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Die Stimme · 1935-08-30 · Heft 479 (30.8.1935) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 479 (30.8.1935)
Date
1935-08-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 6 Oft STIMM! Nr. 479 — 30. August 1985 Das Kolonialamtorgan aber den Gesetzgebenden Rat London, 26. August. (Z. T. A.) Die dein Kolonialamt nahestende Zeitschrift ,,N ear East and Indi a“ widmet den Leitartikel ihrer letzten Nummer dem 19. Zioniistenkongreß in Luzern und erörtert dabei ausführlich die Frage des L e g i s 1 a t i v e C o u n c i 1. Pas Blatt ist der Ansicht, daß die bedingungslose Ablehnung des Legislative Council durch die Zionisten vor allem daher stammt, daß sie befürchten, „seine Einsetzung werde unvermeidlich verbunden sein mit Diskriminierung gegen sie als von der Mehrheit verschieden — mit anderen Worten, daß sie zur Minderheit gestempelt werden würden, daß ihnen also gerade jener Stempel anfgedrückt wird, den zu vermeiden so viele von ihmm Europa verlassen haben“. Demgegenüber sei. sagt die Zeitschrift, darauf hinzu weisen, daß es mindestens zwei Giände gäbe, die dafür sprechen, daß das Lt L’slative Council die erwarteten schädlichen Auswirkungen auf das Jüdische Nationalheim nicht haben wird: der erste sei die Zusammenarbeit von Arabern und Juden in den Gemeindevertretungen sowie im allgemeinen Landwirtschaftsrat und seinen zahlreichen Kommissionen, eine Zusammenarbeit. die die Zionisten selbst stets z.u unterstreichen bemüht waren — diese Gemeindevertetungen gelten seit langem als wesentliche Vorläufer einer umfassenderen Selbstverwaltung in Palästina; der zweite Grund sei der, daß die Einsetzung eines Legislative Council von vielen Arabern nur mit lauwarmen Gefühlen aufgenommen wird, da sie glauben, daß es als Instrument gegen die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims wertlos sein werde. Der Artikel fordert die Zionisten auf, „sich die möglichen Folgen eines vollständigen Fernhaltens von diesem Legislative Council vorzustellen“. Als Außenstehende würden sie wenig tun können; innerhalb des Council trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit viel. Der in seinen politischen Anschauungen im allgemeinen demokratisch einsichtsvolle Zionist müsse wissen, daß nach den Bestimmungen des Mandats Palästina früher oder später eine auf Volksvertretung beruhende Regierung erhalten in u ß. Könnte dies, fragt das Blatt, vom zionistischen Standpunkt aus gesehen, unter günstigeren Umständen als den jetzigen geschehen? Durch die Verhinderung der Verwirklichung des Legislative Council bis zu der Zeit, da die Juden die Mehrheit haben würden, müßte für immer die Chance verloren gehen, die Bereitschaft der Araber zur Zusammenarbeit zu gewinnen. Transjordanien bleibt verm schlossen? Der Artikel befaßt sich weiter mit den von zionistischer Seite gegen die Einwanderungspolitik der Regierung und die Sperre Transjordaniens gegen jüdische Ansiedlung erhobenen Vorwürfen. Es sei richtig, daß diejenigen, die BILLIGE URLAUBSARRANGEMENTS Bahnfahrt, 10 volle Tage Unterkunft und Verpflegung einschl. Trinkgeldablöse MAYRHOFEN von S 113.— bis S 147.— ZELL AM ZILLER von S 112.- bis S 134.— MALLNITZ von S 113.— bis S 147.— SEEBODEN von S 111.- bis S 153.- MILLSTATT von S 134.— bis S 205.— LASSNITZHOHE von S 76.- bis S 133.- Auskünfte und Anmeldungen: ABTEIIUNGforFREMDENVERKEHRdesPHONIX I., Wallneistr. 6 a, Tel. U 25-3-32 u. U 25-5-80 aSTERR. VERKEHRSBUREAU I., Friedridistr. 7, Tel. A 36-5-40 I., Graben 20, Tel. U 29-0-35 REISEBÜRO »IRUT« I./ Karisplatz 1/ Tel. U 44-5*79 die Schaffung eines Jüdischen Nationalheims versuchen, eine noch größere Einwanderung wünschen würden, wie sie auch andere Benefizien seitens der Mandatarmacht wünschen würden. Im großen ganzen hätten sie aber wenig Grund, mit der Stellung der Zionisten in Palästina sehr unzufrieden zu sein. Was Transjordanien betreffe, so werde von einigen Beobachtern die schließliche Ansiedlung von Juden dort für gewiß gehalten. Die englische Regierung halte jedoch diese Entwicklung im Augenblick nicht für durchführbar. Norman Bentwich an die „Times“ In einer Zuschrift an die „Times“ billigt Prof. Norman Bentwich den vor kurzem von dem Jerusalemer Korrespondenten d*‘s Blattes gemachten Vorschlag, daß in dem geplanten Legislative Council Juden und Arabern eine gleichstarke Vertretung gegeben werden solle, da dadurch am besten die berechtigten Befürchtungen der Juden in bezug auf ein vorwiegend arabisches Council, da-s vermutlich die Annullierung der Mandatsbestimnmngen anstreben würde, zerstreut werden könnten. In diesem Fall, schreibt Prof. Bentwich, bedeutet Gleichheit Billigkeit. Der gewöhnliche Grundsatz demokratischer Regierung, die Vertretung nach der Kopfzahl zu bemessen, wäre in Palästina offenkundig ungerecht. Seine Anwendung müßte zu einem toten Punkt führen. Der Billigkeitscharakter des Systems der Parität würde dadurch unterstrichen werden, daß diese Basis des Council aufrecht erhalten bliebe, welche der beiden Gemeinschaften immer die Mehrheit haben sollte. Die Zugehörigkeit von Regierungsmitgliedern zu einem Legislative Council mit gleicher arabischer und jüdischer Vertretung würde verhindern, daß die Arbeit auf einem toten Punkt anlangt und würde die Initiative zu verschiedenen Maßnahmen fördern. Auch sollte zunächst eine Versammlung von mehr beratendem Charakt e r geschaffen werden, die sich mit der Zeit zu einem wirklichen palästinensischen Parlament entwickeln könnte. Palästinensische Meldungen Luzern, 26. Angast. „Haare«“ meldet, daß der High Comtnissioner Sir Arthur Wauchopc zuges timmt hat, daß die Schaffung des Legislativ Council auf zwei Jahre verschoben wird. Die arabische Zeitung „Al-Balag“ teilt mit, daß der High CommL-ssioner vor Antritt seiner London-Reise den früheren Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashasibi empfangen und von ihm die Zusicherung erhalten hat, daß die Araber dem Plan des Legislative Council nicht opponieren werden. „Al-Balag“ glaubt, daß Nashashibi Präsident des Legislative Council sein werde; sollte aber ein Engländer das Präsidium übernehmen, so werde Nashashibi Vizepräsident des Council werden. Aus dem Dritten Reich Das Mischeheverbot kommt Das Tschechoslowakische Preßbüro meldet aus Berlin: Es wird behauptet, daß der Innenminister Dr. F r i c k den Matrikenämtern bekanntgegeben hat, daß in kurzer Zeit ein Gesetz erscheinen wird, demzufolge Eheschließungen zwischen Ariern und reinrassigen Juden verboten sein werden und daß die Matrikenämter bereits jetzt schon keine Bewilligungen zu derartigen Eheschließungen mehr geben sollen. Goebbels beschimpft die Juden Der „Angriff“ Goebbels veröffentlicht folgende Zuschrift der Reichsfachgrnppe Hausgehilfen im Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront: „Deutschland hat Mangel an Hausgehilfinnen. Es gibt viele deutsche Haushalte, die einfach keine Hausgehilfin annehmen können, weil die nötigen Fachkräfte fehlen. Die Tagespresse meldet, laufend Schändungen, die Juden an ihren Hausgehilfen begingen. Ls ist selbstverständlich, daß der Jude ausschließlich arische Hausgehilfen beschäftigt und keine jüdischen Hausangestellten (weun es welche geben sollte) hält, weil es der jüdische Haushaltungsvorstand nicht zulassen würde, daß eine Artgenossin seinen Schmutz kehrt. Der Talmud gebietet es ihm ja, die G o j a zu knechten und zu Behänden. Es ist höchste Zeit, daß ein Gesetz herauskommt, das den Juden verbietet, deutsche Hausgehilfen zu halten. Es muß endlich ein eiserner Riegel dem jüdischen Schandtreiben vorgeschoben werden. Die deutschen Hausfrauen würden eine Regelung begrüßen, da dadurch auch dem Mangel an Hausgehilfen entgegen gearbeitet wird. Deutsche Hausgehilfen ge hören in deutsche Haushalte!“ Hinket warnt Der Sonderkommissär für die Überwachung der Nichtarier in künstlerischer und geistiger Hinsicht, Hinkel, hielt vor den Stürmen der Berliner SA.-Reserve ein? Rede gegen die sogenannten „jüdischen Saboteure“. Am empfindlichsten würden die Verräter gestraft werden, die sich selbst fü; die Tarnung dieser Gegner horgogobeo haben. In der Musikkammer sei fes-gestellt worden, daß viele Juden und Halbjuden noch als Musiker in evangelischen Kirchen tätig seien. Der deutsche Kunst, und Musikhandel und das Verlegertum semn noch immer durch Juden überfremdet. Magdeburger Straßenbahn für Juden gesperrt „Der Mitteldeutsche“ berichtet, daß die Leitung der Magdeburger Straßenbahngesellschaft außer den Transparenten der NS-Hago auch noch Schilder „Juden sind hier unerwünscht“ an den Straßenbahnwagen anbringen läßt. Der Boykott Nach Meldung der „Frankfurter Zeitung“ hat die Kreisamtsleitung der NS-Hago in Alsfeld (Oberhessen) folgende öffentliche Bekanntmachung erlassen: „Die Kreisleitung der NSDAP., Amt der NS-Hago, hat 500 Plakate mit der Aufschrift „Juden sind hier unerwünscht“ drucken lassen, die an allen arischen Geschäften, Gaststätten und Cafes der Stadt und des Landkreises Alsfeld angebracht werden sollen.“ Die „Frankfurter Zeitung“ meldet weiter, daß nach einer Bekanntmachung des Ortsvorstehers von Mainz-Bischofsheim sämtliche Gemeindeäcker und -wiesen all denen gekündigt werden, die mit einem Juden Geschäfte machen, beziehungsweise bei Juden kaufen. Restaurant Rillet UPJ Bffstreoommierre Küchf Reichhaltige Menüs iS 1*90 b. 9*60 SdiwedtaterBräu II., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrückt Telephon A 41-0-2J Die „Lippische Staatszeitung“ berichtet, daß der Kreisausschuß des Kreises Dotmold darauf hinweist, daß Unternehmer, Gewerbetreibende, Bauern und Landwirte, die mit Juden geschäftlich verkehren, von der Vergebung von Aufträgen durch den Kreis Detmold ausgeschlossen werden. Wer vom Kreis erhaltene Aufträge an Juden oder Judenfreunde ganz oder teilweise überträgt, hat mit sofortiger Zurückziehung cles Auftrages zu rechnen. Am vergangenen Freitag kam es Iri Wiesbaden zu großen Ansammlungen vor den Wohnungen von neun jüdischen Familien. Neun jüdische Einwohner wurden in Schutzhaft genommen. Unter ihnen befinden sich der Heligionslehrer, ein Viehhändler und sein Sohn, einige Metzger, Häutemul Getreidehändler. Schauplatz der Zusammenrottungen und der Verhaftungen war der Ortsteil Schierstein. Berlins Wirkung in die Ferne Der Abessienkonflikt nähert sich jetzt dem akuten Stadium. Die Mächte werden sich wahrscheinlich auf der Ba-sis einigen, im Völkerbundrat. dem Antrag Italiens auf Ausschließung Abessiniens stattzugeben. Dann ist Abessinien kein Völkcrbundinitglied mehr, Italien erhält das Mandat und es kann dann, wenn die Regenzeit vorbei ist, seine Polizeiaktion gegen Abessinien durchführen. Was mit dem ein wenig lächerlich gewordenen Schliehtung-aus-schuß geschieht, das wird offenbar den Göttern überlassen. Man ist nur bestrebt, den italienisch* englischen Streit ans der Welt zu schliffen, zu welchem Zweck Mussolini, der allen Sanktionen den Krieg angekündigt hat, die Erklärung abgeben will, daß Italion nach der Einverleibung Abessiniens in Afrika saturiert ist. Es wird also ein ziemlich komplizierter Apparat in Bewegung gesetzt, nur damit der Völkerbund das Gesicht wahrt und eine Art Gericht über Abessinien hält, das trotz seiner Verpflichtung als Völkerbundmitigiied die Sklaverei nicht abgeschafft hat. Haben die Völkerbundstaaten das bis zum Zeitpunkt der Anklage Italiens nicht gowußt? Wir werden es wahrscheinlich ausführlich geschildert vorgesetzt bekommen, wenn Italien .seine Dokumente und Bilder vorlegt, wie die Ratsherren entsetzt die Köpfe schütteln. Im 20. Jahrhundert noch Sklaven! Und sie werden sogar noch geprügelt! Aber die Erregung wird ein wenig nervös nuanciert sein. Die Akteure wissen, daß sie Theater spielen, und daß ihr Auditorium dies ebenfalls weiß. Denn es gibt einen Staat in Europa, der gleichfalls Sklaven hält und sie derart mißhandelt, daß die betreffenden Untertanen des Negus ein geradezu verhätscheltes Dasein führen. Die Juden in Deutschland sind tausendmal ärger draö und Deutschland ist trotz seines Austrittes noch immer Mitglied des Völkerbundes. Wenn man Abessinien ausschließt, weshalb denn nicht auch Deutschland? Abessinien droht mit dem Ra&senkrieg. Es will die schwarzen Massen aufrufen und spinnt Fäden zu den islamitischen Korporationen. Ob es gelingen kann, eine solche Erhebung durchzuführen, sfcoht sehr in' Frage. Alle Erfahrungen sprechen dagegen. Eine Einigung aller dieser Elemente, die von der primitivsten Organisation noch sehr weit entfernt sind, scheint unmöglich, da es an der Persönlichkeit und an der leitenden Idee fohlt. Es ist aber doch nicht zu verkennen, daß Ansätze für eine Rebellion vorhanden sind, und die Beklemmung Englands ist unverkennbar. Daß ein solcher Zustand aber eintreten konnte, ist die direkte Wirkung der Hitler-Rosenbergschen Doktrin und daß die Mächte davor zittern, das ist die Folge ihres Gewährenlasseus. Sie stehen ini Orient heute dem Hitlerismus gegenüber. Die Rajah-Völker haben gesehen, wie irt Europa ein weißes Element, die Juden, ungestraft mißhandelt werden kann. Sie ziehen; daraus ihre Schlüsse. Ob sie sich ruhig verhalten werden, hängt von dem Erfolg der Operationen Italiens ab und von dem Tempo. Gebt die Polizeiaktion nicht rasch vorwärts, dann kaum sich verschiedenes ereignen. Denn überall sitzen die Agenten des Berliner Außenamtes... Juden flüchten aus Osipreußen nach Danzig! In Danzig trafen in den letzten Tagen mehrere jüdische Flüchtlinge ans Ostpreußen ein, die bloß das nackte Leben retten konnten. Man erfährt, daß in den kleineren Orten Ostpreußens dio Judenverfolgungen über alles Maß hinausgehen. In Elbing können sich die Juden keine Lebensmittel mehr verschaffen, kein Friseur bedient mehr jüdische Kunden. In den kleineren Städten müssen die Juden, um nicht Hungers zu sterben, sich nachts in die Dörfer begeben, um sich bei den Bauern Lebensmittel zu verschaffen. Unsere geschätzten Loser werden auf die Buchhandlung Horm Ttebner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo alle Schulbücher für Volks-, Haupt-. Mittel- und Fachschulen, auch antlquarsoh, zu sehr mäßigen Preisen erhältlich sind. Loihbüchoroi eröffnet. Gebühr 10 Groschen täglich. Für Auskünfte: Telephon It 41-1-20.

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