Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 478 (27.8.1935)
- Date
- 1935-08-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. -J7S — 27, August 1935 m Schutzes teilhaftig wird, der ihr selbst in einem Lande, wo immer die Theorie von der Freiheit, des Haudels herrschte, nämlich in England, gewährt wird. Erez Israel ist mit nudändisohen Waren überschwemmt und leidet unter schwerem Dumping. Der Import wächst ständig und nähert sieh dieses Jahr boivits 'JO Millionen Pfund Sterling. Erez Israel wird ein wichtiger Markt für alle Länder der Welt, ohne daß es K o m p e us a t i o n e n e r h ä 11. In wenigen Ländern macht der Wert des palästinensischen Imports einen bemerkenswerten Prozentsatz des Wertes des Exports aus dem betreffenden Land nach Palästina aus, so für England 00 Prozent, D e u t s e h 1 a nd 56 Prozent (!), Holland 31 Prozent. In den meisten anderen Ländern ist dieser Prozentsatz äußerst gering, in Rumänien 6 Prozent, Polen 6 Prozent, Tschechoslowakei 2 Prozent ns\v. Japan, das 1934 für etwa 600.000 Pfund Sterling nach Palästina exportierte, kaufte in Palästina überhaupt nichts. Unsere Industrie muß gegen die Überschwemmung durch fremde Waren geschützt werden. Vor allem!>t eine g r u n d 1 e g e n d e X n d o r u n g des ganzen, von der Türkei übernommenen veralteten Zollsystems erforderlich, '■in Postulat, dem die Zionistische Exekutive ihr besonderes Augenmerk wird schenken müssen. Die Zionistische Organisation muß gefestigt. und sie muß fähig werden, Angriffe zurückzuschlagen und zu handeln. Um so -ehärfer verurteilt der Redner die Passivität, den t e i 1 w e i s e n Boykott lind die Konkurrenzierung der nationalen Fonds durch Teile der zionistischen Bewegung. Wir Und eine freiwillige Organisation ohne Zwangsgewalt, aber um so größer ist die Pflicht, die auf jedem einzelnen von uns Hegt. Wer ein gleichberechtigter Bürger -ein will, muß auch das Joch der Pflichten;i uf sich nehmen. Die D i s z i p 1 i n k 1 a u- > e 1 auf dem Schekel ist der äußere Ausdruck des Kampfes für die Stärkung und Xeubelebting der Zionistischen Organisation, und mit Befriedigung können wir den Erfolg dieses Kampfes konstatieren, wie fr in den Wahlen zum Kongreß zum Ausdruck kommt. Eine Million Schekelzahler ist eine Tatsache von gewaltigem moralischem Wert und sie hat auch in nichtjüdischen Kreisen starken Eindruck gemacht. Ein weiteres Erfordernis für das Gelingen der zionistischen Arbeit ist, daß die Zionistische Organisation die Herrschaft über die Alijah, über die Vorbereitung des Menschenmaterials und seiner Auswahl gewinnt. Gleichzeitig mit der ideologischen Erziehung muß auch die landwirtschaftliche H a c h s c h a r a h vertieft werden, für die in den letzten Jahren nichts getan worden ist. E. Kaplan bespricht die Finanzpolitik der Exekutive und ihre kolonisatorische Tätigkeit sowohl hinsichtlich der Ansiedlung von Arbeitern als auch der Ansiedlung des Mittelstandes. Der größte Teil der Gelder ist für Kolonisation im E in e k C h e f e r verwendet worden, wo ein Teil der Siedler bereits seit mehr als fünf Jahren den Boden besetzt hielt und immer auf seine Ansiedlung wartete. Um die Ansiedlung von Kreisen aus dem Mittelstände besser zu organisieren, hat die Exekutive einen speziellen Delegierten. Herrn Zwi Lieber mann, ins Ausland geschickt. Verschiedene Pläne konnten infolge der Verringerung der Einnahmen aus Amerika nicht .verwirklicht werden. Die Exekutive hat auch beschlossen, das Kapital der Palestine Land Deve- I o p ment Co m pany zu vergrößern. Mit einigen Worten streift der Redner auch die 'teigende Bedeutung des .Versichern n g s w e s e n s 4n Palästina. Rechnet man mit einer Alijah von 50.000 Menschen jährlich und will man ein Viertel oder sogar nur ein Fünftel davon auf dem Lande ansiedeln, so bedeutet dies die Ansiedlung von mindestens 1000 Familien und ein Ansiedlungsbudget von 350.000 bis 400.000 Pfund Sterling jährlich. Bei der Festsetzung des Budgets darf nur mit den t a t s ä c h 1 i e h e n Ei n n a li m e n gerechnet werden. Die Exekutive hat auch beschlossen, den Beschluß des Kongresses vor zehn Jahren bezüglich der Errichtung einer K o 1 o n i s a t i o n s g e s e JI s c h a f t zu verwirklichen. Diese Gesellschaft wird ihre Tätigkeit aufuehmen, sobald der Kongreß und die Exekutive einen Ansiedlungsplan für ein oder zwei Jahro festgesetzt haben werden. Die Exekutive denkt darau, diese Gesellschaft als A k t i e n g e s e 11seliaft zu errichten. Der Zionistenkongreß muß der Exekutive hinsichtlich dieser Kolonisationsgesellschaft und auch im übrigen die Vollmacht geben, alle zur Mobilisierung neuer Mittel erforderlichen Maßnahmen zu ei greifen. Es ist die Aufgabe der Zionistischen Organisation, so schließt das Mitglied der Exekutive sein Referat, sich i \ o i n e n a t i on a 1 e R e g i o r u n g s g e w alt zu v c rwandel n, die sich das Ziel setzt, den großen Zionismus zu unseren Lebzeiten zu verwirklichen, und das ist möglich. Das Referat David Ben Gurions ln hielt der der Exekutiv •e Luzern, 23. August. (2. T. A.) Plenarsitzung des Kongreeses politische Leiter der Palästinador Jewisli Agency, der Arbeiterführer David Ben Gurion, ein Referat: ..Probleme der Verwirklichung dos Zionismmr. Er führte aus: Der Zionismus ruft nicht, nur zur Verwirklichung des Erlösuugstraimies, er hat auch dreigroße Verwirklichungsinstrume n t e geschaffen: l. n a t i on a 1 e O r g a n i s a 11 o n und D i s z iplin; 2. politische Aktion und Aufklärung der Welt; 3. Aufbauarbeit in Erez Israel durch Einwanderung und Kolonisation. Das Ziel des heute lebenden Geschlechts muß sein: Ansiedlung von einer Million jüdischer Familien in Palästina, von denen mindestens ein Drittel Landarbeiter sein müßte. Die große Mehrheit der Einwanderer müsse aus Arbeitern und Handwerkern bestehen, die Zahl der Vertreter der freien Berufe und des Handels müsse verringert werden. Zionismus, wie er von der zionistischen Führung heute verstanden wird, bedeute nicht nur die Lösung für einen Teil des jüdischen Volkes. Er bedeute vielmehr die Gesamt- 1 ö s u ii g der Judenfrage. In Längeren Ausführungen behandelte Ben Gurion das Schicksal der Juden V Sowj et-Rußland und beklagte es, daß die. russischen Juden von der Beteiligung am Aufbauwerk in Palästina zur Zeit ferngehalten werden. Auch für das Aufbauwerk selbst bedeute es einen Nachteil, daß die russischen Juden, die seine Grundlagen geschaffen haben, jetzt an der Arbeit nicht teilnehmen können. Es sei jedoch zu hoffen, daß die Zeit nicht fern sei, in der auch die russischen Judsn wieder gemeinsam mit den Juden der übrigen Welt am Aufbau Palästinas arbeiten können. Gegen die englische Regierung als Mandatarmacht erhob Ben Gurion heftige Anklagen wegen ihrer Einwanderungspolitik. Wir müssen, erklärte er, von dieser Stelle aus vor der Welt Klage führen, daß ungeachtet der Sympathie und des Interesses des palästinensischen Oberkommissars die Mandatarmacht uns in diesen schweren Notjahren der Weltjudenheit durch Aufrichtung künstlicher Schranken für die Einwanderung der Möglichkeiten einer gerechtfertigten Einwanderung und tausender Arbeitsplätze für Juden bei öffentlichen Arbeiten beraubt hat. In bezug auf die Sicherheitsverhältnisse, fuhr der Redner fort, sei wenig Anlaß zu Klagen, ausgenommen in der Richtung, daß Juden nicht in genügender Zahl zum Polizei- und Heeresdienst herangezogen werden. E s müsse betont werden, daß die Gefahr für die Juden Palästinas von der Seite der arabischen Wüste her drohe. Ben Guryju wandte sich sodann der Besprechung der Beziehungen zwischen Z i onisten und Nichtzionisten in der Jewisli Agency zu. Die Nichtziionisten hätten die Zionisten zwar in politischen Krisenzeiten vielfach unterstützt und stets, wenn es galt, Schritte bei der Mandatarraac-ht zu unternehmen, eine Einheitsfront mit den Zionisten gebildet, dagegen hätten die Nichtzionisten an der organisatorischen und kolonisatorischen Arbeit in Palästina nicht in genügendem Maße Anteil g e n o m m c n. Der Redner betonte, daß der Zionistenkongreß voraussichtlich einer Fortsetzung der Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten auf der Basis gleicher Vertretung beider Teile in der Jowish Agoucy nicht zustimmen, wohl aber mit einer geringeren Vertretung der Nichtzionisten in der Agency einverstanden sein wird. Bezüglich der Kooperation zwischen dor Mandatarmacht und Zionistischer Exekutive erklärte Ben Gur km, daß diese beiden Partner von der Geschichte zusammengebracht worden seien und daß vom jüdischen Volk jeder auf eine Schwächung dieser Zusammenarbeit a b z i olende S c h r i 11 als Verrat a n g e- „s e li e n werden würde. Die Zusammenarbeit müsse von beiden Seiten aus uneingeschränkt erfolgen und keiner der beiden Partner sollte ihr Hindernisse in den Weg legen. Nichts auch darf getan werden, was eine Zusammenarbeit mit den Arabern erschweren könnte. In einem Teil seines Referats befaßte sich Ben Gurion auch mit der Rolle, die das M e e r in der künftigen Entwicklung Palästinas zu spielen berufen sei. Er wies darauf hin, daß Palästina nicht nur am Mittelländischen Meer liegt und daß auch das Rote Meer, au dessen Küste Palästina ebenfalls einen Anteil hat, für das Land von großer politischer und kommerzieller Bedeutung als natürliches Bindeglied zwischen Asien, Europa und Palästina in Zukunft sein wird. Arthur Ruppin: „ZS Jahre zionistische Kolonisation“ Einen umfassenden Überblick über 25 Jahre jüdischer landwirtschaftlicher Kolonisation in Palästina bot das in der Donnerstag-Vormittagsitzung erstattete Referat. des Leiters der Palästina-Exekutive. Dr. Arthur Ruppin. Der Redner gab eine Schilderung der einzelnen Entwicklungs- Phasen innerhalb dieses Vierteljalirlnmderts. 1910 hatte die Zionistische Organisation in der Jesreel-Ebene ihren ersten Bodenkauf durchgeführt. Damals gab es im ganzen Lande nur Tö.000 Juden, von denen zwei Drittel von Unterstützungen, die sie aus dem Ausland erhielten, lebten. Bis zum Ausbruck des Weltkrieges war die Zahl auf 85.000 gestiegen, fiel jedoch bis Kriegsende wieder auf 65.000. Stellt man diese Verhältnisse den heutigen gegenüber, sowohl wae die Zahl jüdischer Einwohner als auch was jüdischen Landbesitz betrifft, so bekomme man ein Bild davon, was durch das Aufbauwerk in Palästina erzielt wurde. Dr. Ruppin legte ausführlich dar, wie nach dem Kriege durch die jüdischen Ansiedler neue Methoden zur Anwendung gebracht wurden, und schilderte die verschiede mm Arbeitsgebiete seines Departements. Er wies auf die Schwierigkeiten hin, die die Palästina-Regierung dem Bodenerwerb durch Juden in den Weg legt, .und warnte vor den Gefahren der Bodenspekulation. Zur gegenwärtigen Situation der Juden in der Landwirtschaft berichtete Dr. Ruppin, daß von dem gesamten 250.000 Dunara umfassenden Pflanzungsgehict 150.000 Diuuuni in jüiHlischeon Besitz sind. Fruchttragend sind zur Zeit jedoch erst je 50.000 Dumuni in jüdischem und niehtjüdisebem Besitz. Als ideale Berufcsgdioclerung der jüdischen Bevölkerung bezoiehnetü Dr. Ruppin eins solche, bei der ei n D r i 11o 1 in der Landwirtschaft, ein Drittel i m Baugewerbe und in dor In düst r i e und ein Drittel i m H a n d e 1, Touristenverkehr und freien Berufen beschäftigt sein würde. In seinen Ausführungen über die Beziehungen zur Palästina-Regierung stellte Doktor, Ruppin fest, daß die Regierung ohne das von jüdischen Siedlern ins Land gebrachte Kapital niemals einen Verwaltungsüberschuß von 5 Millionen Pfund hätte thesauriereu können. Es sollte daher ihre Aufgabe sein, durch S t. r a ß e ubauto n und andere für die Kolonien wichtige öffentliche Arbeiten mehr für die jüdischen Siedler tun, als os bisher der Fall gewesen ist. zu Die Zahl der zionistischen Siedlungen 1 ist seit 1920, dem Jahre, In dem syBteawfc. tische Ansiedlung auf Nationalfondsboden1 mit Hilfe des Keren Hajessod einsetzte, von 5 auf 50 und die Zahl ihrer Einwohner von 180 auf 11.000 gestiegen. Unter Einrecliliung der Kibbuzim auf Natiunalfondsbodeii, die noch auf Vorschüsse seitens des Keren Hajessod angewiesen sind, gibt es insgesamt 90 Siodinngspimkte mit einer Bevölkerung von 18.000 Seelen. Die Pionierperiodo ist jetzt abgeschlossen und es beginnt d«i$ S t a d i u in der Erweiterung und Konsolidierung. In der letzten Saison wurden 7% Millionen Kisten Orangen exportiert, 1940 würden es 20 Millionen Kisten sein. Die größere Hälfte dieser Produktion werde aus jüdischen Pflanzungen stammen. Als Bodenminimum für eine Pfkinzungsfam wurden 20 Dunum bewässerbaren Bodens, dort, wo dae Terrain in der Nähe der Stadt liegt, 15 Dunam fostgcstellt. Es werden Untersuchungen über die Möglichkeit der Verringerung des Rodenminimunis auf zwölf Dunam geführt. 2000 Anwärter auf Zuteilung von Keren-Ha j essod-Darlehen zwecks Ausbaucis ihrer Wirtschaften auf National« fondsbüden gibt es zur Zeit, ferner viele Tausende Landarbeiter, dio auf Ansiedlung auf N ationalf oindsb oden warten. Fitr 2'A Millionen Pfund wurden 1934 Agrarprodukto ein geführt. Nur ein Viertel des jüdischen Müchkonsums wurde von jüdischen Farmern gedeckt, die Eierprbduktioni deckte nur einen kleinen Teil des Bedarfes. Die Verkaufsgenossenschaft für Landwirtschafteprodtikte ,,Tnuwah“ hat 1933 für 209.000, 1934 für 291.000 Pfund Produkte verkauft. In diesem Jahre wird der Umsatz voraussichtlich 500.000 Pfund betragen. In der In d us t r i <• waren 1927 erst 8000 bis 9000 Juden beschäftigt. Die Jahresproduktion betrug 2-300.000 Pfund. 1933 war die Arbeiterzahl auf 19.600, die Jahresproduktion auf 5,350.000 Pfund gestiegen. Jetzt sind in der Industrie 25.000 Arbeiter beschäftigt. Einschließlich der Frauen und Kinder leben 50.000 Juden von Industrie und Handwerk. Dazu kommen die 14.000 im Baugewerbe und bei öffentlichen Arbeiten Beschäftigten. Mehr als ein Viertel der jü- Vom tiefsten Schmerze gebeugt, geben wir Nachricht von dem Hinsclieiden unseres innigstgcliebten, unvergeßlichen Gatten, Vaters und Großvaters, des Herrn Adolf Bofko Haus- und Grundbesitzer der nach kurzem, schwerem Leiden im 72. Lebensjahre am Sonntag den 25. August 1935 von uns für immer geschieden ist. Sein Leben war erfüllt von höchster Pflichterfüllung, rastloser Arbeit und Fürsorge. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. August 1935, um ll15 Uhr am Zentralfriedhof, I. Tor, statt- Caroline Bojko, Eichgraben, N.-ö., Gut Hcrrnliof, als Gattin Max und <arla Bojko, Wien Rudolf u. Uli Bojko, Prag ArddLS ädÄ'wÄ'Äwiea H*,rt wü Hedl Uns,eWer' Atz='erE(Ior[ als Kinder und sämtliche Enkelkinder. SCHAFFET ARBEIT EURER CHALUZISCHEN JUGEND! Der »Stadtkibbuz des Gdud Zirim, Wien, H.} Innstraßc 6, stellt Handwerker und Hilfsarbeiter aller E$rdftQ prägtest «öd feügd 4ugg$|j^ Berufe zur Verfügung. Alle verlangten Arbeiten Telephon R 41.4-21