Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 477 (23.8.1935)
- Date
- 1935-08-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 177 — 23. August' 1035 Ham Polen Mills und benuem Fnsere nächste Heise erfolgt am 25. August. Rückfahrten am 1. und 15. September fl-Ztfge. Ptillmanwagzit and reservierte Plätze ReitebUro „i N DIE WELT" (Dr. S. locker) IX., Liecfiferrstemstraße 2 — Telephon A 14-504 praktische NEUHEITI! dos jüdischen Volkes zu eine ni E d e I d a s e i u. Potenziell und logisch istdie Judenfrage schon jetzt im Zionismus gelöst, ln Erez Israel einfach durch die Existenz eines innerlich selbständigen kleinen Volkes mit Sprache. Kultur. Lebensünie, die ihm eigen sind. Das Land prosperiert. Seit dalircn prophezeit man den Krach. Die Wirklichkeit aber zeigt bisher keine ^pur einer Depression: mir ArbeiLhünde fehlen. Das ist Sporthemd mit Reservekragen aus feinstem Seidenpoplin in allen Modefarben . . . 8 50 sowie a(le Artikel in Wäsche und Wirkwaren billigst bei BERGMANN, I., RABENSTEIG 3, TEL. U 20-709 HIMMELPFORTGASSE 5, TEL. R 95-8-84 KOLLNERHOFGASSE 1, TEL. R 26-8-99 der einzige Lichtstrahl, und das soll der letzte Strich ini Bilde sein, welches die Lage der Juden in der Welt in den Jahren 1933 bis 1035 darstellt. Die ersten Vorberatungen Luzern, 10. August. Der Kongreß drückt der Stadt Luzern sein Gepräge auf. Am Bahnhofperrou und auf dem neben dem Bahnhof liegenden Kongreßgebäude weht die blauweiße Fahne. Überall sicht man Gruppen von Kongreßteilnehmern und Gästen, insbesondere viele Jugendliche, die nach Luzern getippelt“ sind. Die Büros der Exekutive befinden sich gegenüber dem Kangreßgebaude am anderen Seeufer im Hotel Luzerner Hof, wo auch bereits Sitzungen der Fraktionen stattfinden. Überall hört man die Frage: Wird der Kongreß den Frieden bringen? Die Meinungen sind kaum optimistisch zu nennen. Gerüchte durchschwirren die Stadt. Nah um Goldraann wird nicht Präsident des Kongresses. Die aus Deutschland eingetroffenen 34 Delegierten sind wegen Goldananns Stellung gegenüber dem Dritten Reich dagegen. Wird Ussischkin Präsident? Auch Kaplanskys Name wird genannt. Inzwischen ist Weitzmanns Wahl gesichert. Ebenso wie über die Person des Präsidenten des Kongresses werden Mutmaßungen über den zukünftigen Präsidenten der Exekutive angestellt. Lebhafte Diskussionen gibt es wegen der deutschen Delegation, die aus 7 Mierachisten, 13 Arbeiterparteilern, 14 Allgemeinen Zionisten Gruppe A und 2 — angeblich — der Gruppe ß bestehen. Die deutschen Delegierten hüllen sich — begreiflicherweise — in Schweigen. Ihre 34 Delogierten sind jeden falls ein wichtiger Faktor am Kongreß, de ungefähr 4-15 Delegierte zählen wird, und zwar 222 Linke, 65 Misraohisten aller Rieh tiingen, 13 Judenstaatler, 74 Allgemeine Zio nisten der Weltvereinigung, 50 Allgemeine Zionisten des Weltverbandes und IS „neu trale“ Allgemeine Zionisten. Zwischen den Parteien haben bereits über Einladung der Arbeiterpartei Beratungen stattgefunden. Der Weltverband der Allge meinen Zionisten hat ein Elaborat über eine gemeinsame Arbeitsplattform und eine Koa litionsexekutive fertiggestellt und der Ar beiterpartei übermittelt. Die Chancen für eine große Koalition sind gering-. Misraclii dürfte in die Koalitionsexekutive eintreten In Krakau hat der linke Flügel des MIsraeli gesiegt und Farbstein hat die Konferenz verlassen. Schapira vom Hapoel Hamisrach dürfte in die Exekutive kommen. Als Haupthindernis für eine große Koalition wird dm Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten betrachtet, der man nachsagt, daß einige ihrer führenden Männer die intransigenten und radikalen Mitglieder der Linken in ihrer Unnachgiebigkeit bestärken. Die nächsten Tage werden wohl Klarheit bringen. Überführung der Leiche Herzls schon wieder verschoben x Luzern, 20. August. In allen Fraktionen sind die Vorbereitungen für die Tagung des Kongresses im vollen Gang. Auch das Aktionskomitee hat bereits mehrere Sitzungen abgehalten. Ein Beschluß des Aktionskomitees wird berechtigten Unmut aus lösen. Auf der Tagesordnung befand sich als letzter Punkt der Tagesordnung der wiederholt verschobene Antrag auf Überführung der Leiche Theodor Herzls nach Palästina. Es wurde jedoch sofort bei Beginn der Tagung der Beschluß gefaßt, diese seit Jahreu anhängige Angelegenheit dem neuen Aktionskomitee zu übermitteln, das in seiner ersten Sitzung nach Schluß des Kongresses seinen Beschluß fassen soll. Es sind Bemühungen im Gange, um eine meritorischo Erledigung noch in Luzern zu ermöglichen. Das Aktionskomitee hat durch eine Reihe von Beschlüssen die Geschäftsordnung des Kongresses einschneidend geändert, und zwar: Es wird Fraktionszwang herrschen. Jeder Delegierte muß einer Fraktion angehören. Die Redezeit, die auf einen Delegierten entfällt, wird nur zwei Minuten betragen. Die Generaldebatte soll bis 25. August erledigt sein. Weiters: Die Zahl der Mitglieder der Kommissionen und des Pennanenzausschusses wird stark beschränkt. Auf die ersten 25 Mitglieder einer Fraktion entfällt zum Beispiel nur ein Vertreter im Permanemausseluifj. Der Perrna- •nenzansschuß beendet seine Tätigkeit mit der Nominierung der Mitglieder der Exekutive. Für alle anderen Wahlen (Kongreßgerieht, Jevish Agency usw.) wird ein N orniniei'ungsausschuß geschaffen. Diese und weitere Beschlüsse des Aktionskomitees sind auch unter Berücksichtigung der großen Zahl der Delegierten nicht ganz gerechtfertigt, dienen vielmehr der besseren Beherrschung des Kongresses durch die derzeitige Majorität. Die Verhandlungen der Parteien kommen erst langsam in Fluß. Der Welt verband der Allgemeinen Zionisten hat in einer Reihe von Kommissions- und Plenarsitzungen das ganze Kongreßprogramm durchbesprochen, wobei eine große Einmütigkeit der Auffassung zutage trat. Das Präsidium des Weltverbandes während der Kongreßtagung besteht aus Dr. Schwarzbart, Doktor Schmor ak, Dr. M o s si n s o n, S u p r as k i, Dr. Grönba« in, Neiger und Dr. Wolf (Litauen). Im Weltverband sind folgende Länder vertreten: Ostgalizien (18), Westgalizien (10), Kongreßpolen (2), Palästina (8), Österreich (3), Belgien (1), Holland (1), Litauen (2), Argentinien (2), Bulgarien (1), Ungarn (1). Dazu kommen noch wahrscheinlich zwei Mandate auf der Weltwahlliste. Der Welt verband steht in der Frage des Eintritts in eine Koalition auf dem Standpunkt, daß im Interesse der Befriedung der Organisation eine Koalition erstrebenswert ist, jedoch mir dann, wenn die berechtigten Forderungen des Woltverbandes in Ansehung von Alijah, Kolonisation und Ürgaiiisatiousrefonn weitestgehend berücksichtigt werden. Die Kardinal f ordern n g ist die Autonomie fiir den Irgun der Allgemein- ZionistLschen Arbeiter in der Histadruth. Die »Dr. Krüger-Heim« Zentralanstalt für Mädchenerziehung und Fortbildung Telephon A 40-0-77 Wien, II., Maixga»»» 7 Volks- und Hauptschule für Mädchen / Dreijährige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe / Zweijährige Fachschulo fiir Kdeidermaohen und WUscbowarener/eugung ßeth Jacob Religiorm * Lehrerinnen Seminar Zweijährige Kindergärtnerinnen-Hildurigsanstalf Einjähriger praktischer Fortbildungskurs für Maturantinnen / Prospekt auf Wunsch / Internat Streng religiöser Haushalt Gruppe A ist jedoch, wie es heißt, bereit, bedingungslos in eine Koalition zu gehen. Die Weltvrreinignng der Allgemeinen Zionisten mul die Linken sind an den Woltverbaml wegen Verhandlungen filier die Bildung der Exekutive und eine K o a 1 i f; i o n herangetreten. Der Weh verband lud die Einladungen angenommen und Vertreter nominiert. Die Konferenzen des Keren Hafessod und des Keren Kafemeth Luzern, 19. August. (2. T. A.) Die beiden Tagungen des Jüdischen Nationalem.! s und des Keren Ilajessod wurden am 16. August geschlossen, ohne daß das von den Direktorien getroffene Abkommen über die Abgrenzung der Arbeitsgebiete und Arbeit a m e t h o d e n der beiden Fonds endgültig ratifiziert worden wäre. In der Keren - ITajessod - Konferenz wurden von mehreren Rednern schwerwiegende Bedenken gegen das Abkommen vorgebracht, so daß der Eindruck entstand, daß die Differenzen zwischen den Leitungen der beiden Fonds noch am Kongreß einen starken Widerhall finden werden. Der Ilistadruth-Führer Mereminsky, der Hauptgegner der Ratifizierung des Abkommens, hat eine Reihe von Abänderungsvorschlägen gemacht. Es kam schließlich zur Einsetzung einer gemeinsamen Kommission aus Vertretern des Keren Hajessod und des Keren Kajerneth, der die endgültige Ratifizierung des Abkommens und die Ausarbeitung eines Kompromißentwurfes, der dem Kongreß vorgelegt werden soll, überlassen wurde. In der Schlußsitzung der Nationalfondskonferenz hielt Rabbi Stephen S. W i s e eine eindrucksvolle Rede, in der er erklärte, er stehe in der Frage des Abkommens auf der Seite des Jüdischen Nationalfonds, da die Erwerbung von Grund und Boden heute die wichtigste Aufgabe in Palästina sei. Die Keren-Kajemeth-Konferenz proklamierte die Aufbringung von einer Million Pfund in den nächsten zwei Jahren zu Zwecken der Bodenauslösung in Palästina und nahm eine Reihe anderer Resolutionen an, unter anderen über Schaffung einer inneren nationalen Anleihe. Konferenz der Palästina- Ämter Luzern, 19. August. (2.T. A.) Die Konferenz der Palästina-Ämter wurde im 16. August mit der Annahme einer Reihe von Resolutionen geschlossen, die sich auf eine strengere Kontrolle der II a c h s c h a r a.h und die Art der Zertifikate Verteilung beziehen. Jizchak G rii nb a u m erklärt, daß in Zukunft Chaluzim mit landwirtschaftlicher Vorbildung bei der Verteilung der Zertifikate bevorzugt werden würden. Bei der Zertifikateverteilung für die einzelnen Länder wird in erster Reihe die Zahl der in diesen Ländern vorhandenen landwirtschaftlich ausgebildeton Palästina-Anwärter, die gegenüber anderen Anwärtern zu bevorzugen bind, in Betracht gezogen werden. Die industriellen und Handwerker Palästinas an den Kongreß Tei-Aviv, 19. August. (2. T. A.) Der Verband der P a 1 ä s t i n a -1 n d us t, r i e 11 e n sandte ein 'Memorandum an die Delegierten, in welchem der Kongreß auf gefordert wird, von der .Mandatsregierung die Einführung von S c h n 1 z Zöllen und Kontingenten für Importe ans dem Ausland, ferner Bevorzugung der Palästina- Produktion bei ihren Einkäufen nsw. zu verlangen. Der Kongreß solle es allen natio-* na len Institutionen in der Galuth als Pflicht nul'erlegvn, sich der Palästina-Produkt ion (Tozerel Haarez) zu bedienen und ffir sic zu werben. 1 )rr II a n d w c r k e r v e r b a n d P a< I ä s t i n a s sandte ein Memorandum, in welchem billig e K r e d i 1 e für die Handwerker, Boden des Keren Kajerneth für moderne Werkstätten, neutrale! Arbeitsbiiros und Zertifikate für qualifizierte Handwerker verlangt werden. Die „Wiener Zeitungu über, den Revisionistenkongreß Die amtliche ..Wiener Zeitung“ veröffentlicht am 21. (1. einen längeren Aufsatz, in welchem die Fragen des Luzerner Kongresses erörtert werden. Am Schlüsse wird gesagt: ..Während solcherart e i n e ernste u n d (»f f e n 11 i c h e i n g e s e t z t e K ö r p ersehn f t Fragen erwägt, die tief in die Geschichte unserer Zeit greifen und die höchste moralische Verantwortung erfordern, wird in Wien eine Partei einen Kongreß abhalten, die sieh ,,N e u e z i o n i s l i s e h o 0 r g a n i s a t i o ir‘ nennt und aus der Gruppe der von Wladimir J a b o 1: i n s k y geführten Revisionisten besteht, die ans der zionistischen Organisation ausgetreten sind. E in Au ß e n s t o h e n d er w i r d e s k a n in 1) o g r e i f e n, w a r u ui f ii r e i rill n d d a s s e 1 b e — J u d e n s t a a t, ö f fn u n g T r a n s j o r d a n i e n s — zwei K o n g resse s t a t t finden soll e u, warum die Tätigkeit der alten Organisation, die seit 30 Jahren unter den Augen der Öffentlichkeit wirkt und fast eine halbe Mit-, lion Menschen angcsiedelt, zum Boden zu-. rückgeführt hat, durch eine neue 0 rg a u i s a t i o n gestört we r den s o 1!, Doch das sind letzten Endes doch mehr interne Dinge. Tatsache ist und bleibt: Die Nationalversammlung, die das Interesse und das Wohlwollen der Kulturwelt durch pflichtbewußte Arbeit für sich gewonnen hat, tagt in Luzern. Hinter ihr steht über eine Million g e r e i f t er, er f a hr e n e r Menschen, die weiß, daß man die Frage der Regenerierung eines Volkes nicht mit Hurra lösen kann.“ BETEILIGUNG: Biete Gewerbeschein, seit loos bestehend, sowie Wohnung, I. Bez., nächst Stephans« piatz Zuschriften: „Kunstgewerbe, Lingerie, Kinderkleider usw.“ Shertoh bei Chefsekretär Hall Jerusalem, 19. August. (2. T. A.) Chefsekretär Hall, der den Oberkommis-i sär Sir Arthur Wauchope während seines Aufenthaltes in London vertritt, hat am 16. August den politischen Dezernenten der Palästina-Exekutive der Jewisli Ageaicy Mosche S h e r t o k vor dessen Abreise zu den Tagungen in Luzern empfangen und mit ihm eine Reihe von P a l ä s t i n a - P r oblenien eingehend erörtert. Für die Zeit des Zionistenkongressos und der Tagung der Jewisli Agency, zu denen sämtliche Mitglieder der Palästina-Exekutive sich begeben haben, wurde eine ln t o r i m sleitung der Ämter der Exekutive, bestehend aus dem Vorsitzenden des Waad Leumi Jizchak Bcri Zwi und Dr. Felix R o ö c n b 1 ü t li eingesetzt. Illegale Einwanderer Jerusalem, 19. August. (2. T. A.) An der Nordgrenze Palästinas wurden soeben wiederum e t w a 50 J u d e n, in der Mehrzahl F r a u e n u n d K i n d e r, bei dem Versacli, die Grenze nach Palästina illegal zu überschreiten, verhaftet und in das G e f ä n g n i s v o n II a i f a gebracht. Der Prozeß gegen sie wird in beschleunigtem Verfahren schon demnächst stnttfiuden. In Polen und Czernowitz wellende Feriengürtte haben günstige R U c I; f u li r t möglioh- Koiton mit den Gesellselialtsreiscn des Reisebüros .,1 r u t“ aus Czernowitz nach Wien am 1. und 15. September. Anmeldungen und Einzahlungen: Reisebüro „Irut“, Wien, L._ Karlsplatz 1, Telephon U 41-5-7!). On Czeruowitz dureli’ das Itiesebüro der Bukowinaer Sparkasse, Ringplatz 2.)