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Die Stimme · 1935-08-23 · Heft 477 (23.8.1935) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 477 (23.8.1935)
Date
1935-08-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Oll STIMMI Nr. 477 — 23. Äugust 193$ Blätter der jüdisch en Frau F RAU £ N 8 E I LAG E DER „STIMME. * F R E I T A G, 2 3. AUGUST 1935 * 3. J A H R G A N G, N R. 5 WIZO Hachscharah , Wenn die WIZO im Laufe dieses Jabree | nicht nur praktische, sondern auch Galuth-' arbeit vollführen konnte, so erstreckt eich i ihre Tätigkeit im Sommer vor allem auf, Vorbereitung und Schulung für Erez Israel, i Sie hat über Initiative von Frau Berta Berger im April dieses Jahres in Lainz eine etwa 3000 m3 umfassende Parzelle in Pacht genommen, um dort junge Mädchen im Garten- und Gemüsebau zu unterweisen. Unter der Leitung des bewährten Obergärtners Sommer wurden zunächst zehn Chaluzoth in allen einschlägigen Arbeiten ausgebildet, während gegenwärtig 15 Mädchen in Lainz tätig sind. Sie sind dort in Gemeinschaftsräumen der Baracke der ehemaligen Kinderfreunde untergebracht, so daß alle Voraussetzungen für eine anrechenbare Hachscharah erfüllt erscheinen. Tatsächlich sind heute die Stätten, welche noch vor kurzem brach und ungebaut dalagen, in einen blühenden Garten und fruchtbare Gemüsebeete verwandelt. In vorbildlicher Arbeit haben hier die jungen Mädchen in kurzer Zeit unter Aufsicht von Frau Berger eine sehenswerte Leitung vollbracht. Sie können heute bereits einen ansehnlichen Teil ihre; Verpflegung aus den selbstgezogenen Bodenprodukten nehmen. Auf diese Weise hofft die WIZO. das Problem der Mädchen-Hachscharah in ihrem Wirkungsbereich zweckmäßig angewendet zu haben. Sie erfüllt damit einen der Punkte des WlZO-Programmes, der darauf abzielt, eine Ausbildung der weiblichen Jugend im Rahmen der bestehenden Chaluzorganisation durchzuführen. Im Einvernehmen mit der WIZO trägt Frau Berger dafür Sorge, daß außer der praktischen Gartenarbeit ihren Zöglingen auch noch jüdische Geschichte, Palästina-Kunde und die hebräische Sprache beigebracht wird. Auch damit wird einer ■wesentlichen Forderung des WIZO-Programmes Genüge getan. Wer Gelegenheit hatte, das Schulungslager in Lainz zu besuchen, den gesunden und fröhlichen Mädchen bei der Arbeit zuzusehen. sie hebräische Lieder singen zu hören, der fühlt sieh freudig überrascht und vermeint schon hier ein Stück palästinensischer Heimat zu sehen und zu erleben. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, daß dieser erste Versuch einer praktischen Mädchen-Hachscharah in Wien eine weitere Fortsetzung und Ausgestaltung erfahren wird. Für solche Mädchen, welche sich in städtischen Berufen ausbilden wollen, hat XIX. Zionisten- Kongreß LUZERN, August - Sept. 1935 KONGRESSPUBLIKATIONEN: 1. 2. Berichte an den XIX. Zionistenkongreß: a) Bericht d. Zionistischen Exekutive (hebräisch, englisch oder deutsch) b) Bericht des Keren Hayesod Schw. (hebräisch, englisch oder deutsch):' Fr. 4’50 c) Bericht d. Keren Kayemeth Leisrael I (hebräisch, englisch oder deutsch)) Offizielle Kongreßzettung: a) hebräische Ausgabe b) deutsche Ausgabe erscheint während des Kongresses und der Tagung des Councils der Jewish Agency for Palestine täglich: Abonnements in der Schweiz Schw. Fr. 3’50 Abonnements in den übrigen Ländern. . . Schw. Fr. 4'— 3. Stenographisches Protokoll des XIX. Zionistenkongresses und der T. gung des Councils der Jewish Agency f< Palestine: a) hebräische Ausgabe) c , c n b) deutsche Ausgabe j ' Schw. Fr. 9oeneralabonnement für die obigen Publikationen in einer d. angeführten Sprachen Schw. Fr. 15*—- eUeflum?en sfnd zu richten an das Büro des XIX. Z o liHtenkongresscs LUZF.RN, Postfach Bahnhof, oder Zioüstischea t.andcskomitee fttr Österreich, Wien, J., Mnrc- \urel Btraöe 5 ieldaendungen an die Luzerne: Kantonalbank LUZKIt.N, oder aul das Postsp^rkassenkonto VIII 10ViR für Rech omy des Büros des XIX. Zionlstenkongresses die WIZO bereite im Vorjahre durch Veranstaltung verschiedener Kurse Vorsorge getroffen. Auch jetzt im Sommer ermöglicht es ein von ihr initiierter Miederkure wertvolle Kenntnisse auf diesem Spezialgebiet zu erwerben. Diese Kurse finden in der Gewerblichen Lehranstalt von Frau Alice Schalliuger, Wien, VI., Mariahilferetraße 45, und im Miederealon der Frau Mathilde Wecker, VII., Burggasse 71, statt. Beginn der Kurse Die Frage der Einordnung der europäischen Hausfrau in das Leben Palästinas wird im allgemeinen wenig beachtet. In Anbetracht der Tatsache, daß ein großer Teil der Frauen in Palästina auch beruflich arbeiten muß, steht die Frage der beruflichen Einordnung im Vordergründe. Dabei wird vergessen, laß die Frau, die im Beruf steht, zugleich auch Hausfrau Lst und bis zu einem gewissen Grade die Arbeit der Hauefrau leisten muß und daß überdies gerade auch jener Teil der Frauen, die nicht eigentlich berufstätig sind, in Palästina ein gehöriges Maß von Arbeit zu leisten haben und für den Aufbau des Landes und für seine soziale Struktur von größter Bedeutung sind. Aber weil man sich über die Rolle der Hausfrau im heutigen Palästina so wenig klar ist, weil man sich über sie so wenig Sorgen macht und weil man ihr schließlich vor der Alijah kein richtiges Bild von ihrem künftigen Aufgabenkreis zeichnet, hat die Frau des Mittelstandes keine rechte Vorstellung von dem, was in Palästina sie erwartet, und erlebt daher häufig Enttäuschungen innerer und äußerer Art. Daß jedoch eine Frau, die enttäuscht und unzufrieden ist, nicht die entsprechende Lebensgefährtin und Helferin des arbeitenden Mannes sein kann, daß sie ihren Kindern kein wirkliches Heim bereiten wird, das braucht doch wohl nicht erst erklärt zu werden. Daher erscheint es mir wichtig, gerade im Hinblick auf die jetzt so starke bürgerliche Alijah ein Wort an die Frauen zu richten. Nicht von den Schönheiten Palästinas soll hier die Rede sein und nicht von dem herrlichen Erlebnis der jüdischen Gemeinschaft, -ondern von den Sorgen und Schwierigkeiten des Alltags, die scheinbar klein sind und deren Erörterung so manchem kleinlich erscheinen mag, die aber im Leben eine große Rolle spielen und gerade Mir den Aufbau der Familie von ausschlaggebender Bedeutung sein können. Wenn wir von diesen Schwierigkeiten sprechen, so wollen wir nicht abschrecken oder dem Palästina-Gedanken entfremden, sondern eben nur auf gewisse Gegebenheiten des dortigen Lebens hinweisen, die für die europäische Frau neu sind, die, wenn man ihnen unverhofft entgegentritt, sehr schwerwiegend erscheinen, aber bedeutungslos und leicht erträglich sind, wenn man sie kennt und mit ihnen rechnet. Unter diesen Schwierigkeiten bei dor Einordnung sei vor allem das Heimweh genannt. Die meisten Frauen, die nach Erez kommen, auch solche, die es au« Begeisterung tun, beginnen früher oder später an Heimweh zu leiden. Ee ist dies eine Erscheinung, von der die Männer faßt völlig frei sind, die aber die meisten Frauen befällt. Die Gründe hiefür sind mannigfaltig, scheinen aber letzten Endes auf die psychische Grundeinstellung der Frau zurückzugehen. Wir haben auch bei anderen Gelegenheiten, zum Beispiel während de« Weltkrieges, die Erfahrung gemacht, daß dio Frauen in viel höherem Maße, als die« bei len Männern der Fall war, an ihrer alten Heimat und ihrem alten Heim hingen, auch wenn dieses alte Heim viel bescheidener jeweils am 1. und 15. jeden Monats. Andere Kurse, welche die WIZO vorbereitet, beginnen hu September. Die WIZO trägt auf diese Weise nach Kräften dazu bei, auch im Sommer den ausbildungsbedürftigen jungen Mädchen ihre Hilfe angedeihen zu lassen und ßie für das künftige Leben in Erez Israel vorbereiten zu helfen. Dr. Amalio Kantor. war als das neue. Jede Frau, die nach Palästina geht, muß also damit rechnen, daß sie von Sehnsucht nach ihrer europäischen Heimat erfaßt wird. Diese Sehnsucht kann sich in besonderem auf Eltern und Verwandte beziehen, auf die Wohnung, auf gesellige« Leben, aber ßie ißt jedenfalls vorhanden. Manche Frauen leiden mehr darunter, manche weniger. Manche werden arbeitsunlustig und zeigen ernste Gemütsdepressionen. Es gibt kaum eine Arznei gegen dieses Leiden. Aber meistens hilft ee, wenn man sich dieser Erscheinung als solcher bewußt wird, wenn man ßie gelten läßt, aber sich bemüht, trotz allem ßeinen Platz im palästinensischen Leben voll und ganz außzufüllen. Diese Leistung gibt dann eine Befriedigung, die ein wirkßames Gegengewicht gegen das Heimweh darstellt. Ein anderer Komplex, der den Frauen viel zu schaffen macht, sind die verschiedenen Erkrankungen, die den Neueinwanderer in Palästina befallen. Ganz abgesehen von Dysenterie, Papatatschi und Charrara, von denen wohl kein Neueinwanderer verschont wird, haben die Frauen unter spezifischen Frauenerkrankungen zu leiden, zum Beispiel an Menstruationsstörungen, die häufig mit Nervendepreßsionen einhergehen usw. Diese Störungen dürften auf die klimatischen Veränderungen zurückzuführon ßein und sind nicht nur in Palästina, sondern auch in Europa bei Klimawechsel zu beobachten. Auch hier kann eine rechtzeitige Aufklärung der Frauen, die sie auf das mögliche Eintreten solcher Störungen vorbereitet und die entsprechenden Gegenmittel ergreifen läßt, viele seelische Komplikationen verhüten. Zu den größten und am meisten übersehenen Schwierigkeiten der palästinensischen Hausfrau gehört die Führung des Haushaltes, der sich von dem in Europa gewohnten wesentlich unterscheidet. Vor allem muß darauf hinge wiesen werden, daß die palästinensischen Wohnungen und die palästinensischen Wohnräume viel kleiner sind als die europäischen, und daß überhaupt die Wohnkultur auf einer tieferen Stufe steht, was ja durchaus begreiflich ist. Aber viele Frauen fühlen sich irgendwie gekränkt und gedemütigt, weil sie sich in Palästina mit drei Räumen begnügen müssen, während sie in Europa eine Sechß- bis Acht-Zimmer-Wohnung hatten. Natürlich ist man geneigt, derartige Klagen nicht ernst zu nehmen, aber man vergißt, daß für die Frau, die diese Klage führt, der Schmerz darüber etwas sehr Reales und wirklich Bedrückendes ißt. Mit einem verächtlichen Wort kann man hier viel verderben, aber nichts gutmachen. Was nötig ist, ist auch in diesem Falle Informations- und Erziehungsarbeit, dio schon in der Galuth beginnen müßte. Dabei muß noch ganz besondere berücksichtigt werden, daß der Mangel an Hau sgebilfinnen, respektive die allgemeinen Arbeitsbedingungen für Hausgehilfinnen die Erhaltung einer größeren Wohnung fast unmöglich machen. Bei Besprechung der Hausgehilfinnenfrage kommen wir zu einem weiteren Punkt, der mancho palästinensische Hausfrau fast zur Verzweiflung bringt. Ich habe schon bei anderer Gelegenheit auf die Frage der palästinensischen Hausgehilfin (Osereth) hingewiesen und möchte hier nur nochmals bemerken, daß es, um diese Probleme halbwegs befriedigend zu lösen, vor allem wichtig wäre, die jungen Mädchen eine wirklich gründliche Ausbildung in der Hauswirtschaft genießen zu lassen, sie aber auch dahin zu erziehen, daß sie den Beruf einer Osereth ebenso hoch einschätzen, wie jeden anderen in Landwirtschaft, Fabrik oder Büro. Anderseits aber müßte auch eine Umstellung der Hausfrau vor sich gehen. Dio Hausfrau muß sich mit den Bedingungen Palästinas bekanntmachen und demgemäß ihre Kenntnisse im Kochen, Räumen und Wirtsohaftsführen ergänzen. Sie muß aber auch wissen, daß die Hausgehilfin grundsätzlich ihre Arbeit ebenso einschätzt, wie die in jedem anderen Fache, daß sie sich an den Aohtstunden-Tag hält und eine für europäische Verhältnisse hohe Belohnung bekommt. Die palästinensische Hausfrau muß, auch wenn sie eine Osereth bat, überall mit Hand anlegen, sie muß Arbeiten verrichten, an die sie in Europa nicht ge-i wöhnt war und die zum Teil in Europa* nicht bekannt sind. Diese Tatsachen haben nichts Tragisches an 6ioh, nur muß man auf sie gefaßt sein. Tragisch wirken sio sich erst dann aus, wenn die Frau ihnen völlig unvorbereitet entgegentritt und mit ihnen nicht fertig wird. Durch das Klima in Palästina und durch die Art des bisherigen Aufbaus ergeben sich verschiedene Unterschiede gegenüber der europäischen Wirtschaftsführung. Die Hausfrau muß diese Unterschiede kennen, mehr noch, sie muß lernen, ihnen Rechnung zu tragen und sich umstellen. Da ist vor allem die Frage der Ernährung. In Palästina wird im allgemeinen weniger und andere gegessen als im durchschnittlichen bürgerlichen Haushalt in Europa. Vor allem viol weniger Fleischkost, dafür mehr Gemüse, Salate, Milchspeisen usw. So gibt es zum Beispiel in den Städten, besonders in TeL Aviv, eino große Zahl vegetarischer Speisehäuser. Natürlich spielt die vegetarische Kost auch im privaten Haushalt eine ausschlaggebende Rolle. Anders als in Europa ist auch die Küche in Palästina eingerichtet. Da gibt es weder Kohlenherde, noch auch Gasrechauds. Es wird allgemein mit P o« tr oleum- oder Benzingas gekocht. Allordings handelt es sich hier nicht mehr um dio einet so gefürchteten Primus-Kocher, sondern um schöne, modern ausgestattete Petroleumherde, auf denen alle Speisen zuberoitet worden können. Man muß es jedoch lernen, mit diesen Horden umzugehen und darf nicht glauben, daß die BILLIGER URLAUB IN GOLLING (SALZBURG] Hin- und Rückfahrt Schnellzug l||. Kl., 10 volle Tage Unterkunft und Verpflegung einschl. Trinkgeldablös« S 102.— Auskünfte und Anmeldungen: ABTEILUNG FÜR FREMDENVERKEHR DES PHONIX, I., Wallnerstr. 6a, Tel. U 25-3-32 u. U 25-5-8C OSTERR. VERKEHRSBUREAU, I., Friedrichs». 7, Tel. A 36-5-40, /., Graben 20, Tel. U 29-0-33 REISEBÜRO »IRUT«, I., Karlsplatz 1, Tel. U 44-5-79 Dr. Henny Licfitenstein-Rappaport: Die Einordnung der Hausfrau in Palästina 11

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