Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 479 (30.8.1935)
- Date
- 1935-08-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite DIE STIMME Kr. '179 CO. 'August. 1 GJ5 Die Beratungen des Zionistenkongresses in Luzern Im folgenden tragen wir den Bericht über! stand, die Fon-setzung' der Generaldebatte auf pita dem Luzerner Kongreß vom Freitag, 23. August, n a e h in i t t a g s. nach. C ii a s a n ijlaselioiuer Hazair, Arbeiterfruktion) weist auf die Disproportion in der Kntwieklung der jüdischen Stadt und des jüdischen Dorfes hin. Die jüdischen Arbeiter werden von ihren in der Landwirtschaft errungenen Arbeitsplätzen verdrängt. Er wundert 'ich. daß noch kein Wort darüber gesprochen wurde, daß für das Aufbauwerk nur kurze Zeit bleibt und insbesondere dafür gesorgt werden muß. daß der Ji sehn w n i c li t in d e n d r o h e n d e Krieg hineingezogen werde. I müsse für die Demokratisier u n Fr betrachtet aller das private Kaz,war als wichtig für den Aufbau, aber nicht ales ein besonderes Ideal. Ks sei ein Fehler, die jüdische Wirtschaft in Palästina n u r a u f d e r L;i mhvirt ,s c h a f t u n d a u f d c m 1 o k a 1 o n M a r k t aufzubauen; denn es könne eine Zeit kommen, in der der Joch uw a u f d e n E x p o r t a n g e w i es e n sein werde. Er wirft der Exekutive vor, für die Pardessanuth und deren Stärkung nichts getan zu haben, obwohl dieser Zweig eine Basis der jüdischen Land wir schaft bildet. Ferner habe die Exekutive die Beschlüsse, die der letzte Kongreß in d < F r a g e d e r B o d e » s p e k n 1 a t i o n g faßt hat. nicht diirchgeluhrt. Wenn jt inand Boden kaufen wolle und kein ln stitut findet, daß Boden vorbereitet hat un an das er sich wenden könnte, dann wir er in die Hände von Spekulanten getrieben Rede Dr. Oskar Grünbaums uer Institutionen des jüdischen J schuw im Lande gekämpft werden und ebenso für die Meinung*- und Gewissen freiheit in der Zionistischen Bewegung. Die Beschuldigungen d e e Miß r a c h i der Arbeiterschaft in Erez Israel gegenübe daß diese zuchtlos und verdorben sei, weist Abreisen jeden Sonntag. Rückfahrten am 1. und 15. September Ö-Zits. Pollmm oM rrarale Pllt: Reisebüro „IN DIE WELT IS (Dr. S. locker) jX., Liechtensteinstraße 2 — Telephon A 14-504 Chasan zurück. Der Misrachi müsse sich damit ablinden, daß es eine Generation in Erez Ißrael gibt, die nicht Teligiöß ist um die nicht dulden wird, daß man ihr religiöse Fesseln anlegt. Das zionistische Werk könne nur auf der Grundlage gegenseitiger Tole ranz aufgebaut werden. Notwendig sei ela gegen die Stärkung der kulturellen Kraft des Jischuw. Bog.ratschow (Weltverband der All gemeinen Zionisten) wirft der Exekutive vor, daß sie nicht die Exekutive der Zionistischen Organisation, sondern diejenige d,er HißtadTuth sei. Die Arbeiterschaft habe das von der Exekutive abgeschlossene Abkommen mit den Revisionisten mit Hilfe der linken Poale Zion ver worfen, die keinen Schekel kaufe und den KKL nicht anerkenne, obwohl sie auf seinem Boden sitze. In der Frage des Legislative Councils sei er skep- »Dr. Krüger-Heim« Zentralanstalt für Mädchenerziehung und Fortbildung Telephon A 48-0-77 Wien, II., Malzgasse 7 Volks- und Hauptschule für Mädchen / Dreijährige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe / Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäscbewarener/.eugung Befch Jacob Religions - Lehrerinnen - Seminar Zweijährige Kindergärtneiinnen-Bildungsanstalt Einjähriger praktischer Fortbildungskurs für Maturantinnen / Prospekt auf Wunsch / Internat Streng religiöser Haushalt tisch, ob den Worten Ben Gurions auch entsprechende Taten folgen werden und ob Ben Gurion sich nicht vielmehr nach den Beschlüssen der Mapai richten werde, die kurz vor dem 17. Zionistenkongreß gegen die Beherrschung eines Volkes in Palästina durch das andere und für die Möglichkeit einer Repräsentation für beide Völker sich ausgesprochen habe. Schkolnik (Arbeiterfraktion) führt aus: Mit dem Transfer rette man jüdisches Vermögen und damit auch jüdische Menschen, und niemand habe das Recht, den deutschen Juden zu sagen, daß sie zu Hause bleiben müßten. Das wäre politischer Selbstmord. Es sei die Pflicht der Jewish Agency gewesen, das über die deutschen Juden hereingebrochene Unglück für das jüdische Aufbauwerk p r ö d u k t i v a u s z u n ü t z e n, statt die Sorge irgend welchen privaten Körperschaften zu überlassen. Die durch den Transfer freiwerdenden Mittel können im Aufbau von Erez Israel zu einem Segen und zur Ehre dos jüdischen Volkes verwandelt werden. Suchowitzki (Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten) spricht für eleu Mittel- Zu den verschiedenen Kritiken, die an dieser Exekutive geübt wurden, möchte ich noch einiges vom Standpunkte der oster r e i c h i s c Ii e n Zionisten hinzufügeu Vor allem einige Worte über die Frage der Organisation. Auf dem 18. Zionistenkon greß hat un* Herr Locker einen Plan vor gelegt, der die Einführung eines Terri t o r i a 1 v e r b a n d e ß bezweckte. Es ha beu sich alle Allgemeinen Zionisten gegen diesen Plan ausgesprochen, der unserer Ansicht nach nichts anderes bedeuten würde als die Zertrümmerung der Landesverbände Ich weiß nicht, wie der neue Plan aue-sehen wird, den Locker vorlegen wird; nach allem, was man hört, steht zu befürchten, daß es derselbe Plan sein wird. Ich möchte davor warnen, den Territorial verband zu einer allgemeine n zionistischen Institution zu er hebe n. Vielleicht ist er in einigen Ländern eine Notwendigkeit, in anderen aber müßte er sicherlich zur Zersplitterung der Organisation führen. Wir haben in Österreich bewießen, daß man eine immerhin be deutende Organisation aufbauen kann, auch wenn sie nur aus Menschen besteht, die eine einheitliche Ideologie haben. Ich sehe nicht ein, warum dieses Beispiel keine Nachahmung finden soll. Ich kann schon heute erklären, daß wir uns mit aller Macht gegen den erklären werden, Territorialverband „ der uns zwingen soll; das Aufgebaute in Gefahr zu bringen. Wir werden uns dagegen wehren, selbst auf die Gefahr hin, in den illegalen Status zu geraten, in dem sich der Hasehomer Hazair ange Zeit befunden hat — wir würden nur wünschen, in diesem Status so verhätschelt zu werden wie der Hasehomer Hazair. Im Referat unßeres Präsidenten Soko- 1 o w habe ich mit einer gewissen Genugtuung gelesen, daß er sich dort Österreichs rinnert lind auch von der einst blühenden Gemeinde "Wien gesprochen hat-. Wie aber ind die Taten der Exekutive in dieser Hin icht? Ich muß insbesondere Jizschak G r ü n b a u m den Vorwurf machen, daß er rotz aller Bitten und Urgenzen ' die besonders schwierige Lage Österreichs icht berücksichtigte. Wir haben ihm die hoffnungslose Lage der Jugend bei uns vorestellt, wir haben um Zertifikate gebeten und gebettelt, und was ist gekommen? 16 Zertifikate für die Agudas Jisroel und blutwenig für die Zionisten. Ich appelliere an Herrn Grünbaum, er möge endlich ein Einehen haben. Bringen Sie die Leute nicht ur Verzweiflung und treiben Sie sie nicht revisionistische Lager! Ich verstehe die Schwierigkeit der Situation, aber man muß edenken, daß auch einige wenige Zertifiato großes Unheil verhüten können. Ich itte Sie im Namen aller Zionisten Östereichs: Gehen Sie ab von der Politik Starrsinnigkeit und geben Sie welche den Zionismus zuenst an sieh erfüllt haben und icli danke Ihnen dafür, wenn ich auch vielleicht hundertprozentig ablelun was Sie politisch tun. Aber ich bitte Sie um da* eine: Wir haben eine immerhin starke allgemein-zionistische Jugendbewegung. Sie ist in Erez Israel vielleicht klein. Zeigen Sie, die Sie die Macht haben, daß Sie auch loyal se-in können! Lassen Sie unseren jungen Menschen ihr Recht werden, denn auch sie sind Arbeiter, auch wenn sie allge mein-zionißtische Arbeiter sind. Beweißcn Sie durch Taten und nicht nur durch die Rede von Beil Gurion, daß eß Ihnen ehrlich darum zu tun ist, daß diese große Koalition — nicht nur in der Exekutive, sondern im ganzen Zionismus — zustande komme Schätzen Sie die revisionistische Gefahr nicht zu gering! Zeigen Sie Ihren guten Willen zu dieser großen Koalition durch eine loyale Behandlung der allgemein-zionistischen Kibbuzim, lassen Sie unseren jungen Menschen vom Kibbuz Winai schel gdud Zeirim ihr Recht werden, und Sie werden an uns loyale Freunde haben, wenn wir uns auch politisch von Ihnen distanzieren. Und nun will ich noch' eine Frage berühren, bei der die Ehre der Zionistischen Organisation auf dem Spiele steht. Sie alle ERSTKL MÄDCHEN-PENSIONAT MINA RUND Telephon R 91-4-13 In Verbindung mit allen Schultypen, Vorbereitung zur Staatsprüfung, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Musik, Hebräisch, Handelsschule. Zeitgemäße Preise, Tagesheim. e r uns die Zertifikate, die uns in Österreich ge- Uhreii. Und mm möchte ich an die Linken inen Appell richten: Ich gebe ohne weiters u, daß der Allgemeine Zionismus bis in die letzten Jahre nichts war als ein 6autli-Zionisraus. Sie waren diejenigen, wissen, daß Theodor H e r z 1 den letzten Wunsch geäußert hat, daß seine Gebeine nach Palästina überführt werden. Wir in Wien sind stolz darauf, daß wir die Hüter des Grabes Theodor Herzls sind. Aber wir sind stets von Trauer erfüllt, wenn wir an seinem Grabe vorüberziehen und uns dessen bewußt werden, daß er den Wunsch geäußert hat, seine Gebeine mögen nach Erez Israel überführt werden, während sie noch immer in der harten, grausamen Erde der Galuth liegen. Das Herzl- Komiteo in Wien, dem der letzte Testamentsvollstrecker Herzls Direktor R e i - c Ii e n f e 1 d angehörl, und dessen Mitglied auch ich bin, hat sich bemüht, die Überführung durchzusetzen. jedoch vergebens, Es ist unrichtig, einem .Sterbenden den letzten Willen zu versagen, lind die ZionistL sehe Organisation tut dies in einer unwürdigen Weise. Vors. Vizepräsident Ingenieur Reiß: Die Zionistische Organisation tut; nichts in einer unwürdigen Weise! Ich bitte Sie, dieses Wort ziirliekzuziohen! Del, Dr. G r ii n b a u m : Ich ziehe das Wort zurück. Ich konstatiere Tatsachen und überlasse es Ihnen, Ihre Schlüsse daraus zu ziehen. Der letzte Kongreß hat beschlossen, Simse Reisen nach Paiffstma Kostenlose Beratung in allen Reiseangelegenheiten, welche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch: Reisenfiro „ln die Welt“ (Dr. S. Tocker) IX., Liochtensteinstr. a, Tel. A 14-504 daß die Überführung der Gebeine Herzlä bis zu Pessach dieses Jahres erfolgen soll. E s st nicht geschehen. Ich spreche im Namen dcß Zionistischen Landesverbandes und, wie ich glaube, im Namen aller Zionisten Österreichs, und bitte Sie, den letzten Willen Theodor Herzls zu erfüllen. Ich verstehe ganz gut, daß es hier delikate Fragen gibt, daß auch der Leiter des politischen Departements ein Wort dabei zu reden hat, daß auch die Wahl des Ortes Schwierigkeiten macht, aber -das alles darf uns nicht hindern, den letzten Willen Herziß zu erfüllen. Wir wünschen, die Begräbnisstätte möge so beschaffen sein, daß in ihr die Größe, die Einzigartigkeit, die Einmaligkeit der Persönlichkeit Theodor Herzls zum Ausdruck kommt. Die Überführung wird eine große symbolische Bedeutung haben. Es wird darin der Wille des ganzen Volkes zum Ausdruck kommen, dem Ruf dee großen Führers zu folgen. Noch eine Bemerkung: Ich habe es schmerzlich vermißt, daß bei diesem Kongreß Theodor Herzls noch nicht in entsprechender Weise gedacht worden ist. Ieli glaube, daß es am Platze ist, dieses Mannes miner von neuem zu gedenken. So oft man in seinen Schriften ließt, immer iffnen sich neue Perspektiven auf diese roße Persönlichkeit. Und ich möchte mit einem Worte schließen, das Theodor Ilerzl, ich glaube in der Eröffnungsrede zum . Kongreß, gesprochen hat: Es lohnt sich icht, Zionismus zu machen, wenn dadurch nichts anderes geschehen soll als die Etahliuriuig einer neuen Gesellschaft in Paistina. Es lohnt sich nur, wenn in Palästina eine neue und eine gerechtere menschliche Gesellschaft entsteht. (Lebhafter Beifall.) Um den Gesetzgebenden Rat Die Generaldebatte auf dem Zionistenkongreß wurde in den Sitzungen um Samstag abends u n d a m S o n nt a g vor- und nachmittags f ortgefllhrt. Am Samstag abends kam es, wie schon kurz berichtet, zu einer Auseinandersetzung zwischen dom Führer der Judcnstautspartei Robert S t r i c k o r und dem Arbeiterführer Berl Kat i u nolso n. Stricker unterstrich die dringende Gefahr der Schaffung des Legislative Council und zitierte den kürzlich in der „Times“ er sohienenen Artikel, in dem erklärt wurde, das Legislative Council werde faktisch auch über jüdische Einwanderung und Bodenkauf in Palästina zu entscheiden haben. AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER STOBERLPREISE VJf Alt-Wien im Grinzinger Keller. Täglich Musik der Kapelle Auerbadb. Konzert, Jazz, Stimmung. Mitwirkend: Siimmungssünger Hans Blasdick und Violinvirtuose R. Ohlensdiläger Wird daß Council geschaffen, rief Stricker, dann wird die jüdische Leistung um Generationen zurückgeworfen werden. Der Kampf gegen das Legislative Council kann nur dann erfolgreich sein, wenn dio zionistische Führerschaft das Prinzip „P a 1 äs t i n a ein j ti d i s c h e r St u a t“ sich zu eigen macht. Strickor bestritt die Behauptung, daß jüdische Arbeit eine genügende Sicherheit l!iir das jüdische Natiomdheiia bildet. Als Palästina arm war, da war es eher sicher, aber das heutige blühende Land bildet als Schlüssel des Welthandels das Objekt verschiedener M a c h t g e 1 ti s t o. Diu Geschichte der Judon in allen Ländern hat uns gelehrt, daß man uns Juden schaffen läßt, so lange man uns braucht; kommt man eines Tages darauf, daß man uns nicht braucht, drängt,-man uns hinaus. Man kann uns auch aus Palästina binaußdrängen, so lange wir dort nicht die Hausherren, sondern nur die Aftermiotor sind. Hier wird die Sache so dargestellt, daß die Exekutive dio große Alijah herbeigeführt hat, die Geschichte wird richtig sagen: Adolf Hitler hat es ge«!