Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 479 (30.8.1935)
- Date
- 1935-08-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 479.— 30. August 1945 Oll STIMME Seite 7 Die Osterreidiische Tabakregie auf der Wiener Herbstmesse Tm Rotunilenpavillon: SohiMmtellung und 'Verkauf sämtlicher Regie- und FalkiFabrika.tr; maschinelle Erzeugung und Handverpackuug der Messe-Memphis und Messe-Ibis, Int Messepalast: Ambulanter Verkauf. Die Mossepaekuugen «ind auch in allen "Wiener Tralikeii erhältlich. Falk-Neuheiten für daß ganze Biuules- •gebiet: Falk-Treff-Zigarette, SUiok] »reis 314 g, und cntnikotinteierte Cuba-Portorico- Zigarren mit rotem Ring in Kleinpackungen zu 3 .Stück. Im Rotunclenpavillon: Originelle Bridgepackungen, Inhalt 50 Falk-Zigaretten /.um Preise von S 3.3U mit Bridgeprefeaufgaben. Für richtige Lösungen 200 Preise! E Der Minoritätenhongreß (bis Exekutivkomitee des Europäischen Nattüiuilitätenkongnisscs hat den diesjährigen Kongreß n a e h G e. n f Tür den 2. bis 4. September oinberufen. Auf dem Programm befinden sieh unter anderem die Themen: „Das Anwachsen des nationalen C h a u v i n i s m u s und die Gefährdung der National! tütenrechte“; „Die Lage der Nationalitäten irn autonomen Staate“; „Die Unter drück ung des freien Gebrauchs der muttersprachllchen Orte- und sonstigen geographischen Namen“; „Die überstaatliche Volksgemeinschaft“; „Die Aktivierung des Haager Gerichtshofes auf dem Gebiete der Nationalitätenrechtc“. Die Konferenz steht unter deutscher Führung. Die jüdischen Minderheitengruppen beteiligen sich, wie bekannt, nicht mehr an der europäischen Minderheiten,bewegung, weil der europäische ‘Minderheitenkongreß den Vorschlag der jüdischen Gruppen, die Frage der Entrechtung und Unterdrückung der deutschen Juden zur Erörterung zu bringen, afogelehnt hat. Als Vorkonferenz zum Genfer Nationalität enkongreß hält der Verband der den >t- « c.h e n O x .t s g r tu p p e n in. Europa vom 27.’ bik 29....August im Rathaus von Gablonz seine jaihresvcrsanmiluug ab. Den Vorsitz führt Richter (Tschechoslowakei), Referate halten Werner Hasselblatt (Estland), Abg*. Ernst. .Kunclt. (Tschechoslowakei), der Präsident der deutschen Kulturselbstverwalfung in Estland Koch, der Generalsekretär der europäischen Nationailitäteinkongresse Dr. Ewald Amende und viele andere Delegierte der Sudetendeutschen Partei, des Bundes der Landwirte und der deutschen Christlichsozialen in der CSR. werden an der Konferenz teilnehmcn. Kongreß der Wettliga gegen Antisemitismus in Genf Der Vorsitzende des internationalen Verbandes der Ligen g'egen den Antisemitismus (LIGA), Bernard Le ca ehe, hat angesichts der neuen Juden- und Katholikeuverfolgungen in. Deutschland die Vertreter der nationalen Verbände für den 16. September zu einer Konferenz nach Genf einbernten. Gegenstand der Verhandlungen wird die Verstärkung und Vereinheitlichung, des Kampfes gegen den Rassismus sein. Lecaehe weilte vor kurzem in Wien« Zusammenstoß zwischen Revisionisten und Hechaiuz in Wilna ,WHna, 26. August. (Z.T.A.) In Wilna kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Revisionisten und Mitgliedern des Hechaiuz und des Juaig-Hcelhalnz. Laut Meldung der Polnischen Teiegraphon-Agentur wurden z e h n P e rso n o n, darunter sieben Mitglieder des Hechaiuz und ilvei des Jung- Hechaluz, vorletzt. Die Polizei verhaftete 16 Personeu, JÜDISCHER KALENDER 30. August bis 5. Sept. 1935 31. Aw. bis 5. Elul 5695 Freitag (30.) Sabbath-Elngang ...... 640 Uhr Samstag (31.) Sabbath-Ausgang.lw Uhr Woihenabsdinitt: Schttfalim. •aaaaMMNMMIMHaHPMMMWMHMM Juden und Araber Von Daniel Auster, Vizebürgermeister von Jerusalem Der erste VtzebUrgormüister von .Tcrufliilcm, Daniel Auster, galt anliißlieh eines kurzen Aufenthaltes in London der Jüdischen Telegraplien- Agcnfitr ein Interview, in dem er sieb auf Grund seiner Erfahrungen im «Stadlrat von Jerusalem über das Problem des Zusammenlebens von Juden und Arabern in Palästina äußerte. Die Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Palästina «sind heute b e d e ut e n d schledi t e r al.s vor zehn Jahren. Weder auf givsellscihaftlicbciii noch auf wirtschaftlichem Gebiet gibt c« irgendeine Zusammenarbeit zwischen den beiden Volksgemeinschaften, ein Zustand, der tief bedauert werden muß. Anderseits herrscht i m «S t a d t r a t von J e r u « a 1 e in, der aus 6 Arabern unter der Leitung des Bürgermeisters i)r. Chalidi (Khaldi) und 6 Juden unter meiner Leitung zusammengesetzt iet, vollste h a r m o n i s c h e K o o p e r a t i o n, wa« ganz der Ehrenhaftigkeit Dr. Cluilidis und «einem Gefühl für Fairneß zu verdanken ist. Man könnte natürlich erwarten, daß die Araber in allen die Juden berührenden Angelegenheiten geschlossen gegen diese Stellung nehmen würden, und daß die Entscheidung, da die Stimme des Bürgermeisters den Ausschlag gibt, «somit; immer zuungunsten der Juden ausfallen würde. Daß sich Derartiges bisher in keiner wichtigen Frage ereignet hat, ist auf eine vom Bürgermeister Chalidi mit mir getroffenen V ereinbarung zurückzuführen, die besondere Vorbesprechungen der jüdischen und arabischen Stadträte immer dann vorsieht, wenn wichtige Fragen auf der Tagesordnung stehen; in der Regel kommt es zu einem Kompromiß, bevor noch die formelle Sitzung des Stadtrates begonnen hat. Pension Eckstein - Mm Ein Beispiel: Der letzte große öffentlich e A r h e i t s a u ft r «a g der J e r usalemer ,S t a d t g e m e i n d e wurde an eine jüdische Arbcjitergruppe vergeben, obwohl ihr Angebot keineswegs das niedrigste war. Gegen den Abschluß dieses Arbeitskontraktes wurde von den Arabern kein Einwand erhoben, weil grundsätzlich vereinbart worden war, daß die Arbeiten der Stadtgemeinde p a r it ä t i s c h an jüdische lind arabische Arbeiter vergeben werden sollen, sei es in der Art, daß jo die Hälfte der Arbeiten Arabern, beziehungsweise Juden direkt zugewieeen, sei es, daß die Unternehmer jedes Mal verpflichtet worden, jüdische und arabische Arbeitskräfte paritätisch zu verwenden. Der Grundsatz wird stets bei der Vergebung sämtlicher öffentlicher Arbeiten zur Anwendung kommen. Ein anderes Beispiel für den Geist der Zusammenarbeit in der Jerusalemer Stadtverwaltung ist der Umstand, daß d i e freien B e a m t c n s t e 11 e n zum größten Teil mit Juden besetzt werden, damit die gegenwärtige zahlenmäßige Ungleichheit der Juden und Araber in der Beamtenschaft allmählich ausgeglichen werde. Zu einer nachhaltigen Verbesserung der Beziehungen wird es aber erst dann kommen, wenn eine Art wirtschaftlicher Kooperation der beiden Volksstämme hergestellt sein wird. Daß das geplante Legislative Council das politische Verhältnis zwischen Arabern und Juden verbessern könnte, ist 1zu bezweifeln. Politische Verständigung wird erst dann erreicht werden können, wenn die Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet Tatsache geworden ist. Zur Frage der künftigen Entwicklung Jerusalems wies Daniel Auster mit Genugtuung darauf bin, daß das neue System der Wasser vorsurg ung bis zum Endo des Jahre« bereite funktionieren wird. Vorläufig wird den Einwohnern Jerusalem« nur alle vier Tage einmal Was«er geliefert. Vom neuen Jahr an aber wird ihnen jederzeit fließendes Wasser zur Verfügung stellen. Das Wasser wird au« einer Entfernung von etwa 40 Kilometern vom Jarkon her nach Jerusalem geleitet und durch vier Pumpstationen auf 700 Meter Höhe gebracht, Eine weitere Verbesserung «teilt der Ausbau des K a n a 1 i s a t i o n s « y fi I. e m s dar. der in etwa zwei Jahren vollendet, sein «oll. Ferner i«t der Ban von Straßen in Aussicht genommen. 70 Prozent der in diesem Jahr für diesen Zweck bestimmten Gelder sind zur Verbesserung der Straßen in d ou j ü d i s c h e n V i e r t e 1 n bestimmt, da diese bisher besonders vernachlässigt waren. An weiteren Ausgestaltungen ist die Anlage öffentlicher Gärten in allen Stadtteilen und eines großen Stadtpark« in Aussicht genommen. Für die Pflanzung öffentlicher Gärten allein sicht der diesjährige Etat einen Betrag von 50.000 Pfund vor. Ferner wurde eine Verordnung erlassen, durch die jeder Hausodor Grundeigentümer verpflichtet wird, den vor «einem Grundstück gelegenen Straßenaibschnitt pflastern zu lassen. Die Stadtverwaltung* von Jerusalem erwägt, zur Zeit die Aufnahme einer A nleihe von einer halben Million P f n n d zweck« Straßenbau, Verbesserung der Kanalisierung. Anlage öffentlicher Gärten. öffentlicher Waschräume und anderer Einrichtungen. In bezug auf das Schulwesen wird von einer Untcrkommission der Vorschlag studiert, eine besondere Erzieh it n g s a b g a b e einzuführen, deren Erträgnis zu gleichen Teilen Juden und Arabern zugute kommen «oll. Die den Juden gebührende Hälfte soll dem Wa-ad Leumi zugeführt werden. Das Kapital in der jüdischen Auffassung Kapital und Arbeit sind die Fundamente des Aufbaues des jüdischen Nationalheimes. Während sieh aber die Arbeit unter dem Einflüsse des .modernen Sozialismus der Wertung eines auch vom moralischen Standpunkt hochzuscliätzenden Faktors erfreut, wird der Besitz und die Anlage von Kapital häutig nur als ein notwendiges Übel gewertet. Notwendiger als die Voraussetzung für die Schaffung von Arbeitemöglichkeiten, als Übel vom Standpunkt der sozialistischen Mentalität, deren Suggestion sogar ein so bürgerlich eingestellter Nationalökonom wie Werner Sombart unterlag, als er sich bemühte, den Kapitalismus als Erfindung und Domäne der Juden zu entlarven lind auf diese Weise zu diffamieren. ’ Das mosaische Gesetz richtet sich nirgends gegen materiellen Wohlstand, sondern sucht diesen zu stützen. Armut wertet es als Übelstand, den zu beseitigen oder wenigstens zu mildern die religiöse Pflicht der Reichen bildet. Als das Ideal wird Israel verkündet, daß „es keine Armen unter dir geben wird“ (Deuteronomium 15, 4). Diesem Ideal entspricht es, daß der Glanz, der von der Persönlichkeit unserer Patriarchen ausgeht, auch''auf einem' -gewissen Reichtum beruht.- Auch Hiobs Vermögen erscheint gewaltig und wird nach seiner Rehabilitierung noch gesteigert. Diese hohe Wertschätzung des materiellen Besitzes beruht auf der Erfahrung, daß Reichtum seinen Eigentümern Unabhängigkeit und ideelles Eigenlieben verbürgt, wie ja auch Dostojewski geurteilt hat: „Geld ist geprägte Willensfreiheit.“ Willensfreiheit aber ist für die Bekenner der jüdischen Religion, die im Gegensätze zur Lehre Zoroasters, Mohammeds, Kalvins u. a die Prädestination (Vorausbestiimfiting* des menschlichen Schicksals vor der Geburt) nicht kennt, sondern in der f r e i wi 11 ig en Unterordnung des Juden unter das göttliche Gebot den sittlichen Sinn der wahren Frömmigkeit erblickt, die Voraussetzung für ein gottgefälliges Leben. So erklärt sich die vielfach von unseren Feinden dem Judentum schlecht angekreidete Steile Deuteronomium 5, 6: „Du wirst vielen Völkern leihen, selbst aber nicht borgen. Du wirst über viele Völker herrschen, keines aber soll über dich herrschen.“ Der hier den Befolgern der religiösen Satzungen des Judentums verheißene Lohn liegt gleichfalls vor allem in dem Besitz der zur Erhaltung des Judentums wichtigen Willensfreiheit als Folge politischer Unabhängigkeit und nicht in imp erialistischeu Welthe r rschaftsgelüsteu, von denen der kleine jüdische Staat selbst zur Zeit seiner größten Machtenfcfaltu ng keine Spur zeigt. Es ist nicht die Schuld der Juden, daß sie in der Diaspora vielfach als einzigen Beruf den Geldverleih betreiben durften und so gerade in Zeiten ihrer vollkommenen politischen Entmachtung die Politik der Mächtigen der Erde mit jüdischem Golde zu finanzieren gezwungen wurden. In diesen düsteren Zeiten der Judenentrechtung war oft Geldbesitz das einzige Mittel zur Erlangung des notdürftigen Schutzes seitens der Fürsten, aber ebenso häufig wurde er ihnen zum tragischen Verhängnis. Es ist bekannt, daß die unsinnigsten Besehukligungun eines einzelnen Juden zur Verurteilung sämtlicher Juden eines Landes führte — wie zur Wiener Judenverbreimuiig von 1321 — ein Vorgang, der nicht mit juristischem, sondern nur mit wirtschaftlichem Eifer zu erklären ist. Die Massenjust.jfizierungen als Mittel,' um die christlichen Schuldner der. Hingerichteten) nicht nur zu entschulden, sondern auch noch in den Besitz ihrer Gläubiger zu bringen. Dasselbe Motiv liegt wohl auch den heutigen Judcnausbürgerungcm aus Hitler-Deutschland zugrunde. Aber auch die moralischen Gefahren des Reichtums blieben den jüdischen Sittenlehrern nicht verborgen. Nachdem die P s a 1 m e n die schroffe Scheidung zwischen den Frommen und den Frevlern durchgeführt hatten, verkündet Jesaja, daß da« Pochen auf irdische Macht, auf Gold und Silber frevelhaft sei, weil es das Gebot der Demut gegen Gott verletzte (2, 7—22). Die wahrhaft Frommen seien die Stillen (Jes. 35, 20), die Demütigen, Elenden, die nicht durch irdisches Glück in Gefahr gebracht werden (30, 7), da der erfolgreichste Weg zum Reichtum über Bedrückung* und Erpressung geht (62, 11). Für Jesus Sirach kommt alles darauf an, wie der Reichtum erworben wurde. Die Unterscheidung* zwischen „raffendem“ und „schaffendem“ Kapital ist also, wie man sieht, keine Erfindung des Nationalsozialismus, sondern jüdischen Ifrn sprungs. Das Judentum hat sich allerdings immer gehütet, wegen solcher Erkenntnisse das Kind mit dem Bade auszuschütten und ist Radikalismen entgegengetreten. Während Chrißtu« «eine reichen Anhänger zum gänzlichen Aufgeben ihres irdischen Besitzes aufforderte, verbot die jüdische Synode von Uscha, mehr als ein Fünftel seines Vermögens für heilige Zwecke zu opfern. Dieses Verbot beweist jedenfalls, daß im Judentum auch außerhalb der das Christentum begründenden Sekte ein starker Drang nach Selbstentäußerung* von allen irdischen Gütern bestand. Den j'üdischen Sittenlehrern sind aber nicht nur die Gefahren des Reichtums, sondern auch die der Armut verderblich erschienen. Diese sei schwerer zu ortragen als fünfzig* Plagen (b. B. B. 116 a), ja «ie wird sogar dem Tod gleichgesetzt (j. Ned. IX, 2). Die jüdische Religion steht eben auf dem Standpunkt (Sprüche 11, 28; 23 4 f.; Hiob 31, 24 L), daß Gott den Reichen wie, den Armen geschaffen hat. LOKALCHRONIK Zum ersten Todestag Gisela Blauers. Am 19. Aw ist ©in Jahr vergangen, seit Frau Gisela Blauer uns entrissen wurde. Gisela Blauer war ein stete arbeitsfroher, nie ermüdender Mensch und ihre Aktivität stellte sio ganz ia deu Dienst der zionistischen Sache, iinsbesondere der WIZÜ, der sie ihre besten Kräfte widmete. Wieviel «ie der W1ZO gegeben hat, konnten wir besonders schmerzlich in diesem Jahre erkennen, da sie nicht mehr unter uns weilte. Bei deu Weltkonferenzen der WIZO war Gisela Blauer eine bekannte und geachtete Persönlichkeit. Uni so tragischer ist es, daß sie gerade die letzte Konferenz in Palästina nicht mehr erleben durfte. Demy/Palästina zu sehen, war das Ziel ihrer «Sehnsucht. Und doch ahnte «ie selbst, daß es ihr nicht vergönnt sein würde, dieses Ideal sieh erfüllen zu sehen* Mögen uns viele solcher Frauen erstehen, wie Gisela Blauer es war! Dr. H. L. 85. Geburtstag. Frau Johanna H i r s c h b e rg e r (I., Fleischmarkt 16) hat am 27. d. M. ihren 85. Geburtstag in voller Rüstigkeit begangen. Frau Hirsehberger gehört seit langen Jahren der Zionistischen Organisation an und ist u. a. eine der ältesten KK-Büchsen-Be- Sitzerin,