale Wirtschaftsprogramm einspannt. Lipsky hofft, daß sich der Kongreß mit dem Vorschlag eines Wirtschaftsrates (Economic Council) befassen werde. In diesem Wirtschaftsrat müßten alle Formen des jüdischen Kapitals in Palästina vertreten sein und die wirtsohaJtlichen Erfahrungen aller Kreise konzentriert werden. Ben Aharon (Arbeiterfraktion) erklärt: Die Arbeiterschaft erwartet von diesem Kongreß, daß er die ökonomische Kraft, die sich mehr und mehr in der Zionistischen Organisation konzentriert, der chaluzischen Front auf dem Lande und in den Regierungsarbeiten zur Verfügung stellt. Zur Frage der deutschen Judenheit bemerkt der Redner, diese könne nicht mit starken Worten oder Protesten, die die stumpfen Ohren der Welt nicht hören werden, sondern nur durch die praktische Art der zionistischen Bewegung Der Jüdische Weltkongreß Die Sitzungen des Exekutivkomitees und des Rates des Comite des Delegations Juives und des Jüdischen Weltkongresses finden in Luzern am 2. und 3. September statt. Auf der Tagesordnung stehen die Fragen des Jüdischen Weltkongresses, der Bericht üiber die Tätigkeit des Exekutivkomitees im abgelaufenen Jahr und die aktuellen Fragen der Diaspora-Politik, in erster Reihe das deutsch-jüdische Problem, ferner Fragen der ökonomischen Lage der jüdischen Massen in den Ländern Ost- und Mitteleuropas. Zahlreiche Delegierte aus allen Ländern Europas und Amerikas sowie Vertreter des Waad Leumi in Palästina werden an den Sitzungen teUnehanwu