Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-08-23 · Heft 477 (23.8.1935) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 477 (23.8.1935)
Date
1935-08-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054232--5255-3060971
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seife 2. yviiw 11 MHBwrsi DIE STIMME Nr. 177 'August IDiN» Der Kongreß in Luzern Sokolows Eröffnungsrede Luzern, -20. August. (-I.T. Ad Sokolow g\-ib einen Rückblick über die materiellen und geistigen Errungenschaften lies Zionismus in den zwei Jahren seit dem Prager Kongreß und führte aus: Die Augen der Juden der ganzen AVolt sind heute auf diese Stätte gerichtet, wo von w e i t m e h r a 1 s e i n o ü d i s c h e r \Y ä h 1 e r versam um zu beraten, was in diesen Beauftragte Million nielt sind, schweren Leidenstagen für unser Volk zu tun sei. Selten war ein Zionistenkongreß von größerer Wichtigkeit und Bedeutung a dieser. Der erste Kongreß, der vor etwa 40 Jahren, ebenfalls in dieser gesegneten und gastfreundlichen Schweiz, abgehalten wurde war Gegenstand von Liebe und Haß in unserem Volk: auf dei einen Seite die Enthusiasten mit der Hoffnung auf die jüdische Wiedergeburt in der alten Heimat im Herren und den Gesang von den Zedern des Libanon auf den Lippen, auf der anderen Seite die Gläubigen der Emanzipation, die die Zionisten als Abtrünnige und Zerstörer betrach teten. Heute ist die Atmosphäre in dieser Beziehung ruhiger geworden; in beiden Lagern herrscht Ernüchterung. In den letzten zwei Jahren fehlte es auch in unseren eigenen Reihen nicht an Zweiflern. Diese Über- ScMSCskarten nach Palästina günstigen Bedingungen durch zu IX. Bezirk. Spitalgasse 3, Tel. B 42-5-38 klugen haben ihren Glauben an das, was sie als ..reine Sentimentalität" bezeichnet haben, aufgegeben lind sind zu Skeptikern geworden. Sie glauben, die Kette, die uns Zionisten zusammenschließt, sei zerreißbar. Viele Pessimisten kleideten ihre „bösen Ahnungen“ in die Worte: es sei unsinnig, zu erwarten, daß irgend eine jüdische Gemeinschaft auch weiterhin freigebig zu unseren Fonds beisteuern werde. Die Meinungsverschiedenheiten und Konflikte in unseren Reihen wurden übertrieben, es wurde gesagt, daß der Gedanke eines großen Zionistenkongresses eine Illusion sei. Unsere Skeptiker haben einen großen Mangel an Vorstellungskraft bewiesen. Sie wurden durch die Summe der Einkünfte unserer beiden Fonds in den letzten Jahren, durch die Million verkaufter Schekel total widerlegt. Taten reden lauter als Worte. Sogar die Beziehungen der außerhalb unserer Organisation stehenden jüdischen Kreise zu uns sind ganz andere als in den Zeiten der ersten Kongresse. K e i n J u d e denkt heute mehr, P a I ä s t i n a a u f z ugeben und die F ä den einer 4000 jährigen Geschichte des j ti- Stem’sche Schulu. Erziehungsanstalt -Sühuldirekfion: Malvire Friedmann Wien, 1. Bezirk, Werdertorgasse 12 anUrrnrhnln (Knaben u. Mädchen), 9-Uhr-Beßinn, Üffenl- JOIKiSllllllB lichkeilarecht iauptuHule mit Franz., Engl., Latein (nach Wahl);...liir die MiildstMc iMMe Suratiikurse M :ue Schultyps für schul- PnilOIUChlllO D*11' un(1 entlassene Märlehen: I lUUClJjlllUlC zsveijühric/J Aimerneinniiduna (l'r-mdHpraehen, Literatur, Kunst- Internal liichte) — II. Praktische Ausbildung (Hamb-lsnieber, hie, MaHchinschreiben) — Ul. Moderner Kochnd HaußhaltungskurJ onn-hnim Musik, Sport, Kunstgewerbe fJULHUlIII Großer Garten Telephon U 28-1-97 d i s c h en Volk 0 s zu z 0 r r c i ß c ri. Seitdem unsere Formen Realität geworden sind, sind uns. den Dichtern und Träumern von einst, die Realisten näher gekommen. Wir empfangen sie in brüderlichem Geiste, mit offenen Armen. Wir wünschen mit. ihnen gemeinsam u n s e r e u alten T raum einer volle rt R e n a i s s a n e e zu verwirklichen. Dieser Kongreß Dt ein neuer Zeuge für den Fortsehritt, den der Ziuni-inuin den letzten Jahren erzielt hat, Eine Zeit voll Wandlungen, reich an Geschehnissen, zieht an unserem Gedächtnis vorbei. In der letzten Zwischen-Kongreß-Periode war ein Aufstieg auf der ganzen Linie zu verzeichnen. Überall blüht neues Leben. Die Konsolidierung unserer landwirtschaftlichen Siedlungen auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds ist in einem stetigen aktiven Fortschritt begriffen, neue Plantagen und Kolonien gesellten sich in großer Zahl zu den alten und der Keren Hajessod arbeitet stetig und opferwillig für ihre Entwicklung und Prosperität. Eine neue große Zivilisations aufgabe haben wir mit der Erwerbung der Huleh-Konzession auf uns ge nommen, wir eröffnen ein neues Feld jiidi scher Pionierarbeit in M e j - M e r o *ti Tausende Jahre alte Sümpfe werden aus getrocknet, neue große Strecken in Palä stina werden saniert, ein neuer Rayon der Zivilisation wird eröffnet, trockene Böden werden bewässert. Die Außenwelt schaut bewundernd auf die schnelle materielle und geistige Entwicklung in Palästina. Unsere Chaluzim sind in dem Emek Jesreel, der noch 1920 eine Wüste ohne Weg und Steg war, eingedrungen und haben den alten Scharon mit blühenden Feldern und prächtigen Gärten bedeckt. Die großen elektrischen Anlagen am Toten Meer liefern dem Lande ihre Arbeitskraft, helfen die natür liehen Schätze des Landes entwickeln und neue Industrien aufbauen. Sie haben in den letzten zwei Jahren ihr Tätigkeitsfeld stark erweitert. Die Einwanderung jüdischer Arbeit ana jüdischen Kapitals hat in den zwei Jahren ungeheure Fortschritte gemacht. Knapp 100.000 Juden haben wir ins Land gebracht. Tel-Aviv wurde Großstadt. Unsere Herzen schlagen höher, wenn wir daran denken, daß dort, wo noch vor 26 Jahren Sanddütion waren, jetzt in ihrem Glanze die erste molerne, rein jüdische Stadt steht. Hier begegnen sich auf der Levante-Messe dreißig Völker in friedlichem Wettbewerb. Gekrönt st diese Ausstellung durch das schon traditionell gewordene Sportfest unseres Mak-;abi. Die kulturellen Erfolge des Zionismus ind noch wichtiger als der materielle Fortchritt. Die kulturellen Werte des Zionismus haben eine gesundmachende Wirkung *,uf irtser Volk ausgeiibt. Diese Werte haben die fedemütigten erhöht, die Getretenen ermutigt, sie haben uns Selbstachtung gelehrt, sie ößen uns Stolz ein über unsere Vergangenheit und Mut zu unserer Zukunft. Der größte Erfolg ist die Wiederbelebung der Sprache unserer Heiligen Schrift in Palästina. Dieses Werk muß entwickelt und vertieft werden. Mehr als bisher müssen wir das Hebräische verbreiten. Denn das Wort ist Kraft und Kraft ist Tat. Wir vertrauen darauf, daß der Kongreß den Aufgaben der zionistischen Kultur nicht nur sympathische Aufmerksamkeit, sondern auch in weitestem Maße Mittel aus seinen Fonds widmen wird. Die hebräische Literatur war der Vorläufer des Zionismus. Die jüdische nationale Idee hat von ihr ihren Atem bekommen. Wir müssen zu diesem Quell zurückkehren. Die Hebräische U n i v e r s i t ä t, die Krone unserer Kultur in Palästina, feierte den zehnten Jahrestag ihrer Existenz. Es ist jetzt der Grundstein gelegt worden für einen Bau der medizinischen Fakultät. Die Zalti unserer Institutionen wuchs in Qualität und Quantität; das Daniel-Sief-Institut in Bechowot wird von Dr. Weizmann geleitet, auf dem Berge Tabor entstand die neue Kaduiirie-Aokerbauschulo. Unser Erzieh 1.1 n g s w e r k wird uns noch lange beschäftigen; ohne Unterbrechung und ohne Übereile werden wir dieses große Werk in Zusammenarbeit mit unseren Kulturpionieren, den Hcbräisch-Lekrem und dem Wand Leumi, verbreitern. Der Aufbau der nationalen Erziehung ist heilige Pflicht, fiir unsere Organisation. Finanziell haben wir unser Hans in Ordnung gebracht. Wir haben dem Zionismus die Achtung der ganzen Welt durch stützen und stellten unsere Energie In den Dienst, des Keren Hajessod, dessen außerordentliche Wichtigkeit außer jeder Frage .steht. Das Getentm censeo des Keren Kajemeth lautet: „Mehr Boden, mehr 11 a t i 0 n a I e s E i g e n t 11 in“, das des Keren Hajessod: ,,.M e h r G h a 1 u z i m, nt e h r B e v ö 1 k e r 11 n g“. Durch diese beiden Fonds wird ein Samen in das Erdreich gesenkt, der hundertfache Ernte bringen wird. Wir sind noch lange nicht am Endpunkt unseres Weges. Die staatsbaueude Kraft des Zionismus wächst nicht durch Manifestationen, sondern durch methodisches konstruktives Schaffen in Landwirtschaft und Industrie, in der Bildung des Charakters, in der. Entwicklung der eigenen Sprache. Wir glauben den Propheten Israels, die eine klare Vision der- Dingo hatten, dio in unseren Tagen in Palästina vor den Augen der ganzen Welt vor sich gehen. Wir glauben, daß trotz des Elends unserer Zeit unser Volk den Bau seiner Heimat, der von den Chowewe Zion in noch ungünstigeren Zeiten und unter schwereren Bedingungen beginnen wurde, beenden wird. Israel ist das älteste und, durch sein Wiederaufbauwerk, gleichzeitig auch Tis jüngste der zivilisierten Völker. Vor 100 Jahren stand Israel mit gesenkten Blicken und MontessorDSomm^ (Rituelle Küchej Kirchberg am Wechsel Geöt'iiieüusMitte September Nimmt noch einige Kinder Nachsaisonpreise! Anfragon: Alice Frei.stadt-Ledcrer Villa Waidmannsrast gebogenem Rücken, ein wandernder Jude, in der ganzen Welt entrechtet, da. ILutfe steht Israel wie ein stolzer Arbeiter mit gehobenem Kopf, e i n P Ionier der Z i v i- 1 i s a t i 0 11 i in O riet) t. Dieser neue Palästina-Jude denkt gar nicht daran, die Arab e r o d e r i r g e 11 d j e tu a lt d u 11 d e r e u z u b e h e r r s c h e n. Er ist ein freier Mensch, er denkt, redet und handelt für sich, genießt die Früchte eigener Arbeit und eigenen Geistes, geht den Geheimnissen derzeit und der Natur auf den Grund und ruft nach Gerechtigkeit nur dann, wenn sein Recht angegriffen wird. Wir wollen diesem großen Kongreß die herzlichen Wünsche auf Erfolg seiner Arbeit aussprechen. Basel stellt in unserer Geschichte als ein Turm-Wegweiser; möge Luzern der L e u c h 11 u r m sein unserer Zukunft. Ich erkläre deu XIX. z i 0 n i s t isehen Kongreß für eröffnet. Die Lage des jüdischen Volkes und der Zionismus Der zweite Teil der Eröffnungssitzung des XIX. Zionietenkongresses in Luzern — nach der Eröffnungsrede Sokolows als Präsidenten der Z. O. und den verschiedenen Begrüßungsansprachen — war von dem großen Referat Sokolows, „Die Lage des jüdischen Volkes und der Zionismus“, aiisgefüllt. Mit dieser Rede setzte Sokolow die Tradition der ersten Kongresse fort, auf denen Max Nordau einen Überblick über die Lage der Juden aller Länder gab. Die Juden in Deutschland Im Vordergrund des Interesses, sagte Sokolow, steht immer noch die schwerbedrängte Judenheit in D e u t s c h 1 a n d, wo der Kampf gegen die Juden nicht im Zurückweichen, sondern im Vordringen ist. Deutschland ist der Hauptherd der antisemitischen Bewegung. Die Juden sind dort ein Spielball der Gesetzgebung und von Zeit zu Zeit aucli der Pöbelexzesse geworden. Die Fundamente des jahrtauscndalton deutschen Judentums sind wie durch ein E r d- Radioaktivste Therme der Welt 1000 Meter Ober dem Meer Aller Komfort Thermalbäder Mäßige Preise Restaurant ruhige, produktive und systematische Arbeit erworben. bringend*.; Wir versiic Arbeit des bton auch diu segen- Kereu Kajemellr zu bebe n erschüttert. Es liegt uns der Gedanke absolut fern, den Zionistenkongreß mit deutscher, französischer, englischer oder irgend einer fremdnationalen Politik zu beschäftigen. Der Zionismus denkt nicht daran, als solcher zu der internationalen Politik Stellung zu nehmen. Die Güter, um die der Zionismus ringt, sind von ewigdauerndem und darum viel zu hohem Werte, als daß sie als Einsatz beim Würfelspiel einer f r e m d e n Tagespolitik zur Erzielung eines vorübergehenden Vorteiles mißbraucht werden dürften, Die Inhalte unserer Bewegung müssen blank gehalten und nicht als Waffe in politischen Kämpfen zwischen verschiedenen Staaten benutzt werden. Wir hätten also gar keine Veranlassung, uns auf einem Zionistenkongreß mit dem, was man Nazismus nennt, zu befassen. In Verbindung mit der Lage in Deutschland interessieren uns hier nur zwei Momente apolitischer Natur. Das erste ist der ersehnte Weltlriede, und das zweite ist; der K r i e g, d e ti d e r den t s e h e A rt t i s e m i t i s m u s g. e g e n die J u d e 4 Deutschlands mi d ( gegen das Judentum der Welt führ t. Kein Volk' auf Erden hat mehr als das jüdische unter den Greueln des Krieges gelitten. Wir haben, besonders In Osteuropa, Furchtbares erlebt. Das alte Europa liegt in Trümmern. Wir stehen an der Schwelle einer neuen Epoche der Menschheit. Dieses neue Zeitalter kann ein besseres werden und muß ein besseres werden, wenn die Gutgesinnten aller Völker es wollen und dafür arbeiten, in der Überzeugung, daß der Gedanke des Friedens und der Verständigung siegen muß, wenn Europa nicht untergehen soll. Wie steht es nun mit diesem Frieden? Die alte Phrase „si vis pacem, para bellum“ ist eine Lüge; die richtige Formel ist; „si vis pacem para pacem“. Wir Juden erwarten einen Fried endergegonseitigon Duldung der versc hiedoncnRassen und der religiösen Eim t r a c h t. Die Völker sollen nicht nur dar« auf bedacht sein, selbst zu loben, sondern auch aridere iu und neben ihrem Lande leben zu lassen. Beschützet doch zunächst durch deu Frieden, der in dieser sündigen und schmerzensreichen Welt in Worten überall ausgerufen wird, das Recht der Men« schon auf ihr Loben, Ihre Arbeit, ihro Ehrel Dio Lage des jüdischen Volkes in Deutschland ist der Maßstab füc deu Frieden, mit dem die ehrenwerten Friedensstifter der letzten Poriode die Welt beglückt zu haben glauben. Diese Lage ist auch zugleich ein Maßstab für die Moral und die Gesittung, die Bildung und die Humanität, welche unsere Generation gewonnen zu haben sich anmaßt. Wir sind überzeugt, daß unsere Brüder int Deutschland deutsche Patrioten sind, wie auch dio Juden Englands, Frankreichs, Amerikas usw. Patrioten ihrer Länder sind. Und doch sind die gauzo Initiative, Erfindungsgabe, Organisationskunst, Verwaltung«- Richtigkeit, Forschuugsgejst und Kombiuatiensvermögen der Vertreter einer hochgebildeten, mächtigen Nation von 00 Millionen ausschließlich auf die Strategie 0 i n 0 s II PENSION LANDAU" orlh. “IS?3 Balatonszäszö Erzsöbet - Park (Amerika, Kanada Villen). In der nächsten Nähe vom Plattensee bei der Station. Sehr schöne Zimmer mit Blkk auf den See. Ebener Park. Erstklassige Klicke, exakte Bedienung. Vor- und Nachsaison 5 Pengö. Hauptsaison von 6 Pengö aufwärts. 084001000200

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.