Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 477 (23.8.1935)
- Date
- 1935-08-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE STIMME Seitei 7 Führender Bankier über die Wirtschaftslage Palästinas Nr. '.177 — 33. August 1035 L ■■■■-■ ,'l ■ LU—LUÜJL!LL11!1Ü.Ü11- .'1 . J—11 .Jim Erfahrungen ciiu\s GaMierdes ohne weil,eres l'iir (uiiou Pelroleiunherd verwendet werden können. Ans der Einstellung „es wird Helion gehen“ ist gerade auf diesem Gebiete flir \iele palästinensische Hausfrauen, aber ■auch Ilaufsgchillinue», schon manche bittere Stunde entstunden. Manche Enttäuschung 'und Unzufriedenheit hat ihren Grund in den fi t e i n fl i c « o n b o d e n der palästinensischen Wohnungen. Dieser erfordert eine andere Behandlung als die bei uns üblichen Holzfußböden. Er muß täglich mit Waes er oder Petroleum aufgowasehen werden. Man vergißt, daß diese Arbeit ungleich weniger Mühe verursacht und weniger Zeit in Anspruch nimmt als das Aufreiben oder Einlassen und Wichten der Holzböden. Aber es ist nun einmal eine Arbeit, die etwas Neues und Ungewohnten darntellt und deren Durchführung oft die Überwindung innerer Hemmungen notwendig rnaelit. Da- 7u kommt noch die Tatsache, daß im Sommer. Ameisen, Fliegen und ähnliche Ins e k t e n die Wohnungen belagern und bekämpft werden müssen. Schließlich sei noch die S t a u b p 1 a g e erwähnt, die im Sommer den Hausfrauen große Sorgen bereitet. Diese Aufzilhlufig der Schwierigkeiten, mit denen die palästinensische Hausfrau zu kämpfen hat, kann keineswegs als vollständig angesehen werden. Sie will oben nur auf das Vorhandensein solcher Schwierigkeiten himveisen und dadurch die Voraussetzungen für deren Bekämpfung schaffen. Demi, mit Ausnahme der gesundheitlichen Störungen, handelt es sich hier zum größten Teil tatsächlich um völlig belanglose Dinge, die ihre Bedeutung nur aus der Überschätzung ableiten, die ihnen zuteil .wird. Ich wiederhole, daß sich keinerlei allgemein gültige Regeln aufstellen lassen, daß aber viele dieser Unannehmlichkeiten als solche gar nicht empfunden werden würden, wenn man die Frauen durch entsprechende Informationen auf ihr Vorhandensein aufmerksam machen und die nötigen Abwehrniaßnahmen ergreifen würde. Ich betrachte es geradezu als ein Verbrechen an der Frau des bürgerlichen Mittelstandes, daß man die Bedingungen ihres Lebens und ihres Wirkens in Palästina so wenig ins Auge fast und daß man sich damit be- (gniigt, ihr von den Vorteilen für die Erziehung der Kinder und von dem tatsächlich vorhandenen Komfort eines Badezimmers in jeder Wohnung zu erzählen, ohne auch auf die Schwierigkeiten und die Notwendigkeit einer Umstellung und Umschulung hinzuweisen. Es könnte viel überflüssiges Leid vermieden, es könnte so manche Enttäuschung verhütet und so manches Familienleben verschönt werden, wenn man das einseitige Schwärmen unterlassen und Palästina als das hinstellen würde, was es wirklich ist, ein Land der Arbeit und ein Land des Kampfes, aber ein Land, in dem Kampf und Arbeit beglückend sind, weil sie dein einen Ziel gelten: dem Aufbau einer freien jüdischen Gemeinschaft, Pension Eckstein - Seiserini Schmarjahu Levin, der große Freund der WIXO lit allen Veranstaltungen, die die WIZO nach dem Hingang Schmarjahu L e v i n s abhielt, sprachen die Vorsitzenden tiefbewegte Worte des Gedenkens an den großen Freund, den dio WIZO in dem Verstorbenen verloren hat. Bei der Exekutiv-' Sitzung erinnerte Hadassah S a m u e 1 daran, in wieviele» Versammlungen Sclnnarjaliu Levin die Mitarbeit der Frau in der zionistischen Bewegung und dio Sondorart .ihrer Hilfsorganisation für den Aufbau des Landes bejaht und befürwortet und wieviele Frauen er durch seine zündenden Reden ideu Reihen der WIZO zugeführt habe, Dijrchdrungeu von der Bedeutung der Frau für die Schaffung eines jüdischen Bauernstandes hat er schon 1023 als Delegierter des Keren Jlajessod Ghana Meis eis Plan einer laud wirtschaftlichen Mädchenschule vor den Jüdinnen Kanadas so warm vertreten, daß sie die Finanzierung dieses UnternobiueiKs beschlossen. Schmerzlich wird die WIZO in Zukunft zusammen mit dem ganzen jüdischen Volk die große geistige Kraft vermissen, die der Verstorbene so sprühend verkörperte und die er jederzeit bereit war, in ihre» Dienst zu stellen, In einem Gespräch mit einem Vertreter der Pal new« erklärte der Leiter einer der führenden internationalen Banken Palästinas u. a.: Ich befürchte nicht den Eintritt einer Krise, obwohl ich die Tatsachen, die zu diesen Befürchtungen in der Öffentlichkeit Anlaß gegeben haben, nicht übersehe. Die ungünstig e H a n d e 1 s b il an z und der hoho Importüberschuß sind bekannte Erscheinungen und werden so lange unhalten, als der Zustrom von Menschen und Kapital andauert. Der Kapitalimport in Form von Maschinen und anderen Gütern bildet einen erheblichen Teil des Importüberschusses. Dio Verhältnisse in Palästina können nicht mit denselben Maßstäben wie dio Verhältnisse in anderen Ländern der Welt gemessen werden, der wirtschaftliche Prozeß, der sich in den letzten Jahren in Palästina vollzogen hat, ist ohne Parallele in der Geschichte. Die Gesichtspunkte, nach denen wir gewohnt sind, wirtschaftliche Verhältnisse zu beurteilen, sind auf Palästina iinunwendbar. Solange die E i nw u n d o r u n g a n li ä 11 ii n d de r K ap i t a 1 z u s t r o m nicht unterbrochen w i r d, besteht keine K r isenget' a h r — und das wirdnoch viele Jahre der Fall sein. Hiemit will ich aber nicht sagen, daß wir nicht ernsthaften Problemen gegeriüberstehen, die eine Lösung fordern. Das ernsthafteste dieser Probleme ist wohl die Land f r a g e. Die Bodenpreise sind so gestiegen, daß kein angemessenes Einkommen aus dem Grund und Boden mehr Iler- Wien, IX., Garnisong. 3. Tel, A 20-4-48 Beginn neuer Tages- und Abendkurse am 15. September auszuwirtschaften ist. Die hohen Grundstückpreise stehen einer gesunden Rendite im Wege. Es ist unmöglich, die Citrusanpl'lanzungen foi'tzusetzen, und notwendig, andere Wege zu finden, durch die der Boden eine möglichst große Anzahl Menschen ernähren kann. Durch Öffnung Transjordaniens für die jüdische Kolonisation könpte das Problem gelöst werden und auch westlich des Jordans eine wesentliche Senkung der Bodenpreise herbeigeführt werden. Die Öffnung T r a n s j o r d a n i e n s für die jüdische Kolonisation ist eine unvermeidliche Notwendigkeit. Die transjordanische Bevölkerung ist in ihrer Entwicklung ebenfalls von der jüdischen Kolonisation abhängig, da diese die einzige Lösung der Lage, in der sie sich befindet, darstellt. Für die Schaffung einer großen Exportindustrie in Palästina besteht, wie ich glaube, keine Aussicht, da Palästina über keine Möglichkeiten verfügt, durch die die Industrie in die Lage versetzt werden könnte, mit den großen Industrieländern zu konkurrieren. Die palästinensische Industrie muß in erster Linie den Landesbedarf decke n. Die Schwierigkeiten, denen die lokale Industrie heute gegenübersteht, sind dio Folge zweier Ursachen: der ausländischen Konkurrenz und der hiesigen hohen Löhne. Es j,st selbstverständlich, daß die Regierung gesunden Industrien durch Gewährung von Schutzzöllen ihre Unterstützung leihen muß. Die Produktionskosten des Citrusanbaues müssen auf ein Minimum herabgedrückt werden. Vor allem müssen neue Märkte gewonnen und weitere Anpflanzungen unterlassen werden. Meiner Ansicht nach besteht — wenigstens zunächst — keine Aussicht, daß England Palästina die Rechte der Imperiul Preference gewähren wird. Auf einen weiteren Punkt möchte ich noch besonders liinweisen: Ich bin der Ansicht, daß es dringend erforderlich ist, e i n o autoritäre Institution zu s e h a f f e n, deren Auf g a b e z e n- Restaurant Rillet Bemenommiprte Küche ^2 Reichhaltige Menüs iS 1*90 u. 8*60 Schwerster Bräu M„ Hammeipurgsrallgas r 3 (nächst Salztorbrückc Telephon A 41-0-2} t r a 1 e wirtschaftliche Leitung und Beratung ist. Diese Institution müßte die wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas grundlegend untersuchen und in ihrer Hand die gesamte Beratung über alle Zweige der Wirtschaft zentralisieren. Sie müßte darüber zu entscheiden haben, was getan u 11 d was unterlasse u werden muß, was in Palästina entwicklungsfähig und was unwirtschaftlich ist, welcher Boden für bestimmte Kulturen und welcher für andere Zwecke geeignet ist. Jeder neue Einwanderer hätte sich mit seinen Plänen an diese Institution zu wenden und von ihr Rat und Leitung entgegenzunehmen. Wenn eine derartige Institution bestellen würde, so hätte sie jetzt zu erklären, daß weitere Orangenanpflanzungen verboten sind. Eine Institution dieser Art könnte zu einem leitenden Faktor der palästinensischen Wirtschaft werden. Transjordaniens Mineralbesitz „Haaretz“ schreibt: „Angeblich soll eine deutsche Gesellschaft in El-Balk große aspbalthaltige Bodenflächen gefunden haben. Nach Meinung der Sachverständigen können dort 250.000 Tonnen Asphalt monatlich gefördert werden. Die Gesellschaft verhandelt mit der Regierung bezüglich der Ausbeutungsgenehmigung. Angeblich soll der'britische Vertreter in Amman sich gegen die Erteilung der Konzession ausgesp l* 0chen haben. Nach einem andern Gerücht sollen in Kerak Silber- und Kupferminen gefunden worden sein. Vor kurzem gründete ein ägyptischer Geologe eine Gesellschaft in Transjordanien, die sich um die Ausbeutung von Phosphorgruben bewirbt. Der Gesellschaft gehören die Herren Amin Bey Kewa-r, Said Bey Mufti und Miß Newton aus Haifa an. Der Gründer der Gesellschaft behauptet, daß jährlich zwei Millionen Tonnen Phosphor gefördert werden können. Bekanntlich wurden vor kurzem in Transjordanien Marmorlager entdeckt. Oie Anglo-Palestine Bank Die Anglo-Palestine Bank (Geschäftsnachfolgerin des Jewish Colonial Trust — Jüdische Kolonialbank) veröffentlicht soeben ihren Jahresbericht, der einen Vorschlag auf Erhöhung des Bankkapitals um 250.000 Pfund durch Ausgabe einlüsbarer Zusatz-Vorzugsaktien zu 4%%, ohne Stimmrechte, enthält. Der Vorschlag wird voraussichtlich von der demnächst stattfindenden außerordentlichen Generalversammlungratifiziert werden; der Bank wurde ein festes Angebot für die gesamte neue Aktienausgabe zu günstigen Bedingungen gemacht. Die Lloyds Bank Limited, London, die bekanntlich der Jewish Agency for Palestine eine Anleihe von 500.000 Pfund gewährt hat, hat beschlossen, sich an dem Aktienkapital der Anglo-Palestine Bank zu beteiligen. Der Jewish Colonial Trust, der die Anglo- Palestine Bank gründete, teilt mit, daß der Trust weiterhin 97% aller gewöhnlichen Stimmaktien der Anglo-Palestine Bank, wie bisher, repräsentieren wird, und daß die Kontrolle unverändert bleibt. Die Operationen für das Jahr 1934 ergaben — nach Überweisung von 40.000 Pfund an den Reservefonds und Beiseitelegung einer Summe für unvorhergesehene Ausgaben — einen Net torein gewinn von 73.843 Pfund, so daß sich, zusammen mit den aus dem Jahre 1933 herübergenommenen 10.623 Pfund, eine verfügbare Gowinnbilanz von 84.466 Pfund ergibt. Die Direktoren schlagen die Auswertung einer steuerfreien Dividende von 8% vor, wozu 24.068 Pfund erforderlich siud, ferner die Überweisung eines weiteren Betrages von 50.000 Pfund an den Reservefonds, der sodann auf 140.000 Pfund ansteigen würde. Der Bericht stellt fest, daß die Bank den Poeten „Anleihen, Vorschüsse und ähnliches“ um 679.000 Pfund, und das Portefeuille „Diskontierte Rechnungen“ um 287.000 Pfund erhöht hat. Die Geschäftsausdehiiuitg in Haifa machte eine Erweiterung der Räumlichkeiten notwendig, im Halbier Hadar-Hakunnel-Viertel und in der Siedlung Chederali wurden Zweigbüros eröffnet. STROHWITWER! Ausgezeichnetes Mittag-Menü S 1'80 u. 2'50 RESTAURANT tci.a-ic-.j-3o BARSCH AK II., Große gchiffgasse 8, nächst 8alztor!:>rücke Narodni Ltsty antlsemitelt wieder Man schreibt uns aus Prag, 20. d.: Unliebsames Aufsehen in jüdischen Kreisen erregte ein Artikel in der sonntägigen „Narodni Lißty, in welchem ziemlich unverhüllt mit T ä 11 i c li k e i t e n gegen deutschsprechende Juden gedroht wird. Wie bekannt. gehört das genannte Blatt den in der Nationalen Vereinigung aufgegangeuen ehemaligen Natioiialdeinokraten, die immer antisemitisch waren, obwohl eie auch einige Juden zu Mitgliedern zählen, ln dem Artikel wird ein offenbar e r f u u d e » e r Vorfall a u s Iv r e m s i e r zum Anlaß einer judenl'eindlielieii Hetze genommen. Dort soll nämlich ein Jude das Exemplar einer Zeitung, in der gegen das Deutsehsprechen der Juden Stellung genommen wurde, ostentativ zerrissen haben. Man darf derartige Dinge nicht geriugschätzen. Die von der ehemaligen Monarchie konsequent durebgeführte Germanisierung der Juden in Böhmen mul Mähren läßt sieh nicht in kurzer Zeit wettmaehen. Sicher ist, daß jüdische Kinder jetzt nur noch zu einem ganz geringen Prozentsatz in deutsche Schulen gehen. In einem knappen Jahrzehnt dürfte das Deutsche als Verkehrssprache unter den Juden kaum mehr eine Rolle spielen und nur von den älteren Generationen benützt werden. KUNSTCHRONIK Die jüdische Kleinkunstbühne im Entstehen Von Leopold Baum. Die ersten Schritte zur Schaffung einer jüdischen Kleinkunstbühne wurden bereits unternommen. Ein hervorragender Österreichischer Regisseur hat die künstlerische Lei-, tung der Kleinkunstbühne übernommen, er ist dabei von einem Stab begabter junger Schauspieler umgeben. Die Kleinkunstbühne hat sich dem J u n g b u n d im Bunde Jüdischer Frontsoldaten eingeordnet und wird mit diesem gemeinsam an der Verwirklichung der kulturellen Ziele arbeiten. Die leitenden Kräfte der Kleinkunstbühne bieten Gewähr dafür, daß diese Institution sich keinesfalls ausschließlich in den Dienst oberflächlicher Unterhaltung' stellen wird. Sie wird sich vielmehr bemühen, dem Geiste der Zeit und der jüdischen Wirklichkeit gerecht zu werden. Jungen, begabten jüdischen Autoren und Komponisten wird die Möglichkeit geboten, sich der Öffentlichkeit vorzustellen. Sie wer-: den gebeteu, geeignete Arbeiten an dio Adresse Leopold Rosunb a u m, Wien, HL* Rasumofskygasse 24—26, Tel. B-56-7-19, ein« zusenden. Streng rituell! Pension HERMINE EICHNER BADEN, ROLLETTGASSE N**. 7 Ganzjährig geöffnet. Zentralheizung. Fließendes Warmu. Kaltwasser Telephon Nr. 1032/4 Brandmanji geht nach Palästina. Zu Ehren seines vou Wien scheidenden Dirigenten Israel B r a ud m a n u, der nach Palästina iibersiodolt, veranstaltete der Wiener Jüdische G o* saugverein eine Feier, zu welcher sieh nahezu sämtliche Vereinsmilglieder ujul viele persönliche Freunde und Verehrer des beliebten Chormeisters eingefunden butten. Obmann P o p p c r richtete an den Dirigenten eiiiu herzliche Ansprache, in welcher er die Verdienste Brandmanns um den Verein hervorhob, den Dirigenten und 'sein künstlerisches Wirken würdigte und ihm das Diplom über die Ernennung zum Ehreudirigenteu des Vereines überreichte. Weiters sprachen Dr. Josef Lüwy und die Voreinsmitglieder M a u d l, S l a d l e i’ und Mark, denen Chormeister Brandmanit tiefbewegt seinen Dank für dio ihm erwiesenen Ehrungen zum Ausdruck brachte. Nach den Ansprachen lauschte» die Anwesenden den Gesangsvort rügen der Oberkantoren M a r g u l i e s ulkt M ii l l e r und des Yoreinsmiigliedes Frl. Grete Körner, dio BoiXullbslünms Inirvorriefen. Auch die Vorträge 4^524537