Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 478 (27.8.1935)
- Date
- 1935-08-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 0 Dlf STIMMI Nr. 478 - 27. August 1985 emen Beschluß anzunohmen, DeutsohUuui wirtschaftlich zu isolieren. Großman nannte das Transferabkommen Deiitschland- Faliistina s c h i m p f 1 i c h und sagte, das Abkommen hätte Erex Israel nie genützt. Er verlas einen Brief aus Palästina, in dein berichtet wird, daß beim Bau der Anglo Palestine Bauk, also einer nationalen jüdischen Institution, d e u t s e h er Zeme n t .verwendet werde. Als Großman bei Besprechung der Ansiedlung der deutschen Juden fragt, was der „gewählte High Commissioner“ (Weizmiann) in dieser Sache mehr getan habe als Kinder nach Ejn Charod zu schicken, und was mit den gesammelt cmi Geldern eigentlich gemacht wurde, wird ihm von den Ränken der Linken „Lügner!“ zugerufen, worauf ein allgemeiner Tu m u 11 entsteht. Großman schließt mit der Bemerkung, Ruß die Majorität, nur so lange Majorität sein könne, als cs eine Minorität gäbe, und daß süe sich darum hüten solle, ihre Stellung zu mißbrauchen. Nach einer Gegenerklärung von Doktor Seren! (Haschomcr Hazair) zur Sache der Ansiedlung deutscher Juden, kommt es neuerdings zu erregten Szenen, die Judeustaatler erklären, sie seien durch Äußerungen Serenis beleidigt worden. Seren! zieht daraufhin die betreff enden Äußerungen zurück. Damit endete der erste Teil der Generaldebatte. Um die Koalition Dl« Freitag-Sitzung Schattierungen im Zionismus repnteen- Luzern, 25. August. (2. T. A.) tiert. Aus Großmans Rede tönten noch die ln den Vollsitzungen des Komrres^ee ani Beete des Revisionismus. Kongreß und Be- Treitag Vor- und Nachmittag" kam die Regung stehen heute vor drei wichtigen zweite Reihe der Redner in der General-: Aufgaben: Verwirklichung des Rechtes jedebatte zu Wort, womit die Debatte einen vorläufigen Abschluß fand. Die Schaffung einer großen Koalition stand im; Vordergründe. In der Freitagvormittagsitzung sprach als erster der palästinensische Arbeiterparteiier H a r z f e 1 d, der sich außerordentlich ßeharf gegen Meir Großmans Ausführungen wandte, die er „unverantwortlich“ nannte. Man kann, fuhr er fort, als Augenzeuge der Leistungen dieser Exekutive dieser nur clie Zufriedenheit ausdrücken. In der Generaldebatte ißt die schwere Arbeit, die große Verantwortung und der gute "Wille der Exekutive nicht genug gewürdigt worden. Dr. Ignacy S z y p e r von der W e 11vereinigung der Allgemeinen Zionisten knüpfte an Ben Gurions Forderungen der Landnahme durch Alijah und Kauf, sowie der Eroberung des Staates durch Arbeit an und sagte: „Unsere Aufgabe ist es, Bürger für einen jüdischen Staat zu erziehen, die sich ihrer Verantwortung als Staatsbürger bewußt sind und nicht dem Luxus extremer Ansichten und eines Kultur- oder Klassenkampfes erliegen. Der Kongreß muß eine Siedlungsanleihe beschließen, um dem Siedlungewerk einen großen Auftrieb zu geben.“ Dr. Emil Szmorak vom Weltverband deT Allgemeinen Zionisten wies auf die ernsten Meinungsverschiedenheiten, die zwischen dem Weltverband und der Exekutive in den letzten zwei Jahren bestanden, hin und sagte, man müsse der zionistischen Öffentlichkeit sagen, daß außer gewissen Erfolgen auf dem Gebiete der Finanzen und der Alijah — wo aber auch viel zu kritisieren übrig bleibt — lauter p a ssive Bilanzen da sind. Die politische Bilanz ist passiv, weil sich in unserer Situation nichts geändert hat; die Wirtschafts¬ und Kolonisationsbilanz ist passiv, die organisatorische Bilanz ist direkt bedrohlich. Diese zwei Jahre waren eine Zeit der versäumten Möglichkeit; zum erstenmal seit Herzl ist die Zionistische Organisation gesprengt worden. Besonders an der letzten Tatsache ist eine Mitschuld der Exekutive festzustellen. Auf landwirtschaftlichem Gebiet kann für Mittel6tandssiedler nur duTch harmonisches Zusammenwirken von nationalem und privatem Kapital etwas erreicht werden. Auch hierin hat die Exekutive nichts Befriedigendes geleistet. 1800 Familien warten schon heute auf Land, was soll mit den später Kommenden geschehen? Zur Verhütung der Bodenspekulation muß ein zentrales Bodenkauf-Institut geschaffen werden. Aber die Forderung nach absoluter Awoda Iwrit darf nicht buchstabengemäß aufgefaßt werden. Es muß endlich der soziale Friede geschlossen werden. Man darf es nicht so hinstellcn, als ob die Arbeitnehmer aus „Rischut‘: (Böswilligkeit) und nicht aus materiellem Zwang nichtjüdische Arbeiter beschäftigen. Es muß endlich mit der Politik Majorität gegen Minorität aufgehört werden. Es gibt keine nationale Disziplin, so lange der Aufbau eines Volkes Parteisache ist; es muß siieh eine Synthese finden lassen. Vielleicht läßt »ich noch in letzter Minute verhüten, daß unsere Organisarionskrise zu einer Krise des Aufbaue wird. Salman PuUbaschow (Arbeiterpartei) analysierte die Zusammensetzung des Kongresses und erklärte, daß dieser auch heute alle Parteien, Gruppen und des Juden auf Arbeit und Existenz in Erez Israel; jüdische Arbeit in Industrie, Agrikultur und Bauwesen; Verhinderung der Bodenspekulation. Man konnte den Kindern aus Deutschland keinen besseren Dienst erweisen, als sie in die Arbeitersiedlungen zu bringen, weil doch niemand einen anderen Platz für sie vorbereitet hat. Wir wollen nicht, daß Palästina eine Stätte des „Levantehandels“ wird, wir müssen die häßliche Bodenspekulation mit aller Kraft bekämpfen. Auf den Grundlagen der Achtung der Rechte der Arbeitsmensehen, der Bekämpfung der Bodenspekulation und der Stärkung der Zionistischen Organisation kann und wird es zu einer Verständigung zwischen den zionistischen Parteien kommen. In der Nachmittagssitzung spricht Chasan namens der 25 Delegierten des Haschomer Hazair innerhalb der Arbeiterfraktion. Er fordert eine Wertung der Einwanderer nach Qualität und nicht nach Quantität. Das Schicksal des Nationalheims ist verknüpft mit dem der Arbeit, ein Kampf gegen die Arbeiter ist ein Kampf gegen den Aufbau, der Sohomer fordert das Primat chaluzischer Alijah, der Wegbereiterin der großen Alijah. Will der Misrachi religiöses Leben in Erez Israel, so darf er es für sich verlangen, aber er darf nicht Sanktionen verlangen gegen diejenigen, die andere Überzeugungen haben. Gesinnungsfreiheit muß sein. NurmitToleranz könne Erez Israel aufgebaut werden. Das Mitglied des englischen Unterhauses Barnett Jänner sprach im Namen der englischen Allgemeinen Zionisten. Er protestiert« gegen die Judenverfolgungen in Deutschland und erklärte, auch das Schicksal der Juden in Polen und anderen Ländern flöße Besorgnis ein. Der Kongreß müsse ernste Aktionen beschließen, um diesen Leidenden zu helfen. Jänner überbrachto die Grüße der PalästLaafreunde kn englischen Parlament und sagte, das englische Volk hege hohe Bewunderung für die Leistungen der Juden in Palästina. Er verlas Teile des Berichtes des High Commissioner an die Mandatskommission, in denen das hohe Vertrauen der englischen und der Weltöffentlichkeit zum jüdischen Aufbauwerk zum Ausdruck kommt. Er appellierte an den Kongreß, in dieser Zeit Parteirücksichten zurückzustellen, damit alle Energien eingesetzt werden können. Dr. Bogratschow (Palästina.) sprach im Namen des W e 11 v e r b a*n d e s. Man lädt uns zum Eintritt in eine erweiterte Exekutive ein, vorher aber wollen wir das Arbeitsprogramm einer solchen Exekutive kennen. Die Linken müssen wissen, daß sie trotz Majorität nur einen Teil des Volkes darsteilen, wir müssen aber das ganze Volk in die Zionistische Organisation hineinbringen. Die nationalen Fonds müssen Industrie und Handwerk unterstützen. Er, Redner, sei mit einer einheitlichen Histadruth einverstanden, doch müsse es eine Hißtadruth ohne rote Fahne sein. Schkolnik (Arbeiterpartei) verteidigt den Transfer, der eine nationale Rettungsaktion für das deutsche Judentum ist. Zu der Judenstaatspartei gewandt, rief er: Ihr fordert ein Harakiri, einen Selbstmord der verfolgten jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, wir aber lassen das nicht zu. Mit deutschem Zement und deutschem. Baumaterial worden wir bauen, um so viel deutsche Juden als möglich zu retten. Die Exekutive der Jewish Agency muß sich an die Spitz« der Rettungsaktion steilen. S h u c h o w i z k i, von der Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten, identifiziert sich mit dem größten Teil der Forderungen der Arbeiterpartei, obwohl er, wie er sagt, nicht Sozialist ist. Sein Ideal sei nicht privates, sondern nationale« Kapital. Private Initiative müsse sich auch in der Arbeit kundtun: In diesem Sinne war Einek Chef er private Initiative. (Stürmischer Beifall bei den ArbeiterparteLlern.) Der Redner fordert hundertprozentige jüdische Arbeit; nur diejenigen, die sieh solcher Arbeit bedienen, seilen Anleihen vom Keren Hajossod und von der Landwirt,sohaftsbank bekommen. Al« letzter Redner der allgemeinen Debatte sprach der Präsident der Zionistischen Landeeorganisation Österreichs, Dr. Oskar Grünbaum (Weltverband der Allgemeinen Zionisten). Er forderte einen endgültigen Beschluß betreffend Überführung der Herzl- Gobeine nach Erez Israel. (Wir kommen auf diese Rede noch zurück.) Wahl des Permanenzausschusses In den Permanenzausschuß wurden gewählt: von den Linken: Idelson, Bialopolski, Dr. Silbenstein, Chasan, Doktor Tartakower, Ada Fishman. Remee; von der Weltvereinigung:. Goldbloom, Mrs. Jooobs, Dr. Kleinbaum, Morris Rothenberg; vom Weltverband: Dr. Oskar Grünbaum, Suprasky, Dr. Schwarz hart; von der Judenstaats- Vor dem Abschluß Luzern, 25. August. Die Generaldebatte nähert sich ihrem Ende und die Frage der zukünftigen Exekutive ist nach wie vor ungeklärt. Die Misrachivsten haben den Parteien ihr Forderungs- Programm übeneicht, nach welchem auf Verletzung der religiösen Vorschriften Entzug von Subventionen usw. als Sanktion gesetzt ist. Außerdem wird die Bereitstellung eines Teiles des Budgets für religiöse Zwecke und die A n s t e 1lung von Misrachisten als Beamte verlangt. Die Redner des Weltverband es Doktor Schwarzbart, Dr. Schmorak, Doktor G r ü n b aum, S u p r as k i und B ogrätsch o f f, die durchwegs auf sachliche Kritik abgestellt waren, wurden mit großem Interesse angehört Dr. Grünbaum behandelte besondere die Benachteiligung Österreichs bei der Zuteilung von Zertifikaten und die Not unter der Jugend Österreichs, und verlangte sofortige Abhilfe. Großen Eindruck erweckte der Schluß seiner Ausführungen, in denen er die Exekutive wegen ihrer Politik in doT Angelegenheit der Überführung der Gebeine Herzls angriff und einen bindenden Beschluß verlangte, wonach die Überpartei: Dr. Rcscnblum. Der Misrachi verzichtete auf einen Vertreter. Der Misrachi verzichtete auf einen Vertreter. Der Permanenzausschuß ist sofort nach seiner Konstituierung am Samstag abends in Verhandlung mit den Parteien über die Bildung der Exekutive getreten. , Am Samstag morgen« fand in den »Synagogen Luzerns ein feierlicher Gottesdienst für die Mitglieder und Gäste des Kongresses statt. Unterbrechung der Sitzungen Mit Rücksicht auf die Sabbathruhe wurden Freitag nachmittags alle Beratungen unterbrochen. Samstag abends wurde die Plenarsitzung wieder aufgenommen. Samstag abends Über die weiteren Beratungen von Samstag abends liegt der folgend© kurze Bericht vor: Die Fortsetzung' der Generaldebatte am Samstag abends brachte in der Hauptsache eine Auseinandersetzung zwischen einem Führer der Judenstaatepartei, Oberbaurat Stricker (Wien), und dem Arbeiterführer Berl Katzenclson (Tel- Aviv). Stricker behauptete, der Zersetzungsprozeß der zionistischen Organisation würde weitergehen, weil die Organisation den Gedanken dos Judenstaates fallen gelassen habe, der allein die Kraft gehabt hätte, sie zusammenzuhalten. Als Stricker der Linken zurief: „Auch eure Gruppe wird eich spalten, wie sich die anderen Gruppen in mehrere Richtungen bereits gespalten haben“, tönten von der Linken ironische Zurufe entgegen. der Generaldebatte ter Bericht.) füihrung bis zu einem noch festznsetzenden Term in erfolgen muß. In dem Kreis des Weltverbandes der Allgemeinen ZLonisteu wurden sämtliche Beratungen zu Emde geführt. Gestern sprach vor dem Plenum des Weltverbandes Ussischkin. In den Kreisen des Welt* verbände« verlangt man eine klare Stellungnahme der Linkeai in der K o a 1 itionßfrage. * In allen Fraktionen wird emsig gearbeitet Montag werden bereits alle Kommis« sionen arbeiten. In der Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten vollziehen sich Gruppenbildungen, einerseits nach Landsmannschaften, anderseits haben sich d i e Radikalen und die Deutschen zusammenges chlossen. * Starkeii Eindruck auf den Kongreß machte das Referat von Henriette S z o 1 d über die deutsche Kinderalijah, wie überhaupt das Niveau der Reden und Debatten im allgemeinen höher ißt, alß am 18. Kongreß. Unter den zahlreichen Begrüßungstelegrammen wurde die Begrüßung des Kongresses durch den Präsidenten der Kultusgemeinde in Wien, Dr. Desider Friedmann, mit Beifall quittiert. Gründung einer „Miß-Szold-Kolonie" in Palästina Luzern, 23. Augußt. (2.T.A.) Miß Henrietta S z o 1 d, die greise Vorkämpferin der zionistischen Frauenbewegung in Amerika, eine Zeit lang Mitglied der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, die seit einer Reihe von Jahren in Palästina in der Sozial- und Jugendarbeit der Jewish Agency und des Waad Leumi führend tätig ist, war Gegenstand einer besonderen Ehrung durch den Zionistenkongreß in seiner am Donnerstag vormittags abgehaltenen Sitzung. Der Präsident des Kongresses, Dr. ChaLm Weitzmann, legte gemeinsam mit der Delegation der Zionisten aus Deutschland dem Kongreß den Antrag vor, in Palästina zum Zeichen der Dankbarkeit für die hervorragenden Leistungen von Miß Szold inßbesondere auf dem Gebiet der Jugendansiedlung eine neue Kolonie zu errichten, die ihren Na men tragen soll. Die Anregung wurde vom Kongreß mit lebhafter Zustimmung und Sympathiekundgebungen für Miß Szold aufgenommen. Dr. Weitzmann hatte diesen Antrag im Anschluß an das Referat über Kinderun4 Jugend-Alijah gestellt, das von Miß Szold nach dem Bericht Dr. Ruppins gehalten worden war. Miß Szold erklärte, eie habe für Zwecke der Jugend-Alijah über einen Betrag von 53.000 Pfund verfügt. Bisher wurden 713 Kinder in verschiedenen Siedlungen, vorwiegend in Ben Schemen, untergeh rächt. Dr. Weitzmann richtete nach dem Referat warme Worte des Dankes an Miß Szold und sprach ihr die Glückwünsche des Kongresses zu ihrem 75. Geburtstag aus. Der gesetzgebende Rat In der „Reichspost“ befaßt sich Dr. W. W. mit dem Plan der Einrichtung eines gesetzgebenden Rates in Palästina. Der Autor, der ßich im wesentlichen an die kürzlich in der „Times“ entwickelte Argumentation hält, schreibt unteT anderem: Wie ist die Haltung der Juden? Obwohl unter ihnen die verschiedensten politischen Ansichten bestehen und sie weit von einer Einigung entfernt sind, so sind dftch alle ihre Parteieft in der. Ablehnung