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Die Stimme · 1935-08-23 · Heft 477 (23.8.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 477 (23.8.1935)
Date
1935-08-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 477 — 23. August 1035 DIB STIMM! Seit® 3 Wegen Auslandrelse modern möbl. Schlaf-, Speise- und Mädchenzimmer, Bad, Küche, Telephon für längere Zelt abzugeben Toi. B 47.8-20 (12-18 Uhr) Ausrottungskampfes gegen ein [wehrloses Häufchen eigener Staatsbürger „semitischer Rasse“ mit ihren Frauen, Greisen und Kindern konzentriert! Wüßte man nicht, wie die „Weltbeherrsch ungdurch die Juden“, wie das „B 1 u t m il r c h e n“, wie die „Prot okolle der Ältesten von Zion“ und ähnliche absurde Erdichtungen gemacht werden; wie die widersinnige Identifizierung des Judentums, je nach Bedarf, mit Marxismus, Kapitalismus, Konservativismus, Liberalismus usw., wie die Fabeln über den Reichtum der Juden, wie dio Verallgemeinerung und das Breittreten der Vergehen einzelner Juden, neben dem Totschweigen schwerer zahlreicher Vergehen auf nichtjüdischer Seite — fabriziert werden, so könnte man, in Anbetracht dieser fixen Idee um Juden und Judentum, dieser Monomanie einer mächtigen herrschenden Partei mit dem einzigen Inhalt und Programm: „Jude“, schier ein jüdischer Chauvinist werden. Aber wir kennen den Antisemitismus zu lange, als daß wir uns von seinen Wahnvorstellungen irreleiten lassen könnten. Erez Israel und Gleichberechtigung in der Diaspora Wir sind ganz und gar auf unsere eigene moralische Kraft angewiesen und können aus diesem gegen uns geführten Krieg nur durch unsere innere Arbeit unzerstört hervorgehen. Arbeit und Prinzipientreue. Wir sagen: die Gleichberechtigung ist unantastbar und voll in Geltung. Wir verzichten nicht. Hier geht es nicht allein um die Judenschaft Deutschlands, sondern um die gesamte jüdische Diaspora. Der Kampf tobt gegen die „jüdische Rasse“. Wir alle, die Juden der Welt, sind stolz darauf, dieser Alt werden und jung bleiben mOclite jeder. So schwierig es scheint, es ist dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel dazu ist DIANA- Franzbranntwein mit Menthol. Massagen (Einreibungen) mit Diana-Franzbranntwein erfüllen £nit verjüngender Kraft. Ebenso wertvoll zur Alund- und Haarpflege. Und dabei sehr billig, ln jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana“ und nehmen Sie nur „Diana“. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. Rasse anzugehören. Und wenn die Idee der Emanzipation angefochten wird, so sind auch nicht unsere Brüder in Deutschland die einzigen Juden, die die Gleichberechtigung errungen haben. Die Juden aller zivilisierten Länder der Welt sind gleichberechtigt. Es ist also eine Existenzfrage für die ganze jüdische Diaspora. Mutige Ausdauer uncl nie ermüdende Geduld müssen in der Frage der Gleichberechtigung die Leitidee sein. Dio Erkenntnis der Wahrheit reift langsam und bedarf eines um so längeren Zeitraumes, jo verbreiteter und eingewurzelter der Irrtum ist. Erez Israel und Gleichberechtigung in der Diaspora. Wir haben dieses Programm einmütig auf all unseren Konferenzen im Jahre 1917 gefaßt und wir traten mit demselben vor die Friedenskonferenz in getrennten, inhaltlich aber zusammenfließenden Forderungen. Das sind unsero Postulate. Sie bedingen sich gegenseitig. Das eine ist ohne das andere nicht gegeben. Ein entrechtetes Ghetto J n d o n t u nt kann nur o i n Ghetto bauen. Auf baufälligen Kehilla-Fundantenten kann man kein Nationalheim errichten. Ein verfolgtes, gehetztes, von Pogromen oder Ausnahmegesetzen bedrohtes Diaspora- Judentum kann für den Ausbau des Nationalheims wenig oder nichts leisten. Eine jüdische Diaspora gab es seit jeher und wird os immer in größerem oder kleinorom Maßstabo geben. Dio Sorge um unser ganzes Volk ist eine Grundlage des Zionismus. Der Zionist kann und will nicht ein Staatenloser sein. Zionismus bedeutet nicht eine Austreibung der Judon nach Palästina, sondern eine freiwillige Rückkehr Israels nach Erez. Die Lage der Juden in Poten Zur Frage der Juden in Polen sagte Sokolow: Die überwiegende Mehrheit der jüdischen Bevölkerung besteht aus besitzlosen und am Rand der Erwerbslosigkeit stehenden Massen. Sie nagen am Hungertuche. Die alte Handwerkerklasse, dio einen großen Teil der Judenschaft in großen und kleinen Gemeinden bildet — in Wilna zum Beispiel über 30 Prozent — befindet sich in ganz besonderer Bedrängnis und ist der Öffentlichen Wohltätigkeit anheimgegeben, zu einem großen Teil sogar obdachlos. Jüdische Wohltätigkeit in den Gemeinden hatte immer die Existenz eines wirtschaftlich kräftigen Mittelstandes zur Voraussetzung. Nun ist dieser Mittelstand vollständig zerrüttet. Es muß zur Ehre der Wahrheit gesagt werden, daß der Opfersinn des polnischen Juden noch immer bewunderungswürdig ist. Es ist menschlich erhebend, zu sehen, wie der in den bescheidensten Verhältnissen lebende Jude sich die schwersten Entbehrungen auferlegt, um seine Gemeinde zu erhalten und seinen notleidenden Verwandten und Freunden zu helfen; es ist national erhebend, zu sehen, wie dieser Ärmste sich den Bissen vom Munde abspart, um seinen Beitrag für unsere zionistischen Fonds zu entrichten. Man hört jetzt in Polen von nichts anderem als von Palästina-Zertifikaten. Und noch eins: Es kommt auch Geld aus Erez Israel. Anstatt der früheren amerikanischen Dollars, kommen jetzt englische Pfunde in ganz großen Beträgen von den in Erez Arbeitenden an die alten, hungernden Eltern und Familienangehörigen: wirklich im Schweiße des Angesichts erarbeitetes Geld der Pioniere des Ackerbaues im Emek usw. Zehntausende jüdische Familien in Polen leben schon jetzt von Erez Israel. Zionismus in Polen ist nicht allein eine große Sehnsucht nach einer besseren, schöneren Welt — das ist er auch —, aber er ist noch außerdem zum letzten Brocken geworden — dank dem Gelde aus Erez —, das nackte Leben zu erhalten. Wir müssen mit dieser elementaren Tatsache rechnen. Der Revisionismus Es liegt ein gutes Stück unbeabsichtigter Komik darin, daß man in gewissen Kreisen uns beschuldigt, nicht oft genug und nicht mit genügend prahlerischer Großtuerei die Beschleunigung des Aufbauprozesses in Erez und die sofortige Abschaffung aller Hemmungen womöglich durch häufige Kundgebungen zustande zu bringen. Die Stürmer, die diese Frage polemisch breittreten, die nicht das Gleichgewicht halten, das Problem auf Grund einer langen Praxis, gründlicher Sachkenntnis und vielseitiger Beobachtungen und Erfahrungen objektiv zu behandeln, wollen folgende zwei Dinge nicht begreifen: Wir alle wollen die Schaffung eines großen jüdischen Nationalheims in möglichst raschem Tempo und im Rahmen entsprechender Verhandlungen in Wort und Schrift unaufhörlich fordern; es bedarf also hiezu keiner neuen Parteibildungen und keiner inneren Zerwürfnisse, die nur geeignet sind, die konzentrierte Stoßkraft der Organisation abzuscbwäcben. Hoffnung darf nicht überspannt werden, sondern sie muß vielmehr auf realen Tatsachen ruhen: daß es eben nur auf dem Weg systematischer Entwicklung, durch weise Mäßigung und strenge Selbstbeschränkung, Schritt auf Schritt gelingen werden, das begonnene Werk zu schützen, zu fördern, alte Widerstände friedlich zu überwinden und eventuell neuen siegreich Trotz zu bieten. Wohingegen ein Sprung in die unsichere Sphäre einer Konjunktur- und Kombinationspolitik durch ungeahnte phantastische Methoden und ungenügend durchdachte Hypotheken leider ein bedenklicher salto mortale ist, da doch die Faktoren politischer Meteorologie unberechenbar, die Stimmungen und Launen unsicher, die Krisen und Sorgen schwer und kompliziert sind und der Antisemitismus Verlegenheiten bereitet. Wir berühren diese schmerzhafte Frage in Verbindung mit Polen, weil ihr eigentlicher Schwerpunkt in den jüdischen Massenzentren Polens liegt. Hier hat sich dio Kluft zwischen den Erwartungen der notleidenden jüdischen Massen und der Wirklichkeit Erez Israels aufgotan. Wir können uns kaum einen groteskeren Mythos denken, als die Vorstellung einer ExistenzberechtigungzweierzionistischerPart e i e n, von denen die eine eine freiwillige Alijah vieler, die andere eine unfreiwillige Alijah weniger Juden nach Erez Israel erstrebt. Das sind Hirngespinste. Die tatsächliche Lage stellt sicli folgendermaßen dar: Erez Israel ist ein großes A k t i v u m, nicht allein in geistiger, sondern auch schon in wirtschaflicher Beziehung in der Existenz der Judenschaft Polens geworden. Es liegt aber im wohlverstandenen Interesse der polnischen Judenheit nicht, daß man einfach die Massen nach Erez abwälze. Die Alijah ist weder eine Abwälzung, noch eine Auswanderung von Individuen im landläufigen Sinne, wie man zum Beispiel vor 30 bis 40 Jahren nach Amerika zu wandern pflegte, sondern ein nationales Kulturwerk, bei dem Qualität mehr als Quantität bedeutet. Man muß auch, gleichviel, ob man will oder nicht, die Widerstände in Erez mit in Kauf nehmen. Nicht wir haben sie geschaffen, und nicht in unserer Macht liegt es, sie einfach wegzublasen. Es ist auch naiv, zu glauben, man könne hier, wie etwa bei einer mittelalterlichen Disputation, alle maßgebenden Faktoren überzeugen. Gewiß ist die Aufklärungsarbeit wichtig, sie wird auch mehr und mehr gefördert, aber der Glaube an die unmittelbare Wirkung ihres Effektes ist ein kritikloser Wunderglaube. Billige Sonderfahrten | nath Polen u.(zernowitz| Abfahrten: 26. August, 8., 15., 25. und26. September; H Rückfahrten: 15. September, 21. Oktober H EDAklfODAI11 Wien III., Rennweg 1 H „rllArlwrUL Telephon U 16.4-90 | Die übrigen Staaten In Österreich ist die Judenfrage mit der politischen Lage eng verbunden. In der großen, ehemals blühenden jüdischen Gemeinde Wien herrscht bittere Not, die kleinen Gemeinden auf dem Lande sind schwer bedrängt. Die ungarische Judenschaft, früher wirtschaftlich kräftig und politisch einflußreich, ist numerisch stark reduziert und von ihrer früheren Position zurückgedrängt. Man ist froh, daß die aggressive Form des Antisemitismus g-eschwächt worden ist. Die zahlenmäßig in Europa nach Polen größte Judenschaft lebt in Rumänien. Alt-Rumänien ist der klassische Boden der Judenfrage, die jetzt auch Groß-Riunänien umfaßt. Die Antisemiten hören nicht auf, die Volksmassen und besonders die Jugend gegen die Juden aufzureizen. Auch ist die wirtschaftliche Lage schwerer geworden. Der Notstand ist groß — und Erez Israel ist das Land der Sehnsucht um so mehr, als die Juden Rumäniens in Erez seit langer Zeit einen großen und geachteten Platz einnehmen. In der Türkei ist die Judenheit stark zurückgegangen uncl verarmt. Sie erlebte — zum erstenmal in ihrer Geschichte! — Pogrome und Auswanderungstragödien in Thrazien. Ein extremistischer türkischer Nationalismus richtet sich gegen die harmloseste jüdische Kulturarbeit, wie zum Beispiel Bnei Brith und dergleichen. In Algier hatte der Antisemitismus schon lange eine Brutstätte wildester Agitation. Im vorigen Jahre feierte er seine Orgien in der Gestalt furchtbarer, blutiger Pogrome. In mehreren orientalischen Ländern, wie zum Beispiel Afghanistan, Persien, Buchara, hat sich die Lage verschlimmert. Wenn man hört, welche barbarischen Maßregeln im Völkerbundsstaat Afghanistan gegen das Häuflein Juden, das dort lebt, ins Werk gesetzt werden, s o fragt man sich, ob es noch einen Völkerbund gebe. Solche Verfolgun gen schänden das Ansehen des Völkerbundes. Die Juden in Persien, die dort seit undenkbaren Zeiten gelebt haben, befinden sich in einer überaus gedrückten Stellung. Es sind fleißige, rührige, arbeitsame Menschen, die Schikanen, rohen Willkürakten und einer beschimpfenden Behandlung ausgesetzt sind. In Buchara herrscht trostloses Elend. Nicht besser ist das Los unerer Brüder im Yemen, in K u r d i s ta n, in G eorgien (jetzt Sowjetland). Sie kommen oft zu Fuß, ein Bild jeremianisohen Jammers, nach ihrem „Jeruscholajim“, der einzigen Zuflucht, dem einzigen Ziel ihrer Hoffnung. Es kommen Greise, patriarchalische Gestalten, weißbärtige Rab¬ bis, auch junge Pioniere und ältere Arbeiter mit Frauen und Kindern. Das ist unsere orientalische Alijah! Eine heilige Bewegung, ein primitives biblisches Drama. Sie bekommen oftmals zu hören, sie seien „illegal“. Eine solche Tragödie können nur Juden erleben. Aber Erez Israel tut sein Teil, sonst, niemand. Es war einmal eine Alliance Israelite Universelle. Aber wer kümmert sich noch heutzutage um die Juden in fernen Ländern? Gibt es keine einflußreichen Männer unseres Stammes mehr, denen das Schicksal ihrer unglücklichen Brüder in jenen exotischen Ländern am Herzen liegt? Ist kein Adolph Crömieux und Moses Montefiore da? In England kann glücklicherweise die antisemitische Sumpfpflanze keine Würze! fassen; sie vegetiert kürmmerlich. Aber man kann auch Vorurteile gegen Juden in manchen Kreisen Englands finden. Wir wollen uns aber hüten, an unseren alten Freunden die Flecken mit der Lupe zu suchen. Selbst Südafrika scheint nicht ganz immun zu sein. Neuerdings ist dort eine Reihe von Jugendvereinen entstanden, die den Antisemitismus in den verschiedensten Nuancen seiner Demagogie und Verleumdungskunst vertreten. Sie machten auch die berüchtigte Fälschung der „Protokolle der Ältesten von Zion“ zu ihrem Hauptbuch, was zu einem großen Prözeß am Obersten Gerichtshof in Grahamstown führte. Die Schuldigen sind auch streng bestraft worden. Das half aber nichts. Die begeisterten Judenfeinde schmücken sich weiter mit dem Hakenkreuz und haben auch kleine Pogrome versucht. Es liegt ein Stück Ironie darin, daß auf dem schwarzen Kontinent, wo die Weißen überhaupt eine Minorität Eine Sensation ist die Wirtschaftswoche ab 26. August im neueröffneten Wirtschaftshaus Victoria VII., Neubaugasse 3, Ecke Mariahilferstr. Neu „Porzellan nach Gewicht“ Neu sind, Versuche gemacht werden, die Rassen gegeneinander aufzuhetzen. Da wäre schon ein Hottentotte oder ein Kaffer eher berechtigt, als Anti-Arier aufzutreten. Glücklicherweise sind letztere noch nicht so „zivilisiert“. Die Lösung der Judenfrage Sokolow schloß: Die Tragödie gipfelt in der Frage: Was soll aus unseren unglücklichen Brüdern werden? Wir Zionisten tun unser Teil durch Erez Israel —, aber dio Frage im ganzen und für die unmittelbare Zukunft ist ungelöst. Sie kann und wird nie anders als durch den Zionismus gelöst werden, denn dio Flügel der jüdischen Philanthropie ermatten. Ist der Zionismus die Lösung der Judenfrage? Ja-, auch materiell ist er die Lösung der Judenfrage — wenigstens eines bedeutenden Teilps derselben —, durch das Nationalheim in Erez Israel. Aber das ist nicht alles. Die Verfolgten aufzurichten, ihre bedrückten Herzen freizumachon, ist das tiefe Geheimnis des geistigen Zionismus für dio Lösung der Judenfrage. Der Zionismus ist die Erziehung ERSTKLASSIGES Mädchenpensionat MINA RUND, & KTJ! In Verbindung mit sämtlichen Schultypen Sport / Sprachen / Musik im Hause. Zeitgemäße Preise, Prospekte

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