Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 478 (27.8.1935)
- Date
- 1935-08-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Oll STIMME Seite 5 Nr. 478 27. 1033 dis ehern Bevölkerung lebt jetzt von der Industrie. l*eib Jaffe: „1$ Jahre Keren Halessod(t _ I'1 dor Donnerstag-Nkidimittugssitzung liielt Leib J a f f o ein Referat: „15 Jahre Keren Hajessod“. Die heutige jüdische Position im Lande wäre undenkbar ohne die vom Keren Hajessod clurchgeführte Erschließung des Jordan ta.ls, des Emek Jez* reel, des Emek Heplier, des Emek Sebulun, ohne seine Siedlungsarbeit in der Scharon- Ebene und auf den Hügeln Judäas. Die zweite große Errungenschaft sei das hebräische S c h u 1 w e t k, das vom Keren Hujossod in einer Zeit aufgebaut wurde, da die jüdische Gemeinschaft, Erez Israels noch klein und wirtschaftlich schwach war. Heute wird das Soli ui werk mit seinen 33.000 Schülern, das vom Kindergarten über Volks- und höhere Schule bla zur Universität und zum Technikum reicht, von der Kneseeth Israel erhalten und vom Keren Hajes^od nur noch subventioniert. Die Eingänge des Fonds beginnen nach Jahren des Ni oderganges jetzt wieder zu steigen. Der Voranschlag wäre schon in diesem Jahre überholt worden, wären die Zeichnungen in dien Vereinigten Staaten rechtzeitig eingelöet worden. Jetzt gelte es, angesichts des rapiden Zusammenbruches in der Diaspora eine neue, unerhörte Anstrengung zu machen, um das Werk zu beschleunigen. Ussischkln berichtet Luzern, 25. August. (2. T. A.) In der D o n n e r s t a g n a c Ii m i t tagsfc i t z u n g des Kongresses hielt auch der Präsident des Jüdischen Nationalfonds. M. M. U s s i s c li k i n, sein Referat über „Die Leistungen und Probleme des Keren Kajemeth“, Er führte unter anderem aus: In den letzten Jahren haben sich die Einnahmen des KKL. um nahezu 50% erhöht und der Bodenbesitz des KKL. hat sich seit 15 Jahren fast verzwanzigfacht. Aber irn Gegensatz zu Dr. Ruppin kann ich nicht 60 optimistisch sein wie er. Diesem Zahlenverliältnie 24% jüdische Bevölkerung — 6-5% jüdischer Bodenbesitz (KKL., ICA. und privater zusammen) soll für uns ein „Menetekel Up-harsin“ sein. Umser heutiger jüdischer Besitz weist geographisch eine gewisse Geschlossenheit auf; erwerben wir Boden i n Trans Jordanien, dann besteht die Gefahr, daß wir damit gegen unseren Willen die Bildung einer Art von polnischem Korridor in Palästina begünstigen; auch mit der größten Begeisterung kann Transjordanien nicht jüdisch gemacht und d-ie Entstehung eines solchen Korridore nicht vermieden werden, wenn vorbernicht der Boden diesseits des Jordan s j ii d i s c h ist. Die Behauptung, daß mehr als 6-5% palästinensischen Bodens in jüdischem Besitz sind, da nur anbaufähiger Boden in Betracht gezogen werden 'dürfe, iel unrichtig. Es gibt überhaupt nicht Boden in Erez Israel, der nicht urbar gemacht werden könnte: die einstigen Sümpfe von En Charod sind heute blühendes Land. An uiisero Situation in Palästina, fuhr Lässiscbkin fort, tragen vier Faktoren die Schuld: die englischen Regierungen, die zionistischen Exekutiven, die zionistischen Massen und das jüdische Volk; keine Schuld daran hat daß arabische Volk. Als vor achtzehn Jahren die Balfour-Deklaration erlassen wurde, haben wir nicht erwartet und auch gar nicht gewünscht, daß England unser Natiomilheim für uns baue. Aber ihre Bemühungen zur Förderung der jüdischen Interessen liat die eng lieche Regierung damit begonnen, daß kein jüdischer Legionär Boden zur A n s i e d 1 u n g bekam; und jetzt fordert dieselbe Palästinaregierung, deren Finanzübenschuß zu zwei Dritteln aus jüdischem Geld gebildet wurde, anläßlich des Erwerbe der Hule-Konzession von uns schweres Gold für diese Sümpfe. Die zionistischen Exekutiven haben das ßodenproblem ganz genau gekannt und haben auch die ehrliche Absicht gehabt-, es zu lösen. Aber eie alle trifft auch die Schuld, daß eie Über der M«nge der Augenblicksforderungen die ewigo und aktuellste Forderung nach Boden vernachlässigt, haben. Der kommenden Exekutive wird die Pflicht erwachsen, dem nächsten Kongreß zu berichten, daß das Bodenproblem sic Tag und Nacht ununterbrochen, auch am Schabbat, beschäftigt hat. Denn an dieser Sache darf auch am Schabbatgearbeitet. werden: da herrscht „Pikuaeh nefesch“ (Lebensgefahr). Die zionistische Welt hat immer mehr Augen und Ohren vor dem Bodenproblem, vor der KKL.-Arbeit, verschlossen und diese Arbeit uut der Jugend überlassen. Es muß dringend gefordert werden, daß Leute, die für die Lösung der wesentlichsten Frage, des Bodenproblems, keinen Finger gerührt haben, auch in allen anderen Fragen des Zionismus nicht« dreinzureden haben. Dae jüdische Volk hat die Schuld, daß unter den hunderttausend Menschen, die es ins Land geschickt hat, eine kleine Zahl von Leuten sich befindet, an denen das Bodenproblem in seiner ganzen Grüße und Gefahr offenbar wurde. Man darf «ich nicht schämen, immer wieder zu sagen, daß Leute, die Boden als Objekt ihrer Schacherei betrachten, nicht besser sind, als Händler mit lebender Ware. Es besteht kein Anlaß, gegen privaten Bodenkauf Stellung zu nehmen; aber bloßes Handelsobjekt darf jüdische Erde nicht sein. Die kommende Entwicklung wird uns wieder eine Reiho neuer; jüdischer Siedlungspunkte bringen. Nach der Besiedlung des Emek Jesreel, des Emek Sebulun und des Emek Ohefer gehen wir jetzt an die Erschließung des Beisan-Gebietes. Eine ganze Anzahl wichtiger jüdischer Siedlungen soll gegründet werden. Es besteht die Hoffnung, daß ee noch in diesem Winter möglich sein wird, zwei historisch wichtige kolonisatorische Maßnahmen durchzufiihren, über die jetzt noch nicht berichtet werden kann. Zu all dem ist es notwendig, daß der Kongreß die von der KKL.-Konferenz beschlossenen Forderungen annimmt und tatsächlich erfüllt. Es ist unbedingt erforderlich, daß in den nächsten zwei Jahren eine Million Pfund aufgebracht wird. Die Resolutionen der Keren Kajemeth-Konferenz Den KongreßdeliCgiertem wurde nach dem Referat M. M. Ussischkins der Wortlaut der von der Keren-Kajcmeth-Weltkonferenz gefaßten Resolution überreicht. In ihnen wird gefordert, daß dem Keren Kajeoneth die Möglichkeit zur Erwerbung ausreichender Bo den flächen zur Befriedigung des Landhungers der einwandeniden Massen geboten werde. Für die Erhöhung der Spenden wird eine Reihe von Methoden angegeben und die A ii f b r i ngung von einer Million Pfund in den nächsten zwei Jahren gefordert. Die Zionistische Exekutive wird ersucht, bei ihren Verhandlungen mit der Regierung alles aufzuwenden, um die Beseitigung der eine ents p x ecl i ond e B öden u Werbetätigkeit des KKL hindernden administrativen Maßnahmen zu erwirken. Die Schaffung von Bodenrcsorven, in erster Reihe für landwirtschaftliche, in zweiter Reihe für städtische Siedlung, wird als Hauptaufgabe der Bodenpolitik des KKL erklärt. E*s wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß os den Bemühungen des KKL gelingen wird, d e n nationalen Charakter des Hule- Projektes zu wahren. Es folgern einige Resolutionen, die sich auf dio Sicherung des Prinzips jüdischer Arbeit, den Kampf gegendieSpekul a t i o n und die Verwirklichung des Aktionskomitee-Beschlusses betreffend die 'Schaffung einer Zentralstelle für Überwachung der Bodenträns ak t i o n e n beziehen. Die Notwendigkeit der Erhebung einer Pachtrente von den KKL-Böclen wird betont, Erleichterung der Kreditgewährung an die Pächter wird gefor dert. Neben der Keren-Hajessod-Zalilung soll auch aktive Mitarbeit an dem Keren Kajemeth Voraussetzung für die Bekleidung von Ehrenstellen in den zionistischen Körperschaften sowie für das passive Wahlrecht zum Kongreß und den Landestagungen sein. In ähnlicher Weise soll die Zulassung zu Hachecharah und Alijah für Jugendliche von ihrer Arbeit für den KKL abhängig machen. Schließlich wird der Kongreß ersucht, eine algemeine Verpflichtung zu einem Beitrag für die Geulath Haarez in der Form von Verwendung von KKL-Marken auszusprechen. Diese soll obligatorisch sein auf dem Schekel, auf Inimijgrabionsdokumentien und auf allen Briefen der Zionistischen Institu tionen. Es soll aber auch auf ihre Verwendung seitens aller wirtschaftlichen Unterneh men in Palästina hinge wirkt werden, die irgendwie mit der Zionistischen Organisation oder ihren Fonds verbunden sind. Beginn der allgemeinen Aus spräche Am Donnerstag, den 22. August, 21 Uhr abends, begann die allgemeine Aus spräche, die sich bis spät in die Nacht hineinzog. Die Führer der einzelnen Fraktio hen nahmen in der Reihenfolge ihrer Stärke auf dem Kongreß das Wort, um ihren Standpunkt zu den Rieferatten und zu den großen Fragen des Zionismus darzulegen. Im Namen der Arbeiterfraktion sprach Jo sef Sprinzak, im Namen der Gruppe A der Allgemeinen Zionisten Dr. Njahum Goldraa n, im Namen der Gruppe B der Allgemeinen Zionisten Dr. J. Schwarzbart, im Namen der Judenstaatspartei Meir Großman. Während Schwaizbart den Standpunkt des rechten Flügels der bübger liehen Zionisten ideologisch und in Beziehung zu den aktuellem Aufgaben des Zionismus darlegte, sich aber scharfer Wendungen enthielt, richtete Großman scharfe Angriffe gegen die Exekutive. Der M i s r a c h i lehnte die Teilnahme an der Debatte ab, bis nicht der Kongreß seine Entschlossenheit, die religiösen Belange zu wahren, kundgetan hat. Die Generaldebatte Als erster Redner in der Generaldebatte, j der Eroberung der Kuitusgemeinden müsse umgewamdelt werden, im eine Parole von der die Donnerstag nachts begann, ergriff als Vertreter der stärksten Kongreßfnaktion do>r Führer des Arbeitenden Palästina Joseph Sprinzak das Wort. Der Rodner gab dor Meinung Ausdruck, daß der Kongreß nicht von derselben Stimmung beherrscht sei, wie die zionistischen Massen während der letzten Wählen. Dies beweise die Haltung des Misraehi, der eine Beteiligung an der Kongreßarboit ablehnt, wenn man seino Forderungen nicht bis zum Letzten erfüllt. Sprinzak verwahrte sich gegen den der Jugend Erez Israels gemachten Vorwurf, dtaß siedieReligion Israels verletze. Man brauche eine Hachscharah für hunderttauseud Juden, die jährlich ins Land kommen sollen. Man müsse das Volk um den Zionismus scharen. Hauptaufgabe des Kongresses müsse es sein, das ganze Volk um die Arbeit am Palästinaaufbaiu zu konzentrieren. Nach denn Verkauf von Uber einer Million Schekal dürfte es keine Rückkehr zu Parteizwistigkeiteu mehr geben. Auf eine Interpellation dos Judenstaatlers Großman anspielend, bemerkte Sprinzak, man rede von. der Tagesordnung und vergesse Herzls Parole Sdfl Eroberung dos Volkes. Für die Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten sprach Dr. Goldm a n. Er legte dem Kongreß die Aufgaben der neuen Fraktion dar und erklärte, die „Welbveremigung“- wolle die Traditionen des Allgemeinen Zionismus erneuern. Der Kongreß müsse den entschiedenen Willen des jüdischen Volkes, eich aus der Gahith zu befreien, proklamieren. Trotz aller in Erez Israel begangenen Fehler könne das, was innerhalb kurzer Zeit geleistet wurde, als wunderbar bezeichnet werden. Mit großer Schärfe wandte sich der Redner gegen diejenigen, die das Wort Staat immer auf den Lippen führen, gleichzeitig aber alles tun, um den Staat zu z ors tö r en, bvor er noch entstanden ist. Im Namen seiner Gruppe trat der Redner für die Bildung einer Koalition auf b t e i t o r Grundlage ein und erklärte, falls auf diesem Kongreß, durch wessen Schuld immer, eine solche Koalition nicht Zustandekommen sollte, werde der Kongreß seine Aufgaben nicht erfüllen, ln bezug auf glfe politische Lage erklärte Dr, Goldmann, es sei kn Interesse des Zionismus und ln dem des jüdischen Volkes in seiner augew* blicklichen Situation gelegen, daß man voll einer Kooperation mit der Mandatarmachiti sprechen könne. Als erster Oppositionsredner trat, alä Wortführer des Weltvorbandes Allgemeiner Zionisten, Dr. S c h w a r z b a r t an; das Rednerpult. Er bezeichnete es als die Pflicht des Kongresses, in einer Zeit, dia er. für das 'Schicksal des Gesarntjudentums verantwortlich sei, sich Rechenschaft zu geben; über die zweijährige Tätigkeit der Exekutive. Das Anwachsen der Scbek eizahl trotz dös Austritts der Revisionisten sei ein großer Erfolg; dessen ungeachtet dauere die organisatorische Krisis in der Zionistischen Organisation an. Das hohe Niveau der Rede Ben Gurions schließt ernste Kritik nicht aus. Auf dem Gebiete der Zusammenfassung der Teile der Zionistischen Organisation habe das Organisationsdepartement der Exekutive nichts Nützliches geleistet, sondern den Zer brock elungsprozeß durch eine von Partoitaktile diktierte Politik gefördert. Man habe die Jugend nicht geeinigt, sondern sie durch’ eine Politik des „laissez faire“ auseinundergerissen. Wenn man jetzt an alle den Ruf zur Einigkeit rächtet, so müsse man sich daran erinnern, daß das Organäsationsdepartement eine Taktik der Entzweiung befolgt hat. Man müsse sich daran erinnern, daß das palästinensisch c Schulwesen durch die Linke — und auch durch den Misraehi — gespalten wurde lind daß dieser Zustand durch ein Abkommen mit dem Waad Leumi in einen Dauerzustand umgewandelt worden ist. Es müsse unbedingt ein einheitliches Schulwesen hergestellt werden. In der zionistischen Außenpolitik müsse an dem Prinzip des Fernhaltens von parteipolitischen Erwägungen unbedingt festgehalten werden. Die Stellung der Exekutive in der Frage der Arabereinwanderung und der sogenannten illegalen Touristen-Alijah könne nicht restlos gutgeheißen werden. Die kommende Exekutive werde hoffentlich stark genug sein, um die in den jetzigen Erkläruiifgen zum Ausdruck kommende ablehnende Haltung gegenüber einem Legislative Council zu bewahren, Pension Eckstein - Zum Schluß betonte Dr. Schiwarzbart, da er und sedne Fraktion es nicht zulaese; würden, daß man aie als Vertrete bourgeoiser Kreise und G egn e der Arbeiterschaft hin,stelle. De Allgemeine Zionismus wende sich gegen de Marxismus und gehe dies unumwnmden zi Er will alle schöpferischen Kräfte und da jüdische Kapital kn Dienste des nationale Interesses vereinigen. Die Kritik an de Tätigkeit der Exekutive sei nur ans Vor antwortimgsgefüllil erfolgt. Der Kongrel werde seine Aufgabe nur erfüllt haber wenn es ihm gelingt, durch Verein! g u n g a 11 e r Kräfte einen Siegde überparteilichen Ideals herbedaufüihr-en. Erregte Szenen Sm Namen der Judenstaatsparte sprach Meir Großman. Trotz de großen Alijah von 100.000 Menschen sc •der jüdische Einfluß kn Lande weder refe tir, noch absolut gestiegen. Der politisch Einfluß der Exekutive sei so gering, dal man vor jedem 1. Oktober und 1. Apri wegen der Legislative Council zittern müsse Unter den jetzigen Umständen würde aucl bei einer Einwanderung von 200.000 Men sehen iu Palästina Golus sein. Das von un nach Palästina gebrachte viele Geld fließ) durch verschiedene Kanäle der Regie rung, den Arabern und dem Aus 1 a n d zu. Zur Organisierung von M i t1 e 1 sta ndssied lungern sei nichts ge schehen. Man habe nur einen Zustand über spitzter Monopolisierung und Alletinherr schaft einer Arbeiterorganisation geschaffen wobei man jeden Außenstehenden ver hungern läßt. Di? Exekutive habe in eine] Zeit, da die ganze Welt vor einem Sturm steht, weder an schutz-technische noch wirtschaftliche Sicherung Palästinas gedacht, Io der Frage des D c u t s c li 1 u n d - B o y- < ot-ts habe der Prager Kongreß es für gut befunden, zu schweigen. Was aber ist, damit erreicht, worden? Die brutalo Judenverfolgung im Dritten Reich ist seither stärker fordern Dieser, Kongreß ist verpflichtet,